Im neuen Schani-Hotel in Wien wurde eine ganzheitliche Gebäudeautomation verbaut, die nahtlos in das PMS des Hauses integriert ist. Das sorgt für mehr Energieeffizienz und eine bessere Guest-Journey.
Fast zehn Jahre ist es her, dass das erste Schani-Hotel in Wien an den Start gegangen ist. Doch die Experimentierfreude von CEO und Co-Founder Benedikt Komarek ist auch bei der Eröffnung des nunmehr vierten Hotels ungebrochen. „Wir sind das Versuchskaninchen der Branche“, sagt der Hotelier und lacht, während er bei strahlendem Sonnenschein durch das neue Schani Hotel Uno City führt.
Die Schani-Hotels sind keine gewöhnlichen Hotels. Sie setzen als eine der ersten Hotelgruppen in die Praxis um, woran das Innovationsnetzwerk „Future Hotel“ im Labor des Fraunhofer Instituts seit 2008 forscht. „Viele Branchenakteure informieren sich lediglich über Trends und setzen nichts davon um. Das wollten wir ändern“, sagt Komarek, der die engagierte Forschungsleiterin Vanessa Borkmann 2012 beim Hotelforum kennenlernte und sich der Arbeitsgruppe begeistert anschloss.
Novum in der Branche
Gemeinsam erarbeiteten sie neue Lösungen für die Hotellerie, die sie 2014 im ersten Schani-Hotel am Wiener Hauptbahnhof verwirklichten. Mit Features, die heute Standard sind, damals aber ein Novum in der Branche waren: Zum Beispiel die Open Lobby, hippe Co-Working-Spaces, Mobile Check-in, Screen Mirroring und eine Zimmerbuchung wie im Flugzeug. Das Konzept kam gut an und Benedikt Komarek brachte weitere Häuser auf den Markt. Es folgten die Eröffnung des Hotel Schani Salon in der Mariahilfer Straße und des Bio-Hotels Schani Wienblick am Stadtrand. Seit März 2024 gibt es mit dem Schani Uno City direkt beim Vienna International Center an der Alten Donau nun einen vierten Ableger der „Zukunftshotels“.
Und auch dieses Haus will neue Wege gehen. Zum ersten Mal wurde eine ganzheitliche Gebäudeautomation verbaut, die nahtlos in das Property Management System integriert ist. Das Ziel: Nachhaltige Maßnahmen im Gebäude messbar zu machen und das Co2-Einsparpotenzial voll auszuschöpfen. „Das Hotel ist intelligent, smart und benutzerfreundlich konzipiert“, erläutert Komarek. „Unsere Räume sind alle vernetzt und mit Infrarot-Präsenzmeldern ausgestattet. Verlässt ein Gast sein Zimmer, werden sämtliche stromverbrauchende Prozesse heruntergefahren und beim Betreten wieder aktiviert.“
Um die Gebäudetechnik ganzheitlich aufzuziehen, holte sich der Hotelier frühzeitig die Kompetenz der Partner Gira, Häfele und Like Magic mit ins Boot. Denn bereits im Rohbau mussten die Räume mit KNX ausgestattet werden, damit die einzelnen Komponenten der Hersteller später problemlos miteinander „sprechen“ können. KNX steht für „Konnex-Bus“ und ist ein weltweit anerkannter Standard für ein Bus-System innerhalb der Gebäudeautomation. „Es musste alles miteinander verbunden werden – Klimaanlage, Heizung, Infrarotmelder, Fenster – alle Vorgänge lassen sich nun vollautomatisiert steuern“, so Komarek. Ist ein Zimmer vermietet, wird es erst kurz vor Anreise der Gäste automatisch auf Temperatur gebracht. Herrscht wenig Betrieb, lassen sich die Zimmer komplett herunterfahren – sogar etagenweise.
Für ein gutes Klima sorgt in den Zimmern ein ausgeklügeltes Lüftungssystem mit kontrollierter Zu- und Abluft, mit dem sich zusätzlich Energie sparen lässt. Dabei wird über die Melder gemessen, wie hoch der Co2-Anteil in der Luft ist und automatisch Frischluft zugeführt. Ein weiteres Detail der smarten Automation: Öffnet das Housekeeping mit seiner Karte die Zimmer, gehen automatisch alle Lichter an und die Klimaanlage fährt hoch, damit das Personal bei der Reinigung nicht ins Schwitzen kommt. Ist das Housekeeping fertig, bleibt die Lüftung noch weitere 30 Minuten an, um für ein optimales Raumklima zu sorgen.
„Der entscheidende Vorteil ist aber, dass wir jeden Verbrauch pro Zimmer exakt messen können“, sagt Komarek und verweist auf die neuen Möglichkeiten, die sich damit bieten. Zum Beispiel den Gästen bewusst zu machen, wie viel oder wenig Energie sie im Vergleich zu anderen Gästen oder einem klassischen Hotel verbraucht haben. Und diesen Co2-Abdruck auch auf der Hotelrechnung sichtbar zu machen.
Technologie für eine bessere Guest Journey, aber kein Must
Einige Bereiche sind bereits komplett an die ganzheitliche Automatisierung angeschlossen, manche noch nicht. „Wir lassen das Haus nach und nach von den Zügeln“, berichtet Markus Marth, der seit Januar 2023 für das operative Geschäft der Häuser zuständig ist. Noch in der Programmierung befinde sich zum Beispiel das Dashboard von Apaleo, über das die Betreiber alle Verbräuche im Blick haben. „So lernen wir, was wir bei künftigen Immobilien anders machen müssen. Wir werden rechnerisch genau wissen, wann und ob sich die Investitionen in die True-Presence-Melder gelohnt haben.“ Auch das Tool, mit dem Gäste bestimmte Zimmer im Hotel buchen können, müsse erst noch programmiert werden – bislang funktioniere dies mit dem Application binary Interface (ABI) von Apaleo noch nicht.
Geändert hat die Kette auch ihr Property Management System (PMS), das über Apaleo und Like Magic läuft und auf alle Schani-Hotels ausgerollt werden soll. „Das ermöglicht uns eine extrem gute Guest Journey“, sagt Komarek. Apaleo fungiere dabei als „Mutter“, die im Hintergrund alles verwaltet. Like Magic ist die steuernde Oberfläche, die komplizierte Befehle in Apaleo auslöst und für Mitarbeitende, Housekeeping und Front of House vereinfacht darstellt. Auch ein neuer Mobile Key ist im Uno City im Einsatz, der nicht mehr über eine App, sondern über eine Web-App läuft. „Hier arbeiten wir mit dem Gira Homeserver, was sehr gut funktioniert“, so Komarek. „Der entscheidende Vorteil ist, dass sich niemand mehr eine App herunterladen muss.“
Die Gäste haben die Wahl, ob sie mit dem Hotel via Whatsapp oder Email kommunizieren, zudem können sie im System einen Co-Reisenden (Travel-Buddy) anlegen, der dann einen eigenen digitalen Schlüssel zugeschickt bekommt. Neu ist auch die Möglichkeit, die Rechnungsadresse eigenständig zu ändern. Aufgebaut sei das Ganze wie ein Onlineshop. Dabei blieben die Gäste immer auf der gleichen Plattform – „ein absoluter Gamechanger in der Industrie“, findet Komarek.
Steckbrief
- Name: Hotel Schani Uno City
- Betreiber: Schani-Hotels
- Vertragsform: Pachtvertrag
- Eröffnung: 29. März 2024
- Bauzeit: 09/2022 - 03/2024
- Eigentümer/Projektentwickler: Schwandl Autohandelsgesellschaft
- Architektur & Design: Archisphere, Wien
- Innenausbau: Stilles
- Grundstücksgröße: 2.700 qm
- Bruttogrundfläche: 11.510 qm
- Vermietbare Zimmerfläche: 4.436 qm
- Zimmeranzahl: 202
- Zimmergrößen: 19 - 50 qm
- Zimmerpreise: ab 119 Euro
- Veranstaltungen: zwei Seminarräume 1 x 50 qm, 1 x 110 qm
- Ausstatter/Firmen: u.a. Häfele, Gira, Toshiba, Marazzi, Fritz Hansen, Thonet, Kartell, Mühldorfer, Keuco, Villeroy & Boch
Für den Hotelier ist Technologie spannend und wichtig – dürfe aber nicht Gefahr laufen, „allzu dominant“ zu werden. Das heißt: Es muss immer ein Backup geben. Gäste können mit dem Smartphone einchecken, müssen aber nicht. Aus diesem Grund gibt es in der Lobby auch noch einen Self-Check-in-Schalter und Mitarbeitende, die den Gästen bei Fragen zur Seite stehen. Gleiches gilt auch für Klima, Heizung und Licht im Zimmer, das die Gäste übers Smartphone steuern können, aber nicht zwangsläufig müssen. „Wir haben nach wie vor Schalter verbaut. Die wenigsten Gäste wollen sich nach einem anstrengenden Tag noch damit auseinandersetzen, wie sie das Licht an- und ausschalten.“
Im Laufe der Jahre habe die Gruppe ihre Guest Journey immer weiter verbessert. „Haben wir früher noch relativ träge Touch Screens eingesetzt, nutzen wir heute iPads, die sehr gut zu bedienen sind und die die Gäste von zu Hause kennen.“ Auch beim W-Lan habe sich einiges getan. Galt damals im Schani am Hauptbahnhof eine 100-Mbit/s-Leitung als leistungsstark, hat das Schani Uno City mittlerweile schon 1 Gigabit/s. „Wir schauen uns alles an, was es auf dem Markt Neues gibt“, berichtet der Hotelier. „Aber am Ende muss es einen Mehrwert für den Gast oder die Mitarbeiter bieten.“
Das sei leider nicht immer der Fall: Als Komarek damals mit dem Innenministerium eine Tür entwickelte, die sich per Fingerabdruck öffnen ließ, kam das bei den Gästen überhaupt nicht gut an. Und auch der Roboter, der für eine Weile im Einsatz war, wurde wieder abgeschafft. Neben all der Technik hat die Gruppe auch ihre Designsprache weiterentwickelt. Jeder Standort der kleinen Kette hat seine eigene Geschichte, so dreht sich im neuen Schani Uno City alles um das Thema Spionage. Warum? Wien gilt als Hochburg der heimlichen Informationsbeschaffung. Geheimdienstliche Tätigkeiten sind in Österreich nämlich nur verboten, wenn sie sich gegen das eigene Land richten.
„Aufgrund unserer Lage direkt an der Uno nähern wir uns dem Thema auf humorvolle Weise“, so Komarek. So hängen über dem Frühstücksbuffet als Lampen umfunktionierte Überwachungskameras, die Tapeten in den öffentlichen Toilettenräumen sind mit Ausweisen und Bildern von Spionen bedruckt, und im Treppenhaus weisen Comic-artig gestaltete „Spione“ den Weg.
Restaurant-Premiere mit Streetfood
Für Architektur und Design des Gebäudes, das die Schani-Hotels für 20 Jahre gepachtet haben, zeichnet das Wiener Büro Archisphere verantwortlich. Die öffentlichen Bereiche gehen fließend ineinander über und sind üppig mit Grünpflanzen bestückt. Mobile Worker können entweder am langen Holztisch in der Bar arbeiten oder sich in eine der vielen Nischen zurückziehen. Für Privatsphäre sorgen auch die Raumteiler mit Wiener Geflecht, die Kaffeehaus-Atmosphäre ins Hotel bringen.
Das Layout der 202 Zimmer in fünf Kategorien ist ähnlich wie in den anderen Schani-Hotels: Es gibt offene verglaste Duschen, die sich mittels Vorhang abtrennen lassen, ein separates WC, Sitznischen am Fenster und eine Sofaecke. Praktisch ist auch der Nachttisch, auf dem die Gäste ihre Smartphones induktiv laden können, sowie der kleine ausklappbare Arbeitstisch. Minibars gibt es keine – auf jeder Etage stehen gut bestückte Vending Machines bereit.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Schani-Hotels gibt es mit der „Seven Botanicals Bar & Kitchen“ ein eigenständiges kulinarisches (24/7-)Angebot mit Streetfood-Spezialitäten: von Fish and Chips über den New Yorker Hotdog bis hin zum Kaiserschmarrn. Abends mixen Barkeeper kreative Drinks. In zwei Jahren soll bereits ein weiteres Schani am Wiener Naschmarkt an den Start gehen. Geplant ist ein kleineres Haus mit 85 Zimmern, Rooftop-Bar und Terrasse. „Alle zwei Jahre ein neues Haus zu eröffnen wäre das perfekte Tempo“, sagt Komarek und fügt hinzu: „Wir wollen nachhaltig wachsen.“