Hoteltest Freizeit In Göttingen Sieger im Service

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Seit 1992 fühlt Tophotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche auf den Zahn. Standen bislang ausschließlich Hotels der Luxuskategorie im Fokus der Tester, erweitert Tophotel ab sofort seine Mystery Checks auf das Business- bzw. Wellness-Segment. Diesmal: Freizeit In Göttingen.

Lage / Anfahrt

Als idyllisch lässt sich die Lage des Freizeit In beim besten Willen nicht beschreiben, so mitten in einem Gewerbegebiet und in unmittelbarer Nähe zur Autobahn. Aber für Businessreisende hat das Hotel den nicht zu unterschätzenden Vorteil der schnellen Erreichbarkeit – sowohl mit dem Auto (zwei Minuten zu / von der A7) als auch mit dem Zug (zehn Minuten Fahrzeit zum / vom ICE Bahnhof Göttingen). Ein kostenloser Shuttle vom und zum Bahnhof hilft zudem, Reise-kosten zu sparen. Auch zu den umliegenden Flughäfen in Hannover, Paderborn und Frankfurt wird ein – kostenpflichtiger – Shuttle angeboten. Parkplätze stehen vor dem Hotel in ausreichender Zahl zur Verfügung und liegen preislich mit 7 Euro pro 24 Stunden im Rahmen. Wer im Winter kein Eis kratzen oder auf Nummer sicher gehen will, kann auch eine Garage anmieten.
Wertung: sehr gut

Internetauftritt

Ganz schön bunt hier – auf der Startseite der Freizeit-In-Homepage. Übersichtlichkeit sieht anders aus. Zu viele Menüpunkte, wechselnde Fotos und mehrere Interaktionsmodule machen es schwer, sich schnell zurechtzufinden. Der Menüpunkt »Tagungen« hält lediglich eine Beschreibung der Räumlichkeiten und ein PDF bereit, auf dem Fitness- und Wellnessangebote stehen, die sich mit den Tagungspauschalen kombinieren lassen. Wer detailliertere Informationen wie Bestuhlungspläne oder die Tagungspauschalen braucht, muss sich per E-Mail-»Rückrufformular« oder telefonisch an eine der namentlich und mit Durchwahl genannten Ansprechpartnerinnen wenden.

Die Onlinebuchung funktioniert unkompliziert, es irritiert allerdings, dass die Bezeichnung der buchbaren Zimmerkategorien nicht identisch ist mit der, die auf der Homepage verwendet wird. Eine E-Mail-Bestätigung erfolgt umgehend. Sehr positiv: Eine Woche vor Anreise erhält jeder Gast, der online gebucht hat, eine E-Mail vom Hotelempfang, in der nach möglichen Wünschen während des Aufenthaltes gefragt wird – etwa Spa-Anwendungen, eine Tischreservierung oder eine Tageszeitung.
Wertung: befriedigend

Telefonische Buchung

Die telefonische Zimmerbuchung verläuft so, wie es sein sollte: ohne Hast und ungestört. Am anderen Ende der Leitung habe ich eine kompetente und freundliche Ansprechpartnerin. Frau D. erkundigt sich, ob ich das Hotel schon kenne und nimmt sich die Zeit, es mir kurz, aber prägnant vorzustellen. Sie bietet mir zwei Zimmerkate­gorien an und beschreibt diese ansprechend. Die genannten Preise entsprechen für das angefragte Datum denen von HRS und liegen jeweils sechs Euro über den Onlinebestpreisen.

Einziges Manko im Reservierungsgespräch: Die Frage nach der voraussichtlichen Anreisezeit, die eine garantierte Buchung nötig machen könnte, unterbleibt. Dafür erweist sich Frau D. als geschult im Zusatzverkauf und empfiehlt eine Tischreservierung ebenso wie die Terminvereinbarung für eine eventuell gewünschte Spa-Behandlung. Die sympathisch wirkende Mitarbeiterin bedankt sich am Ende des Gesprächs und wünscht mir eine gute Anreise. Nach 17 Minuten trifft die Bestätigungsmail ein; sie enthält nun auch die Frage nach der Anreisezeit. Das versprochene PDF-Dokument mit den Beauty- und Massageangeboten ist angehängt.
Wertung: sehr gut

Anreise

Ein kastenförmiges Hochhaus, Tennishallen, flache Zweckbauten und große Parkflächen – den Preis für die ansprechendste Hotelarchitektur würde das Freizeit In wohl nicht gewinnen. Aber die Anlage macht einen gepflegten Eindruck, nur die blauen Mülltonnen bei den Parkplätzen wirken unschön. Der volle Standascher vor dem Hoteleingang und der hässliche Abfalleimer im Windfang stören ebenfalls das Bild. In diesem Umfeld wirkt der schick in einen schwarz-grauen Gehrock gekleidete und überaus distinguiert agierende Portier wie einer Fernsehserie entsprungen und beinahe exotisch. Er begrüßt mich höflich und bietet mir Hilfe mit dem Gepäck an.
Wertung: gut

Check-in

Um die Rezeption zu erreichen, muss ich zunächst die ihr vorgebaute, weitläufige Orangerie durchqueren. Schon von Weitem lächelt mir Frau D. entgegen. Die stellvertretende Empfangsleiterin heißt mich herzlich willkommen, erkundigt sich aufmerksam nach meiner Anreise und macht auch in der Folge alles richtig – beinahe. So stehen zwar Gläser und Mineralwasserflaschen auf dem Tresen, doch wird mir nicht ausdrücklich ein Begrüßungsgetränk angeboten. Außerdem gibt mir Frau D. zwar einen kurzen Überblick über die Angebote des Hauses, nennt aber nicht die Öffnungszeiten des Wellnessbereiches und vergisst am Schluss, mir den versprochenen Mitarbeiter »mit auf den Weg zu geben«. Aber ich werde wiederholt mit Namen angesprochen, mein Zimmer ist wie erbeten schon um 12:00 Uhr fertig und eine für mich eingetroffene Nachricht wird mir korrekt in einem verschlossenen Umschlag überreicht.
Wertung: sehr gut

Zimmer 327

Das von mir gebuchte Zimmer gehört zur Kategorie »Comfort Neo« (online: »Superior«) und kostet 123 Euro inklusive Frühstück. Der ers-te Eindruck ist außerordentlich positiv: viel Platz, ein ansprechendes, modernes Ambiente in Wohlfühlfarben, auf dem Sideboard steht eine weiße Orchidee. Es gibt ausreichend Stauraum im Kleiderschrank, genügend Ablageflächen und eine Kofferablage, die diesen Namen auch verdient. Warum allerdings der Schreibtisch trotz des vorhandenen Platzes so klein ausfällt (130 x 55 cm), bleibt das Geheimnis des Innenarchitekten. Immerhin sind die Prospekte, die normalerweise die Arbeitsfläche belegen, in einem Ständer auf einem Wandregal verstaut. Der Fernseher hängt in komfortabler Größe als Flachbildschirm an der Wand.

Während die Beleuchtung des Raumes insgesamt angenehm ist und sich auch zum Lesen im Bett eignet, steht auf dem Schreibtisch ein Lämpchen, das kaum sein direktes Umfeld erhellt und hinter einem aufgeklappten Laptop gänzlich verschwindet. Steckdosen und Netzwerkkabel sind hinter einer Klappe versteckt; die Verbindung funktioniert tadellos und ist zudem kostenfrei. Die beiden Polsterstühle sind entgegen ihrer Optik bequem und ihre Höhe zum Schreibtisch angenehm. In den Zimmersafe passt auch ein Laptop.

Es gibt zwar keine Klimaanlage, der Heizkörper jedoch lässt sich gut temperieren. »Gäste A-Z« und Infokanal sind kompakt, aber informativ gestaltet, beim Roomservice kann ich aus der gleichen Karte wählen wie im Restaurant. Kostenloses Mineralwasser steht nicht bereit, dafür enthält die Minibar ein vielfältiges Sortiment. Allerdings ist der halbe Liter »Staatl. Fachingen« mit 4,20 Euro nicht gerade preiswert. Und wenn schon drei Flaschen Coca-Cola, könnte man zumindest auch eine Cola Light oder Cola Zero anbieten. Bei den Gläsern scheint man auf Hotelrestbestände zurückgegriffen zu haben – sechs verschiedene Varianten tummeln sich auf dem kleinen Plastiktablett.

Das Zimmer präsentiert sich bei meiner Anreise hervorragend gereinigt – nur der etwas modrige Geruch wie von faulendem Obst trübt den überaus positiven Gesamteindruck. Zudem sind auf dem Telefonhörer noch Make-up-Spuren einer Vorbenutzerin. Ansonsten jedoch: alles tipptopp.
Wertung: gut

Das Bad

Des Bades müsste sich auch ein Fünf-Sterne-Hotel nicht schämen. Geräumig, mit begehbarer Dusche und separater Badewanne, Designerwaschtisch und – höchst dekorativ – einem wandfüllenden Mohnblumenfoto hinter Glas. Es gibt nur wenig zu beanstanden – etwa die Beleuchtung, die ausschließlich aus Downlights besteht. Wer wegen der Schattenbildung zum Rasieren oder Schminken den Kosmetikspiegel zu Hilfe nimmt, kommt nicht viel weiter – da dieser nicht beleuchtet ist, liegt eine Hälfte des Gesichts auch hier im Dunkeln und man muss außerdem aufpassen, dass man nicht mit dem direkt nebenan hängenden Haartrockner kollidiert. An der Badewanne wäre ein Haltegriff nützlich und in der Dusche fehlt – wie in den meisten Hotels – eine Seifenablage für vom Gast mitgebrachte Kosmetika. Apropos Dusche – leider schließt die Tür nicht richtig und mein ausgiebiges Duschbad unter der Regenbrause verursacht eine mittlere Überschwemmung. Gut, dass genug Handtücher bereit liegen. Ein Bademantel pro Gast ist übrigens ebenso vorhanden und es gibt normale Steckdosen. Anstelle eines Abfalleimers hängt hinter einer Klappe ein Plastikbeutel, was nicht nur dürftig aussieht, sondern bei der Entsorgung schwererer Abfallartikel zu Halterungsproblemen führt. Die Zahnputzgläser zieren einige Fingerabdrücke, aber sonst ist alles einwandfrei sauber. Als ob sie dies bestätigen wollten, schwimmen zwei hübsche gelbe Blümchen in der Toilettenschüssel.
Wertung: sehr gut

Housekeeping

Die Damen des Housekeepings wirken im Gegensatz zu ihren Etagenwagen adrett, grüßen freundlich und sind hilfsbereit. Eine angefragte Fusselbürste erhalte ich innerhalb von fünf Minuten; ein Hemd wird nach 20 Minuten gebügelt zurückgebracht und nicht berechnet. Eine der Hausdamen zeigt mir auf meine Bitte hin zuvorkommend einige Zimmer anderer Kategorien.
Wertung: sehr gut

Sicherheit

In puncto Sicherheit werden alle geprüften Kriterien erfüllt: Im Zimmer hängt ein übersichtlicher Fluchtwegeplan, die Feuerlöscher tragen aktuelle Prüfsiegel, alle Fluchtwege sind gut beschildert, beleuchtet und frei zugänglich. Die Zimmerlisten auf den Etagenwagen sind nicht mit Gästenamen versehen. Als ich an der Rezeption nach einer neuen Zimmerkarte frage, bietet mir die Rezeptionistin stattdessen an, mich zu begleiten und mir die Zimmertür zu öffnen, um die vergessene Karte zu holen.
Wertung: ausgezeichnet

Frontoffice

An der Dienstleistungsqualität des Frontoffice gibt es absolut nichts auszusetzen. Ob am Telefon oder persönlich am Empfang – stets treffe ich auf nette, hilfsbereite und kundige Mitarbeiter. Eine Auskunft wird ebenso schnell eingeholt wie man mir kariertes Schreibpapier aufs Zimmer bringt. Als ich beim Zugang zum Internet vermeintlich versage, wird mir ein technisch versierter Bankettmitarbeiter aufs Zimmer geschickt, der alles ruckzuck regelt. Alle Rezeptionisten haben ein gepflegtes Äußeres und tragen Namensschilder.

Wer als Gast keinen Laptop dabei hat, findet in der Lobby des Tagungsbereiches eine Office Corner mit zwei PCs, Drucker und kostenlosem Internetzugang.
Wertung: ausgezeichnet

Öffentliche Bereiche

Die öffentlichen Bereiche des Hotels werden gut gereinigt und instand gehalten. Lediglich die Glasdächer der Orangerie und des Wintergartens sind naturgemäß und witterungsbedingt verschmutzt. Außerdem sehen einige Sitzpolster in der Orangerie angeschmuddelt aus und auf den Teppichen liegen Krümel. In den Treppenhäusern ist abends nur jede zweite Leuchte angeschaltet, was etwas duster wirkt. Die Toiletten in der Lobby werden mit Checkliste gepflegt und sind bei jedem meiner Besuche in einwandfreiem Zustand. Eine nette Idee: In den Kabinen hängen Zeitschriften.
Wertung: sehr gut

Orangerie

Das unterscheidet gute von sehr guten Mitarbeitern: Am Nachmittag trinke ich in der Orangerie einen Kaffee und lehne den angebotenen Kuchen mit dem Hinweis ab, mir die Kalorien lieber für das Abendessen aufzusparen. Wenig später kehrt die aufmerksame Servicekraft zurück und erkundigt sich freundlich, ob ich vielleicht einen Tisch für den Abend bestellen wolle – man sei nämlich bereits gut gebucht.
Wertung: sehr aufmerksam

»Restaurant Orangerie«

Ganz schön bunt hier – denke ich erneut, als ich von meinem Tisch aus in den hohen Glas-pavillon der »Orangerie« blicke. Da gibt es grün angestrahlte Palmenkronen und hellblaue Lichterketten. Nostalgische Kandelaber erhellen einen plätschernden Brunnen und den Rest der mediterran gestalteten Szenerie. Selbst in einer Art Gartenlaube sitzend, von Holzgittern mit künstlichem Efeu umrankt, kann ich durch den Wintergarten beobachten, wie schwitzende Menschen im Fitnessstudio das Gegenteil von dem tun, was ich gerade vorhabe – sie bauen Fett ab.

Die Speisekarte bietet einen akzeptablen Querschnitt deutscher, italienischer und asiatischer Küche, sodass jeder etwas nach seinem Gusto findet. Erhalten habe ich sie umgehend von der Restaurantleiterin, nachdem mich diese begrüßt und zu meinem Platz gebracht hat. Sie nennt mir auch die Tagesempfehlung und nimmt meine Aperitifbestellung entgegen. Nicht nur ich bin allerdings unglücklich, als statt des Sektes, den ich mit der Zusatzanforderung »unbedingt stark perlend« orderte, eine leblose Flüssigkeit in dem mir servierten Glas vor sich hindümpelt. Auch Frau W., die mich betreuende Servicekraft, ist untröstlich, entschuldigt sich vielmals und bringt mir umgehend das Gewünschte in einwandfreier Qualität. Nicht so schnell austauschen lässt sich die Tischdecke, die, passend zur mehrfach durchlöcherten Serviette, eine einzelne Perforation an der mir zugewandten Seite aufweist.

Ansonsten ist der Tisch ordentlich eingedeckt und ich erhalte nach meiner Bestellung ein Steakmesser für das georderte Rinderfilet. Überhaupt gibt sich Frau W. sehr viel Mühe, den Fauxpas mit dem Aperitif wiedergutzumachen. Was ihr gelingt. Die Speisen werden in angenehmer zeitlicher Abfolge serviert, schmutziges Geschirr umgehend abgeräumt, Getränke aufmerksam nachgeschenkt und außerdem erkundigt sich Frau W. regelmäßig nach meinem Befinden und meinen Wünschen.

Was die Qualität der Speisen angeht, bin ich im Großen und Ganzen zufrieden, wenn es auch hier und da im Detail etwas hapert. Sehr schön ist die Auswahl warmer Partybrötchen mit zweierlei Butter, Guacamole und Kräuterquark. Allerdings schmeckt die Guacamole wenig »avocado-ig« und der Kräuterquark könnte ein paar mehr Kräuter vertragen. Das Amuse-Gueule in Form einer Riesengarnele im Lammfiletmantel mit Rotweinjus ist Geschmackssache. Beim Tatar von Graved Lachs mit Gurken-Carpaccio und Wasabicreme haben die Zutaten die Rollen vertauscht: Das Lachs­tatar fällt zu salzig aus; der Wasabicreme fehlt etwas »Schmackes«. Das Rinderfilet wurde perfekt gebraten – gut und günstig die Probierportion: circa 150 Gramm Fleisch für 13 Euro – und auch die Marmelade aus Rotweinschalotten ist sehr gelungen. Schade, dass beim Beilagensalat das Dressing vor Balsamico nur so trieft. Und so gut es gemeint ist: Das Dressing extra zu servieren, bringt nichts – man schüttet entweder zu viel oder zu wenig über den Salat und mischen kann man denselben auf dem Teller auch nicht. Beim Dessert staune ich: Die Crème Brûlée schmeckt zwar nicht schlecht, aber nach Eierlikör.

Alle Speisen sind sehr ansprechend angerichtet und werden auf attraktivem Geschirr serviert. Positiv zu erwähnen ist außerdem die große Auswahl an offenen Weinen (20) zu vernünftigen Preisen zwischen 5,50 und 8 Euro für 0,2 Liter, wobei auch halbe Liter in der Karaffe zu haben sind. Meine Rechnung weist den Sekt nicht aus; ob Absicht oder nicht sei dahingestellt, da ich nicht darauf aufmerksam gemacht werde. Frau W. verabschiedet mich herzlich und wünscht mir noch einen schönen Abend.
Wertung: gut

»Bar Orangerie«

An diesem Abend ist die Bar in der Orangerie kein Tummelplatz kommunikationswütiger Alleinreisender. Immerhin gibt sie dank ihrer zentralen Lage einen guten Beobachtungsposten ab. Die Barkarte enthält trotz ihres etwas ramponierten Erscheinungsbildes eine gute Auswahl der gängigen Getränke; der Cocktail des Tages wird mir mündlich vorgestellt. Die drei gereichten Snacks sind lecker und frisch und werden mit einem Löffel serviert. Der nette Barkeeper erledigt seine Arbeit gut und boniert darüber hinaus meinen Digestif trotz angekündigter Barzahlung ordnungsgemäß.
Wertung: sehr gut

Weckruf

Eine ausgeschlafen klingende Stimme weckt mich am nächsten Morgen pünktlich unter Nennung meines Namens und der Uhrzeit. Als sehr freundliche Geste empfinde ich das Angebot, mir einen Kaffee zum Wachwerden aufs Zimmer zu servieren. Der Weckruf endet mit dem Wunsch für einen schönen Tag.
Wertung: ausgezeichnet

Frühstück

Schon in der Reservierungsbestätigung wird das Frühstück als »reichhaltig« und mit »über 130 frischen Produkten« bestückt angekündigt. Tatsächlich besticht die Speisen- und Getränkeauswahl sowohl quantitativ als auch qualitativ. Zwei Säfte werden frisch gepresst; Sekt und Mineralwasser gibt es ebenso wie laktosefreie Milch, Sojamilch, Kefir und Buttermilch. Der Milchkaffee wird schön schaumig in einer großen Tasse serviert, der Teeliebhaber kann zwischen verschiedenen Tees samt Rohrzucker, Kandis und frischer Zitrone wählen. Schinken, Wurst und Käse gibt es in mannigfacher Sortierung und sehr guter Qualität; bei den warmen Speisen laden neben den üblichen Offerten zartrosa gegarte und fälschlicherweise als »Shrimps« deklarierte Riesengarnelen zum Zugreifen ein. Mein Spiegelei wird an der Frontcooking-Station perfekt zubereitet und mit frischem Schnittlauch angerichtet. Der gesundheitsbewusste Gast kann aus einer Vielzahl von Cerealien, Milchprodukten, frischem Gemüse und Obst wählen; einziger Kritikpunkt ist hier, dass Erdbeeren, Papaya, Heidelbeeren und Melone schöner aussehen, als sie aufgrund ihres mangelnden oder bereits zu weit fortgeschrittenen Reifegrades schmecken. Schön nussig mundet das Birchermüsli, lässt aber geriebenen Apfel und / oder Beeren vermissen. Mit 70 Prozent Fruchtanteil sehr lecker sind die Konfitüren von Veronique Witzigmann. Während das im ganzen Laib angebotene Brot von bester Qualität ist, sind die Croissants und Brötchen allenfalls durchschnittlich. Zudem fallen sie so riesig aus, dass man sich schon mit einem Stück überfordert fühlt.

Der Frühstücksraum namens »Baccara«(!) ist mit roten Rosen dekoriert und entspricht in seiner Anmutung dem etwas altertümlichen Namen. Am Eingang liegen verschiedene Tageszeitungen aus. Ich werde herzlich begrüßt und nach Nennung meiner Zimmernummer zu einem Tisch am Fenster geführt. Dort, neben der Heizung, ist es mollig warm; dennoch halten sich auf der marmornen Fensterbank tapfer einige ältere Wachsflecken. Sieht man von der bereits etwas trüben Glasvase ab, ist der Tisch ordentlich eingedeckt. Die Damen im Service agieren weitgehend aufmerksam, nur das Nachlegen von Besteck vermeiden sie konsequent. Ich werde bei jedem Gang zum Buffet erneut freundlich gegrüßt und schließlich ebenso verabschiedet.
Wertung: sehr gut

Sauna / Fitness

Zum »Vital Spa« gelange ich über einen Bademantelgang, der dank seiner maritimen Gestaltung und einem Meeresrauschen aus dem Lautsprecher Ferienlaune aufkommen lässt. Die weitläufige Sauna- und Badelandschaft erinnert dann aber eher an eine öffentliche Therme als an ein intimes Hotel-Spa. Das verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass die 1100 Mitglieder des Hotel-Fitnessclubs hier Zutritt haben plus die Mitglieder des Tennisclubs plus externe Wellnessgäste. So ist die Anlage am frühen Abend überfüllt, alles hängt und liegt voller Handtücher und Bademäntel – einen Platz auf einer der zwölf Liegen im separaten Ruheraum zu ergattern, ist unmöglich. Das Sauna-Angebot ist gut und vielfältig, allerdings macht nicht alles einen so gepflegten Eindruck wie es sollte. Der Boden des Innen-/Außenbeckens ist nicht sauber und in der Damen-toilette tritt Urin aus der Rohrleitung eines WCs, was sehr unangenehm riecht. Hier ist auch der Abfalleimer überfüllt und in der Öffnung des Ventilators hängen Staubflusen.

Der riesige Fitnessbereich hingegen ist in Bestzustand, die Geräte sind alle funktionstüchtig und von sehr guter Qualität. Ich erhalte kostenfrei Handtücher und Wasser; die Betreuung durch die Trainer ist aufmerksam und zuvorkommend.
Wertung: befriedigend

Massage

Speziell für gestresste Tagungsgäste und Business Traveler wird im »Vital Spa« eine sogenannte »Haki Relax & Stretch Massage« angeboten. Die von einem österreichischen Therapeuten entwickelte Massage löst Verspannungen vor allem im Nacken- und Schulterbereich. Ich werde in dem ruhigen und attraktiv gestalteten Behandlungsbereich ausnehmend freundlich begrüßt und meine Behandlung wird – da ich zu früh bin – vorgezogen. In der verbleibenden Wartezeit zeigt mir der Spa Manager die freien Räume und unterhält sich angeregt mit mir. Die Behandlung selbst ist ein Erlebnis und hält voll und ganz, was ihre Beschreibung verspricht. Für die Massage wird Pfefferminzöl verwendet und vor der Ruhephase ein Tropfen davon auch unter meiner Nase verrieben – für freieres Atmen. Ich hätte das wohlduftende Öl gern schon früher inhaliert, denn das einzig Unangenehme an der Behandlung ist der Atem des ansonsten wunderbar behandelnden Therapeuten, der mich leider nicht in solcher Frische streift. Kein schönes Thema, sicher, aber es muss doch angesprochen werden. Der Preis von 69 Euro für 50 Minuten Treatment ist akzeptabel. Allerdings ist die »Haki Massage« in der Tagungsbroschüre noch mit 59 Euro und in dem Aufsteller im Hotelbadezimmer mit 65 Euro ausgepreist.
Wertung: sehr gut

Bankett

Meine telefonische Bankettanfrage wird von Frau K. beantwortet, einer aufmerksamen und kompetent wirkenden Mitarbeiterin der Verkaufsabteilung. Frau K. übernimmt die Gesprächsführung und fragt sich durch die gängigsten Anforderungen: Teilnehmerzahl, Art der Veranstaltung, benötigte Räume und Zimmer etc. Als sie glaubt, diese soweit ermittelt zu haben, bietet sie mir an, ein entsprechendes Angebot zu erstellen und will zur Aufnahme der Kontaktdaten übergehen.

Was meine restlichen Wünsche angeht, wie zum Beispiel den eines Rahmenprogramms am Abschlussabend, muss ich also selbst die Initiative ergreifen und diesbezüglich nachfragen. Auch versäumt es Frau K., für das Hotel äußerst wichtige Informationen einzuholen, zum Beispiel die Zusammensetzung des Teilnehmerkreises, das Ziel der Veranstaltung und das Top-Kaufmotiv des Kunden – »Was ist das Wichtigste für Sie?«. Dieses Manko und die Tatsache, dass das versprochene Angebot nicht innerhalb von 24 Stunden bei mir eintrifft, führt zu einem nur befriedigenden Ergebnis.
Wertung: befriedigend

Check-out

Meiner Bitte um einen Late-Check-out wird gern und unkompliziert entsprochen. Als ich schließlich abreise, verläuft der Check-out zügig und professionell. Einzig die Frage nach dem Minibarkonsum unterbleibt. Die sehr zuvorkommende Mitarbeiterin erkundigt sich, wie es mir im Haus gefallen habe und drückt ihren Wunsch aus, mich bald wieder begrüßen zu dürfen. Als sie mich freundlich verabschiedet, hat sich der Portier schon meines Gepäckes angenommen. Er fährt mich, angenehm plaudernd, zum Bahnhof und wünscht mir dort eine gute Heimreise und noch einen schönen Tag.
Wertung: sehr gut

Bilanz

Wenn ein Hotel bei Rankings und Auszeichnungen so oft ganz oben auf dem Treppchen steht, dann hat das Gründe. Der Test für Top hotel hat eindrucksvoll bewiesen, wo die Stärken des beliebten Tagungshotels liegen. Sicher freut sich der Gast über das riesige Sport- und Freizeitangebot, sicher schätzen Veranstalter die große Bandbreite an Tagungsmöglichkeiten. Entscheidend, um sich als Vielreisender in einem Hotel wohlzufühlen, sind jedoch die »soften« Faktoren: motivierte, dienstleistungsorientierte Angestellte, die aufmerksam die Wünsche und Belange ihrer Gäste erkennen und sie mit einem Lächeln erfüllen. In allen Abteilungen des Hotels sind solche Mit- arbeiter anzutreffen – Menschen mit einem natürlichen, offenen Wesen, gut geschult und eingeschworen auf eine gastorientierte Einstellung. Dass es – neben kleineren Mängeln in der Gastronomie und in der Pflege des Wellnessbereiches – vor allem beim telefonischen Bankettverkauf haperte, sollte Anlass zu der Erkenntnis sein, dass es auch im wirklich Guten immer noch etwas zu verbessern gibt.

Ergebnis: 88%

Testurteil: sehr gut

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.

Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!