Reinhard Baumhögger im Interview »Wir haben uns gesundgeschrumpft«

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Reinhard Baumhögger kam auf Umwegen zur Hotelbranche. Heute 
ist das Bauen, Finanzieren und Betreiben von Hotels ein Schwerpunkt der von ihm gegründeten Unternehmensgruppe. Top hotel im Gespräch mit einem Mann, der viel fordert, aber auch gern fördert.

Top hotel: Sie sind Geschäftsmann, Unternehmer, Investor. Wie kamen Sie zur Hotellerie?
Reinhard Baumhögger: Ich bin zur Hotellerie gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Nach vielen Bauträgergesellschaftsaktivitäten haben wir einen Wettbewerb für das Mövenpick Hotel am Aasee in Münster gewonnen. Herr Prager, Gründer von Mövenpick, lud mich ein, 50-prozentiger Gesellschafter zu werden und das Hotel gemeinsam zu betreiben. Kurios – wenige Monate später wurde uns ein von Mövenpick betriebenes Hotel in Trier angeboten. Wir haben dies übernommen und von minus einer Million bei Übernahme auf plus eine Million im ersten Jahr gebracht.

Top hotel: Was reizt Sie an der Branche?
Reinhard Baumhögger: Wenn man die Bedeutung von »Gastlichkeit« versteht und die Aufgaben eines Hoteliers richtig umsetzt, kann man viel Freude an einem solchen Produkt haben. Dies gilt nicht nur in materieller Hinsicht, sondern auch dann, wenn einem Gäste oder Prominente schreiben, wie wohl sie sich in einem unserer Hotels gefühlt
 haben.

Top hotel: Mit den von Ihnen gegründeten Arcadia Hotels sind Sie bereits seit vielen Jahren am Markt vertreten. Wie laufen die Geschäfte in diesem Jahr?
Reinhard Baumhögger: Die Geschäfte laufen in diesem Jahr besonders gut. Auffallend ist, dass der viel gerühmte September nicht mehr der allein starke Monat ist, sondern, dass sich die höhere Auslastung glücklicherweise über einige Monate fortsetzt.

Top hotel: Die meisten Hotelgesellschaften sind bemüht, sich als Marke zu etablieren. Wie sieht es mit Arcadia aus?
Reinhard Baumhögger: Wir sind nunmehr bei 15 Hotels – um nicht zu sagen wieder bei 15 Hotels, denn wir haben elf Hotels an die Firma Vienna International AG verkauft, die bis Ende des Jahres noch den Namen Arcadia führen. Auch Häuser in Konstanz, Heppenheim, Gerlingen, Leipzig, Dresden, Magdeburg haben wir abgegeben bzw. verkauft. Man könnte sagen: Wir haben uns gesundgeschrumpft.

Top hotel: Wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken – was war Ihr größter Erfolg, und was Ihr größter Misserfolg?
Reinhard Baumhögger: Wenn ich auf die vergangenen 30 bis 40 Jahre zurückblicke, war das Bauen und Finanzieren von Hotels sowohl für mich als auch für andere ein großer Erfolg, zumal man weiß, dass die Finanzierung für Hotels immer schwierig ist. Im Prinzip waren es viele einzelne Erfolge, weil jedes Projekt mit einem großem Kampf verbunden war. Der größte Misserfolg war sicherlich der Strafprozess. Vorwürfe aus 1996, beginnend 2005, geurteilt 2011 – lange erledigt, aber das hat geschlaucht. Wenn man dann falsche Berater hat, hat man zusätzlich großes Pech.

Top hotel: Sie gelten als Macher und streitbarer Geschäftsmann. Der Streit mit Accor in Schweinfurt ist nun offenbar beigelegt. Wie haben Sie 
sich geeinigt?
Reinhard Baumhögger: Streitbarer Geschäftsmann – dazu sollte man anmerken dürfen, dass ich lediglich sehr kritisch bin, wenn ich etwas bestelle. Ich erwarte dann auch, dass ich die Qualität bekomme, die ich bestellt habe. Daraus ergeben sich unliebsame Streitereien, aber am Ende des Tages sieht man – auch bei Hotelprojekten –, dass sich die Streits gelohnt haben. Es gibt ein Hotel, da gab es 60 Prozesse – dieses Hotel steht noch heute mängelfrei da. Es gab eine Auseinandersetzung mit Accor in Schweinfurt, die nicht so abgelaufen ist, wie Sie dies in Ihrer Zeitschrift dargestellt haben. Wildwestmethoden sind weder unser noch mein Stil. Es ging um einen Geschäftsführer-, sprich Management-Vertrag, der – vorsichtig ausgedrückt – unterschiedlich ausgelegt wurde. Nach drei Jahren der Verhandlungen sind die Dinge schiedlich friedlich erledigt worden, ohne dass – wie behauptet wurde – zusätzlich Geld geflossen wäre. Man könnte es so formulieren: Konzern trifft auf Mittelstand – das verträgt sich nicht immer. Ich freue mich, sagen zu können, dass ich mit Accor ein ausgesprochen angenehmes Verhältnis habe und Accor nunmehr sogar Mieter in einem unserer Büroobjekte ist.

Top hotel: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft – beruflich und privat?
Reinhard Baumhögger: Wie Sie vielleicht aus anderen Publikationen wissen, bin ich begeisterter Pferdezüchter und stelle meine Kenntnisse einer Firma zur Verfügung, die Pferde züchtet, ausbildet und verkauft. Hier könnte ich mir in Zukunft eine Intensivierung vorstellen. Ich bin im Augenblick aktiver Vorsitzender des Aufsichtsrats und würde mir wünschen, dass, egal auf welche Weise und in welcher Form, die Hotels weiterhin so gut laufen wie bisher. Da ich mehrfach aufgefordert worden bin, ein Buch zu schreiben, werde ich dies sicherlich tun, auch wenn es dann gleich mehrere Bände werden könnten. Auch in den Charity-Projekten möchte ich unbedingt weiter eingebunden sein. Es liegt mir sehr am Herzen, wenn man sich außerhalb der staatlichen Aufgaben auch privat unmittelbar für Hilfsbedürftige einsetzt.

Kurzporträt

Schon 1972 sammelte der Diplom-Volkswirt Reinhard Baumhögger erste Erfahrungen mit dem Bau von Wohnkomplexen und Reihenhaussiedlungen für private und öffentliche Bauherren. 1982 machte er sich selbstständig und konzentrierte sich zunächst auf die schlüsselfertige Erstellung von Hotels für verschiedene Ketten, darunter Accor, Dorint, Ramada und Mövenpick. Mit dem Erwerb und Bau eigener Objekte sammelte er als Verpächter mit nationalen und internationalen Hotelkonzernen Erfahrung. 1990 folgte die Übernahme des ersten Hotels (Trier) in Eigenregie. Der Kauf und das Betreiben des Airport Hotels in Miami/Florida sowie das Hotel-Development brachten weiteres Know-how auf internationalem Parkett. 2011 ging Baumhögger mit den Arcadia Hotels an den Start; zur Arcadia Gruppe gehören heute 15 Häuser in Deutschland, neun davon befinden sich in
 Eigenbesitz.

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