Mitten in den Dünen verbindet das Silt & Sand lässige Beach-Atmosphäre mit Design. Es ist das dritte Haus der Hiive Experience Hotels und hat eine wundersame Verwandlung hinter sich.
Silt & Sand – der Name klingt nach Strand, Freiheit und nach dem richtigen Mix aus Entspannung und Abenteuer. Das englische Wort Silt, auf Deutsch „Schlick“, spielt dabei auf die Lage des Hotels an: auf der Insel Langeoog, mitten im Wattenmeer, einem Unesco Weltnaturerbe. Allerdings bedeutete genau diese touristische Vorzugslage auf der autofreien Insel so einige Herausforderungen.
Bis auf den Rohbau entkernt
Eigentlich hätte der Abriss des Bestandsgebäudes, in dem schon zuvor ein Hotel beheimatet war, nahegelegen. „Es handelte sich um eine Betonfertigteilbauweise im Standard der 70er-Jahre“, berichtet Lisa Onnen. Sie ist Geschäftsführerin des Projektkoordinators Kubus Immobilien und gleichzeitig Mitgründerin der Hotelgruppe Hiive, die das Haus nun betreibt. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in Oldenburg und bereits die Eröffnungen der Hotels Hiive in Oldenburg (2023) und Noord in Carolinensiel (2024) gemeinsam realisiert. Die Hiive Experience Hotels folgen der Vision, die Region Nord-West touristisch weiterzuentwickeln und mit jeweils hochwertiger Ausstattung und regional angepassten Konzepten Touristen eine authentische Heimat auf Zeit zu bieten.
Für das neue Silt & Sand wurde das Gebäude mit seinen drei Vollgeschossen bis auf den Rohbau entkernt. Der komplette Bauschutt sowie sämtliche Baumaterialien mussten mit der Inselspedition und Fährschiffen zum beziehungsweise vom Festland transportiert werden. Der Grundriss wurde den Anforderungen und Möglichkeiten angepasst. Beispielsweise wurde an zentraler Stelle ein Lichthof eingeschnitten, der mehr Helligkeit und Sichtverbindungen in die Flurbereiche bringt.
Mit dem Silt & Sand ist eine moderne und entsprechend dem KfW55-Standard nachhaltige Ferienimmobilie entstanden, die sich atmosphärisch in die Landschaft einfügt. Von der Wasserseite aus schauen nur das Staffelgeschoss, das ebenfalls bis auf die Tragstrukturen abgebrochen wurde, und ein kleinerer Teil des Grundkörpers aus den Dünen heraus. „Zentrale Entwurfsidee war, ein großes Dach zu schaffen, das die Gebäudeteile zusammenfasst und schützend überspannt, ähnlich der traditionelleren Bauweise vor Ort“, erläutert Alexis Angelis, geschäftsführender Gesellschafter des Architekturbüros Angelis + Partner aus Oldenburg. Das Dach, eine Konstruktion aus Stahl und Holz, sei unregelmäßig gefaltet und begrünt worden, damit es sich harmonisch in die Landschaft fügt.
Meerblick aus allen 73 Zimmern
Die Fassade ist geprägt von hellen, handgeformten dänischen Ziegeln (Verblendsteinfassade) sowie weißen Balkonen und Fensterrahmen – eine moderne Hommage an die klassische Inselarchitektur Norddeutschlands. „Die bestehenden Balkonstrukturen wurden integriert und in Form von Loggien ausgebildet“, so Angelis, und weiter: „In Bereichen ohne Balkone wurden Balkonanlagen aus Stahl vorgestellt.“ Bodentiefe Fensteröffnungen tragen dazu bei, die geringe Deckenhöhe des Bestandsbaus vergessen zu lassen. Zugleich ermöglichen die Fenster den Gästen aus 73 Suiten und Zimmern allesamt beste Sicht – entweder über das Meer oder über die Insel.
Neon-Orange trifft Meeresblau
Das lässige Beachhotel ist als Rückzugsort konzipiert und zielt auf Entspannung und Wohlfühlen ab. Sieben Zimmerkategorien und entsprechende Raumzuschnitte sollen sicherstellen, dass Reisende – ob Paare, Familien oder Freunde – ihr passendes Feriendomizil finden. Das Spektrum reicht vom barrierefreien Doppelzimmer „Classy“ mit 28 Quadratmetern Fläche bis zur Suite „Penthouse View“. Diese ist so exklusiv, dass es nur eine gibt. Die Suite misst 73 Quadratmeter, liegt in der obersten Etage und bietet zwei Schlafzimmer sowie einen großzügigen Wohnbereich. Alle Zimmer sind mit übergroßen Boxspringbetten von Tréca Paris, Eichenholzparkett, Smart TV, Regenduschen, Haartrockner von Ghd, Safe und Garderobe ausgestattet. Die größeren Wohneinheiten verfügen zusätzlich über Kaffeemaschine und Marshall Bluetooth Speaker, teilweise sogar einen kleinen Kühlschrank und Badewanne.
„Zentrale Entwurfsidee war, ein großes Dach zu schaffen, das alle Gebäudeteile überspannt.“
Alexis Angelis, Architekt
Das Design lebt von natürlichen Materialien, feinen Texturen und maßgefertigten Holzarbeiten. So entsteht eine Atmosphäre, die entspannt und inspiriert. Tiefes Blau, das an das Meer erinnert, trifft auf helle Töne von Seekiefernholz. Neonorange, inspiriert von Bojen und Kuttern, bringt frische Kontraste ins Spiel. Farbintensive, grafisch klare Kunstwerke, eigens für das Hotel entworfen, greifen Formen und Zeichen aus der Welt der Seefahrt auf.
Gastronomie für die ganze Insel
Herzstück und Treffpunkt des Silt & Sand ist das Bistro „Salty“. Dort prägt ein lässiger Beach-Look den Raum. Helle, wellenförmige Stoffsegel an einer abgehängten Holzkonstruktion unter der Decke sorgen für wohnliche Atmosphäre und verbessern die Akustik. Blau-weiß gemusterte Bodenfliesen und helle Rattanstühle treffen auf meergrüne Fliesen hinter der Bar. Farbige Pendelleuchten von Louis Poulsen setzen verspielte Akzente. Design-Fans entdecken im Haus außerdem Möbel und Leuchten von Bolia, Cuero und Muuto.
Das Salty richtet sich an Haus- und externe Gäste. Und das ganztags – vom vielfältigen Frühstück über leichten Lunch, Kaffee und Kuchen am Nachmittag bis hin zum Abendessen mit regionalen und saisonalen Gerichten. In unmittelbarer Nähe des Hotels arbeiten Hiive und seine Partner gerade daran, das gastronomische Angebot der Insel zusätzlich zu bereichern. Wie das Silt & Sand soll auch die Traditionsgaststätte „Seekrug“ komplett renoviert und mit einem modernen Konzept wiederbelebt werden.
Ergänzt wird das Hotelangebot um den 200 Quadratmeter großen Wellnessbereich „Wellbee“ mit Sauna, Sanarium und Ruheraum. Zu diesem Areal gehört ein Außenbereich mit Dusche und Liegeflächen. In diesem Zusammenhang ist abschließend die Außenterrasse direkt an der Düne zu erwähnen, bestuhlt und mit Tischen von Pedrali.
Fazit: Das Silt & Sand ist kein Leuchtturmprojekt im eigentlichen Sinne. Und doch sendet es ein Signal: Dass auch touristische Architektur leise auftreten, präzise gestaltet und zugleich ganz nah an der Umgebung sein kann.
Steckbrief Silt & Sand
- Eröffnung: 1. April 2025
- Betreiber: Hiive Hotels Group
- Gesamtkoordination des Projekts: Kubus Immobilien, Oldenburg
- Immobilienentwicklung: Nordfund Gruppe, Oldenburg
- Gebäudeplanung: HS-Architekten, Hamburg
- Innenausbau: Kuiter Werkstätten für Innenausbau, Thuine; MB Holzdesign, Garrel
- Interior Design: Angelis & Partner, Oldenburg
- Ausstatter: unter anderem Bolia, Duravit, Grohe, Louis Poulsen, Marazzi, Muuto, Pedrali, Tonone, Tréca Paris, XAL
- Zimmer/Suiten: 73
- Zimmerpreise: ab 141 Euro/Nacht
- Zimmergrößen: 28 bis 73 Quadratmeter
>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 7-8/2025 erschienen.
