Private Living Sonnenalp: Module mit Mountain View

Reduziertes Interior in Erdtönen lenkt in den Naturlodges der Sonnenalp den Blick bewusst in die Natur.
Reduziertes Interior in Erdtönen lenkt in den Naturlodges der Sonnenalp den Blick bewusst in die Natur. © Günter Standl/Sonnenalp Resort

Das Fünfsternehaus im Allgäu hat sein Angebot um fünf modular gefertigte Naturlodges erweitert. Die vorproduzierten Einheiten verbinden reduzierte Architektur mit der bestehenden Hotelinfrastruktur.

Die Sonnenalp ist ein Haus mit Geschichte. 2019 feierte die Familie Fäßler das 100-jährige Bestehen – doch wer hier an Stillstand denkt, irrt. Mit dem neuen Hofgut und den fünf freistehenden Naturlodges ist eine Erweiterung entstanden, die baulich neue Wege geht. Die Lodges verantwortet die fünfte Generation um Jakob Fäßler, entwickelt wurden sie im engen Austausch mit der gesamten Familie. Sie sind kein eigenständiger Betrieb, sondern Teil des Resorts – strategisch angebunden, konzeptionell jedoch eigenständig gedacht.

Die Idee reicht weit zurück. „Vor 15 Jahren haben wir für den Bereich, auf dem sie heute stehen, bereits eine Baugenehmigung beantragt“, berichtet Jakob Fäßler. Geplant waren damals drei große Chalets mit mehreren Einheiten. Die Genehmigung wurde immer wieder verlängert – bis eine Entscheidung anstand: bauen oder verfallen lassen. Gebaut wurde – jedoch deutlich kleiner: „Das wäre sonst auch finanziell ein ganz anderer Aufwand gewesen“, so Fäßler.

Statt großvolumiger Chalets entschied sich die Familie für ein reduziertes Konzept: fünf kompakte Naturlodges mit 28 beziehungsweise 43 Quadratmetern. Fündig wurde sie bei einem Modulbau-Anbieter aus Frankreich – mit den sogenannten Lumipods mit markanter Rundverglasung. „Meine Eltern haben die Lumipods gesehen und gesagt: Das wäre eine schöne Alternative. Kleine, besondere Rückzugsorte mit einem ganz neuen Raumgefühl.“

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    Clever angeordnet: Die Lodges stehen auf einer rund 2.000 Quadratmeter großen Anhöhe. Die Begrünung soll wachsen und für mehr Privatsphäre sorgen.
    © Günter Standl/Sonnenalp Resort
    Clever angeordnet: Die Lodges stehen auf einer rund 2.000 Quadratmeter großen Anhöhe. Die Begrünung soll wachsen und für mehr Privatsphäre sorgen.
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    Reduziertes Interior in Erdtönen lenkt in den Naturlodges der Sonnenalp den Blick bewusst in die Natur.
    © Günter Standl/Sonnenalp Resort
    Reduziertes Interior in Erdtönen lenkt in den Naturlodges der Sonnenalp den Blick bewusst in die Natur.
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    Natursauna mit Whirlpool auf dem Dach – Rückzugsort mit unverbautem Bergblick.
    © Günter Standl/Sonnenalp Resort
    Natursauna mit Whirlpool auf dem Dach – Rückzugsort mit unverbautem Bergblick.
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    Private Spa: Der Relaxpool ist den Gästen der Lodges vorbehalten.
    © Günter Standl/Sonnenalp Resort
    Private Spa: Der Relaxpool ist den Gästen der Lodges vorbehalten.

Runde Glasfronten lassen Innen und Außen verschmelzen

Die heutigen Lodges stehen als Solitäre auf einer rund 2.000 Quadratmeter großen Anhöhe mit freiem Blick auf die Allgäuer Berge. Etwa die Hälfte jeder Einheit besteht aus Glas. „Wenn ich die Lodges betrete, fühlt es sich nicht an, als würde ich einen Raum mit vielen Wänden betreten, sondern als würde ich direkt in die Natur hinausgehen. Innen und außen verschmelzen“, beschreibt Innenarchitektin Monika Hüttig das Raumgefühl.

Das Gestaltungskonzept bleibt bewusst reduziert: Erdtöne, Holz, Leder, weiche Textilien. „Es geht nicht darum, einen aufregenden Raum zu schaffen, sondern einen Naturraum mit viel Atmosphäre“, so Hüttig. Trotz der vorgegebenen Grundform wurden Raumaufteilung, Materialien und Möblierung individuell auf die Handschrift der Sonnenalp abgestimmt. Auch die Fassade ist keine Serienlösung: Die Wahl fiel auf thermisch behandeltes Fichtenholz. Die Wärmebehandlung macht das heimische Material langlebiger, formstabiler und widerstandsfähiger gegenüber Witterungseinflüssen.

Anlieferung der Module per Schwerlasttransporter

Die Lodges wurden im Werk in Frankreich vorgefertigt und als nahezu fertige Module geliefert. Jede Einheit besteht aus zwei großen Bauteilen. „Normalerweise muss man auf einer Baustelle viele Gewerke koordinieren. Wenn eines nicht rechtzeitig fertig wird, verschiebt sich alles“, sagt Nikola Rademacher, Marketingleitung des Resorts. Bei den Naturlodges blieb diese klassische Schnittstellenproblematik weitgehend aus.

Planung, Fertigung und Montage erfolgten über einen zentralen Ansprechpartner. Die Anlieferung im Allgäu war dennoch spektakulär. Schwerlasttransporter mit Polizeibegleitung brachten die überdimensionalen Module ins Dorf. Im Nachbarort warteten die Lkw, bis die Straße gesperrt war. Ein Spezialkran hob die jeweils zwei Hälften in Position. „Das fertige Produkt da einfliegen zu sehen, war schon ein Erlebnis“, erinnert sich Fäßler. Ein Team des Herstellers fügte die Module vor Ort zusammen – nach wenigen Tagen standen die fertigen Einheiten. Die eigentliche Bauzeit betrug rund neun Monate – allerdings nahezu vollständig im Werk.

Auch beim Fundament wurde ein ungewöhnlicher Weg gewählt. Die Lodges stehen nicht auf klassischen Betonplatten. Der Untergrund wurde geschottert, darauf ein tragendes Gittersystem installiert. Die Module ruhen auf dieser Konstruktion, wodurch die Bodenverdichtung gering bleibt. Ein vollständiger Rückbau wäre möglich, ohne das Ökosystem massiv zu beeinträchtigen. Die Modellierung des Geländes war dennoch anspruchsvoll. Jede Lodge sollte freien Bergblick bieten und zugleich uneinsehbar sein – kein leichtes Unterfangen, da rund die Hälfte jeder Einheit verglast ist.

„Mit dem Material, das wir an dem Hang hatten, konnten wir das Gelände anpassen“, sagt Nikola Rademacher. Unterstützt von einem Landschaftsarchitekten sowie einem regionalen Landschaftsbauer und den hoteleigenen Gärtnern wurde das Terrain neu geformt. 3D-Modelle halfen dabei, Sichtachsen und Sonneneinstrahlung über das Jahr hinweg zu simulieren und zu prüfen, ob Ausblick sowie Privatsphäre wie geplant funktionieren. Die 3D-Visualisierung entstand in enger Abstimmung zwischen Außenarchitekt und Innenarchitektin.

Das Team spricht schon von der „Little Sonnenalp“

Neben der langlebigen Holzfassade tragen hochleistungsfähige Fensterflächen zur Energieeffizienz bei. Die 180-Grad-Rundverglasung ist isoliert und ermöglicht ganzjähriges Wohnen. Die kompakte Bauweise trägt dazu bei, den Energiebedarf zu senken. Dass Fertigung und Montage aus einer Hand kommen, reduziert Schnittstellen und damit mögliche Abstimmungsfehler – ein Punkt, der im Gespräch mit den Beteiligten der verschiedenen Gewerke als einer der zentralen Vorteile des Projekts hervorgehoben wurde. Weniger Schnittstellen bedeuten weniger Koordinationsaufwand und geringere Nacharbeiten.

Preislich bewegen sich die Naturlodges mit rund 800 bis 1.200 Euro pro Nacht auf Junior-Suite-Niveau. Die Distanz von zwei Gehminuten zum Haupthaus sieht Fäßler nicht als Nachteil: „Für Menschen aus der Stadt, die einfach mal abschalten wollen, gibt es doch nichts Schöneres, als in so einer Naturlodge zu schlafen. Das holt einen total ab, man kommt richtig runter“, ist Fäßler überzeugt.

Gäste sollen hier ein hohes Maß an Privatsphäre genießen – inklusive eigenem Spa-Bereich – und gleichzeitig von der Infrastruktur des Hotels mit seinen Restaurants profitieren. Als Zielgruppe sehen die Fäßlers Paare, Wochenendurlauber und Gäste, die das Resort zunächst in kompakter Form erleben möchten. Intern spricht das Team bereits von der „Little Sonnenalp“.

Die Naturlodges markieren die erste echte Resort-Erweiterung außerhalb des Bestands. Für die fünfte Generation der Sonnenalp ist das Projekt ein bewusster Schritt: klein im Volumen, aber klar in der Haltung. Oder wie Jakob Fäßler es zusammenfasst: „Es ist ein neues Wohngefühl – reduzierter, freier, im eigenen Rhythmus. Und trotzdem bleibt man in der Sonnenalp.“