Konstruktive Kritik gehört zum journalistischen Credo von Tophotel. Nobeldomizile, die sich als hochpreisige Repräsentanten der Spitzenhotellerie betrachten und für die Branche Vorbildfunktion haben, stehen im Mittelpunkt des anonymen Luxushoteltests. Dieses Mal nahm unser Tester die Krone Assmannshausen unter die Lupe.
MO. 12/04, 12:43 – Reservierung
Die Mitarbeiterin verhält sich zunächst etwas reserviert und beantwortet meine Fragen nur standardisiert, zeigt sich dann aber schnell offen für ein Gespräch und weiß zu informieren. Das Hotel scheint gut gebucht zu sein: Zum gewünschten Termin gibt es kein Zimmer mehr mit Rheinblick. Ein solches ist mit 169 bzw. 250 Euro inklusive Frühstück zwar spürbar teurer als eines ohne Blick auf den Rhein (ab 119 Euro), dafür aber beliebter, weil das Panorama unvergleichlich ist. Zu einem anderen Zeitpunkt gäbe es noch ein Rheinblickzimmer. Frau W. empfiehlt mir außerdem eine Reservierung für das Restaurant, das am Wochenende besonders stark frequentiert werde. Dass das Schwimmbad noch nicht geöffnet ist, erfahre ich allerdings erst auf Nachfrage. Die Mitarbeiterin bedankt sich für meine Reservierung und schickt mir wie versprochen umgehend eine Bestätigungsmail. Diese fällt freundlich, persönlich sowie informativ aus und stimmt gut auf den Aufenthalt in der Krone Assmannshausen ein.
Wertung: gut
FR. 16/04, 15:38 – Check-in
Ich werde sehr freundlich an der Rezeption willkommen geheißen und muss nur noch das bereits ausgefüllte Anmeldeblatt unterschreiben. Einen Gepäckträger gibt es nicht und ich muss mich selbst um meine Koffer kümmern. Die Mitarbeiterin fragt zwar, ob sie mir dabei behilflich sein könne, doch welcher männliche Gast würde einer Frau sein schweres Gepäck zumuten? Frau W. geleitet mich aufs Zimmer, informiert kurz über das Frühstücksbuffet und bietet ihre Hilfe an, sofern Fragen auftauchen. Hätte sie mir noch einen schönen Aufenthalt gewünscht, wäre ihr freundlicher Auftritt perfekt gewesen.
Wertung: gut
Zimmer 12
Das Zimmer wurde sehr gut gereinigt übergeben, was auch für Problemstellen unter dem Bett und auf den Bilderrahmen sowie für den Telefonhörer gilt. Auf das Lüften hat man wohl wegen der Kälte verzichtet, doch sollte das gerade in solch alten Häusern wie der Krone Assmannshausen geschehen, da diese ohnehin zur Stickigkeit neigen. Außerdem befindet sich mein Zimmer direkt über der Bar, in der abends stark geraucht wird, vorzugsweise Zigarren. Geruch und Qualm stehen mitunter wie eine Mauer in den Hotelfluren, ziehen auch in mein Zimmer 12 und sind für Nichtraucher eine Zumutung.
Empfangen werde ich durch ein persönlich von der Direktion unterzeichnetes Schreiben, das im Text angenehm von den standardisierten Höflichkeitsfloskeln abweicht. Zudem erwarten mich frisches, mit Cellophan umhülltes Obst und hübsche Blumen. Obendrein darf ich mich aus einer Karaffe mit einem guten Weinbrand aus dem Spätburgunder des eigenen Weinguts bedienen. Getrübt wird dieses positive Bild allerdings dadurch, dass für die Flasche bereitstehendes Wasser 5,50 Euro verlangt werden.
Das Zimmer ist sehr gemütlich und versucht, durch Baldachinbett, einige antike Möbel und historische Bilder der Geschichte des Hauses gerecht zu werden, die bis ins Jahr 1541 zurück reicht. An einigen Stellen nagt der Zahn der Zeit, vieles ist durch Nachlässigkeiten entstanden: das eingerissene Ölbild, die Flecken und Risse an den stark vergilbten Tapeten, die tiefen Kratzer im Inneren der Schränke. In einem so wunderbar windschiefen historischen Gebäude wie der Krone stört das jedoch weniger, zumal diese Mängel nicht hygienisch bedenklich sind. Dennoch besteht hier Renovierungsbedarf.
Sessel und Sofa sind kommod, ein Schreibtisch fehlt leider. Vor allem der große Balkon und die traumhafte Aussicht auf den Rhein geben dem Zimmer Statur. Das Bett gleicht aufgrund seiner schwammigen Matratzen einem Wasserbett. Insgesamt kann das Zimmer ausreichend gut ausgeleuchtet werden, die alten Drehschalter hat man zum Glück nicht ersetzt. Es gibt erstaunlich viel Ablagefächen bzw. Stauraum und in dem ausreichend großen Kleiderschrank hängt ein Dutzend Plastikkleiderbügel. Sehr zweckmäßig ist der integrierte stabile Block, auf dem sich auch ein größerer Koffer bequem ausbreiten lässt – was selbst in Top-Hotels immer noch die Ausnahme bildet.
Der Hosenbügler ist zwar kein Schmuckstück, erfüllt aber seinen Zweck. Der Fernsehapparat – ein sehr betagtes, doch funktionstüchtiges Modell – lässt sich in angenehmer Weise im Schrank verstecken. Die TV-Programmzeitschrift liegt mit dem Anreisedatum aufgeschlagen da, eine Kanalübersicht ist vorhanden. Minisafe und Minibar wurden in angenehmer Höhe angebracht. Die Eiswürfelschale in der Minibar ist leider leer und gehört mit Wasser aufgefüllt. In puncto Auswahl erwartet mich der übliche Standard: Die Weine und der Sekt kommen aus dem Rheingau, das Bier aus der Brauerei des Hotelbesitzers. Softdrinks kosten 3 Euro, Bier 3,50 Euro, Riesling 12 Euro und Salzstangen 3 Euro. Positiv ist die große Auswahl an Lektüre: Neben verschiedenen Zeitschriften liegen auch einige Bücher bereit.
Wertung: gut
Das Badezimmer
Das Marmorbad mit eigenem Zugang zum Balkon hat von der Größe und Ausstattung her Format, wozu auch die hohe Decke beiträgt. Äußerst angenehm fühlt sich außerdem die Fußbodenheizung an. Die Armaturen sind sehr edel und hochwertig, obwohl Stücke wie der beleuchtete Kosmetikspiegel schon bessere Zeiten gesehen haben. Mehr Stil hätte ich mir bei der Auswahl des Abfallbehälters gewünscht: Der hier vorhandene weiße aus Plastik wirkt wie ein Fremdkörper. Ebenfalls nicht ganz passend sind die Seifenspender, was in der Dusche nicht stört, jedoch am Waschbecken und an der Badewanne das sehr schöne Bild etwas trübt. Da sich die Flüssigseife etwas schwer herausdrücken lässt, liegt zusätzlich eine richtige Seife bereit. Die Papiertaschentuchbox sitzt nicht mehr fest in der defekten Wandhalterung. Badewanne und Duschkabine sind sehr ansehnlich, ein Bidet gibt es nicht. Der Wasserdruck ist gut, doch in der Dusche fließt das Wasser nur mühsam ab. Es sind genügend Ablageflächen vorhanden. Der schwere, unhandliche Haartrockner mutet wie eine monströse Waffe an. Bademantel und Badeschlappen sind unübersehbar platziert, wobei ersterer schwer wie eine Ritterrüstung ist. Die ausreichend vorhandenen Handtücher mit Krone-Emblem wirken wie aufs Haus, nicht aber auf den Gast zugeschnitten und fallen selbst in ihrer größten Version zu klein aus. Die Guest supplies stehen ansehnlich in einem Körbchen: Shampoo, Duschgel, Bodylotion, Zahnbürste und anderes mehr. Die Ausleuchtung ist bestens und lässt sich von sehr hell bis intim einstellen. Die WC-Bürste ist noch akzeptabel, gehört aber bei nächster Gelegenheit ausgewechselt. Übergeben wurde das Badezimmer sehr gut gereinigt. Ein solches Bad könnte ich ob seiner Grundausstattung mit »ausgezeichnet« bewerten, muss aber wegen der notierten Mängel kleine Abstufungen vornehmen.
Wertung: noch sehr gut
Internet
WLAN ist im gesamten Haus verfügbar. Den Zugangscode für den Laptop erhalte ich an der Rezeption. Die Rezeptionistin lässt mir auf meine Nachfrage hin gleich einen Ausdruck mit den Zugangsdaten bringen. Die Internetverbindung funktioniert problemlos und wird pro Tag mit 12,50 Euro berechnet.
17:19 – Etagenservice
Eine Etagenkarte liegt nicht auf dem Zimmer aus, wird mir aber umgehend von einer freundlichen Servicekraft gebracht. Die Auswahl ist klein: Es gibt vier verschiedene Salate mit Putenbrust oder Edelfisch, Gänseleberterrine, Suppen, Kalbsschnitzel, Roastbeef und Käse. Die Preise bewegen sich zwischen 13,50 und 28 Euro; der Etagenaufschlag beträgt 4 Euro.
Ich entscheide mich für das gebackene Kalbsschnitzel mit Pommes frites und gemischtem Salat, eine Flasche Mineralwasser und ein Glas Rieslingsekt aus dem Rheingau. Die Mitarbeiterin wiederholt die Bestellung und sagt die Servierzeit mit circa 15 Minuten an. Innerhalb dieser Zeit bringen mir ein freundlicher Mitarbeiter und eine freundliche Mitarbeiterin auf einem Tablett das Bestellte, wobei sie den Abräumhinweis gibt und mir noch einen schönen Abend wünscht. Die – zwei – Schnitzel sind hauchdünn und zart, nur die Panade wurde leider nicht luftig souffliert. Die Pommes frites fallen passabel aus und der Salat ist gut angemacht. Dazu reicht man ordentliches Brot, Butter und Rheingauer Spundekäs’. Salz, Pfeffer und eine Sauce für die Pommes frites fehlen. Der Sekt ist korrekt temperiert und kommt offenbar aus einer frisch geöffneten Flasche.
Wertung: gut
Schwimmbad
In den Hotelinformationen steht, dass der Außenpool von April bis Oktober geöffnet ist; auf der Internetseite ist gar von März die Rede. Man hat wohl nicht mit dem eher kühlen Aprilwetter gerechnet, das zur Zeit meines Aufenthalts herrscht. Jedenfalls ist das Schwimmbad geschlossen und soll erst im Mai geöffnet werden.
22:58 – »Hubertusbar«
Diese Bar ist ein antikes Unikum. Alles liegt buchstäblich im Dunkel der Geschichte. Mehr Licht, so möchte man unken, würde nur die Fledermäuse aufscheuchen. Diese besondere Atmosphäre kurbelt jedenfalls die Fantasie stark an. Und: Solche Hotelbars gibt es nur noch ganz wenige auf der Welt. Der Besuch ist in erster Linie ein emotionales Erlebnis. Man mag vielleicht kaum mehr erwarten als einen müden Barmann, der ein paar Flaschen entstaubt. Doch eine sehr freund-liche Mitarbeiterin sowie ein munterer Oberkellner zeigen Einsatz. Einen ausgebildeten Barkeeper gibt es nicht, denn in diesem kleinen Hotel macht jeder alles. Das hat Charme und macht Sinn, wenngleich das Ergebnis nicht immer optimal ausfällt. Beide Mitarbeiter waren gerade noch beim Etagenservice aktiv, bedienen zeitgleich im Restaurant und eilen immer dann in die Bar, wenn sich dort einer der Gäste zeigt. Der Service agiert überaus freundlich, engagiert und beratend.
Ich bestelle einen »Planter’s Punch«. Die Mitarbeiterin versucht es zwar zu verbergen, schaut aber auf einem Spickzettel nach, wie der Cocktail zubereitet wird. Das Ergebnis war zu erwarten: Der »Planter’s Punch« schmeckt wie ein süßer Fruchtsaft und hat mit dem Original nichts gemein. Aber wer bestellt sich im Rheingau auch einen Karibikdrink? Wahrscheinlich nur Hoteltester. Die Mitarbeiterin bestätigt, dass Cocktails so gut wie nie verlangt würden. In dieser Bar trinkt man meist Wein und Bier. Das ist in jedem Fall die bessere Wahl: Der Wein wird richtig temperiert aus einer frischen Flasche eingeschenkt. Insgesamt stehen auf der Barkarte 20 offene Weine, auch vom Weingut Krone, alle gleich korrekt gekennzeichnet in den Größen 0,1 und 0,2 Liter. Außerdem kann man sich der großen Weinkarte des Restaurants bedienen, die viele gute Tropfen und Raritäten enthält. Die Spirituosen – von Whisky über Rum bis hin zu Grappa und Obstbränden – bewegen sich ebenfalls auf hohem Niveau, bieten aber keine Überraschungen oder Platz für Neuentdeckungen und Trends. In ein Hotel wie die Krone passen auch weit eher Klassiker. Außer mir sind nur noch vier weitere Gäste in der Bar. Das russische Quartett ordert Weinbrand, Grünen Tee und frisch gepressten Orangensaft.
Wertung: gut
Turndownservice
Ein Abendservice findet nicht statt und ich muss das Bett selbst abdecken. Bereits bei der Anreise lagen ein Gute-Nacht-Kärtchen und ein Päckchen Gummibärchen auf dem Bett.
SA. 17/04, 8:30 – Weckruf
Der Weckruf erfolgt pünktlich mit persönlicher Anrede und Nennung der Uhrzeit. Ein Reminder wird nicht angeboten. Der freundliche Mitarbeiter fragt, ob er mir einen Kaffee oder Tee aufs Zimmer bringen lassen soll, wie das in individuellen gastfreundlichen Häusern oft der Fall ist.
Wertung: sehr gut
9:14 – Frühstücksbuffet
Das Buffet wird in einem festlichen großen Salon mit traumhaftem Rheinblick attraktiv präsentiert. Am Fenster ist noch ein letzter Tisch frei, was bei 40 Hausgästen ein Glücksfall ist. Ich werde freundlich begrüßt und gleich nach meinem Getränkewunsch gefragt. Den Tea-Caddy setzt man erst beim Servieren ins Kännchen mit heißem Wasser, sodass ich die Ziehzeit selbst bestimmen kann. Außerdem stehen ein Samowar mit verschiedenen Teesorten und eine Sanduhr bereit. Neben stillem und sprudelndem Wasser gibt es Rheingauer Rieslingsekt im Kühler und vier verschiedene Säfte, allerdings keinen frisch gepressten. Die Brot- und Brötchenauswahl samt Croissants und Laugengebäck ist gut; das Wurst- und Schinkensortiment qualitativ und quantitativ sehr gut. Käse und Frischkäse sind befriedigend. Der dünne, knusprige und nicht zu salzige Speck ist in dieser Art eher selten auf Buffets zu finden. Die Nürnberger Würstchen fallen befriedigend aus; die Kartoffelplätzchen sind etwas zu fettig. Die Instant-Eier sowie die allgegenwärtigen und doch ungeliebten Grilltomaten wären entbehrlich gewesen. Zusätzlich gehören zum Angebot Sieben-Minuten-Eier, weitere Eierspeisen jedoch nicht – zumindest macht weder eine Karte noch der Service darauf aufmerksam. Mozzarella mit Tomaten sowie Gurken, Paprika und Mixed Pickles ergänzen das Buffet. Der Lachs erscheint optisch unbedenklich, doch die Nase signalisiert höchste Gefahr, die geschmacklich bestätigt wird. Ich mache den Service auf den ungenießbaren Zustand des Fischs aufmerksam, der daraufhin sein Bedauern ausdrückt, aber keinen Ersatz anzubieten vermag. Der Lachs wird unverzüglich vom Buffet entfernt.
Obst gibt es nur in Form von Salat oder als ganze Früchte. Die Erdbeeren finden daher regen Zuspruch, die Äpfel und anderes bleiben liegen. Wer schält sich morgens schon sein Obst selbst oder bittet den Service darum? Die Müsliabteilung ist ausreichend bestückt und das Bircher Müsli schmeckt ausgezeichnet. Die sechs Konfitüren bzw. Marmeladen kommen von der bewährten Schwarzwälder Manufaktur Faller.
Die Positionen am Buffet sind bequem zu erreichen; bis auf die Konfitüren jedoch nicht beschriftet. Der Service arbeitet sehr aufmerksam, räumt flink ab und deckt schnell wieder ein. Abgebaut wird das Buffet erst, nachdem der letzte Gast gegangen ist. Als ich gehe, wünscht man mir noch einen schönen Tag. Ohne den schlechten Lachs hätte das Buffet gut abgeschnitten, so aber muss die Gesamtwertung deutlich niedriger ausfallen.
Wertung: mangelhaft
Reklamationshandling
Nach dem Frühstück klopft ein Servicemitarbeiter an der Zimmertür und trägt eine Entschuldigung der Küche vor – unterstützt von einem mit Blümchen dekorierten Tablett mit Petits Fours.
Wertung: sehr sympathisch
Housekeeping
Ausgesprochen loben muss ich, dass das Zimmer während meiner Zeit am Frühstücksbuffet gereinigt wurde. Ich hatte nicht eigens telefonisch darum gebeten und kurz vor dem Frühstück nur das »Bitte-aufräumen-Schild« an die Tür gehängt. Eine solche auf den Gast abgestimmte zeitliche Einteilung sollte in guten Häusern selbstverständlich sein, ist aber die Ausnahme und vorwiegend in individuell geführten kleineren Hotels zu erleben.
Auf den ersten Blick hat das Zimmermädchen gut gearbeitet: Sie hat das Bett gemacht, die Abfallkörbe geleert sowie benutzte Handtücher und verbrauchte Guest supplies erneuert. Ebenfalls das Gute-Nacht-Kärtchen und Gummibärchen wurden wieder auf dem Bett platziert. Im Bad allerdings übersah sie drei von vier Markierungen, was auf eine zu schnelle und wenig gründliche Reinigung hinweist.
Wertung: befriedigend
13:41 – Terrasse
Die Krone-Terrasse zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Rhein-Main-Gebiet. Unter den Glyzinien-Arkaden sitzt es sich mit Blick auf den Rhein besonders schön. Obwohl die Sonne scheint, weht ein kühler Wind: Trotzdem sind sechs Tische besetzt. Die Gäste haben sich in die bereitliegenden Decken gehüllt oder mit entsprechender Kleidung gewappnet.
Der Service arbeitet flink und freundlich. Mein sehr schnell aufgetischter Cappuccino schmeckt wie ein normaler Bohnenkaffee mit Milchschaum – kein typisch italienischer Espresso- bzw. Cappuccinogeschmack, keine schöne Crema. Enttäuschend. Nicht gastfreundlich und auch unklug: Ein Paar möchte für Kaffee und Kuchen Platz nehmen – obwohl auf der großen Terrasse nur wenige Tische besetzt sind, wird es mit der Begründung weggeschickt, dass man erst ab 14:30 Uhr Kaffee und Kuchen serviere.
Wertung: Ambiente sehr gut, Service und Leistung unbefriedigend
Wäscheservice
Die vor dem Frühstück auf das Bett gelegten Hemden – eines für die Wäscherei, eines zum Aufbügeln – wurden vom Housekeeping nach der Zimmerreinigung mitgenommen. Als ich um 14:34 Uhr wieder kurz auf dem Zimmer bin, hängen die akkurat behandelten Hemden bereits gut sichtbar am Hosenbügler – ohne Kopie der Rechnung.
Wertung: sehr gut
Bankettabteilung
Eine solche Abteilung gibt es im Grunde nicht: Die Aufgabe übernimmt, wer gerade zur Stelle ist. Die Kontakte verlaufen freundlich und professionell, könnten aber etwas engagierter und detailfreudiger ausfallen. Meine Anfragen werden schnell beantwortet und Daten präzise abgeglichen, sowohl mündlich als auch schriftlich. Für Hochzeiten und andere Feiern gibt es kaum einen schöneren Rahmen als die Krone Assmannshausen, ob allerdings Dracula-Dinner zu diesem poetischen Haus passen...? Wahrscheinlich sind diese besser in den Burgen der Dr. Lohbeck Privathotels aufgehoben, zu denen die Krone seit drei Jahren gehört und von denen die Idee übernommen wurde.
Wertung: gut
Sicherheitsaspekte
Lancierte Versuche, an meine Zimmernummer zu gelangen, scheitern am Sicherheitsverständnis der Mitarbeiter. Verwechslungen mit dem Zimmerschlüssel finden nicht statt: Hier kennt jeder Mitarbeiter jeden Gast von der ersten Minute an. Die Zimmermädchen arbeiten nicht mit den üblichen Servicewagen, auf denen Listen mit Gästenamen und Zimmernummern liegen könnten.
Wertung: sehr gut
Flure, Aufzüge, Treppen
Es ist nicht einfach, die Flure und Treppen in diesem sehr verwinkelten musealen Haus in Ordnung zu halten, zumal die Lichtverhältnisse vieles im Dunkeln lassen. Doch es gelingt. Die Flure sind zudem mit Antiquitäten sowie alten Ölgemälden wohnlich eingerichtet und an jeder Ecke wartet eine neue Überraschung. Japanische Gäste fotografieren vor allem die historischen Glasmalereien. Die steilen und kleinen Treppen lassen keine großen Sprünge zu, sondern nur vorsichtiges Gehen. Den ansehnlichen und leicht keuchenden Aufzug, auf dessen Boden das allgegenwärtige Krone-Emblem prangt, schmückt ein schönes Bild des Wein-Fotografen Armin Faber, wobei Reklamehinweise jedweder Art zum Glück unterbleiben.
Wertung: sehr gut
Außenansicht
Das historische Gebäude wird von keinen grellen Reklameschildern verunziert. Hinweise auf dieses historische Kleinod sind auch nicht notwendig, da das Hotel schon von Weitem ins Auge sticht. Vor der Tür liegt weder Abfall noch anderer Unrat.
Wertung: sehr gut
20:16 – Restaurant »Krone«
Ich werde verhalten höflich empfangen und an den für mich reservierten Tisch geleitet. Das Restaurant ist sehr gut besucht, es sind nur noch wenige Plätze frei. Es ist recht stickig und sehr warm; das Lokal gleicht einem Museum: überall Antiquitäten und historische Accessoires. Der Dielenboden knarrt, doch das ist die Musik der Geschichte. Speise- und Weinkarte werden mir schnell vorgelegt und meine Getränkewünsche gleich abgefragt. Für besondere Empfehlungen oder beratende Gespräche findet keiner der Servicemitarbeiter Zeit, sie nehmen lediglich Bestellungen entgegen. In der Relation zum Gästeaufkommen ist der Service spürbar unterbesetzt. Die Weine werden korrekt temperiert serviert, erreichen aber wegen der enormen Wärme im Restaurant schnell eine zu hohe Temperatur. Die Weinkarte zehrt noch von den famosen Beständen aus früherer Zeit und es gibt sehr viele gute Flaschen zu vernünftigen Preisen. Es ist aber niemand da, der an diesem Abend die Weine zu interpretieren weiß.
Reklamationen, von denen es sehr viele gibt, werden freundlich behandelt. Allerdings wird die Kritik kommentarlos hingenommen, anstatt sie genauer zu hinterfragen, um daraus für Hotel und Küche eine konstruktive Situation entstehen zu lassen. Kurzum: Der Service ist freundlich, könnte aber professioneller sein. So wie das Personal hier agiert, mag für ein Touristenhotel genügen, nicht aber für ein anspruchsvolles Fünf-Sterne-Haus. Positiv: Für ein verpatztes Gericht wird sogleich eine Alternative offeriert, zudem erscheint es später nicht auf der Rechnung.
Bereits beim Lesen der Speisekarte wird deutlich, dass die Küche zu viel auf einmal will und aufgrund der zahlreichen Komponenten und Begleitungen Maß und Ziel aus den Augen verliert. Ich kann die daraus entstehende Disharmonie und Überfüllung der Teller schon erahnen – und genau so kommt es auch. Die Gänsestopfleber erscheint mir gequält konstruiert – mit Aprikosen-/Limonenhonig und karamellisierter Weinbeeren-Brioche nebst getrüffeltem Selleriepüree. Die Leber selbst fällt vom Produkt her fatal aus und kommt als Matsch und Brei an den Tisch, was man bereits sehen kann – ein solcher Teller hätte nie über den Pass geschickt werden dürfen. Die sogenannte Brioche wurde in extrem viel Fett ausgebacken und in zuckersüßem Sirup ertränkt. Das getrüffelte Selleriepüree erweist sich ebenfalls nicht als sinnvolle Ergänzung. Dieses Desaster-Gericht ist nicht genießbar; es wird von mir kritisch kommentiert in die Küche zurückgeschickt. Als eine sehr nervöse Konstruktion ohne geschmackliche Einheit offenbart sich auch das Zanderfilet in Begleitung von Kartoffeln, Lauch und Trüffel in kaum wahrnehmbarer Kalbsjus mit fadem Krabben-Croustillant. Immerhin ist der Fisch auf den Punkt gegart.
Eine für dieses Hotel und seine Küche erstaunlich moderne Komposition ist wiederum der Schaum von grünen Äpfeln mit Minze auf Kokosparfait nebst Topfen-Limonen-Eis. Dieses Gericht wirkt zwar auch wieder sehr bemüht, doch herrscht hier ein wohltuendes Zusammenspiel der Aromen, wurden die Details handwerklich solide herausgearbeitet. Zumindest die Patisserie, das zeigten schon die Petits fours, arbeitet auf einem ordentlichen Niveau.
Insgesamt jedoch fällt die Küche an diesem Abend über alle Maßen enttäuschend aus. Der Küchenchef sowie später beim Check-out ein Mitarbeiter versuchen dies zaghaft mit Überlastung zu erklären – eine zu kleine weiße Brigade für zu viele Gäste. Das dürfte sogar stimmen, doch muss man dann das Konzept ändern: Die Speisekarte drastisch herunterfahren oder/und das Personal aufstocken. In der jüngeren Geschichte der Krone gab es bislang nur einen einzigen Küchenchef, der souverän mit dem Gästeaufkommen umgehen konnte: Herbert Pucher. Der Meister der Klassik, der Pasteten, Terrinen, Galantinen, Suppen und Saucen glänzte bis in die 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts selbst bei vollem Haus. Befremdlich und doppelt ärgerlich ist es, wenn der aktuelle Küchenchef J.K. an vielen Stellen im Hotel als »Sternekoch« bezeichnet wird, obwohl er nie selbst einen erarbeiten konnte und schon gar keinen aktuell für die Krone Assmannshausen hält. Solch Hochstapelei angesichts dieser äußerst schwachen Leistungen muss jedem peinlich sein.
Wertung: sehr mangelhaft
SO. 18/04 – Schuhputzservice
Auf dem Zimmer liegen Schuhputztücher bereit. Den eigentlichen Schuhputzservice muss ich an der Rezeption anfordern. Einen Schuhkorb gibt es nicht. Auf meine Frage, ob ich meine Schuhe einfach vor die Tür stellen könne, meint der Mitarbeiter: »Das können Sie machen.« Ich höre in diesem Hotel leider zu wenig gastfreundliche Sätze wie »Das machen wir sehr gerne für Sie«. Die Schuhe stehen am nächsten Morgen hervorragend geputzt vor meiner Zimmertür.
Wertung: sehr gut
11:06 – Etagenfrühstück
Laut Hotelinformationen kann man auf dem Zimmer bis 12 Uhr frühstücken, am Buffet von 6:30 bis 10:30 Uhr. Als ich mich am Vormittag noch einmal an der Rezeption erkundige, wird mir abweichend eine Zeit von 11 Uhr, »unter Umständen auch 11:30 Uhr« genannt. Eine Frühstückskarte befindet sich nicht auf dem Zimmer. Es liegt nahe, dass man in der Krone solche Ansinnen nicht unbedingt noch fördern will: Das Gebäude und sein verzweigtes steiles Treppensystem machen den Einsatz von Servicewagen beschwerlich. Dennoch muss gerade so ein kleines Haus Individualität zeigen und entsprechend auf Gästewünsche eingehen.
Die Mitarbeiterin nimmt meine Bestellung entgegen, wiederholt diese nicht und gibt eine Servierzeit von einem »Viertelstündchen« an. Nach 20 Minuten bringen zwei freundliche Mitarbeiter das Bestellte auf einem Trolley, der mit Blumen dekoriert wurde. Alles ist hübsch angerichtet, es fehlt nichts, sogar eine Sonntagszeitung liegt unaufgefordert dabei. Das Spiegelei ist korrekt, Brötchen und Croissants sind gut, Brot wird keines gereicht. Der Aufschnitt und das Käsesortiment sind von guter Qualität, vor allem der dünn geschnittene rohe Schinken. Der Obstsalat ist ausgezeichnet zusammengestellt. Nur beim Tee wäre es besser gewesen, den Tea-Caddy noch nicht ins Kännchen mit dem heißen Wasser zu hängen – zum Glück ist die Ziehzeit noch nicht überschritten. Beide Mitarbeiter verabschieden sich freundlich.
Wertung: sehr gut
13:02 – Check-out
Am Vorabend hatte ich an der Rezeption darum ersucht, die Abreisezeit von 12 Uhr auf 13 Uhr zu verlängern, was lässig mit »kein Problem« bestätigt wurde. An diesem Morgen werde ich mit einem »Haben Sie gut geschlafen?« begrüßt. Ob mir der Aufenthalt gefallen habe oder ob ich etwas aus der Minibar genommen habe, interessiert nicht. Ohne Nachfrage werden mir sogleich ein Infoausdruck und die Einzelbelege vorgelegt – alle korrekt bei einer Rechnungssumme von 624,10 Euro. Der Mitarbeiter nimmt sich meines Gepäcks an, bringt es zum Wagen und wünscht mir eine gute Heimfahrt.
Wertung: noch gut
Lost & Found
Noch während des Check-outs eilt ein Mitarbeiter mit einem Fundstück aus meinem Zimmer herbei, das vom Housekeeping entdeckt wurde.
Wertung: sehr gut
Bilanz
Die Krone in Assmannshausen, einem ruhigen und abgelegenen Ortsteil von Rüdesheim, ist ein Schmuckkästlein. So ein Hotel wird immer seine Liebhaber finden, denn als Kleinod wirkt dieses wunderbare Gebäude schon für sich attraktiv. Leider verlässt man sich allzu sehr darauf. Jedenfalls könnten die Küchenleistungen weit überzeugender sein und sollte man beim Service mehr Professionalität zeigen.
Das Hotel erscheint insgesamt recht handgestrickt, teilweise dilettantisch. Ernstlich Gedanken muss man sich um das Restaurant machen: Dort fehlt es an Konzept, Handwerk und schlüssigen Ideen. Die Hotelleitung hat schon mehrfach gewechselt, doch ist während des Testaufenthalts überhaupt keine Führung wahrzunehmen – weder in persona noch als Leistungsmerkmal. In einem kleinen Hotel muss es aber einen wahrnehmbaren guten Geist und Gastgeber geben. Dass die Krone dennoch ein positives Phänomen bleibt, ist ihrer geschichtlichen Würde und dem zauberhaften Ambiente zu verdanken.
Ergebnis: 60%
Testurteil: befriedigend
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.
Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!