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Start Management Veranstaltungen Paneldiskussion Tagungshotellerie: Durch Transformation in die Zukunft

Paneldiskussion TagungshotellerieDurch Transformation in die Zukunft

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf alle Bereiche des Lebens aus. Viele Branchen kommen seit März immer wieder zum Erliegen. Besonders betroffen ist die Tagungshotellerie. Veranstaltungen mit 50, 100 oder 1.000 Teilnehmern sind aktuell unvorstellbar. Doch wie soll es weitergehen? Darüber haben sich bei einer Mein Tophotel-Paneldiskussion Hotelinhaber, Trainer und Speaker ausgetauscht.

Dabei waren unter anderem Marcus Fränkle, Inhaber Hotel Der Blaue Reiter in Karlsruhe, Jörg Bachmann, Geschäftsleiter Arcadeon, Haus der Wissenschaft und Weiterbildung in Hagen, und Alexandra Weber, Sales Director MICE Lindner Hotels & Resorts sowie Me and all Hotels. Außerdem Stephan Gingter, Präsident des BDVT – Dem Berufsverband für Training, Coaching und Beratung, der die Interessen von rund 700 Trainerinnen und Trainern und Speakern vertritt.

Die aktuelle Situation

Jörg Bachmann findet zu Beginn der Diskussion deutliche Worte: „Der November war tot, der Dezember ist tot und der Januar wird tot bleiben.“ Im Hotel Arcadeon wird es wohl noch bis Februar keine einzige Veranstaltung geben. Auch andere Hoteliers berichten von massiven Einbrüchen im Tagungsbereich. Wenige Ausnahmen gibt es jedoch: Marcus Fränkle spricht von einem „gut gebuchten“ Oktober, auch in den kommenden Wochen gäbe es Anfragen für kleinere Seminare mit durchschnittlich acht bis zehn Teilnehmern.

Jörg Bachmann, Geschäftsleiter Arcadeon, Haus der Wissenschaft und Weiterbildung in Hagen. (Bild: Arcadeon)

„Der November war tot, der Dezember ist tot und der Januar wird tot bleiben.“

Jörg Bachmann, Arcadeon

Stephan Gingter, Präsident des BDVT, setzt die Hoffnungen auf das Frühjahr und den Sommer 2021. Zwar hätten viele Trainer und Speaker in den vergangenen Wochen und Monaten Onlineveranstaltungen abhalten können, diese ersetzten jedoch keinesfalls die persönlichen Zusammenkünfte.

In diesem Punkt sind sich alle Teilnehmer einig: Präsenzveranstaltungen wird es auch nach der Corona-Pandemie geben, denn der persönliche Austausch bleibt wichtig. Und dieser fehlt aktuell. Außerdem ist die Aufmerksamkeitsspanne bei einem virtuellen Treffen deutlich kürzer. Dem stimmt auch Alexandra Weber zu. Damit vor-Ort-Events wieder möglich sein können, brauche es die Akzeptanz und das Vertrauen der Menschen in die Hygienekonzepte, meint sie.

Wie wirtschaftlich sind Tagungen in der Pandemie?

Es ist eine Gratwanderung: Natürlich will die Tagungshotellerie schnellstmöglich wieder Inhouse-Veranstaltungen abhalten, diese müssen allerdings wirtschaftlich rentabel sein. Durch die strengen Hygiene- und Abstandsauflagen können wenige Teilnehmer in größeren Räumen untergebracht werden. „Der Raum ist also der neue Luxus“, denn je größer der Veranstaltungsraum, desto höher sind die Kosten.

Marcus Fränkle ist Inhaber des Hotels Der Blaue Reiter in Karlsruhe. (Bild: Hotel Der Blaue Reiter Karlsruhe)

Corona darf nicht als „Ausrede für alles“ hergenommen werden.

Marcus Fränkle,
Hotel der Blaue Reiter

Den Hoteliers bereiten Stornierungen und kurzfristige Absagen aufgrund von Covid-19-Erkrankungen oder -Quarantäne große Probleme. Marcus Fränkle warnt aber davor, dass Corona als „Ausrede für alles“ hergenommen wird. Es müsse Überlegungen geben, wie mit dieser besonderen Situation umgegangen werde. Eventuell bestünde die Möglichkeit, Atteste oder Nachweise für Corona-bedingte Stornierungen anzufordern.

Für Jörg Bachmann ist die klare Kommunikation mit seinen Kunden wichtig. Er nennt dabei ein Beispiel aus der Industrie: „Wer 1.000 Tonnen Stahl bestellt, muss auch damit rechnen, 1.000 Tonnen Stahl zu erhalten.“ Ähnlich verhalte es sich auch in der Hotellerie. Er bietet seinen Kunden deshalb verschiedene Preisoptionen an: einen geringeren Buchungspreis ohne Storno-Möglichkeit, einen höheren Buchungspreis mit Storno-Möglichkeit.

Stephan Gingter ist Präsident des BDVT, dem Berufsverband für Training, Coaching und Beratung. (Bild: BDVT)

Ich wünsche mir zumindest für das erste Halbjahr 2021 flexiblere Angebote der Hoteliers.

Stephan Gingter, Präsident BDVT

Die Wirtschaftlichkeit spiele aber auch auf Seiten der Trainerinnen, Trainer und Speaker eine große Rolle, sagt Stephan Gingter. Auch sie hätten mit kurzfristigen Teilnehmerabsagen zu kämpfen. Gingter wünscht sich deshalb zumindest für das erste Halbjahr 2021 flexiblere Angebote der Hoteliers.

Wie ist eine Neuausrichtung der Tagungshotellerie möglich?

Damit Tagungen und Seminare, egal ob in Online-, Hybrid- oder Präsenzformat, auch in Corona-Zeiten gelingen können, müssten die digitalen Strukturen verbessert werden. Die Experten sind überzeugt davon, dass schnelles Internet und moderne Ausstattung mittlerweile selbstverständlich sein müssen.

Mindestens einen Schritt weiter geht Jörg Bachmann: Sein Hotel und die Fernuniversität Hagen wollen gemeinsam ein Digital-Center errichten. Zusammen mit Experten soll in Anbindung an das Arcadeon eine Weiterbildungswerkstatt entstehen, in der Unternehmer und Mitarbeiter im Bereich Digitalisierung geschult werden sollen. Ziel ist der Aufbau von neuen Digitalstrukturen in den verschiedenen Unternehmen. Geplant ist die Eröffnung für 2022.

Alexandra Weber regt an, die Online-Buchung für Veranstaltungsräume leichter zu gestalten. Es sei derzeit schwierig für Kunden, kurzfristig einen passenden Seminarraum zu finden. Die Struktur könnte dabei an die Zimmerbuchung angepasst werden. Das bedeute: klare Angaben zur Verfügbarkeit, Größe, Preis und anderen Buchungsoptionen. Die Mitarbeiter müssten ebenfalls durch Seminare und Schulungen auf den neuesten Stand gebracht werden. Entsprechende Weiterbildungen sind bei fast allen Hoteliers für Anfang des Jahres geplant.

Mit Zuversicht in das Jahr 2021

Wie schnell sich die Tagungshotellerie wieder erholen kann, ist abhängig von vielen Faktoren. Wann steht ein Impfstoff für alle zur Verfügung? Wird die Impfbereitschaft hoch genug sein? Und werden mit der Impfung auch die Beschränkungen gelockert? Das alles lässt sich aktuell noch nicht vorhersagen. Die meisten Hoteliers, Speaker und Veranstaltungstechniker rechnen frühestens im zweiten Halbjahr 2021 wieder mit größeren Präsenzveranstaltungen.

Alexandra Weber, Sales Director MICE Lindner Hotels & Resorts sowie Me and all Hotels. (Bild: Lindner Hotels & Resorts)

„Wir müssen Gästen und Kunden aufzeigen, dass physische Events bald möglich sind.“

Alexandra Weber, Lindner Hotels
& Resorts

„Wir müssen Gästen und Kunden aufzeigen, dass physische Events bald möglich sind“, sagt Alexandra Weber. In ihrer Rolle als HSMA Fachvorstand MICE & Sales hat sie zusammen mit dem HSMA-Expert Circle die Kampagne „#ready4events“ gestartet. Weber ruft die Tagungshotellerie dazu auf, Fotos und Videos ihrer Veranstaltungen auf sozialen Netzwerken zu teilen und mit diesem Hashtag zu versehen. So solle das Vertrauen und die Akzeptanz der Bevölkerung zurückgewonnen werden.

Auch Jörg Bachmann sagt, die jetzige Zeit dürfe nicht vergeudet werden. Die Branche müsse nach vorne blicken und sich mit guten Ideen auf einen Restart vorbereiten. Stephan Gingter wirbt dafür, frühzeitig Unternehmen und Kunden anzusprechen und sie mit starken Konzepten zu überzeugen. Alle Teilnehmer sagen einheitlich: „Das Jahr 2021 wird für die Tagungshotellerie ein Übergangsjahr, in dem hybride Events eine große Rolle spielen werden.

Im Anschluss an die Paneldiskussion fand ein Webinar zum Thema „hybride Events“ statt. Mehr Informationen und eine kostenlose Downloadmöglichkeit, stehen Ihnen auf der Homepage von meintophotel.de zur Verfügung.

Maximilian Herrmannsdörfer

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