Hoteltest Aukam’s La Strada Kassel Schlanke Preise, magerer Service

© Shutterstock

Seit 1992 fühlt Tophotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche auf den Zahn. Standen bislang ausschließlich Hotels der Luxuskategorie im Fokus der Tester, hat Tophotel nun seine Mystery Checks auf das Business- bzw. Wellness-Segment ausgedehnt. Dieses Mal im Test: das Aukam’s La Strada in Kassel.

Lage / Anfahrt

»Mitten in Deutschland« – dieses Attribut schreiben sich nicht wenige Hotels auf die Fahne beziehungsweise in den Hausprospekt, obwohl es nicht vollends der Wahrheit entspricht. Bei Aukam’s La Strada trifft die Aussage jedoch hundertprozentig zu. »Kassel’s vielseitige Hotelwelt« – so der Untertitel des Vier-Sterne-Hauses, dessen Auslassungszeichen bei ›Kassels‹ ebenso überflüssig ist wie das bei ›Aukams‹ – liegt zwar wenig idyllisch in einem Industriegebiet, dafür aber eben auch ziemlich genau im Zentrum der Bundesrepublik Deutschland. Für eine gute Verkehrsanbindung sorgen die beiden Autobahnen A7 und A49 sowie der ebenfalls nur zehn Minuten mit dem Auto entfernt gelegene ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe. Einen Shuttle-Service von und zum Bahnhof bietet das Aukam’s La Strada seinen Gästen allerdings nicht an. Auch stehen nur wenige kostenlose Pkw-Stellplätze zur Verfügung, alternativ parkt man in dem zum Hotel gehörenden Parkhaus für 0,50 Euro pro Stunde bzw. zehn Euro pro Tag. Wer auf jeden Fall trockenen Fußes zur Rezeption gelangen möchte, stellt seinen Wagen in der Tiefgarage unter dem Hotel ab und zahlt dafür fünf Euro Aufschlag.
Wertung: gut

Internetauftritt / Online-Buchung

An der Homepage des La Strada (www.lastrada.de) gibt es nur wenig auszusetzen, wenngleich der Internetauftritt grafisch auch nicht besonders anspruchsvoll gestaltet ist. User, die sich hier schnell informieren möchten, finden sich hier gut zurecht; auch die umfangreichen Informationen zum Thema Tagung sind übersichtlich gegliedert. Es fehlen lediglich namentlich genannte Ansprechpartner und ein E-Mail-­Anfrageformular. Die Online-Buchung funktioniert unkompliziert und zu identischen Preisen wie bei einer telefonischen oder einer über HRS erfolgten Buchung. Die dazugehörige Reservierungsbestätigung lässt sich sofort ausdrucken, erfolgt jedoch auch noch einmal automatisch per E-Mail.
Wertung: sehr gut

MO. 7/02, 16:30 - Telefonische Bankettanfrage

Herr K. ist ein sympathischer und kompetent wirkender Gesprächspartner mit einer überaus angenehmen Stimme. Bei meiner telefonischen Bankettanfrage übernimmt er die Gesprächsführung und fragt sich durch die gängigsten Anforderungen wie Teilnehmerzahl, benötigte Räume und Zimmer, Technik etc. Als er glaubt, diese soweit ermittelt zu haben, offeriert er mir, ein entsprechendes Angebot zu erstellen und geht zur Aufnahme der Kontaktdaten über. Allerdings sind dem Ban­kettmitarbeiter weder die Art der Veranstaltung noch ihre Zielsetzung oder die Zusammensetzung des Teilnehmerkreises eine Frage wert. Selbst auf meine Andeutung hin, dass es sich bei den Teilnehmern um durchweg anspruchsvolle, teilweise sehr eigene, empfindliche Menschen handele, wird Herr K. nicht aktiv und versäumt es so, Zusatz­informationen einzuholen, die für das Hotel äußerst wichtig sein könnten. Das schriftliche Angebot kommt pünktlich per E-Mail und auch noch einmal per Post, geht aber auf die genannten spezifischen Anforderungen nicht dezidiert ein. Stattdessen wird Infomaterial mitgeschickt, die man sich auch selbst aus dem Internet downloaden kann. Drei Tage später wird ein E-Mail-Follow-up durchgeführt.
Wertung: befriedigend

MO. 17/01, 12:20 - Telefonische Buchung

Wäre ich ein regulärer Hotelgast, der aus dem ersten persönlichen Kontakt Rück­schlüsse auf die Qualität des Hotels zieht, hätte ich nach erfolgter Zimmerreservierung im La Strada eigentlich sofort umbuchen müssen. Selten habe ich am Hoteltelefon eine so leidenschaftslose, unmotivierte und fade Gesprächspartnerin erlebt. Das gesamte Telefonat ist ein einziges Trauerspiel. Mit einem müden Seufzer und der kürzest möglichen Formel (»Zimmerreservierung, E.«) meldet sich auf der Direktdurchwahl der Reservierungszentrale eine weibliche Mitarbeiterin und überlässt fortan jegliche Gesprächsführung mir. Sie offeriert zum gewünschten Zeitraum lediglich ein Standardzimmer zu 76 Euro zzgl. 15,50 Euro für das Frühstück, nennt bei der Frage nach Alternativen nur das sogenannte »Kennenlern-Zimmer« zu 49,90 Euro und begründet dies – als ich nachfrage, ob nicht auch Zimmer einer höheren Kategorie zur Verfügung stehen – mit folgenden Worten: »Na ja, ich dachte, es sollte möglichst billig sein.« Mein Wunsch nach einem Zimmer mit Doppelbett wird abschlägig beschieden: »Wir haben nur Zimmer mit zwei Einzelbetten. Diese können Sie ja dann zusammenschieben.« Dass es sich bei den genannten Einzelbetten um durchaus komfortable, 1,20 Meter breite Betten handelt, sehe ich erst vor Ort. Und wie sich das günstige »Kennenlern-Zimmer« und das schließlich doch noch angebotene Businesszimmer zu 80 Euro unterscheiden, beschreibt Frau E. wie folgt: »Also, das Businesszimmer ist etwas größer. Aber es sind auch zwei Betten drin, ein Bad, ein Wohnbereich, ein Flur – also, die ähneln sich schon sehr…« Auf diese Weise verkauft man weder höhere Kategorien noch das Hotel an sich und Vorfreude auf den Aufenthalt stellt sich so auch nicht ein. Getoppt wird das »Verkaufsgespräch« noch durch Frau E.s Antwort auf meine Frage, ob es vielleicht sonst noch etwas Wissens- oder Erwähnenswertes zum Hotel gebe, beispielsweise in puncto Gastronomie oder Wellness. Zu hören bekomme ich aber nur »Check-in ist ab 15 Uhr, Check-out bis 12 Uhr.« Vielen Dank.

Dieses leidenschaftslose Gespräch kann auch die Reservierungsbestätigung nicht mehr verbessern, die schon am nächsten Tag in der Post und bis auf einen Fauxpas in der Anschrift in Ordnung ist.
Wertung: mangelhaft

DO. 10/02, 11:40 - Anreise

Das moderne Ensemble aus mehrstöckigen, zartgelb gestrichenen Gebäuden wirkt gepflegt und ordentlich. Unschön ins Auge fallen jedoch zwei unbebaute und teilweise mit Gerümpel vollgestellte Grundstücke neben Hotel und Parkhaus. Optisch nicht ansprechend sind zudem die vielen Zigarettenkippen im Rinn- stein und auf dem Bürgersteig vor dem Eingang – obwohl ein Schild den Außenbereich ausdrücklich als rauchfreie Zone ausweist.
Wertung: noch gut

Check-in

Nicht unfreundlich, aber vollkommen unpersönlich und wie am Fließband fertigen die drei Rezeptionisten die zahlreichen Anreisenden ab, darunter auch mich. Allein die Tatsache, dass ich keine Kreditkarte vorlege, sondern mein Zimmer vorab bar bezahle, wird von der jungen Frau, die wie ihre Kollegen weder eine Uniform noch ein Namensschild trägt, mit einem irritierten Stirnrunzeln kommentiert. Meine Nachfragen zu Res- taurants und Wellnessbereich kommen zudem sichtlich ungelegen und werden so knapp wie möglich beantwortet. Immerhin wünscht man mir noch einen angenehmen Aufenthalt. Einen Gepäckwagen sehe ich im Erdgeschoss nicht, später entdecke ich einige im Untergeschoss zur Tiefgarage.
Wertung: noch befriedigend

Zimmer 183

Alle Achtung: Ein so großes und komfortables Zimmer für lediglich 80 Euro pro Nacht findet man nicht allzu oft; das Preis-Leistungs-Verhältnis scheint auf den ersten Blick mehr als stimmig. Die Möbel in kirschbaumfarbenem Holz mit Messingeinlegern, der Polstersessel und die mit Stoff bezogenen Messinglampen fallen zwar nicht in die Rubrik »modernes Design«, das aber ist ja per se kein Negativkriterium. Bis auf etwas abgesplittertes Holz an der Armlehne des Schreibtischstuhles präsentiert sich das Mobiliar gut in Schuss. Es gibt zwei 1,20 Meter breite Betten mit festen Matratzen, genügend Stauraum und einen Arbeitsplatz in angenehmer Höhe samt bequemem Stuhl. Mit einer Klimaanlage ist das Zimmer nicht ausgestattet, dafür hat die Heizung einen regelbaren Thermostat und reagiert schnell. Die Fenster lassen sich verdunkeln und der Raum liegt – wie gewünscht – ruhig zum Innenhof hin. Das Testzimmer ist bis auf etwas Staub auf dem Tür­rahmen, ein paar kleinere Flecken auf dem Teppichboden, ein defektes Downlight vor dem Schrank und ein Brandloch im Vorhang sauber und in einem guten Zustand. Punktabzüge gibt es allerdings für den alten, wuchtigen Fernseher, dessen Kanäle teilweise flimmern, die abgenutzte Fernbedienung, für das nicht mehr funktionierende Uraltradio im Nachttisch, den zu kleinen Safe sowie für die Minibar, die lediglich mit drei großen Flaschen Wasser, Apfelsaftschorle und Limonade zu je drei Euro bestückt ist. Darüber hinaus gibt kein »Gäste A-Z«, um sich über die Angebote des Hauses zu informieren, kein Fernsehprogramm, keinerlei Schreibutensilien – weder Briefpapier noch Notizblock oder Stift – und auch kein Telefonnummernverzeichnis, um sich beispielsweise direkt an das Housekeeping zu wenden. Die beiden Kopfkissen sind weder klein noch groß und viel zu weich; auch sind Wäschereiliste bzw. ­Wäschebeutel nicht zu finden. Neben einer Wirtschaftszeitung liegen im Zimmer lediglich zwei Hotelprospekte aus, von denen ein Exemplar von 2009 stammt. W-LAN steht zwar zur Verfügung, der Zugang ist aber kostenpflichtig. Wer gratis surfen will, muss sich dazu mit seinem Laptop in die Lobby begeben.

Diese Vielzahl der nicht vorhandenen Dienstleistungsangebote lässt die Vermutung aufkommen, dass im La Strada Kassel selbst kleine und allgemein übliche Serviceleistungen zugunsten der Kostenersparnis gestrichen wurden. Meine entsprechenden Anfragen bei der Rezeption bestätigen dies: Härtere oder auch nur zusätzliche Kissen stehen nicht zur Verfügung, ein Wäsche- oder Bügelservice wird im Haus nicht angeboten.
Wertung: noch gut

Bad

Im Bad verhält es sich wie mit dem Zimmer – es ist zwar nicht schick, aber geräumig und komfortabel. Es gibt eine kleine Badewanne, in der man auch duschen kann, einen Handtuch-Heizkörper, eine zusätzliche Infrarotlampe an der Decke, einen beleuchteten Rasierspiegel und einen Hocker. Auf dem Fußboden des Badezimmers finden sich zahlreiche Fusseln und die Verstrebungen des Handtuchheizkörpers sind wie die Lüftungsöffnung des Deckenventilators voller Staub. Etwas mehr Licht im Badezimmer wäre von Vorteil und auch über einen leichteren Haar­trockner würden sich wahrscheinlich nicht wenige Gäste freuen, zumal man dessen Taste während des Trockenvorgangs ständig gedrückt halten muss. Offensichtlich gespart wird an den Guest Supplies, denn außer einem kleinen Stückchen Seife am Waschbecken findet sich nur ein Spender mit undefinierbarem Inhalt in der Dusche. Ärgerlich ist auch der nicht vorhandene Bademantel: Da es im Hotel Schwimmbad und Sauna gibt, sollte man meinen, dass die Gäste ihren ­Bademantel – wenn er schon nicht im Zimmer ausliegt – wenigstens ausleihen können. Das ist jedoch nicht der Fall – man kann nur einen kaufen.
Wertung: noch gut

Housekeeping

Die Mitarbeiterinnen des Housekeepings tragen keine Berufskleidung, sondern dunkle Hosen und helle Oberteile in großer, wenngleich nicht unbedingt adrett wirkender Vielfalt. Namensschilder gehören im La Strada offensichtlich nicht zum Standard. Zwar grüßen alle Damen freundlich und zeigen sich hilfsbereit, doch nutzt das wenig, wenn die gewünschten Serviceleistungen (härteres Kissen, Aufbügeln eines Kleidungsstückes) grundsätzlich nicht angeboten werden. Auf den Etagen sind viele Abstellräume nicht vergeschlossen und ein Blick hinein offenbart wenig Erfreuliches. Die Housekeeping-Wagen selbst wirken teilweise überfüllt und unordentlich. Dass eine Mitarbeiterin dem Gast ihr Leid über die vielen Überstunden klagt, ist zwar menschlich nachvollziehbar, aber keineswegs angebracht.
Wertung: mangelhaft

Sicherheit

In puncto Sicherheit erfüllt das Hotelmanagement die meisten Kriterien. Allerdings liegen die Zimmerlisten auf den Etagenwagen aus, wenngleich man diese in die Hand nehmen müsste, um sie genau studieren zu können. Als ich ein Zimmermädchen bitte, mir mein Zimmer zu öffnen, lässt sie sich zwar meinen Namen geben, überprüft diesen aber nicht, da der Trakt, in dem mein Zimmer liegt, ab diesem Tag nicht gereinigt wird und mein Name somit nicht auf ihrer Liste aufgeführt ist.
Wertung: noch gut

Front Office

Die freundlichste Dienstleistung, die das Front Office mir gegenüber erbringt, ist der pünktliche und persönlich ausgeführte ­Weck­ruf. Auch kann ich mir eine kostenlose Zahnbürste abholen – abholen, wohlgemerkt, sie wird mir nicht gebracht. Ansonsten ist der Ton der Rezeptionsmitarbeiter beinahe herablassend, in dem man mir diverse Bitten abschmettert: So beispielsweise: »Wir verleihen keine Bademäntel. Aber Sie können einen kaufen, den dürfen Sie dann auch mit nach Hause nehmen.« Oder: »Wir haben keine härteren Kissen. Und heute sind wir ausgebucht, also haben wir auch keine Zusatzkissen.« Oder: »Wir bieten keinen Wäsche- oder Bügelservice für Gäste an. Ein Bügeleisen? Da müsste ich mal nachfragen, ich glaube aber eher nicht.« Oder: »Nein, wir haben hier kein Internet-Terminal für Gäste. Sie müssen schon einen Laptop mitbringen. Ein Dokument ausdrucken? Ja, wenn es denn sein muss, dann hier an der Rezeption.«

Fast schon wie Arbeitsverweigerung mutet aber erst das Procedere bzw. Nicht-Procedere der Nachrichtenübermittlung an. Eine Anruferin bittet, nachdem das Durchstellen des Telefonats auf mein Zimmer erfolglos war, mir ­eine Nachricht mit der dringenden Bitte um Rück­ruf weiterzuleiten. Daraufhin wird ihr allen Ernstes mitgeteilt, dass dies nicht möglich sei! Begründet wird dies damit, dass es keinen Anrufbeantworter auf dem Zimmer gebe – dabei weist die Telefoninformation ausdrücklich auf die Nachrichtenfunktion der Voice-Mail-Box hin – und man könne mir auch keine schrift­liche Nachricht aufs Zimmer bringen. Falls ich aber »zufällig« an die Rezeption käme, würde man mir die Rückrufbitte ausrichten. Was nie passiert.
Wertung: mangelhaft

Öffentliche Bereiche

Die öffentlichen Bereiche des Hotels präsentieren sich gut gepflegt. Lediglich der Teppichboden in dem auch von Gästen häufig frequentierten Flur zwischen Küche und Lager ist abgenutzt und ständig verschmutzt. Zahlreiche Getränkeflecken auf den Ledersofas in der Lounge zeugen von deren abendlicher Nutzung durch Bargäste. In den öffentlichen Toiletten fehlen Kleiderhaken in den Kabinen.
Wertung: sehr gut

19:40 - Restaurant »Mediterrané«

Die »vielseitige Gastronomiewelt«, von der in Hotelprospekten und im Internet immer wieder die Rede ist, präsentiert sich am Abend des Testbesuches eher einseitig. Der »kleine feine Italiener« (»Osteria Uno«) hat geschlossen und in »Herry’s Schänke« feiert eine Gesellschaft. Bleibt zum Essen für meinen Gast und mich nur das 200 Sitzplätze umfassende Restaurant »Mediterrané«. Mutet das in Apricottönen gehaltene und mit hohen, künstlichen Bäumen dekorierte Restaurant bei Tag noch recht ansprechend an, gestaltet sich der Aufenthalt am Abend als echte Zumutung – und dabei ist das Restaurant noch nicht einmal ganz voll. Über das viel zu helle Licht könnte man eventuell noch hinwegsehen, aber der ungeheuer hohe Lautstärkepegel der zahlreichen Tagungsgäste, die hier in Gruppen das Buffet plündern, schaffen Kantinenatmosphäre und machen jegliche Hoffnung auf ein stimmungsvolles A-la-carte-Abendessen zunichte. Dieser Zustand ist auch unserer »Hauptbedienung« – neben Frau L. sind immer wieder andere Servicekräfte an unserem Tisch zugange – sichtlich unangenehm. Frau L., die einzige wirklich herzliche Mitarbeiterin, mit der ich während meines Aufenthaltes im La Strada zu tun habe, erkennt unser Dilemma sofort und bemüht sich nach Kräften und im Rahmen ihrer Möglichkeiten, uns Gutes zu tun. Dies gelingt jedoch nur bedingt, da Frau L. eine sehr große Gästegruppe zu bewirten hat und ihr die Zeit zur Betreuung individueller Gäste fehlt. Ihren Namen kenne ich im Übrigen nur von der Rechnung, da sie – wie fast alle Mitarbeiter – kein Namensschild trägt.

Aus dem Nullachtfünfzehn-Angebot der Speisekarte stechen einzig die Original Blockhouse Steaks hervor, die in verschiedenen Varianten und Größen angeboten werden. Wir bestellen zwei davon und zur Vorspeise Melone mit Schinken und Tomate mit Mozzarella. Sieben offene Weine sind auf einem schmuddelig kopierten, weißen Blatt gelistet, das in die Speisekarte eingeklebt wurde. Wir ordern zwei offene Rotweine sowie Wasser. Dauert es schon realtiv lang, bis die Getränke serviert werden, erscheinen uns die 25 Minuten, bis Brot und Butter an den Tisch kommen, ewig. Gleich darauf wird die Vorspeise eingesetzt, die akzeptabel schmeckt und hübsch angerichtet ist. Nach dem Abräumen dauert es weitere 35 Minuten, bis die Steaks serviert werden. Sie sind nach Wunsch gebraten und von sehr guter Qualität. Am Knoblauchbrot und den Baked Potatoes gibt es ebenfalls nichts auszusetzen, nur die Sour Cream hat mit Sauerrahm nicht das Geringste zu tun – es handelt sich dabei vielmehr um eine mayonnaisige, merkwürdig mit Trockenkräutern gewürzte Paste. Meinem Wunsch, mir anstelle des »fertigen« Beilagensalates einen Salat vom Buffet zusammenstellen zu dürfen, darf Frau L. nach Rückfrage in der Küche entsprechen. Unglücklicherweise ist das Salatbuffet, auf das ich mittags einen Blick geworfen hatte, abends nicht in gleicher Form bestückt, sodass ich mit ein paar Gurken- und Tomatenscheiben vorlieb nehmen muss.

Warum man bei vielen Tischen im Restaurant dicke Glasplatten verwendet hat, bleibt das Geheimnis der Geschäftsführung. Unsere große, quadratische Tischplatte ist an allen vier Ecken kräftig angeschlagen; der Mini-Tischläufer darauf mit Menagen, einem Teelichtchen und einer einzelnen Blume wirkt beinahe mickrig. Nachdem wir uns zwei Stunden mehr oder weniger brüllend miteinander verständigen mussten, sind mein Gast und ich froh, die Lokalität verlassen zu können. Frau L. bringt uns die Rechnung und macht uns mit sichtbar schlechtem Gewissen darauf aufmerksam, dass es auch an der Bar sehr voll sei.
Wertung: befriedigend

21:50 - »Holly’s Bar«

»Holly’s Bar« liegt zentral in der weitläufigen Lobby und dient an diesem Abend als Treffpunkt zahlreicher Tagungsgäste. Infolgedessen ist »die Hölle los«, sowohl am langgezogenen, schick beleuchteten Tresen als auch an den Stehtischen davor. Selbst die Sofas in der nahegelegenen Lounge sind dicht bevölkert. Für einen alleinreisenden Businessgast ist es sicher kein Problem, hier in Kontakt mit anderen Gästen zu kommen, wer allerdings in Ruhe noch einen Absacker zu sich nehmen möchte, hat dazu kaum Gelegenheit – zumal es sich als langwierigen Akt gestaltet, überhaupt ein Kaltgetränk zu bestellen. Die drei Servicekräfte hinter der Bar sind heillos überfordert und gestresst, was ihnen deutlich anzumerken ist. Meine Margarita dauert ewig und muss sofort bezahlt werden. Ob ihrer Darbietung bin ich überrascht: Der Drink wird ohne Salzrand im hohen Caipi-Glas serviert und ist zudem mit einem Schuss Grenadine koloriert. Er schmeckt dennoch erstaunlich gut und ich bekomme auf diese Weise die doppelte Menge des Cocktails. Snacks gibt es hingegen keine und wer ein zweites Getränk ordern möchte, muss sich erneut lange anstellen. Auch an der Bar ist es überaus laut und man muss schon gerne Trubel um sich haben, um sich hier wohlzufühlen. Die Tagungsgruppen tun dies zweifellos.
Wertung: befriedigend

FR 11/02, 11:40 - Frühstück

Das Frühstücksbuffet hat im Verhältnis zum Zimmer einen relativ hohen Preis (15,50 Euro), der jedoch durchaus gerechtfertigt ist. Die Auswahl an Speisen und Getränken ist quantitativ wie qualitativ gut. Besonders hervorzuheben sind die hervorragende Brotauswahl – es werden mehrere körnige und nussige Sorten in schmalen, langen Laiben angeboten, von denen man sich kleine Scheiben abschneiden kann – sowie das reichhaltige Sortiment an Wurst und Schinken, Käse und Fischprodukten. Auch Müsli- und Joghurtfans kommen auf ihre Kosten. An einer Kochstation können sich die Gäste zudem Eierspeisen à la minute zubereiten lassen. Insgesamt wartet das La Strada mit einem reichhaltigen und vielseitigen Buffet auf. Was fehlt, sind fettarme Alternativen und wirklich frisches Obst – Obstsalat, Ananas- und Orangenscheiben sind zwar optisch frisch, aber Convenience-Ware. Mehrere Säfte stehen in Dispensern bereit, am Teebuffet gibt es frische Zitrone und Kandiszucker. Dass man sich auch seinen Kaffee selbst zapfen muss, wäre nicht tragisch, würde man als Gast darüber informiert werden. In der Praxis muss ich der Dame am Eingang zum Res­taurant »Mediterrané« nur kurz meine Zimmerkarte aushändigen und bin dann mir selbst überlassen. Vermutlich geht man davon aus, dass der Gast, wartet er nur lange genug und vergebens am Tisch auf Bedienung und Kaffee, sich irgendwann schon selbst auf die Suche machen wird. Fündig wird er nicht nur bei einem großen Kaffeeautomaten, sondern auch noch bei einer kleineren Kaffeemaschine mit Spezialitäten wie Espresso und Cappuccino, wenngleich sich deren Qualität nicht auf Top-Niveau befinden. Wer eine Zeitung lesen möchte, muss sich diese an der Rezeption besorgen – im Restaurant liegen keine Tageszeitungen aus.
Wertung: gut

Sauna / Fitness

 

 

Schwimmbad, Sauna und Dampfbad – vollmundig »Vitalisarium« genannt – liegen im Erdgeschoss hinter der Bar am Ende eines Ganges, zu dessen beiden Seiten große Glastüren in Tagungsräume führen. In den Pausen halten sich die Tagungsgäste direkt vor der Eingangstür zum Schwimmbad auf, sodass man sich als Wellness-Gast bestaunen lassen kann wie ein Fisch im Aquarium. Dazu muss man aber erst einmal die innen angebrachten Lichtschalter finden, denn dieser liegt selbst während der Öffnungszeit (ab 17 Uhr) im Dunkeln. Bei Licht präsentiert sich dem Gast allerdings ein Wellnessbereich, der einem Vier-Sterne-Hotel in keinster Weise würdig ist. Mag das mit Malerei dekorierte kleine Schwimmbad und die darum gruppierten Liegen aus Plastik-Rattan noch als »ganz nett« durchgehen, so scheinen die angrenzenden Umkleiden und der Saunabereich einem heruntergekommenen, drittklassigen, städtischen Hallenbad zu entstammen. Blau-weiß lackierte Press-Spanplatten, fehlende Spindtüren, ein an der Wand angebrachter und ein hoch und runter zu schiebender Haartrockner, dessen Schalter man über Kopf gedrückt halten muss. Das völlig veraltete Dampfbad defekt, die Holzbänke der Sauna abgenutzt und fleckig, die Messinstrumente nicht mehr funktionstüchtig, die Duschköpfe beider Duschen verkalkt, ihre Sonderfunktionen (Tropenschauer und Eisregen) kaputt. Welch ein Unterschied ist hierzu der Fitnessbereich, den man wohl vor nicht allzu langer Zeit in einen lichten, gläsernen Verbindungstrakt zwischen zwei Gebäuden umgelagert hat. Mit jeweils sechs hochwertigen Cardio- und Muskeltrainingsgeräten ist dieser Bereich bestens ausgestattet und ebenso funktional wie attraktiv. Boden und Geräte sind jedoch staubig und es gibt weder Wasser noch Handtücher.

Wertung: befriedigend

Check-out

Mein Check-out wird von der gleichen Mitarbeiterin durchgeführt, die mich auch eingecheckt hat, weshalb ich mit der gleichen freundlich-­distanzierten Art verabschiedet werde. Das Zimmer habe ich ja schon bei Anreise bezahlt, den Restaurantverzehr bar vor Ort, also gilt es nur noch nach dem Minibarverzehr zu fragen. Dies sowie eine entsprechende Belegerstellung verläuft zügig und professionell. Die Frage, wie es mir im La Strada gefallen hat, unterbleibt ebenso wie der Wunsch, mich bei Gelegenheit einmal wieder begrüßen zu dürfen. Als mir die Rezeptionistin noch einen schönen Tag wünscht, sind ihre Augen schon beim Gast hinter mir.
Wertung: noch gut

Bilanz

Zentrale Lage, gute Verkehrsanbindung, großzügige, saubere Zimmer und ein reichhaltiges Frühstück – wenn sich zu diesen Faktoren noch ein günstiger Übernachtungspreis gesellt, ist das für den Geschäftsreisenden schon die halbe Miete. Kann das Hotel zudem mit einem vielseitigen Tagungsbereich aufwarten, darf es sich einer guten Auslastung sicher sein. Die Qualität eines Hauses wird aber letztlich nicht nur über den Preis, sondern über das Niveau seiner Serviceleistungen und die Kompetenz, Herzlichkeit und Dienstleistungsbereitschaft seiner Mitarbeiter definiert. Und genau hier hapert es in Aukam’s La Strada gewaltig. Der etwas anspruchsvollere, alleinreisende Businessgast geht in der Menge vollkommen unter und vermisst schmerzlich die individuelle Ansprache und eigentlich selbstverständliche Dienstleistungen – vom desolaten Zustand des Saunabereiches einmal ganz zu schweigen. Das Hotelmanagement täte gut daran, den zwischenzeitlich aufgenommenen Namenszusatz »Grand Hotel Modérne« wieder sterben zu lassen. Mitsamt dem falschen Accent.

Ergebnis: 52%

Testurteil: befriedigend

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft; 20-0 ungenügend.

Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel; die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!