Statistisches Bundesamt Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2020 um 15,5 Prozent gesunken

Unternehmensinsolvenzen 2020
2020 wurde laut Statistischem Bundesamt die niedrigste Zahl von Unternehmensinsolvenzen seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999 gemeldet. © Adobe Stock/Syda Productions

Trotz Coronakrise ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im Jahr 2020 gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Demnach meldeten die Amtsgerichte 15.841 Firmeninsolvenzen – 15,5 Prozent weniger als 2019. Worauf das zurückzuführen ist und wie die Lage im Gastgewerbe ist.
Die befürchtete Welle von Unternehmenspleiten ist im Corona-Jahr 2020 ausgeblieben. Die Zahl der Firmenzusammenbrüche sank vielmehr auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete. Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen schlug sich laut Destatis nicht in den Zahlen nieder, vor allem weil die Pflicht, einen Insolvenzantrag zu stellen, in der Coronakrise ausgesetzt wurde. Ob in diesem Jahr eine Pleitewelle droht, ist umstritten.

Sondereffekte der Coronakrise auf das Jahresergebnis 2020

Die deutschen Amtsgerichte meldeten im vergangenen Jahr 15.841 Firmenpleiten. Das waren 15,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die bereits seit Oktober 2020 wieder geltende Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen wirkte sich nach Angaben der Statistiker unter anderem aufgrund der Bearbeitungszeit der Gerichte bislang nur leicht aus. Für überschuldete Firmen war die Pflicht bis Ende Dezember 2020 ausgesetzt. Dies gilt weiter bis Ende April für jene Unternehmen, bei denen die Auszahlung der seit dem 1. November vorgesehenen staatlichen Hilfeleistungen noch aussteht.

Insolvenzanträge im Gastgewerbe

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im Jahr 2020 im Baugewerbe mit 2.500 Fällen (2019: 3.044). Unternehmen des Wirtschaftsbereichs Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) stellten 2.466 Insolvenzanträge (2019: 3 166). Im Gastgewerbe wurden 1.775 (2019: 2.156) Insolvenzanträge gemeldet. 
Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen beliefen sich im Jahr 2020 auf knapp 44,1 Milliarden Euro. 2019 hatten sie noch bei rund 26,8 Milliarden Euro gelegen. Dieser Anstieg der Forderungen trotz rückläufiger Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass 2020 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt haben als 2019.

Neue Entwicklung bei eröffneten Regelinsolvenzverfahren

Bei der vorläufigen Zahl der eröffneten Regelinsolvenzen im Februar 2021 deutet sich nach Angaben von Destatis eine erneute Richtungsänderung an: Im Jahr 2020 zeigte sich eine stetig sinkende Zahl eröffneter Regelinsolvenzverfahren, bis sich im November (+5 Prozent) und Dezember (+18 Prozent) eine Trendumkehr abzeichnete. Diese Entwicklung wurde mit der vorläufigen Zahl für den Januar 2021 unterbrochen, als die Zahl der Verfahren um fünf Prozent gegenüber Dezember sank und damit 34 Prozent niedriger als im Januar 2020 lag. Im Februar 2021 stieg die Zahl der Regelinsolvenzen nun wieder deutlich um 30 Prozent gegenüber Januar, lag aber immer noch um 11 Prozent niedriger als im Februar 2020.
Die vorläufigen Angaben zu den eröffneten Regelinsolvenzen veröffentlicht das Statistische Bundesamt seit dem Berichtsmonat März 2020, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie frühzeitig abzubilden.

Ausweitung des Kurzarbeitergelds und Finanzhilfen

Nach Einschätzung des Verbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) entlasten auch die Ausweitung des Kurzarbeitergelds, staatliche Finanzhilfen und der Vollstreckungsstopp von Finanzbehörden und Krankenkassen die Unternehmen. "Mit einer Änderung der politischen Rahmenbedingungen wird im Wahljahr 2021 erst mit Aufnahme der politischen Arbeit durch den neugewählten Bundestag und damit erst zum Jahreswechsel 2021/2022 zu rechnen sein", sagte der VID-Vorsitzende Christoph Niering. Bis dahin dürften sich die Insolvenzzahlen weiter auf niedrigem Niveau befinden.

Widersprüchliche Prognosen

Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet vorerst ebenfalls nicht mit einer Pleitewelle - auch dank staatlicher Hilfen. In diesem Jahr werde die Zahl der Firmenzusammenbrüche lediglich um sechs Prozent steigen und damit weiterhin deutlich unter dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019 bleiben, prognostizierten die Experten jüngst.
Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform und das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sagten in einer gemeinsamen Untersuchung dagegen kürzlich für die zweite Hälfte dieses Jahres einen "signifikanten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen" voraus. Auch die Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel rechnet noch in diesem Jahr mit einer Insolvenzwelle in Deutschland. Die Zahl der Firmenpleiten könne sich gegenüber 2020 mehr als verdoppeln. Insgesamt 35.500 Firmeninsolvenzen seien möglich. mit dpa