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StartHotel+TechnikHoteltechnik+ArchitekturParkhotel Egerner Höfe: Stilvoller Sprung in die Moderne

Parkhotel Egerner HöfeStilvoller Sprung in die Moderne

Zu Planungsbeginn sollten die Gebäude des Traditionshauses am Tegernsee nur renoviert werden, dann erfolgte jedoch eine umfassende Kernsanierung. Nun erstrahlt das Parkhotel Egerner Höfe in Rottach-Egern nicht nur in neuem Glanz. Es verfügt auch über ein komplett überarbeitetes, effizientes und beispielhaft umweltfreundliches Haustechnikkonzept.

Der erste Eindruck der Egerner Höfe ist im positiven Sinne unspektakulär: Wer heute das Fünfsterne-Superior-Hotel am nördlichen Rand der Bayerischen Voralpen besucht, findet ein stimmiges Gebäudeensemble aus zwei nebeneinander liegenden Häusern vor, die im Erdgeschoss mit einem niedrigen Zwischenbau miteinander verbunden sind.

Doch auch wenn die Häuser über neue Ziegeldächer, Holzfassaden und Fenster verfügen, können sie nicht verhehlen, dass sie keine Neubauten sind, sondern augenscheinlich gründlich sanierte Bestandsgebäude. Verräterisch sind insbesondere die weit auskragenden Satteldächer und tiefen Balkone, die die Vorstellung der 1960er-Jahre für eine vermeintlich typisch bayerische Architektur widerspiegeln.

Und tatsächlich: Das östliche Gebäude wurde mit drei Geschossen und einem Dachgeschoss ursprünglich in den 1960er-Jahren errichtet, während das westliche und um ein Geschoss höhere Pendant rund 30 Jahre jünger ist.

Die Gebäude des Hotels verfügen über neue Ziegeldächer, Holzfassaden und Fenster. (Bild: LSA)

Dass das Hotel mit insgesamt 108 Zimmern und Suiten heute so zeitgemäß modern wirkt, liegt an vielen kleinen Details: am Vordach, das sowohl den großzügigen Gästeanfahrtsbereich als auch den Haupteingang überdeckt, an einer minimalistisch-zeitgenössischen Balkonmöblierung, an den Geländerfüllungen aus kreuzweise montierten Rundhölzern sowie am großflächig verglasten Foyer.

Zwei in die Jahre gekommene Gebäude

Kaum hat man das Haus betreten, sind sämtliche Gedanken an die alte Bausubstanz schon in Vergessenheit geraten. In der neuen Lobby begegnen die Gäste einer Designsprache, die ganz dem neuen Motto des Hauses entspricht: „Echter Genuss und leiser Luxus“. Vorherrschend sind natürliche Materialien wie Muschelkalk- und Eichenholzböden und -wandbekleidungen sowie dunkle Metallleuchten und zeitlose Loungemöbel mit gedämpft farbigen Lederpolstern, die im Zusammenspiel für ein harmonisches Bild sorgen.

Was die Lobby, die Bar, die Kaminlounge und das -restaurant im größtenteils neu errichteten Zwischenbau so perfekt aufeinander und auf den Rest des Hotels abgestimmt aussehen lässt, ist das Ergebnis einer umfassenden Kernsanierung. Hierfür verantwortlich zeichnete nach einem im letzten Jahr erfolgten Besitzerwechsel (von der Familie von Moltke zur Ehrmann AG) das Münchner Büro LSA Architekten.

Erste in die Tiefe gehende Analysen ergaben sehr schnell, dass es mit der ursprünglich angedachten einfachen Sanierung nicht getan war. Einerseits gab es funktionale Probleme: zum Beispiel sich kreuzende Personal- und Gästewege, eine unzureichende Verknüpfung von Ost- und Westtrakt sowie das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Gourmetrestaurant „Dichter“. Dieses befand sich in einem Nebengebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite und war nur über einen unterirdischen Tunnel erreichbar.

Andererseits waren beide Gebäude baulich, bauphysikalisch und technisch in die Jahre gekommen. Beispielsweise verfügten sie über eine ungedämmte Putzfassade und eine veraltete Haustechnik. Hinzu kamen die dünnen Beton-Rippendecken des älteren Bestandsbaus mit statischen und schalltechnischen Unzulänglichkeiten.

Zurück zum Rohbauzustand

Nach dieser Erkenntnis und dem Wunsch nach einer Generalsanierung erfolgte der umfangreiche Rückbau beider Häuser: Verschont blieben allein die tragenden Wände und Decken sowie der Holzdachstuhl, während sämtliche Innenausbauten und Leitungen vollständig entfernt wurden. Die unterschiedlichen Baujahre führten im Ost- und Westtrakt zu jeweils verschiedenen Vorgehensweisen.

Die Bausubstanz im neueren Gebäude erwies sich als einwandfrei, sodass die Zimmereinteilungen und Leitungsschächte erhalten blieben. Der 1960er-Jahre-Bau hingegen bestand konstruktiv aus einer Mischung aus Beton- und Mauerwerksbauteilen, bei der im Prinzip an jeder Stelle neu entschieden werden musste, was zu tun war.

Letztlich wurden im Sinne einer verbesserten Statik und einer sinnvolleren Zimmeraufteilung sogar tragende Wände entfernt und neue Bauteile ersetzt. Nicht zuletzt, weil das Gebäude auch ein neues Treppenhaus und im ersten OG auch einen neuen Verbindungsgang zum Schwestergebäude erhielt, blieb die alte Rippendecke nur noch in kleinen Teilbereichen erhalten.

Umfassende energetische Sanierung

Durch diese massiven Eingriffe in die Bausubstanz bot sich die Chance, die beiden Gebäude nicht nur hinsichtlich der Gestaltung, sondern auch haustechnisch auf einen neuen, einheitlichen Stand zu bringen. Insbesondere ermöglichten sie weitreichende, beispielhaft umweltfreundliche Lösungen für die Versorgung der Zimmer mit Heizwärme und Warmwasser.

Die Bauherren entschieden sich für ein Flächenheizsystem mit Fußboden-, Wand- und Deckenheizungen, das bei Gebäudesanierungen eher selten gewählt wird, weil dessen Installation die Bearbeitung nahezu aller Raumoberflächen erfordert. Diese Art der Heizung sorgt durch die angenehm temperierten Oberflächen für einen hohen Nutzerkomfort und ist durch die niedrigen Vorlauftemperaturen zudem sehr energieeffizient.

Im Westtrakt gibt es wegen des weitgehend erhalten gebliebenen Estrichs (außer in den Bädern) keine Fußbodenheizungen, sondern nur Wand- und Deckenheizungen, während im Osttrakt ohnehin der gesamte Estrich entfernt werden musste und dort somit alle Arten von Flächenheizungen zum Einsatz kommen konnten.

Je nach Raumart und -konfiguration entschieden die Planer auch in allen öffentlichen Bereichen individuell, was jeweils am besten geeignet ist. In Bereichen mit großen verglasten Außenfassaden, wie etwa dem Restaurant, gibt es aufgrund der zu kleinen Wandflächen naturgemäß keine Wandheizungen.

Grundwassernutzung zum Wärmen und Kühlen

Die Wärme für diese Flächenheizungen stammt von Tiefbrunnen, in denen das Grundwasser als Energiequelle dient: Mit einer Temperatur von rund zehn Grad Celsius ist das Wasser im Winter meist wärmer und im Sommer kühler als die Außenluft. Genau dieser Unterschied wird mittels Wärmepumpen genutzt, um die Boden-, Decken- und Wandflächen im Sommer leicht zu kühlen und im Winter leicht anzuwärmen. Die Heißwasseraufbereitung für die Bäder erfolgt mit einem Gas-Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung. Dieses bestand bereits und wurde ins neue Konzept integriert.

Einen maßgeblichen Beitrag zur Energieeffizienz leistet auch die kontrollierte Raumlüftung mit Wärmerückgewinnung, die in sämtlichen Gästezimmern auch ohne geöffnete Fenster für eine ausgezeichnete Raumluftqualität sorgt. Das Verlegen eines komplett neuen verzweigten Zuluft-Leitungsnetzes war hier wegen der Kernsanierung relativ einfach möglich – das Absaugen der Luft erfolgt unkompliziert über die ohnehin nötigen Abluftschächte in den Bädern. Angesichts all dieser Maßnahmen versteht es sich fast von selbst, dass die Häuser gut gedämmte Außenfassaden und energiesparende LEDs erhielten.

Gebäudeerweiterungen

Neben den beiden kernsanierten Gebäuden mit den Gästezimmern gab es insgesamt drei Bereiche, in denen neu errichtete Gebäudeerweiterungen für eine verbesserte Funktionalität und vor allem für ein komplett neues Erscheinungsbild der Egerner Höfe geführt haben. Die Rede ist vom beträchtlich erweiterten Zwischenbau mit den öffentlichen Bereichen, vom neuen zweigeschossigen Spa-Bereich im Westtrakt und vom neuen Gourmetrestaurant „Dichter“ im Osttrakt, die sich alle drei zum 12.000 Quadratmeter großen Park im Süden des Grundstücks orientieren.

Wesentliches gestalterisches Element im Spa-Bereich und im Restaurant sind die mittig im Raum platzierten, umlaufend raumhoch verglasten und nach oben offenen Mini-Innenhöfe. Sie zonieren wie überdimensionale Vitrinen den Gastraum und lassen durch die pittoresk darin wachsenden japanischen Eiben Innen- und Außenraum miteinander verschmelzen.


Steckbrief

Parkhotel Egerner Höfe
Aribostraßse 19-26
83700 Rottach-Egern

Inhaber: Ehrmann AG
GM: Pierre Laurent Schäfer
Zimmeranzahl: 108
Zimmerpreise: ab 250 Euro pro Nacht
Besonderheiten: 12.000 Quadratmeter Park, Gourmetrestaurant „Dichter“ mit einem Michelin-Stern, 1.500 Quadratmeter Spa-Bereich (zweigeschossig)


Während das Hotel von außen eher nur einem Facelifting unterzogen wurde, entsteht aus dem Zusammenspiel aller Baumaßnahmen und der komplett neuen Innenausstattung im Gebäude selbst eher der Eindruck eines Neubaus. Gäste, die die Egerner Höfe noch im letzten Herbst besuchten, werden das Hotel heute kaum wiedererkennen.

Dass der umfassende Umbau in deutlich weniger als einem Jahr abgeschlossen werden konnte, liegt an einer straff organisierten Planungs- und Realisierungsphase. Ihr erstes Konzept hatten die Architekten im September 2020 vorgestellt. Im Oktober erfolgte die Baueingabe, und wiederum einen Monat später war – mit einer Teilgenehmigung – Baubeginn. Trotz Corona und Lockdown gingen die Arbeiten so zügig voran, dass das Haus bereits im August 2021 wiedereröffnen konnte.

Noch ist es zu früh, um erste signifikante Auswirkungen der Erneuerung ­ablesen zu können. Es zeichnet sich allerdings schon jetzt ein Trend zu einer deutlichen Verjüngung des Publikums ab, der dem Hotel langfristig die Zukunft sichern wird.

Roland Pawlitschko

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