Wellness Spa-Praxis-Check: 4 Quick Wins aus dem Spa Camp 2025

Starkes Netzwerk: Spa- und Wellness-Experten aus dem DACH-Raum vor dem Hausberg Hohe Munde des Interalpen Hotel Tyrol.
Starkes Netzwerk: Spa- und Wellness-Experten aus dem DACH-Raum vor dem Hausberg Hohe Munde des Interalpen Hotel Tyrol. © SpaCamp/Lukas Geu

Spannende Diskussionen, ehrliche Einblicke und spürbare Gemeinschaft: Beim 16. Spa Camp ging es nicht nur um Themen wie Future Spa und Wirtschaftlichkeit, sondern auch um das, was das Format ausmacht – voneinander lernen, sich inspirieren lassen und Zukunft gestalten.

Mit Panoramablick über die Tiroler Bergwelt traf sich die Spa‑ und Wellness‑Community Mitte Oktober für drei Tage im Interalpen Hotel Tyrol. Unter dem Motto „High Spirits – Deep Diving auf 1.300 Meter“ kamen rund 190 Fach- und Führungskräfte aus der DACH‑Region beim Spa Camp zusammen, um aktuelle Themen zu diskutieren, voneinander zu lernen und sich inspirieren zu lassen. Der Auftakt mit den Krüner Alphornbläsern und einem humorvollen Kurs mit Jodellehrer Thomas Reitsamer sorgte sofort für Gemeinschaftsgefühl und gute Energie.

Wie immer stand der offene Austausch im Fokus: 16 Sessions, darunter Impuls-Vorträge und Diskussionsrunden, griffen die derzeit relevantesten Branchenthemen auf – von Wirtschaftlichkeit über KI und Longevity bis zur Gen Z. Besonders gefragt war der Vortrag „Wirtschaftlichkeit im Spa 2.0“ von Gesine Ponto und Mary‑Ann Kühn, die zeigten, wie klare Kennzahlen Effizienz und Ertrag steigern können. Für emotionale Momente sorgte die Keynote der österreichischen Ex‑Profifußballerin Viktoria Schnaderbeck, die eindrucksvoll über Rückschläge, mentale Stärke und ihren ganz persönlichen Erfolgsweg sprach – und dafür minutenlangen Applaus erhielt.

Neben inspirierenden Learnings kam auch das Gemeinschaftserlebnis nicht zu kurz: Pilates, Indoor Cycling, meditative und Alpaka‑Wanderungen sowie ein abendliches Dinner mit anschließender Party stärkten den „High Spirits“-Gedanken. Veranstalter Wolfgang Falkner und sein Team freuten sich zugleich über ein ausgebuchtes 16. Barcamp und das starke Miteinander der Community. Nachfolgend stellen wir vier Sessions samt ihrer Erkenntnisse vor.

#1: Klar kalkuliert zum Spa-Erfolg

Gesine Ponto (links) und Mary-Ann Kühn.
Gesine Ponto (links) und Mary-Ann Kühn. - © Spa Camp/Lukas Geu

Gefühl und Intuition sind das eine, doch nur Zahlen helfen, den wirtschaftlichen Puls des Spas zu verstehen. Gesine Ponto von Ciere – Spa Management und Mary‑Ann Kühn, Director Spa bei DSR Hotel Holding, zeigten in ihrer Session „Wirtschaftlichkeit im Spa 2.0“, wie ein Betrieb analytisch geführt wird und verborgene Potenziale genutzt werden können. Wirtschaftlicher Erfolg, so ihr Credo, sei kein Zufall: Wer seine Zielgruppe klar kenne, könne Angebot, Preisstruktur und Kapazitäten gezielt steuern. Schlüsselkennzahlen (KPIs) liefern die ­entscheidenden Hinweise: Die optimale Capture Rate liegt bei zehn bis 15 Prozent, die Retail Conversion bei zehn Prozent, die Webshop‑Rate bei 30 Prozent, die Therapeutenauslastung bei 75 Prozent. Der anzustrebende Tagesumsatz pro Gast sind rund zwölf Euro. Werden Zielwerte verfehlt, sei das nach Meinung der Referentinnen ein Signal zur Optimierung. Preisgestaltung, Upselling und digitale Verkaufskanäle seien die Hebel für mehr Rentabilität und nachhaltige Spa‑Erfolge.

#2: Blick nach vorn: Das Spa von morgen

Dagmar Rizzato.
Dagmar Rizzato. - © Spa Camp/Lukas Geu

Was ist die Zukunft des Spa? Für Dagmar Rizzato, Inhaberin von Rizzato Spa Consulting, ist klar: Es gehe nicht um „höher, schneller, weiter“, sondern um Authentizität und Glaubwürdigkeit. In ihrem Impulsvortrag „Future Spa Options“ betonte sie, dass Erfolg nur dann entstehe, wenn man sein Haus genau kenne und wisse, wofür es stehe. Aus dieser Haltung ließen sich glaubwürdige Angebote entwickeln.

Spa-Konzepte müssen nach Ansicht von Dagmar Rizzato ganzheitlich wirken – von der Rezeption bis zum Housekeeping: „Wenn alle Abteilungen dieselbe Vision teilen, entsteht eine Identität, die der Gast spürt“, so die Referentin. Dabei sei Beziehung die wahre Stärke von Hospitality: gelebte Verbindung zwischen Team, Gast und Marke. Führung müsse Mitarbeitende daher befähigen, diese Haltung erlebbar zu machen. Auf dieser Basis entstünden „Magic Moments“, die begeistern und bleiben. Authentizität werde zum Schlüssel, um Gäste emotional zu erreichen – und ein Spa dauerhaft zu positionieren.

#3: Vom Wohlfühlort zum gesunden Lebensstil

Sven Huckenbeck.
Sven Huckenbeck. - © Spa Camp/Lukas Geu

Gesundheit ist längst mehr als ein medizinisches Thema – Gesundheit ist zu einer Lebensvision geworden. Immer mehr Menschen sehnen sich nach einem gesünderen, bewussteren Lebensstil. Doch das Gesundheitssystem kann diesem Wunsch nur begrenzt gerecht werden. Genau hier sieht Sven Huckenbeck, University of Salutology sowie Huckenbeck Holistic Health, eine Chance für die Wellnesshotellerie. Dort komme man dem Gast besonders nah und könne präventive Gesundheit direkt vermitteln.

In seinem Impulsvortrag „Wellness zwischen KI und ROI? Verkaufen wir Gesundheitserlebnisse, Longevity-Claims oder nur Betten mit Sauna & Pool?“ zeigte Huckenbeck, wie sich die Wellnessbranche zwischen Künstlicher Intelligenz und wirtschaftlicher Effizienz positionieren kann. Das Ziel sei, Gesundheitserlebnisse individueller zu gestalten und die Gästezufriedenheit zu steigern. Die Grundlage bildet laut Huckenbeck das salutogenetische Prinzip: Der Fokus liegt auf der Entstehung von Gesundheit, nicht auf der Vermeidung von Krankheit. Spa-Teams könnten hier mit qualifiziertem Infotainment echte Wissensvermittlung leisten, so Huckenbeck. Zukunftspotenzial sieht er in Kooperationen mit Versicherungen, etwa über ein „Gesundheitskonto“, das präventive Angebote honoriert. Wer Longevity-Kompetenz, moderne Technologien und Wirtschaftlichkeit verbinde, mache das Spa zum Akteur im Gesundheitsökosystem von morgen.

#4: Junge Kunden gewinnen

Katharina Kniepeiss.
Katharina Kniepeiss. - © Spa Camp/Lukas Geu

Wie begeistert man junge Menschen für Spa und Wellness? Katharina Kniepeiss, Manager of Marketing & Sales bei Temprastones, hinterfragte in ihrer Diskussions-Session „Gen Z im Spa – zwischen Selfcare, Social Media & Stressbewältigung“, wie die junge Generation denkt, fühlt und konsumiert. Denn sie unterscheidet sich von vorherigen Generationen: Authentizität, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft sind der jungen Zielgruppe wichtiger als Luxus und Status.

Neben natürlicher Kosmetik und Nachhaltigkeit interessieren sich junge Erwachsene für Selfcare, mentale Balance, Biohacking und den „Sober-Lifestyle“. Die Zukunft für Spas liegt laut Kniepeiss in altersgerechten Angeboten: von preisgünstigeren Micro‑Treatments über Workshops zu Hautpflege oder Ernährung bis hin zu Events. Entscheidend sei zudem, glaubwürdige Influencer und geschulte Spa‑Teams einzubinden, die auf Augenhöhe kommunizieren. Die Gen Z will mitgestalten – und ist bereit, ihren eigenen Begriff von Wellness zu leben.