Politik / Dehoga Gesucht sind politische Mehrheiten für eine bessere Gesetzgebung

Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Bundesverbandes (Bild: Dehoga)

Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten beschäftigt den Dehoga nach wie vor sehr stark. Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Bundesverbandes, nahm zum Stand der Dinge im Tophotel-Interview ebenso Stellung wie zum vieldiskutierten Image der Branche.

Tophotel: Ist die Politik mit ihrer nach wie vor steigenden Bürokratie ihrer Meinung nach ein Gegner des Gastgewerbes?

Ingrid Hartges: Zunächst bleibt festzuhalten: Mit der steigenden Bürokratie sind alle Branchen konfrontiert. Die Grenze des Zumutbaren ist allerdings insbesondere für die vielen kleinen und mittelständischen Betriebe des Gastgewerbes erreicht. Deshalb setzen wir uns für konsequenten Bürokratieabbau ein und fordern, dass zumindest bestimmte Regelungen und Vorgaben erst ab einer gewissen Betriebsgröße Anwendung finden. Die Politiker sind insbesondere gefordert, die Sinnhaftigkeit dieser ganzen Dokumentationspflichten zu überprüfen. Von genereller Gegnerschaft der Politik zu sprechen, halte ich nichts. So gibt es Politiker, die unsere Branche und ihre Leistungsträger, die Tag für Tag rund um die Uhr beste Gastfreundschaft bieten, schätzen. Andere haben weniger Bezug zu uns. Jeder Politiker sollte sich darüber im Klaren sein, dass in unseren Betrieben über Politik diskutiert wird. Und wenn er wissen will, wie die Stimmung in unserer Branche ist, empfehle ich ihm, das Gespräch mit den Gastgebern in seinem Wahlkreis zu suchen und sich zeigen zu lassen, mit welchen Dokumentationspflichten und Auflagen sich unsere Betriebe und unsere Unternehmer konfrontiert sehen. Am Ende geht es darum, politische Mehrheiten für eine bessere Gesetzgebung zu finden.

Über das Image der Branche wird viel geschrieben und gesprochen. Wie präsentiert sich diese aus Ihrer Sicht?

2,3 Millionen Menschen arbeiten in unserer Branche. Sie alle können nicht irren. Ohne unsere Betriebe würde unserer Gesellschaft ganz viel fehlen. Ich glaube, wir haben allen Grund dazu, stolz zu sein auf unsere Leistungen und selbstbewusst aufzutreten. Lassen Sie uns das Image der Branche nicht selbst schlechtreden. Negativschlagzeilen der Medien nehmen wir ernst. Allerdings dürfen wir sie auch nicht überbewerten, da oftmals Verfehlungen Einzelner pauschalierend dargestellt werden. Ich persönlich kenne sehr viele erfolgreiche Unternehmer, ob klein oder groß, die nicht nur gute Gastgeber, sondern auch engagierte Arbeitgeber und Ausbilder sind. Es sind die Unternehmer und Führungskräfte, die wissen, dass sie ihren Erfolg ihren Mitarbeitern und Auszubildenden zu verdanken haben. Dies gehört wertgeschätzt. Keine Frage: Das Image der gastgewerblichen Branche ist eine Gesamtaufgabe. Wir alle tragen Verantwortung dafür. Gemeinsam sind wir aufgerufen, die positiven Seiten unserer Branche, ihr Potenzial, ihre Bedeutung und ihre herausragenden Perspektiven zu transportieren.

Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten im Gastgewerbe hält der Dehoga für dringend notwendig. Wie stehen Ihrer Einschätzung nach die Chancen auf einen Durchbruch?

Die Zustimmung aus der übrigen Wirtschaft wächst. Auch in den Reihen der Politik steigt die Zahl der Befürworter einer Reform des starren Arbeitszeitgesetzes. So haben sich auf unserem Dehoga-Branchentag im November der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Bareiß und FDP-Chef Christian Lindner klar für eine Wochenarbeitszeit ausgesprochen, auch CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer zeigte Verständnis für die Belange der Branche. Allerdings liegt angesichts der geltenden Mehrheitsverhältnisse noch eine harte Wegstrecke vor uns. Denn SPD und Grüne sowie die Gewerkschaften blockieren eine Gesetzesänderung konsequent. Aktuell steht das Problem im Koalitionsvertrag: Danach soll es nur tarifgebundenen Unternehmen mit Betriebsrat gestattet sein, auf der Basis einer Tariföffnungsklausel Experimentierräume zu nutzen. Aber nur wenige Hundert gastgewerbliche Betriebe haben einen Betriebsrat. Das bedeutet, dass nahezu allen Betrieben unserer Branche die benötigte Flexibilität versagt wird. Wir brauchen aber dringend Lösungen zum Beispiel für Veranstaltungen, die länger dauern als geplant. Auch Mitarbeiter haben den Wunsch, flexibler zu arbeiten. Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Es geht nicht um mehr Arbeit, sondern um eine bessere Verteilung der Arbeit im Interesse der Mitarbeiter, Unternehmer und Gäste. 

Interview: Mathias Hansen