Portrait V-HotelFamilienduett

Das V Hotel ist in Bonn in kürzester Zeit zu einem der beliebtesten Businesshotels avanciert. Ein Grund für den Erfolg ist die kreative Spannung zwischen Vater Harald und Tochter Christina Voit, die das Haus gemeinsam betreiben.

Als Harald Voit vor einigen Jahren auf die Idee kam, seine Geschäftsbeteiligung an einem Bonner Brauhaus zu verkaufen, um im Frühjahr 2012 in der ehemaligen Bundeshauptstadt ein Grundstück mit einem seit Jahren leerstehenden Betonskelettbau zu erwerben, hatte er einen Hintergedanken. Den gelernten Koch, der einst als Eigentümer eines Familienhotels am Bonner Venusberg mit Umbauplänen zu Hotelgesellschaften in ganz Europa gereist war und das Haus schließlich an Deutsche Hospitality verkaufte, zog es nach Jahren am Herd zurück in die Hotellerie. Doch anders als in den Tagen des heute unter Dorint Venusberg Bonn firmierenden Ex-Betriebs suchte Voit 2012 das Andersartige: »An dem Haus aus der Bonner Republik hat mich vor allem die Lage direkt im Grünen gereizt«, erinnert sich Harald Voit, der kurzerhand seine Tochter Christina mit ins Boot holte. Die ist zwar als gelernte Kunsthistorikerin und Beschäftigte im Düsseldorfer Kunstpalast völlig branchenfremd, zögert jedoch nur kurz, bevor sie in das Projekt ihres Vaters einsteigt. Im Juli 2014, nach zweijähriger Umbauzeit, eröffnen Vater und Tochter Voit ihr V Hotel. »V wie Voit, und V wie Venusberg«, lacht Christina Voit, denn wie der frühere Familienbesitz befindet sich auch das neue 42-Zimmer-Haus in der Bonner Randlage, die vor allem durch das naheliegende Uni-Klinikum bekannt ist. Drei Architekten kümmern sich bei der Umgestaltung des Hotelgeländes um die Gesamtplanung sowie um die Innen- und die Außenbereiche des Hauses. Christina Voit beauftragt zudem den Kölner Graffitikünstler Thomas Baumgärtel, um bestehende Graffitis aus der Zeit des Leerstandes in das neue Gesamtkunstwerk zu integrieren. Seither zieren Graffitis unter anderem das Treppenhaus des Hotels.

Der Vater prescht, die Tochter bremst

»Mein Vater wollte die Wände eigentlich schlicht verputzen lassen«, erinnert sich Christina Voit an ihre erste Meinungsverschiedenheit mit dem Vater. Es ist diese kreative Spannung, die zwischen dem gestandenen Hotel-Gastronomen und der kunstbegeisterten Neu-Hotelierin bis heute vorherrscht und das Gemeinschaftsprojekt weiterbringt – auch wenn die Arbeitsbereiche von Vater und Tochter strikt getrennt sind. Während Harald Voit vorwiegend die EDV-Installationen und den Außenbereich des Hotels verantwortet und sich bei pauschal buchbaren Kulinarik-Veranstaltungen wie dem »Kochen mit Freunden« und der »Kochmanufaktur« auch wieder am Herd der Show-Küche verwirklicht, zeichnet Christina Voit für das Innendesign und den BackOffice-Bereich verantwortlich. Auch regelmäßige Galerieabende, Foto- oder Kunstausstellungen fallen in das Ressort der Tochter. Relevante Entscheidungen in Sachen Hotel treffen Vater und Tochter in friedlicher Eintracht gemeinsam – auch wenn die Denkweisen der beiden Hoteleigentümer unterschiedlicher kaum sein könnten, wie sich beim Besuch vor Ort zeigt: »Ich bin eher zurückhaltend, wenn mein Vater wieder einmal vorprescht«, schmunzelt Christina Voit. Die geplante Zimmerauslastung für 2017? »60 Prozent plus x. Vielleicht 62, wenn’s gut läuft 65«, antwortet Christina Voit. »68 sollten es schon sein«, entgegnet ihr Vater. Der neue Konferenzraum für zwölf Personen, der ab September 2017 gebaut werden soll? »Der wird groß genug für 16 Personen sein«, sagt Harald Voit. »Nein, wird er nicht!«, die klare Ansage von Tochter Christina. Einigkeit hingegen beim Plan, die bislang drei Baumhäuser auf dem 3.000 Quadratmeter großen Waldgrundstück des V Hotel 2018 um mindestens eines zu erweitern. »Die Baumhäuser sind bei unseren Gästen eingeschlagen. Da gibt es kaum mehr freie Termine«, freut sich Harald Voit darüber, dass die mit Zirbenholz eingerichteten Naturunterkünfte den RevPAR im V Hotel seit ihrer Eröffnung im Oktober 2016 konstant nach oben ziehen. 

Kopfschütteln bei der Tochter

Die finanzielle Konstanz des Hotels war indes ohnehin recht schnell gegeben. Bereits im ersten Voll-Betriebsjahr erzielte das Vier-Sterne-Haus, das im vergangenen Jahr mit dem Top hotel Opening Award ausgezeichnet wurde, eine schwarze Null. Die durchschnittliche Zimmerrate für die 36 Zimmer und sechs Suiten im Haupthaus liegt bei 103 Euro – zuzüglich Frühstück. »Wir haben schnell eine recht anspruchsvolle Business-Klientel gewinnen können und viele Gäste sind heute Stammkunden«, erläutert Harald Voit, der das Verhältnis von Direktbuchungen zu Fremdbuchungen auf 70:30 beziffert. Vorwiegend werden Geschäftsreisende angesprochen, oft sind Vorstände der Bonner DAX-Unternehmen zu Tagungen oder Klausuren im Haus und selbst zu Messezeiten in Köln und Düsseldorf erfreut sich das V Hotel trotz seiner Abgelegenheit einer hohen Beliebtheit. Doch sind die guten Erfahrungen und Zahlen für Harald und Christina Voit schon ein Grund, um neue Pläne zu schmieden? »Die Uni-Klinik in der Nachbarschaft wächst und wächst, und somit der Bedarf an Boardingkapazitäten für die Angestellten«, hat Harald Voit bereits eine neue Vision vor Augen. Und löst bei seiner Tochter Kopfschütteln aus. »Dazu ist es viel zu früh. Zuerst sollte das bestehende Haus sich weiter etablieren. Alles Weitere ist ganz ferne Zukunftsmusik«, bremst Christina Voit – und verfällt ins altbekannte Schema. Harald und Christina Voit betreiben ihr Hotelprojekt von zwei Stühlen mit zwei unterschiedlichen Meinungen. Doch wie bereits beim Aufbau des V Hotel ist auch in der Frage nach den zukünftigen Unternehmungen nicht zu erwarten, dass aus dem Familienduett ein Familienduell wird. 

 

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