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Start People & Brands Sonnenhotels-Projektleiterin Ulrike Laudan im Interview: „Barrierefreie Angebote sind kein Hexenwerk“

Sonnenhotels-Projektleiterin Ulrike Laudan im Interview„Barrierefreie Angebote sind kein Hexenwerk“

Seit Oktober 2020 tragen fünf der 104 Zimmer und Suiten im Sonnenhotel Weingut Römmert im fränkischen Volkach das Zertifikat „Barrierefreiheit geprüft“ von „Reisen für Alle“. Und auch während der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach barrierefreien Zimmern noch einmal gestiegen. Ulrike Laudan, die bei den Sonnenhotels für das Projektmanagement zuständig ist, spricht im Interview über ein barrierefreies Denken und einfache Umsetzungsmöglichkeiten.

Tophotel: Frau Laudan, das Sonnenhotel Weingut Römmert hat im September 2019 als kompletter Neubau eröffnet. Was wurde jetzt für die Zertifizierung im Haus baulich geändert?

Ulrike Laudan: Um ehrlich zu sein: Nichts. Wir hatten bei der Konzeption des Neubaus bereits auf viel Großzügigkeit in den öffentlichen Bereichen geachtet und die Türen, Gänge und Aufzüge barrierefrei geplant. Alle Zimmer verfügen über ebenerdige Duschen. Zudem haben wir vier Tagungsbereiche bereits beim Bau barrierefrei realisiert, und die benachbarte Weinwelt ist ebenfalls barrierefrei. Im Nachgang ergänzten wir in den Zimmern noch einzelne Ausstattungen, wie in den Bädern mobile Haltegriffe oder Duschhocker. Ein Zimmer wurde durch ‘Reisen für Alle’ nun als Rollstuhlfahrer-geeignet zertifiziert und vier weitere zusätzlich für Menschen mit Gehbehinderung. Außerdem haben wir die Zusammenarbeit mit einem Pflegedienstleister vor Ort begonnen, den wir bei Bedarf hinzubuchen. Mit diesen Angeboten sind wir im Sonnenhotel Weingut Römmert perfekt und ausreichend barrierefrei aufgestellt – und wir sind und bleiben ein modernes Vier-Sterne-Hotel für Geschäftsreisende, Tagungsgäste und für kurz- oder längerreisende Urlauber in allen Lebenssituationen.

Worum geht es heutzutage bei barrierefreien Hotelangeboten, abseits von üblichen schwellenlosen Eingängen?

Es geht um Individualität, darum, dass man beim Thema Barrierefreiheit nicht nur an Rollstuhlfahrer denkt oder an notwendige Abmessungen. Viele Menschen sind heute aus diversen Gründen in ihrer Mobilität eingeschränkt und wollen trotzdem mobil sein und reisen. Es geht darum, ihnen und ihren Angehörigen zuzuhören und sie schon beim Reisewunsch mit ihren Fragen abzuholen – sowohl auf der Sonnenhotels-Website als auch im Vorgespräch, um für Sicherheit und Vertrauen zu sorgen, gerade in Corona-Zeiten. Und es geht darum, das richtige Maß zu finden: Wir hätten im Sonnenhotel Weingut Römmert noch mehr Zimmer barrierefrei gestalten können, aber das Angebot ist nun ausreichend. Das haben uns die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt. Es braucht im Hotel nicht den Umfang eines komplett barrierenfreien Angebots, es müssen auch nicht zu viele technische Details für jede Art von Einschränkung vorhanden sein. Viel wichtiger ist die Leichtigkeit, mit der wir alle Gäste betreuen und ihr Urlaubserlebnis in den Vordergrund rücken. Die Mitarbeiter vor Ort sind das Bindeglied. Das ist mir auch beim Besuch im Sonnenhotel Weingut Römmert im September wieder auf schöne Weise bewusst geworden – als ich auf der Terrasse mit Weinbergblick saß und sah, mit welcher Leichtigkeit hier die Gästegruppen miteinander ins Gespräch kamen. Barrierefreie Angebote sind in der Hotellerie wirklich kein Hexenwerk, wenn man die richtigen Prioritäten setzt.

In welchen Sonnenhotels gibt es ebenfalls barrierefreie Angebote? Konnten Sie in diesem Sommer eine verstärkte Nachfrage feststellen?

Alle unsere Häuser waren in diesem Sommer gut gebucht, auch die Nachfrage nach barrierefreien Angeboten hat spürbar angezogen. Im Sonnenhotel Amtsheide in Bad Bevensen planen wir zum Beispiel auch Angebote für demenzkranke Menschen und wollen hier bei der Mitarbeiterschulung mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft zusammenarbeiten. Weitere barrierefreie Angebote haben wir bereits im Sonnenhotel Feldberg am See in Mecklenburg-Vorpommern mit drei Zimmern für Menschen mit Gehbeeinträchtigung sowie im Sonnenresort Ettershaus in Bad Harzburg mit zwei rollstuhlgerechten Zimmern und demnächst mit einem Pflegedienstpartner vor Ort. Auch im Ettershaus, das sich an einem Hang befindet und viele denkmalgeschützte Elemente enthält, hatte ich übrigens zuerst gedacht, dass barrierefreie Angebote baulich nicht umsetzbar sind. Von dieser Schere im Kopf muss man sich lösen.

Sie kommen aus der Hotellerie, sind Touristikfachwirtin, haben bei der TUI im Bereich Qualitäts- und Krisenmanagement gearbeitet und beschäftigen sich nun als Projektverantwortliche seit über sechs Jahren mit dem Thema barrierefreies Reisen. Eine große Entwicklung, die man auch selbst vollzieht, oder?

Ja, unbedingt, und es war ein langer Weg. Das Thema hatte mich bereits persönlich beschäftigt, weil ich lange meine Mutter gepflegt habe. Die Gründer der Sonnenhotels, Familie Dörschel, hatten selbst einen Pflegefall in der Familie, und es wuchs der Wunsch bei ihnen, Urlaubsangebote für alle Lebensumstände zu schaffen. Als ich als zuständige Projektleiterin 2014 anfing, hatte ich selbst noch zu stark die Brille als Hotelier und als nicht-mobilitätseingeschränkte Person auf. Viel hat mir bei den Hausplanungen auch die Architektin Ursula Fuss vor Augen geführt, die selbst im Rollstuhl sitzt. Inzwischen bin ich selbst zertifizierte Erheberin für ‘Reisen für Alle’ und weiß bei jedem neuen Hotelprojekt, worauf wir von vornherein achten müssen.

Sie arbeiten inzwischen mit einem großen Netzwerk zusammen. Welche weiteren Pläne haben die Sonnenhotels beim Thema „Urlaub für alle“?

Wir sind im regelmäßigen Austausch mit Initiativen von Bund und Ländern, kooperieren intensiv mit dem Verein Reisemaulwurf und dem Initiator André Scholz und arbeiten mit Reiseveranstaltern wie Runa Reisen zusammen. Über die Jahre haben wir uns einen Namen gemacht, stehen für Qualität im Bereich ‘Barrierefreies Reisen’ und ‘Reisen für alle’. Wahrscheinlich veranstalten wir 2021 mit Partnern auch eine Tagung zum Thema. In unseren weiteren Hotel-Projektplanungen werden wir das Thema Barrierefreiheit immer ganz selbstverständlich inkludieren. Denn darin steckt noch so viel Musik.

Fünf der 104 Zimmer und Suiten im Sonnenhotel Weingut Römmert im fränkischen Volkach tragen das Zertifikat „Barrierefreiheit geprüft“. (Foto: Sonnenhotels)

Über die Sonnenhotels

Die Sonnenhotels sind in Deutschland und Österreichs zu finden. Zurzeit gehören elf Drei- bis Vier-Sterne-Häuser zur Sonnenhotels-Gruppe, die sowohl für Familien als auch Tagungsveranstalter eine Adresse sind. Manche verfügen über besondere Angebote wie Baumhäuser oder bewohnbare Weinfässer. Gäste jeglichen Alters werden mit Herzlichkeit empfangen. Einzigartig ist der Fokus auf umfassende Barrierefreiheit, die in ausgewählten Häusern der Sonnenhotels mit zahlreichen weiteren Maßnahmen für Menschen mit Handicap umgesetzt wird und so Urlaub für alle garantiert.

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