OTAsHotelverband geht Fake-Buchungen auf den Grund

(Bild: Shutterstock)

In den vergangenen Monaten haben sich beim Hotelverband Deutschland (IHA) die Beschwerden über Fake-Buchungen gehäuft. In seinem aktuellen Blogeintrag stellt IHA-Geschäftsführer Markus Luthe dazu genauere Umfrageergebnisse vor und geht auf Spurensuche zu den Buchungen mit gefälschten Daten.

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Bei der IHA hatten sich vermehrt Mitglieder über gefälschte Buchungen mittels Online-Portalen beschwert. Bei den Fake-Buchungen waren die Kontakt- und Kreditkartendaten des vermeintlichen Gastes gefälscht, schreibt Markus Luthe in seinem Blog. Der Hotelverband sei der Sache daher im September mit einer Online-Umfrage unter Hoteliers in Deutschland auf den Grund gegangen, um sich einen Überblick über das tatsächliche Ausmaß des Problems zu verschaffen.

„Insgesamt haben sich 636 Hoteliers an der Befragung beteiligt, die damit zwar nicht als repräsentativ, aber hinreichend aussagekräftig bezeichnet werden kann“, so Luthe. Von den Umfrageteilnehmern berichteten 77,2 Prozent, sie hätten in diesem Jahr Fake-Buchungen erhalten. Bei 51,4 Prozent der Hoteliers hat die Zahl der gefälschten Buchungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugenommen und nur bei 6,8 Prozent abgenommen. Im Durchschnitt erhielten die von einer Zunahme betroffenen Hoteliers 70 Prozent mehr gefälschte Buchungen im Zeitraum Januar bis August 2018 als im Vorjahreszeitraum. Luthe betont: „Das gefühlte Phänomen der zunehmenden Fake-Buchungen ist also ein sehr reales Problem.“

Bei der Frage über welches Portal sie Fake-Buchungen erhalten hatten, nannten 68,4 Prozent der Umfrageteilnehmer die Booking Holdings, die HRS-Gruppe nannten 13,4 Prozent und Expedia 7,6 Prozent. Für den IHA-Geschäftsführer scheint damit klar Booking der Haupt-Übeltäter zu sein, und zwar gebe es dafür mehrere Gründe. „Mir drängt sich aber noch ein anderer Verdacht für die Ursache auf, der mir plausibel erscheint, sich von außen aber leider ebenfalls nicht beweisen lässt: Booking.com hat irgendwann im Frühsommer dieses Jahres ein Kickback-System eingeführt, das Booking-Kunden für eine erfolgreiche Weiterempfehlung des Hotels an Freunde sage und schreibe 11,0 Prozent der Übernachtungskosten zurückerstattet; die Freunde erhalten obendrein ebenfalls ein Kickback von 11,0 Prozent. Ich befürchte, dass Booking.com seine Kunden hiermit zu Falschbuchungen zu Lasten der ,Hotelpartner’ geradezu verleitet“, erklärt Luthe.

Eine weitere Ursache für die gehäuften Fake-Buchungen könnten laut Luthe auch im komplexen und undurchsichtigen Affiliate-Netzwerk liegen, in dem tausende gewerbliche Partner die Buchungsstrecke von Booking mitnutzen, ohne dass dies in irgendeiner Form für den Hotelier an der Buchung selbst erkennbar wäre. „Wenn ein solcher Affiliate von Booking ,hohl drehen’ und Scheinbuchungen generieren sollte, um von Booking einen Anteil der ,fälligen’ Buchungsprovisionen zu erhalten, wäre dies eine plausible Begründung“, sagt der IHA-Geschäftsführer. Aufklären könnte dies Booking selbst, doch das Unternehmen reagiere dazu auf keine Anfragen.

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