Das neue Gästehaus von Familie Wiesler setzt Maßstäbe im kreislauffähigen Bauen und erfüllt die EU-Taxonomie. Jedes Designelement orientiert sich an der Natur des Schwarzwalds.
Das Seehotel Wiesler im Hochschwarzwald hat mit den neu eröffneten Inara Suites sein Angebot erweitert. Die Unterkunftseinheiten wurden nach Prinzipien des kreislauffähigen Bauens errichtet und erfüllen nach Angaben des Hotels die Anforderungen der EU-Taxonomie.
Vier Suiten mit jeweils 42 bis 48 Quadratmetern Fläche sowie zwei Eigentumswohnungen ergänzen das bestehende Viersterne-Superior-Hotel. Die Gebäude liegen rund 80 Meter vom Haupthaus entfernt und bestehen weitgehend aus Naturmaterialien wie Eichenholz, Massivholzparkett und Schafwolle. Zur Ausstattung gehören unter anderem eine elektronische Raumsteuerung, ein Lüftungssystem und Trinkwasserstationen. Gäste der Inara Suites können alle Angebote des Seehotels mitnutzen, darunter das Restaurant und das Spa.
Materialeffiziente Bauweise
Das Baukonzept wurde vom Startup CircularSkills entwickelt, das von Fabian Wiesler, Schwiegersohn der Betreiberfamilie, gemeinsam mit dem Bauwirtschaftler Peter Bachmann gegründet wurde. Ziel war eine Bauweise, die möglichst klimafreundlich, rückbaubar und materialeffizient ist. „Bei allem, was wir tun, suchen wir den längsten Hebel mit der besten Wirkung auf Klima und Umwelt“, so Wiesler.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen kommen etwa eine vollständig geschraubte Holzkonstruktion, ein neu entwickeltes Dämmsystem, klebefreie Fliesenverlegung und Türen ohne Montageschaum zum Einsatz. Auch beim Energiekonzept wollte sich Wiesler nicht auf Standardlösungen verlassen. Die 380 Quadratmeter Wohnfläche der Inara Suites werden von der kürzlich erweiterten Heizzentrale des Hotels mit Wärme aus Holzhackschnitzeln versorgt. PVT-Module auf dem Dach versorgen das Gebäude gleichzeitig mit Sonnenstrom und Sonnenwärme.

Modellprojekt für EU-Taxonomie-Bewertungssystem
Die Inara Suites dienen auch als Referenzprojekt für ein Bewertungssystem zur Anwendung der EU-Taxonomie im Bausektor. CircularSkills hat nach eigenen Angaben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Materialien und Bauprodukte anhand der EU-Vorgaben vergleichsweise kostengünstig und transparent bewerten lassen.
„Unser TaxonomieScan zeigt auf einen Blick, wie ein Produkt in den Bereichen Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, Klimaneutralität, Sozialstandards und Biodiversität abschneidet“, erklärt Peter Bachmann. Banken wie die Landesbank Baden-Württemberg berücksichtigen derartige Kriterien inzwischen bei der Kreditvergabe – etwa durch Zinsnachlässe für entsprechende Bauprojekte.
Regionale Partner beteiligt
Neben CircularSkills waren am Bau unter anderem das Architekturbüro Ganter aus Freiburg und das Innenarchitekturbüro Arsinteria aus Titisee-Neustadt beteiligt. Die Umsetzung erfolgte durch Handwerksunternehmen aus der Region und etwa zwei Dutzend Produkthersteller. red/nz