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StartHotel+TechnikSelfmade-Interior-Star Saar Zafrir: "Lieber warm als cool"

Selfmade-Interior-Star Saar Zafrir: "Lieber warm als cool"

Saar Zafrir kreiert gekonnt Hotelzimmer mit der perfekten Balance von Moderne und Behaglichkeit. Mit Hotel+Technik spricht der Selfmade-Interior-Star über aktuelle Projekte, den Reiz individuell gefertigter Möbel aus Europa, Nachhaltigkeit und Preisentwicklungen.

Saar Zafrir arbeitete in der Finanzbranche, bevor er sich in die Innenarchitektur verliebte. 2011 begann er seine Karriere als Designer im Gastgewerbe, vor vier Jahren gründete er sein eigenes Unternehmen Saar Zafrir Design mit Sitz in Amsterdam. Sein Angebot reicht vom Design über die Entwicklung bis hin zu Einkauf und Produktion von Einrichtungsgegenständen. Somit sind rund 90 Prozent des Mobiliars in jedem seiner Projekte maßgefertigt.

Saar Zafrir Design arbeitet in Europa ausschließlich mit Kunden aus Hotellerie und Gastronomie zusammen. Zu den Referen­zen des 45-Jährigen zählen die Gästezim­mer der Hotels Max Brown und Sir Savig­ny in Berlin, das Provocateur in Berlin und das Brown Beach House in Trogir, Kroa­tien. Zwei seiner jüngsten Projekte sind das Remix Hotel in Paris und das Galei Kinneret Hotel in Tiberias, Israel.

Hotel+Technik: Herr Zafrir, seit einigen Jahren machen Sie mit Ihren unkonventionellen und augenzwinkernden Designs in der europäischen Hotellerie Furore. Woher stammen Ihre Ideen?

Saar Zafrir: Ich brenne für die Hotellerie und liebe es, zu reisen, in Hotels zu wohnen und meine Erlebnisse dann in Hotel-Designs umzusetzen. Ich bin auch während der Pandemie, so oft es ging, gereist. Im September letzten Jahres war ich in 13 Ländern, gerade komme ich aus New York zurück. Selbst wenn in meiner Nachbarschaft ein Hotel eröffnet, übernachte ich dort, um mehr Erfahrungen zu machen.

Was ist das Besondere an Ihrem Stil?

Ich möchte warme, gemütliche Plätze schaffen, das Minimalistische ist nicht so mein Ding. Aber wenn ich einen Auftrag für ein minimalistisches Hotel erhalte, dann kombiniere ich einen modernen, coolen Stil mit einer warmen Atmosphäre.

Ihre neueren Hotels sind alle im Vier- und Fünfsternebereich angesiedelt. Liegt darin Ihr Schwerpunkt?

Zu Beginn meiner Laufbahn, als ich ausschließlich für Grand City, heute Aroundtown, arbeitete, habe ich auch Budget-Hotels gestaltet. Grundsätzlich bin ich offen für alle Arten von Hotels, wenn man mir die Freiheit lässt, kreativ zu sein. Ich entwickle aktuell für Marriott das Design für ein 550-Zimmer-Hotel in Brüssel. Es war zuvor ein Sheraton Hotel und wird jetzt ein Haus der Autograph Collection. Das Design wird sehr verspielt werden.

Was ist Ihnen lieber: Die Gestaltung eines Neubaus oder eine Umwandlung?

Ich mag Umwandlungen, Neubauten brauchen sehr viel länger bis zur Fertigstellung.

Können Sie eine Summe nennen, die Investoren für die Neugestaltung eines Hotelzimmers durch Ihr Unternehmen kalkulieren sollten?

Mein Grundsatz lautet, dass die Zimmereinrichtung möglichst nie teurer als 35.000 Euro sein sollte. Inzwischen variiert das je nach Aufwand, Budget und Stil zwischen 15.000 und 40.000 Euro. Mein Motto dabei lautet: das Maximum an Design für das Minimum an Kosten zu schaffen. Dass ich zuvor in der Finanzbranche tätig war, ermöglicht es mir, jedes Projekt von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus zu betrachten und Budget, Ausgaben und Rentabilität erfolgreich zu managen.

Könnten sich die Preise aufgrund der aktuellen Problematiken wie Material-
knappheit und gestörte Lieferketten noch erhöhen?

In der Tat haben sich manche Lieferpreise aufgrund der Pandemie nahezu verdoppelt. Daran kann dann keiner mehr etwas verdienen. Wenn ich 2.000 Euro Aufschlag für eine Containerladung aus China bezahlen muss, die dann auch noch verzögert ankommt, dann frage ich mich natürlich, ob ich diese Waren wirklich brauche. Wir haben unser Business mit China auf Null gefahren und lassen das meiste heute in Europa produzieren.

Das heißt, Sie entwerfen individuelle Möbelstücke und lassen diese dann herstellen?

Ja, 90 Prozent der Möbel in unseren Hotels sind Eigenentwürfe. Wir legen vor allem Wert auf gute Betten. Viele Gäste in den von uns designten Hotels möchten diese dann auch kaufen. Nicht zuletzt deshalb baue ich einen eigenen Möbelhandel auf.

Welche Trends beobachten Sie sonst noch in der Branche?

Vor allem der Personalmangel ist ein großes Problem, weltweit. Deshalb denken wir vermehrt über Optimierungsmöglich­keiten von Hotels nach, mit denen sie Mitarbeitende einsparen können: vom digitalen Check-in bis zu Food-Konzepten. Wir planen für ein weiteres Hotel in Brüssel, das mehr in der Peripherie liegt, ein Food-Konzept, bei dem der Concierge mit geringem Aufwand hochwertige Tiefkühlprodukte für die Gäste zubereiten kann.

Ihre Hotels zeichnen sich durch ein individuelles Storytelling aus. Das Remix zum Beispiel orientiert sich am Alphaville Song „Forever Young“. Wollen Sie diese Idee mit anderen Songs und Hotels multiplizieren?

Genau das hatten wir geplant. Doch wegen Covid-19 wurden die Expansions­plä­ne mit Remix zunächst auf Eis gelegt. Ich hoffe, dass es bald weitergeht und wir eine Remix-Gruppe aufbauen werden.

Wie stehen Sie zum Thema Nachhaltigkeit, zum Beispiel in Form von
Upcycling?

Wir gehen sehr sensibel mit dem Thema Nachhaltigkeit um, in einem unserer Hotels in Brüssel mit 200 Zimmern ist der überwiegende Teil der Einrichtung recycelt. Wir sind auch viel auf Flohmärkten und in Antiquitätengeschäften unterwegs. Ich arbeite außerdem gerade an einem sehr nachhaltigen Hotel mit einer eigenen Wasseraufbereitungsanlage in Costa Rica.

Gibt es bei Zimmergrößen eine Grenze, unter der Sie nicht tätig werden?

Nein, wir mögen auch die Herausforderungen kleiner Zimmer und kleiner Hotels.

Wie viele Mitarbeitenden beschäftigt Ihr Unternehmen?

In unserem Headquarter in Amsterdam sind 20 Mitarbeitende beschäftigt.

Welchen Lebenszyklus hat das Design Ihrer Hotels, wann müssen Sie wieder neu gestaltet werden?

Eigentlich gar nicht, meine Konzepte sind zeitlos. Auch das trägt am Ende zu ihrer Wirtschaftlichkeit bei. | Interview: Susanne Stauß

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