Es geht um mehr als Bequemlichkeit: Hotels, die ihre Gäste gut betten, bieten ihnen nicht nur Entspannung, sondern steigern auch die Zufriedenheit und langfristige Bindung. Es gibt noch weitere Ideen für guten Schlaf, wie zwei Hotels zeigen.
Ruhe und guter Schlaf machen den Aufenthalt in einem Hotel erst wirklich erholsam – das wissen mittlerweile viele Gastgeber. Dennoch wird bevorzugt in Spa-Landschaften und Gourmetküchen investiert, während es oftmals kaum um die Schlafqualität geht. Einige Hoteliers setzen bewusst einen anderen Schwerpunkt und entwickeln innovative Konzepte für gesunden Schlaf. Zu den Vorreitern zählen der Preidlhof in Naturns in Südtirol und das Berghotel Rehlegg in Ramsau. In beiden Häusern verfolgt man individuelle Strategien, um Gästen eine erholsame Nachtruhe zu ermöglichen.
Im Fünfsternehaus Preidlhof in Südtirol legt General Manager Klaus Ladurner den Fokus auf hochwertige Materialien, durchdachte Raumkonzepte und gezielte Maßnahmen zur Förderung der nächtlichen Regeneration. „Unser Konzept besteht seit über zehn Jahren und wird stetig weiterentwickelt“, berichtet Ladurner. Der bewusste Verzicht auf übermäßige Technik, eigens konzipierte Schlafsuiten sowie individuelle Schlaf Coachings gehören ebenso dazu wie ein ausgeklügeltes Lichtund Klangdesign in den Zimmern. Einen ganz anderen, aber nicht minder innovativen Weg geht das Viersterne-Superior-Hotel Rehlegg in Ramsau. Hier begann alles mit Schlafschulungen für die Mitarbeitenden – mit dem Ziel, deren Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit zu steigern.


„Ausgeruhte Mitarbeitende sind nicht nur gesünder, sondern auch aufmerksamer und entspannter im Umgang mit unseren Gästen“, so Leiter Hannes Lichtmannegger. Aus dem internen Programm entwickelte sich nach und nach ein umfassendes Angebot für Gäste – inklusive Schlafund Gesundheitsprogrammen, osteopathischer Behandlungen und bio-zertifizierter Ernährung. Für Lichtmannegger steht fest: „Zufriedene Mitarbeitende sind die besten Gastgeber.“ Dass sich diese Philosophie herumspricht, zeige sich auch daran, dass das Hotel kaum Probleme habe, qualifiziertes Personal zu finden – in einer Branche, die oft genau damit zu kämpfen hat.
Laut einer aktuellen Umfrage der Reisesuchmaschine Kayak bringen über 56 Prozent der Reisenden persönliche Einschlafhilfen mit ins Hotel, zum Beispiel Ohrstöpsel (zwölf Prozent) oder Schlafmaske (neun Prozent). Besonders beliebt: das eigene Kopfkissen, das rund 24 Prozent der Befragten in ihren Koffer packen. Das scheint vielen Hotels nicht bewusst zu sein: Nur 23 Prozent der Befragten hatten im Hotel bereits das Angebot eines Kissenmenüs. Wer diesen Service kennt, ist damit überaus zufrieden: Mehr als die Hälfte der Gäste, die ihn in Anspruch genommen haben, berichten Kayak von einer „spürbaren Verbesserung“ ihres Schlafs. Im Preidlhof und im Rehlegg werden bereits solche exklusiven Kissenmenüs angeboten, die einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen.
"Unser Ansatz ist unterstützend, nicht therapeutisch. Wir geben Impulse, damit unsere Gäste besser schlafen und sich rundum wohlfühlen."
Hannes Lichtmannegger, Leiter, Berghotel Rehlegg in Ramsau bei Berchtesgaden
Zur Auswahl stehen duftende Lavendelkissen zur Entspannung, beruhigende Kräuterkissen oder spezielle Modelle für Seiten- und Rückenschläfer. Auch die Wahl des Bettes spielt eine entscheidende Rolle. Im Rehlegg kommen handgefertigte Matratzen von Hästens aus Schweden zum Einsatz – gefertigt aus reinen Naturmaterialien. „Manche Hotels investieren Millionen in Wellnessangebote und luxuriöse Ausstattung, sparen aber gerade beim Bett“, kritisiert Lichtmannegger. Die hochwertigen Matratzen zählen zu den besten auf dem Markt – und ihre Langlebigkeit zahlt sich auf Dauer aus. Im Preidlhof stehen den Gästen gleich zwei exklusive Bettsysteme zur Wahl: eine metallfreie Mehrzonen-Luxus-Schaummatratze mit Naturlatex Topper in verschiedenen Härtegraden sowie ein natürliches Schlafsystem mit Holzlattenrost, Schafwollauflage und einer Matratze aus Naturkautschuk. „Beide Varianten bieten außergewöhnlichen Komfort und unterstützen eine gesunde Schlafhaltung“, so Ladurner.
Ruhe pur: Raumgestaltung und Schlafumgebung
Nicht nur das Bett, auch die Umgebung hat großen Einfluss auf die Schlafqualität. Im Rehlegg wurden dafür spezielle Zimmer geschaffen, in denen es um Ruhe und Entspannung geht. Sie liegen besonders abgeschieden und verzichten bewusst auf TV-Geräte und WLAN, um eine störungsfreie Nachtruhe zu ermöglichen. Ein besonderes Highlight ist das Schaukelbett – es imitiert die sanften Bewegungen im Mutterleib und fördert ein tiefes Gefühl von Geborgenheit. „Wir möchten unseren Gästen einen Raum bieten, in dem sie wirklich abschalten können“, sagt Lichtmannegger. Auch im Preidlhof spielt die Gestaltung der Schlafumgebung eine zentrale Rolle.
Die Zimmer verfügen über exzellente Schallisolierung, ein eigens entwickeltes Lichtkonzept sowie Netzfreischaltungen, um elektromagnetische Störquellen zu minimieren. „Unsere Räume wurden von Anfang an nach den Prinzipien für gesunden Schlaf konzipiert“, sagt Klaus Ladurner. Zusätzlich trägt die Lage zur Erholung bei: Der Preidlhof liegt eingebettet in die Natur Südtirols und wurde mit einer Quiet Stay Certification als besonders ruhiger und regenerativer Ort ausgezeichnet.


Beide Hotels bieten ihren Gästen eine Reihe von Services, die den Schlaf zusätzlich fördern. Im Rehlegg stehen den Gästen ein Schlaf-Tee-Service, Entspannungsöle zum Auftragen auf die Schläfen und sogar beruhigende Fußbäder zur Verfügung. „Wir bieten keine medizinische Beratung an, aber wir möchten eine Atmosphäre schaffen, in der sich unsere Gäste wohlfühlen und entspannen können“, betont Lichtmannegger. Im Preidlhof erhalten Gäste einen kostenlosen „Sleep-Korb“ mit Einschlafhilfen sowie Kleinigkeiten zu essen, die den Tiefschlaf fördern. Zudem gibt es Spa-Behandlungen und Retreats, die gezielt bei Schlafproblemen helfen. „Unsere Ärzte haben diese Programme speziell für unsere Gäste entwickelt“, so Ladurner.
Viele Wege führen zur Ruhe: Die Zukunft des Schlafens
Viele Hotels setzen auf hochwertige Betten und ruhige Zimmer, doch einige gehen noch weiter, integrieren medizinisch fundierte Schlafprogramme, um die Schlafqualität gezielt zu verbessern. Ein Beispiel ist das Schlaf-Programm im Lefay Resort & Spa Gardasee, das auf der Traditionellen Chinesischen Medizin basiert. Im Rahmen eines fünftägigen Programms wird individuell auf die Gäste und ihre Bedürfnisse eingegangen. Bereits vor der Anreise füllt der Gast einen Online-Fragebogen aus, um das Zimmer individuell vorzubereiten.
Die Hotellerie erkennt zunehmend die Bedeutung von gutem Schlaf für die Erholung ihrer Gäste. Hotels wie das Rehlegg oder der Preidlhof setzen auf maßgeschneiderte Schlafkonzepte. Diese innovativen Ansätze sorgen dafür, dass Gäste nicht nur gut schlafen, sondern auch vollständig entspannen und regenerieren können.
„Schlaf ist der wahre Luxus“
Welche häufigen Fehler beobachten Sie in Hotels, wenn es um die Schlafqualität der Gäste geht?
Viele Hotels denken, dass eine gute Matratze und schallisolierte Fenster ausreichen. Dabei wird das enorme Potenzial vernachlässigt, Gästen ein wirklich erholsames Schlaferlebnis zu bieten. Diese Investition kann sich schneller auszahlen als eine neue Poollandschaft.
Wie können Hotels die Schlafqualität ihrer Gäste gezielt verbessern?
Kleine, aber effektive Maßnahmen machen den Unterschied: Außenbeleuchtung nachts reduzieren, Schlaftees im Zimmer anbieten, eigene Schlafdüfte entwickeln, geräuschlose Zimmer gestalten und auf individuelle Bedürfnisse eingehen, etwa die Wahl zwischen härteren und weicheren Matratzen anbieten.
Ein Schlaf-Sommelier – ist das Mehrwert oder Marketing?
Das hängt sehr von der Ausbildung und den Erwartungen ab. Ein Wochenendkurs reicht nicht aus. Wenn das Versprechen lautet: „Schlafen Sie nach einer Beratung endlich durch“, ist das unseriös. Doch wenn Schlaf-Sommeliers dazu beitragen, den Schlaf angenehmer zu gestalten und neue Routinen zu vermitteln, kann das ein wertvoller Service sein.
Welche Zukunft hat das Thema Schlaf in der Hotellerie?
Eine zunehmend ältere, aber weiterhin reiselustige Gesellschaft sowie flexible Arbeitsmodelle wie Workation machen angepasste Schlafkonzepte in Hotels unerlässlich. Auch digitale DetoxProgramme und Longevity-Angebote gewinnen zunehmend an Bedeutung und sollten bei Schlafkonzepten bedacht werden.
Interview mit Christine Lenz, Schlafberaterin für Hotels, Sleep Consulting & Design
