Reklamation oder Erpressung? Hoteldirektorin veröffentlicht Beschwerde – und erntet Likes

Eine der Junior Suiten des Scandic Hamburg Emporio

Mit schlechten Bewertungen drohen Gäste immer wieder, um ein Upgrade oder eine Rückerstattung zu bekommen. Besonders dreist war ein Gast, der eine Nacht im Scandic Hamburg Emporio gewonnen hatte und im Nachhinein Mängel festgestellt haben wollte. Mit der Reaktion von Hoteldirektorin Madeleine Marx hatte er aber wohl nicht gerechnet.

Zwar hatte der Gast die Nacht gewonnen, das reichte ihm anscheinend nicht. Von seinem Zimmer war er „alles andere als begeistert“, schreibt er an das Emporio – der Grund: Es hatte keine Badewanne. Auch die Junior-Suite, die ihm anschließend angeboten wurde, ebenso wie zwei 15-Euro-Gutscheine, konnten ihn nicht beschwichtigen, er war „mega dolle genervt, weil alles blöd lief“. Schließlich bekam er beim Anblick der Suite den „nächsten Schock“ – sie war ihm nicht groß und sauber genug.

Das seien laut der E-Mail an das Hotel nur die schlimmsten Beobachtungen, der Gast fragt sich, wofür er „so viel extra zahlen“ musste und ob das Hotel die „Sterne im Haus berechtigt“ findet. „Wie kommen Sie uns entgegen?“, möchte er wissen und droht: „Noch haben wir unsere Internet-Bewertung nicht abgegeben und wir geben Ihnen hiermit die Chance, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Es wäre in Ihrem Interesse, uns entgegen zu kommen.“

Detailliert geht Hoteldirektorin Madeleine Marx auf die Vorwürfe in ihrer Antwort ein, bedankt sich sogar für die „ausführliche Kritik“ und betont mehrfach, dass der entsprechende Gast sich doch über die Suite positiv geäußert habe. Er habe sogar gegenüber einem Mitarbeiter gesagt, „dass alles in Ordnung sei“ und habe auch die Möglichkeit der Nachreinigung durch das Housekeeping nicht genutzt.

Die Drohung, eine negative Bewertung abzugeben, empfinde sie als fehl am Platz. Gerne hätte sie sich kulant gezeigt, schreibt die Hoteldirektorin, „aber eine erpresserisch formulierte Email und keinerlei Versuch, die Mängel während des Aufenthaltes beheben zu lassen“ überzeugten sie, das nicht zu tun. Stattdessen prüfe nun der Anwalt des Hotels, ob es sich um den Tatbestand der Erpressung handle.

Den Schriftverkehr veröffentlichte das Hotel auf seiner Facebook-Seite und fragt die User, wie sie die Reaktion von Madeleine Marx finden. Der Post wurde 350 Mal geteilt, in den fast 200 Kommentaren erntete die Direktorin hauptsächlich Lob für ihre "großartige" Antwort.