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StartHotel+TechnikDigitale AnwendungenSprachsteuerung für Hotels:: Licht aus auf Zuruf

Sprachsteuerung für Hotels Licht aus auf Zuruf

Sprachsteuerungssysteme wie Alexa oder Siri haben längst in zahlreichen Privathaushalten Einzug gehalten, in der Hotellerie schreitet ihre Verbreitung noch zögerlich voran. Hemmschuh ist der Datenschutz. Neue Protagonisten könnten das bald ändern.

Die Koncept Hotels mit Sitz in Leverkusen sind für ihren hohen Digitalisierungsgrad bekannt, und doch: Sprachgesteuerte Serviceleistungen gibt es dort (noch) nicht. „Wir hatten überlegt, das in unserem Haus in der Schweiz einzuführen“, erklärt Geschäftsführer Martin Stockburger, „aber aus Datenschutzgründen haben wir dann doch darauf verzichtet.“

Das ist vermutlich das gewichtigste Argument gegen den Einsatz von Sprachsteuerungssystemen oder sogenannter Smartspeaker, die direkt mit dem Internet verbunden sind. Denn sie wären durchaus in der Lage, die Daten der Umgebungsgeräusche oder Unterhaltungen auszuwerten. Ein anderer ist, dass dieser Service bisher noch von den wenigsten Gästen erwartet wird.

Sprachsteuerung und Datenschutz

In den vergangenen Jahren haben einige Anbieter Sprachsteuerung für die Hotellerie vorgestellt. Marriott ging 2018 beispielsweise einen Deal mit Amazon ein, und der Hotel-IT-Spezialist Betterspace aus Ilmenau präsentierte 2019 eine Sprachsteuerung auf der digitalen Gästemappe, hat dies aber inzwischen wieder eingestellt. „Nach sehr viel negativer Presse über Amazon und Alexa und die damit verbundene Unvereinbarkeit mit den in Deutschland geltenden Datenschutzbestimmungen wurde vor drei Jahren eine Risikoabschätzung des Projektes vorgenommen und wir haben uns von diesem Thema verabschiedet. Es wurde also nicht weiter daran gearbeitet oder geforscht. Deutschland ist aufgrund der DSGVO aktuell nicht der richtige Markt für die Sprachsteuerung im Hotel“, erklärt Betterspace Marketingleiterin Katrin Sitter.

Auch Suitepad hält sich diesbezüglich zurück: „Wir bei Suitepad haben uns ganz bewusst gegen Amazon Echo und Echo Dot entschieden“, schreibt Suitepad-Mitbegründer Moritz von Petersdorff-Campen auf der Unternehmenswebsite. „Es gibt nach Einschätzung von Datenschutzexperten noch zu viele und vor allem zu gravierende, datenschutzrechtliche Bedenken.“

Eine Sprachsteuerung, die den Gästen das Leben im Hotel erleichtert, ohne dass ihre Daten das Haus verlassen, ist das System „Aragon“ des in Valbonne in Südfrankreich ansässigen Unternehmens ProKNX. Es hat seinen Schwerpunkt in der Gebäudeautomation und präsentiert eine Gerätelösung, die ohne Cloudanbindung für die Gebäudetechnik arbeitet. „Mit Aragon wird alles direkt im Zimmer ausgewertet und umgesetzt“, erläutert Mitinhaber und Diplomingenieur Christian Kiefel. Zudem funktioniere die Einrichtung des Systems einfach und schnell, da keine Abhängigkeit von Konten oder externen Mechanismen bestehe. Um die Kommunikation mit anderen zu steuernden Teilnehmern im Haus zu ermöglichen, wird „Aragon“ zwar auch in das Netzwerk eingebunden, benötigt dabei jedoch keine Internetverbindung. Es arbeitet offline und überträgt somit auch keine Daten in die Cloud. Die Sprache wird nur im Gerät – also im Chip – verarbeitet.

„Aragon“ im Einsatz

Zwei Versionen sind verfügbar: „Aragon PoE“ ist ein KI-basierendes Offline-Sprachsteuerungsgerät, das sogar in eine Schalterdose passt und damit unauffällig zum Schalterdesign passend integriert werden kann. „Aragon WL“ ist ein WLAN-fähiges Tischgerät. Die Geräte arbeiten per „Plug & Talk“ mit diversen Smarthome-Systemen zusammen, darunter KNX-Server oder Gateways wie Philips „Hue“. Weiterhin werden das Audiosystem Sonos und bestimmte Smart-TVs bedient, ganz ohne Konfigurationsaufwand.

Nutzen die Gäste „Aragon“, können sie auf Zuruf im Hotelzimmer beispielsweise Lichter ein- und ausschalten, Markisen schließen oder die Heizung regulieren. Auch Zimmer- und Reinigungsservice lassen sich bestellen. Zudem steht die Abfrage von Datum und Uhrzeit oder die Konfiguration eines Wecksignals zur Verfügung. Der Hospitality-Modus umfasst auch eine “Do-not-disturb“-Funktion sowie auf Wunsch Recherchen für Restaurants oder Sehenswürdigkeiten. In einem humorvollen Youtube-Video mit dem Titel „Ein Münchner im (cloudfreien) Himmel“ stellt Kiefel die Leistungen von „Aragon“ vor, indem er einen Bayrisch sprechenden Hotelgast mimt.

„Hey Snips, …“

Im Privatbereich ist „Aragon“ laut Unternehmen bereits bewährt. Der Wortschatz der Lösung entsteht durch die Zusammenarbeit mit Sonos/Snips. Das heißt, die User rufen nicht nach Alexa oder Siri, sondern „Hey Snips, …“. „Ich denke, wir werden bis zur Messe Light+Building im Oktober eine Version zur Verfügung stellen können, in der man dann auch einen anderen Namen einsetzen kann“, sagt Kiefel.

Aragon lässt sich in der Decke oder in der Wand einbauen. Im Gegensatz zu anderen Smartspeakern können die Gäste das Produkt so weder aus dem Raum entfernen noch aus Versehen initialisieren. Bei Bedarf ist es möglich, eine Sprachnachricht in einem Raum zu spielen, zum Beispiel, wie man bei einem Feueralarm vorgehen soll.

Aktuell werden die Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch unterstützt. Spanisch ist in Vorbereitung. Eine Testphase mit „Aragon“ läuft derzeit in einem Hotelzimmer in Wien.

Susanne Stauß

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