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StartBusiness & ManagementPressekonferenz zur Coronakrise in Köln: Große Hotelgruppen schlagen Alarm

Pressekonferenz zur Coronakrise in KölnGroße Hotelgruppen schlagen Alarm

Vertreter der großen deutschen Hotelgesellschaften, darunter Dorint, Lindner Hotels und Althoff Hotels, haben in einer Pressekonferenz ihre Kritik an der Corona-Strategie der Politik dargelegt. Besonders die stockenden Finanzhilfen wurden stark bemängelt. Gemeinsam haben die Branchenvertreter ein Forderungs-Papier an die Bundesregierung gerichtet.

Insgesamt äußerten sich Branchen-Insider der Dorint Hotels, Althoff Hotels, Dormero Hotels, Gorgeous Smiling Hotels, Centro Hotels, H-Hotels, Leonardo Hotels sowie Lindner Hotels bei der Pressekonferenz in Köln. Die Vertreter verbundener Unternehmen haben sich auf die Fahnen geschrieben, „Ungleichheiten bei den Rettungsprogrammen“ für existentiell belastete Nicht-KMUs zu bekämpfen. Unter Nicht-KMUs fallen Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitern und über 50 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und/oder einer Jahresbilanzsumme von mehr als 43 Millionen Euro.

Die Hoteliers wollen mit ihren Forderungen rund 300 Unternehmen mit über 210.000 Arbeitnehmern „aus der Seele sprechen“, hieß es von Seiten der Gastgeber. Sie fordern konkret mehr Unterstützung und sinnvolle Maßnahmen für ihre verbundenen Unternehmen. Denn sie sehen in den „nicht gleichermaßen verteilten Fördermitteln“ – wegen der Ungleichbehandlung – einen Verstoß gegen den Artikel 3 des Grundgesetzes und wollen sich nun gemeinschaftlich wehren.

Tatsächlich kommen die Hotelketten bei den staatlichen Hilfsgeldern relativ schlecht weg. Dies liegt letztlich an ihrer Größe: Die aktuell laufende Überbrückungshilfe III ist bei den Verbundunternehmen auf drei Millionen Euro pro Monat gedeckelt, insgesamt bekommen sie hierüber nicht mehr als zwölf Millionen Euro. Firmen, die üblicherweise einen dreistelligen Millionen-Euro-Jahresumsatz haben, können mit solchen Geldern nur einen Teil ihrer Finanzlöcher stopfen. Zwar ist das Personal in Kurzarbeit, doch Fixkosten wie Mieten laufen weiter.

Dirk Iserlohe, CEO der Honestis AG und Dorint-Aufsichtsratschef sprach in der Branche insgesamt von einem Umsatzverlust 2020 von rund minus 45,9 Prozent im Schnitt. Man glaube, die Branche werde zurückkommen, nachdem die Hotels nun seit dem 2. November 2020 touristisch nicht genutzt werden dürfen. Aber was verloren sei, könne nicht nachgeholt werden. „Diese Umsätze sind verbrannt.“ Auch das RKI habe dargestellt, dass die Hotellerie nicht zum Infektionsgeschehen beitrage. Man würde zum Sonderopfer gemacht. Bereits erarbeitete kontaktlose Möglichkeiten, wie etwa der Check-in im Hotel, lägen auf Eis. Iserlohe plädierte dafür, dass es eine Erweiterung der November- und Dezemberhilfe geben solle. Erschüttert zeigte er sich zudem über die News, dass sich Maritim zu Notverkäufen gezwungen sieht (wir berichteten), wie am heutigen Donnerstag bekannt wurde.

Wie auch die Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz Christine Lambrecht gesagt habe, seien Entschädigungen rechtlich geboten, so lange die Pandemie anhalte. Dorint habe bis heute nicht die erweiterte Dezemberhilfe erhalten, konstatierte Iserlohe. Man erwarte insgesamt zehn Millionen Euro. Trotzdem habe man eine Unterdeckung von 30 Millionen Euro in 2020. Insgesamt seien es 58 Millionen Euro für die Jahre 2020 und 2021. So frage er sich: „Wir können wir das künftig stemmen, wenn wir überhaupt überleben dürfen?“

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), der per Videobotschaft eingespielt wurde, pflichtete Iserlohe bei. Es gäbe eine Entschädigungspflicht, die das Überleben der Branche sichere. Zudem dürfe die Insolvenzantragspflicht weiterhin nicht greifen.

Die gesamte Pressekonferenz im Video

Otto Lindner als Vertreter des Hotelverbandes IHA sagte: „Die Eigenkapitalreserven sind aufgebraucht, die Lage der Hotels ist verzweifelt.“ Gerade die verbundenen Unternehmen seien bei den Finanzhilfen aus dem Visier geraten.

Als Mitglied des familiengeführten Unternehmens Lindner Hotels sprach Lindner von zehn Prozent des normalen Umsatzes, der aktuell generiert werde. Erst sehr spät habe man November- und Dezemberhilfe überhaupt beantragen können. 2019 sei man schuldenfrei gewesen, das sei man nun nicht mehr. Die Grenzen der Hilfe müssten dringend nach oben gesetzt werden. Bei den Lindner Hotels sackte der Jahresumsatz von 200 auf 45 Millionen Euro ab.

Die Dormero-Kette (1.000 Mitarbeiter, 35 Hotels) plante für 2020 mit 100 Millionen Euro Umsatz, durch die Corona-Einschränkungen wurden es nur 40 Millionen Euro. 2021 werde es wohl noch weniger. „Vor der Krise ging es uns gut“, sagte Geschäftsführerin Manuela Halm. „Jetzt stehen wir vor den Trümmern unserer Existenz.“ Bei den Leonardo Hotels mit ihren 2.200 Mitarbeitern sackte der Umsatz von 317 Millionen Euro im Jahr 2019 auf knapp 120 Millionen Euro 2020 ab.

Alexander Fitz von den H-Hotels, die vor der Krise mit 3.000 Mitarbeitern 400 Millionen Euro Jahresumsatz verbucht hatten und nun ebenfalls heftige Einbußen hinnehmen müssen, wies auf langfristige Schäden nach der Pandemie hin: Es werde Jahre dauern, bis die aufgenommenen Schulden abgetragen seien. Danach müsse die Branche neue Schulden machen, um überfällige Investitionen zu stemmen.

Das angekündigte umfassende Forderungs-Papier mit „Ideen und konstruktiven Vorschlägen“ soll nun an die Politik überreicht werden. Heruntergebrochen schlagen die Initiatoren vor: „Entweder ergänzt die Bundesregierung im Falle der Änderung des Infektionsschutzgesetzes die Entschädigungsregelung in § 65 IfSG Absatz 1, Satz 1 um den § 28a IfSG und hätte somit den Entschädigungsanspruch legalisiert. Oder aber – wenn es am Mut zu einer solchen angemessenen und gebotenen Gesetzesänderung fehlt, bitten die Hoteliers sowohl um die Erweiterung des Limits für November- und Dezember 2019 auf den Lockdown I als auch um die Eliminierung des Monats- und Totallimits in der Überbrückungshilfe III“. Eine Kurzfassung des Forderungspapiers finden Sie hier.

ver mit dpa

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