Industrietalk "Sanitäranlagen ganzheitlich managen"

Matthias Eschhaus ist seit 2021 Verkaufsberater Hotel bei der Geberit Vertriebs GmbH. © Geberit

Wie lassen sich Wassermanagementsysteme in bestehende Anlagen integrieren? Darüber spricht Hotel+Technik mit Sanitärexperte Matthias Eschhaus von Geberit.

Herr Eschhaus, die Anforderungen an die Trinkwasserhygiene werden immer strenger. Was sind für die Hotellerie die größten Heraus­forderungen?

Matthias Eschhaus: In jedem Gebäude muss der regelmäßige Wasseraustausch im Trinkwassersystem gewährleistet sein. Das gilt auch für Hotels, insbesondere bei unvorhergesehenen oder auch planbaren Leerständen. Will der Hotelier sein Haus wirtschaftlich betreiben, kann es sich lohnen, den notwendigen Wasseraustausch zu automatisieren und zu digitalisieren. Die Hygienespülungen von Geberit ermöglichen dank verschiedener Ausstattungen in zahlreichen Betriebs- und Einbausituationen im Hotel eine wirtschaftliche Lösung.

Ab welcher Zeitspanne wird es denn kritisch, wenn Trinkwasseranlagen längere Zeit nicht genutzt werden?

Bereits wenn eine Anlage länger als 72 Stunden nicht genutzt wird, kommt es zu einer Stagnation des Trinkwassers. Bei längerer Verweilzeit des Wassers in der Trinkwasserinstallation kann die Wasserbeschaffenheit durch Vermehrung von Mikroorganismen wie Legionellen oder Keimen beeinträchtigt werden. Gibt es keinen regelmäßigen Wasseraustausch, muss der Leitungsinhalt durch zusätzliche Spülungen aus­getauscht werden. Diese Aufgabe können automatisierte Hygienespülungen durch das Öffnen eines Magnetventils übernehmen.

Geberit hat ein digitales Wassermanaagementsystem entwickelt. Was versteht man darunter?

„Geberit Connect“ ermöglicht es, elektronische Spüleinrichtungen digital zu vernetzen. Damit können Hoteliers ihre Sanitäranlagen ganzheitlich und wirtschaftlich managen. Das Konzept ist auf die vielseitige Steuerung von Sanitäranlagen ausgelegt – von der Überwachung bis zur Protokollierung der elektronischen Spüleinrichtungen. Mithilfe der App können Hoteliers Hygienespülungen, elektronische Armaturen sowie WC- und Urinalsteuerungen direkt bedienen und individuell einstellen: auf die eigenen Bedürfnisse, wie Wirtschaftlichkeit und Effizienz, sowie auf die Bedürfnisse ihrer Gäste, allen voran hygienisch einwandfreies Trinkwasser.

"Bereits wenn eine Anlage länger als 72 Stunden nicht genutzt wird, kommt es zu einer Stagnation des Trinkwassers."

Wie komplex ist der Einbau in bestehende Anlagen?

Das hängt von der gewünschten Ausstattung ab. Ein Beispiel: Bei der Integration von Bluetooth müssen lediglich die aktuellen Steuerungen nachgerüstet werden. Hierfür sind keine baulichen Maßnahmen notwendig. Die Bluetooth-Integration ist allerdings nur innerhalb eines Sanitärraums möglich. Bei einer Sanierung ist deshalb immer die Integration des GEBUS-Kabels zu empfehlen. Dabei müssen die Steuerungen von Urinalen, Waschtischen und WCs zusätzlich mit einem Konverter ausgestattet werden. Die Integration in ein bestehendes System für Gebäudeautomation ist durch die BACnet-Schnittstelle leicht möglich. BACnet ist ein Protokoll in der Gebäudeautomation, über das intelligente Geräte herstellerunabhängig miteinander vernetzt werden können.

Wie ist der konkrete Ablauf, wenn Hoteliers eine solche vernetzte Lösung einbauen wollen?

Vereinfacht gesagt, besteht der Ablauf aus diesen Schritten: Zunächst recherchieren die Entscheidungsträger, sie informieren sich und lassen sich beraten. Es folgt eine persönliche Beratung, bei der die konkreten Voraussetzungen, der Bedarf sowie die Wünsche und Anforderungen ermittelt werden. Anschließend übernimmt ein Fachplaner oder Installateur die genaue Planung und die Technik wird nach dessen Vorgaben eingebaut.

Ab welcher Hotelgröße rechnet sich so eine Anlage?

Dies lässt sich nicht pauschal beantworten. Generell lassen sich dank einer größeren Transparenz Prozesse vereinfachen und Betriebskosten reduzieren. Die Art und Dauer der Nutzung der Anlage kann festgestellt werden, Reinigungs- und Wartungsintervalle lassen sich auslesen, Spülprogramme können angepasst werden, beispielsweise in Sperrzeiten, und dadurch kann die Betriebssicherheit erhöht werden. Zeitlich bedeutet das zentrale Management der Anlagen für den Hotelbetreiber ebenfalls einen wirtschaftlichen Vorteil, zum Beispiel aufgrund von geringeren Personalkosten.

Mit welchen Kosten müssen Hoteliers rechnen?

Das hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel von der gewünschten Ausstattung, der Anzahl der Sanitärräume oder der Menge der einzubindenden Sanitärprodukte. Anhand eines Praxisbeispiels, das von einem Gebäude im Rohbau ausgeht, lassen sich bei Geberit Connect die Mehrkosten einer Installation mit Vernetzung im Vergleich zu einer Standardinstallation ohne Vernetzung auf rund vier Prozent beziffern.

Sind vernetzte Sanitärräume nachhaltiger als analoge?

Die wichtigste Voraussetzung, um Sanitäranlagen nachhaltiger betreiben zu können, ist die höhere Transparenz. Die Vernetzung von Sanitärprodukten hilft dabei, die erforderliche Transparenz herzustellen. Erst wenn Daten wie der Wasser- und Energieverbrauch, das Nutzungsverhalten oder Wartungsintervalle vorliegen, lassen sich diese analysieren und daraus Rückschlüsse ziehen, um den Betrieb in puncto Ressourceneffizienz zu optimieren.

Blick in die Zukunft: Wie könnten digitale Sanitärplattformen weiterentwickelt werden?

Außer dem effizienten Einsatz der Ressource Wasser gibt es noch einen weiteren Gedanken des Facility-Managements, den wir in Zukunft häufiger antreffen könnten – die Reinigung und Instandhaltung von Sanitäranlagen wird mithilfe von Nutzungsprofilen effizienter angepasst. Je besser die automatisierten Prozesse auf das jeweilige Objekt zugeschnitten sind, desto höher ist das Einsparpotenzial in puncto Zeit und Kosten.

Müssen Gäste Angst haben, dass eines Tages ihr Abwasser „gelesen“ wird?

Nein, diese Gefahr sehe ich nicht. Zumindest von unserer Seite ist nichts in diese Richtung geplant.

Zur Person

Matthias Eschhaus ist seit 2021 Verkaufsberater Hotel bei der Geberit Vertriebs GmbH. Geberit gilt als europäischer Marktführer für Sanitärprodukte. Der Hauptsitz befindet sich in Rapperswil-Jona (CH). Mit derzeit rund 12.000 Mitarbeitenden in rund 50 Ländern erzielte die Gruppe 2022 einen Nettoumsatz von 3,4 Milliarden Schweizer Franken.