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Start Technik & Betrieb Design & Inspiration Schrittweiser Umbau Mandarin Oriental Hotel München: Luxus 4.0

Schrittweiser Umbau Mandarin Oriental Hotel MünchenLuxus 4.0

In den neu gestalteten Zimmern des Mandarin Oriental München ist praktisch alles individuell entworfen und abgestimmt. Das Ergebnis sind Räume, die durch ihre perfekte Gestaltung wahren Luxus bieten. Moderne Biedermeier-Interpretationen und State-of-the-Art-Technik schaffen den Spagat zwischen Grand-Hotellerie und Moderne.

Das Gebäude, in dem sich heute das Mandarin Oriental München befindet, wurde 1880 im Stil der Neorenaissance fertiggestellt. Es diente ursprünglich als Ballhaus für festliche Bälle und Tanzveranstaltungen, in dem unter anderem das Kaim-Orchester spielte – ­jenes Orchester, aus dem 1928 die berühmten Münchner Philharmoniker hervorgingen. Erst Ende der 1980er-Jahre wurde es in ein Hotel umgebaut, das die Mandarin Oriental Hotel Group schließlich im Jahr 2000 übernahm, um hier ihr erstes und bislang einziges Luxushotel in Deutschland zu eröffnen.

Wie die meisten anderen Münchner Fünfsternehotels liegt das Mandarin Oriental zwar mitten im Stadtzentrum, jedoch nicht an einer der lauten Hauptstraßen, sondern in einer ruhigen, schmalen Seitenstraße zur Maximilianstraße. Eine weitere Besonderheit ist, dass das Haus wesentlich höher ist als die Nachbarbebauung, sodass viele der oberen Zimmer – und erst recht die Dachterrasse mit Bar und Pool – einen einzigartigen Blick über die Stadt bis hin zu den Alpen bieten.

Behutsame Kernsanierung

Auf die Neugestaltung von Restaurant, Bar, Lobby und Konferenzbereich im Jahr 2015 folgte letztes Jahr die Kernsanierung und Modernisierung von 71 Zimmern und Suiten sowie der dazugehörenden Hotelflure. Hier wurde von den Elektro- und Sanitärinstallationen über die Bäder bis hin zur losen Möblierung alles erneuert – unverändert blieben allein die Zimmeraufteilungen, der Parkettboden, die Decken und die Einbauschränke.

Lediglich einem Facelift unterzogen wurden hingegen die Panorama- und die Präsidenten-Suite im sechsten Obergeschoss. Sie erhielten ebenfalls komplett neue Bäder sowie neue Wand- und Deckenoberflächen, lose Möbel, Leuchten und Teppiche, während die feste Einrichtung erhalten blieb.

Ziel der für sämtliche Maßnahmen beauftragten Innenarchitekten des Hamburger Büros cm-Design war kein Konzept der Paukenschläge, sondern ein behutsames und sensibles Vorgehen, das zu einem im besten Wortsinn zeitlosen Ergebnis führte.

Zimmerflur als Raumkunstwerk

Die Wandleuchten im Aufzugsvorbereich sind mit dem gleichen Stoff bespannt wie die Steh- und Tischleuchten in den Zimmern. (Bild: Baulink AG)

Gäste, die das Haus nach Jahren zum ersten Mal wieder betreten, werden von den neuesten Umbaumaßnahmen zunächst nichts bemerken. Sobald sie jedoch nach dem Einchecken in ihrem Stockwerk ankommen, begegnen sie jener zurückhaltend eleganten Noblesse, von der die Flure ebenso geprägt sind wie die Zimmer. Der Aufzugsvorbereich präsentiert sich mit Parkettböden, weißen Holz-Kassettentüren mit Messingbeschlägen sowie einem dunklen Holz-Wandmöbel mit lederbezogenen, messingeingefassten Paneelen und blütenartigen Wandleuchten.

Was diesen Bereich auf den ersten Blick besonders macht, sind nicht diese unverkennbaren Insignien eines ehrwürdigen Luxushotels. Es ist vielmehr deren Einbindung in ein ganzheitliches Entwurfskonzept, in dessen Mittelpunkt die neue Bodengestaltung steht.

Sinnliches Zusammenspiel

Feine Lichtakzente, zweifarbige Wände und ein Teppichboden mit geheimnisvollen Schwüngen machen den Zimmerflur zum Raumkunstwerk. (Bild: Baulink AG)

Der eigens entworfene Teppichboden mit sandfarbenem Grundton und unregelmäßigen dunklen Schattierungen zeigt fließende Formen, die in Flurlängsrichtung in verschiedenen Grautönen sanft hin und her mäandern. Dabei entsteht eine Art dynamisches Regelmaß, das von der zufälligen Hängung der Handzeichnungen des Künstlers Peter Riek weiter verstärkt wird. Hinzu kommt eine Beleuchtung, die auf den zweifarbigen, stoffartig strukturierten Vinyltapeten für Zonen unterschiedlich akzentuierter Helligkeit und somit für Spannung sorgt.

Aus diesem sinnlichen Zusammenspiel nur weniger Komponenten resultiert ein in sich ruhendes Raumkontinuum mit erdigwarmen Farben, das auch ein begehbares Kunstwerk sein könnte. Gedanken daran, dass der Flur völlig ohne Tageslicht auskommt, kommen hier gar nicht erst auf.

Biedermeier at its best

Die zwischen klassischer Kultiviertheit und frischer Moderne oszillierende Gestaltung setzt sich nahtlos in den Zimmern fort – allerdings mit deutlich höherer Intensität. Kaum ist die Zimmertür geöffnet, hat man das Gefühl, in eine Welt einzutauchen, die zugleich gediegen und lässig, zurückhaltend und fordernd, kontrastreich und ausgeglichen ist. Unwillkürlich taucht die Frage auf, wie es gelungen ist, diese Gegensätze zu vereinen.

Zunächst einmal verfügen die Zimmer über einige Elemente, die sich ähnlich im Flur finden: die zurückhaltend farbigen Vinyltapeten, die messingeingefassten Spiegel und Garderobenpaneele sowie die Steh- und Tischleuchten, deren Schirme mit dem gleichen feinen Stoff bespannt sind wie die blütenartigen Wandleuchten direkt vor der Zimmertür. All diese Dinge sorgen unbewusst für eine gewisse Vertrautheit.

Die Dachverglasung des Erkerzimmers sorgt in der Turmsuite für eine einzigartige Raumatmosphäre. (Bild: Mandarin Oriental München)

Hinzu kommt das vom Hotelbetreiber vorgegebene Thema „Biedermeier“, das die Innenarchitekten in die Begriffe Naturnähe, Harmonie und Behaglichkeit übersetzten und in den Zimmern mit moderner Frische zur Anwendung brachten. „Stilelemente oder Zitate, deren Wurzeln eindeutig dem Biedermeier zuzuordnen oder von ihm abgeleitet beziehungsweise neu interpretiert wurden, stehen im ausgewogenen Kontrast zu modernen und zeitgemäßen Formen, Materialien und Design“, sagt Ralf Claussen, der cm-Design im Jahr 2000 gemeinsam mit Kathrin Matthiesen gegründet hat. Für ihn ist in diesem Zusammenhang die Beschränkung auf wenige authentische, natürliche Materialien wie Holz, Leder, Messing und Stoff selbstverständlich.

Der Biedermeier-Stil wurde nirgendwo einfach kopiert oder imitiert, sondern diente als Inspirationsquelle. Das lässt sich zum Beispiel am Schreibtisch erläutern. Er verfügt über biedermeiertypisch schlichte geschwungene Beine aus massivem Buchen-Kernholz, während der rechtwinklige obere Teil mit makellos verarbeitetem Furnier der Sorte „indischer Apfelbaum“ die Leichtigkeit eines minimalistisch-modernen Möbels aufweist.

Feine Zierlinien an den Schubladen beziehen sich dabei in ihrem Farbton auf den Stoffbezug des davorstehenden Stuhls. Dieser erscheint ebenso zeitgenössisch und unverkennbar von dieser Epoche inspiriert wie die in den größeren Zimmern am Fußende des Betts platzierten Sitzbänke. Deren graublaue Lederbezüge wiederum bilden eine farbliche Einheit mit den Tabletts, die die Schreibutensilien beherbergen, oder mit dem Betthaupt, das mithilfe dünner vertikaler Messingstreifen gegliedert ist.

Subtile Beziehungen

Größter Blickfang ist aber der handgeknüpfte Teppich, dessen Wechselspiel der fein getufteten Fäden und groben Schlingen an die Dynamik des Flurteppichs anknüpft. All diese subtilen Beziehungen führen dazu, dass alles mit allem in einem engen Verhältnis steht. Den einzigen wohldosierten kraftvollen Farbakzent bilden die in allen Zimmern platzierten türkisgrünen Sessel und Fußhocker.

Türkisgrüne Sessel und Fußhocker bilden in allen Zimmern wohldosierten Farbakzente (Bild: Mandarin Oriental München)

Technisch up to date

Je nach Größe der Zimmer und Suiten sind die Einrichtungskomponenten nach dem Prinzip eines Baukastensystems unterschiedlich arrangiert. Dass dabei kein plattes Retro-Gefühl entsteht, liegt nicht zuletzt an einigen technischen Features, die ihrer Zeit mitunter sogar voraus sind.

Beispielsweise erlauben die Oberflächen der Nachttischchen das kabellose Laden von Smartphones – erkennbar sind die Ladezonen an einem in die Furniere gravierten Ladesymbol. Eine weitere Besonderheit sind die in einem Großteil der Zimmer versteckt untergebrachten Tee- und Kaffeebars, die sich unter einer nach oben öffnenden, mit graublauem Leder bezogenen Haube befinden.

Gläser, Tassen und Besteck befinden sich gleich darunter in Schubladen, ebenso wie ein ausziehbarer Minibar-Kühlschrank – eine Lösung, die den Gästen den Blick auf offen herumliegende Kaffeekapseln, Zuckertütchen und benutzte Tassen erspart und das wohnliche Ambiente stärkt.

Für Atmosphäre sorgen auch die filigranen Taster zur Lichtsteuerung, die den leichten Wechsel zwischen vorprogrammierten Lichtszenen ermöglichen.

Frei stehende Badewannen

Die Wassersteuerung in den Badewannen und Duschen erfolgt mit fünf sensorgesteuerten Tasten anstatt mit Hebel- oder Drehmischern. (Bild: Mandarin Oriental München)

In den Bädern ist der Gestaltungsansatz insgesamt neutraler, aber nicht weniger elegant. Dort prägen großformatige keramische Wandtafeln in schwarzer Marmoroptik das Bild, kombiniert mit trapezförmigen Bodenfliesen in weißer Marmoroptik. Hinzu kommen frei stehende Badewannen, deren Bedienung (wie bei der Dusche) mit fünf sensorgesteuerten Tasten anstatt mit herkömmlichen Hebel- oder Drehmischern erfolgt.

Die weißen Reliefs über dem Betthaupt versinnbildlichen den Standort München als Tor zu den Alpen. (Bild: Baulink AG)

Das i-Tüpfelchen in der Zimmergestaltung bieten die integrierten Kunstwerke – etwa die von den Innenarchitekten konzipierten Reliefs über dem Betthaupt, die den Standort München als Tor zu den Alpen versinnbildlichen, oder die Künstleredition „100 Berge“ des Künstlers Felix Rehfeld. Bei den auf Aludibond gedruckten Bildern handelt es sich um achtfache Vergrößerungen von Ölgemäldeminiaturen mit Bergmotiven. Während jeweils eine oder mehrere dieser Reproduktionen die Zimmer zieren, warten die hundert nur 4,5 mal sechs Zentimeter großen Originale in der Lobby darauf, entdeckt zu werden.

Hingabe und Sorgfalt

Mit dem Begriff Perfektion ist grundsätzlich sehr vorsichtig umzugehen, dennoch: Die 71 vollständig erneuerten Zimmer vermitteln ein Bild vollkommener Harmonie. Auch nach längerer Inaugenscheinnahme vor Ort – kein Fehler zu finden. Selbst die Scharniere einiger Schrankmöbel, die in jedem Öffnungszustand der Türen ein elegantes Bild abgeben, wurden exakt zu diesem Zweck ausgewählt.

Und genau darin liegt die Rechtfertigung für Zimmer-Listenpreise zwischen 600 und 12.500 Euro pro Nacht. Denn nur wenige Gäste dürften je ein so feinsinnig gestaltetes Hotelzimmer betreten haben, in dem wirklich jedes noch so kleine Detail mit so viel Hingabe und handwerklicher Sorgfalt entwickelt und umgesetzt wurde.

Roland Pawlitschko


Steckbrief

  • Adresse: Neuturmstraße 1,
    80331 München
  • General Manager: Dominik G. Reiner
  • Zimmerzahl: 73
  • Preise: 600 bis 12.500 Euro/Nacht
  • Website: www.mandarinoriental.de

 

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