Ausbildung 2023 Optimistischer Auftakt ins neue Ausbildungsjahr

Vier junge Menschen halten den Daumen in die Kamera
Zuversichtlich: Viele Azubis starten voller Vorfreude in ihre Ausbildung, dennoch bleibt es für die Hotellerie schwierig Nachwuchsfachkräfte zu finden und zu halten. © Adobe Stock/deagreez

Viele Hotels melden wieder steigende Azubi-Zahlen. Das ist erfreulich. Mit welchen Strategien die Betriebe beim Recruiting überzeugen und wozu eine Employer-Branding-Expertin rät.

Im August und September war es wieder soweit: Für die neuen Nachwuchskräfte im Gastgewerbe hat der Start in die Ausbildungszeit begonnen. Viele Hotelunternehmen haben an ihren Recruiting-Strategien gefeilt. Mit Erfolg, wie die folgenden fünf Beispiele zeigen.

Karriere-Webseiten als Recruiting-Basis

Bei den Achat Hotels sind 60 neue Nachwuchskräfte in die Ausbildung gestartet. Dieses Ergebnis führt Claudia Heger, Head of Human Resources bei den Achat Hotels, unter anderem auf die neu gelaunchte Karriere-Webseite zurück. Hier würden potenzielle Bewerbende unkonventionell, „menschlich“ und persönlich angesprochen – und damit auch angeworben. Die Ausbildungszeit selbst startet in der Hotelgruppe mit den „Welcome Days“. In diesen vier Tagen erhalten die Auszubildenden fachliche und persönliche Schulungen in Theorie und Praxis. Die Ausbilder kommen aus den eigenen Reihen. Im Laufe der Ausbildung folgen mit dem „Halbzeit-Camp“ und dem „Azubis-Boost-Camp“ weitere Ausbildungsmodule, um die eigenen Talente bestmöglich auf die Zwischen- und Abschlussprüfung vorzubereiten. „Der Nachwuchs ist die Zukunft des Unternehmens“, betont Claudia Heger, „und deshalb muss dieser die bestmögliche Ausbildung erhalten – in allen Facetten und Bereichen.“

Internationale Azubi-Suche

Erfreuliche Zahlen meldet auch das Viersterne-Superior-Hotel Zugspitze: „Für den Kochberuf hatten wir doppelt so viel Bewerbungen wie Kapazitäten“, sagt Michelle Wagner, Aus- und Fortbildungsleiterin des Hotels. Insgesamt werden dort sechs neue Azubis als Köche, Hotel- und Küchenfachkraft ausgebildet. „Unsere Online-Karriereseite und auch Mundpropaganda haben hier wohl einiges bewegt“, so Wagner. Das Hotel setzt auf Vielfalt, zu der die unterschiedlichen Nationalitäten der neuen Azubis beitragen. Zwei Drittel der neuen Nachwuchskräfte kommen zudem aus der Region. Um den Nachwuchs zu halten, wirbt das Hotel mit einem freundlichen Betriebsklima, familienfreundlichen Arbeitszeiten, attraktiven Fortbildungsmöglichkeiten sowie Sozialleistungen.

Durch Internationalität gewinnt das Recruiting-Konzept des Ferien- und Freizeitparks Weissenhäuser Strand an der Ostsee, seit Jahren Nachwuchskräfte aus den verschiedensten Regionen der Welt. Im August starteten hier diesmal 40 Azubis in die Ausbildung oder das duale Studium.

>>Lesetipp: „40 Azubis heuern im Weissenhäuser Strand an“

Entwicklungschancen auf internationalem Parkett

Auf die Strategie „Globales Arbeiten und Lernen“ setzen wiederum die Privathotels Dr. Lohbeck, um Nachwuchskräfte zu rekrutieren. In diesem Jahr haben 34 neue Azubis in den 21 Häusern der Gruppe ihre Ausbildung begonnen. Christiane Lohbeck, Aufsichtsrätin der Privathotels Dr. Lohbeck, schreibt diesen Erfolg dem Recruiting-Konzept zu: „Entwicklungschancen auf internationalem Parkett sind für Nachwuchstalente ein entscheidendes Kriterium, sich für eine Karriere in der Hotellerie zu entscheiden.“ Eine Besonderheit der Ausbildung, die auch für Nachwuchskräfte spannend sei, ist die Zusammenarbeit mit Industrie- und Handelskammern (IHKs), der Deutschen Hotelakademie (DHA) sowie mit internationalen Partnern wie der École hôtelière de Lausanne (EHL) und der Cornell University New York. Die Dr. Lobeck-Azubis profitierten außerdem von einer übertariflichen Bezahlung, Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschlägen, Fünf-Tage-Woche, internen und externen Weiterbildungs- und Schulungsangeboten sowie Anerkennungs-Boni bei Jubiläen.

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    60 neue Nachwuchstalente starten Karriere in ACHAT
    © ACHAT Hotels
    57 neue Azubis sind diesem Jahr bei Achat in die Ausbildung gestartet, hinzu kommen drei dual Studierende.
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    Sechs Azubis lächeln vor dem Hotel Zugspitze in die Kamera
    © Hotel Zugspitze
    Die sechs neuen Azubis im Hotel Zugspitze haben deutsche, türkische, kirgisische und ukrainische Wurzeln.
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    Azubis stehen in Uniformen der Privathotels Dr. Lohbeck am Strand vor dem Meer und lächeln in die Kamera
    © Privathotels Dr. Lohbeck
    Zum neuen Ausbildungsjahr begrüßen die Privathotels Dr. Lohbeck insgesamt 34 neue Azubis.
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    Azubis vom Althoff Grandhotel Schloss Bensberg lächeln vor dem Schloss in die Kamera
    © Althoff Hotels
    Ausbildungsstart bei den Althoff Hotels, im Bild die neuen Auszubildenden im Althoff Grandhotel Schloss Bensberg.

Ausbildungförderung mit eigenen Akademien

Die Althoff Hotels können in diesem Jahr rund 100 Schulabgängern und Studenten eine Ausbildung in den Bereichen Hotelfachmann/-frau, Veranstaltungskaufmann/-kauffrau, Fachkraft in der Küche oder auch ein duales Studium anbieten. „Wir sind stolz, in diesem Jahr so viele Auszubildende begrüßen zu dürfen und ihnen einen guten Einstieg zu bieten“, so Frank Marrenbach, CEO der Althoff Hotels. „Damit schaffen wir ein solides Fundament für die berufliche Zukunft der jungen Talente und hoffen, diese lange in unserer Gruppe halten zu können.“ Die eigene Althoff Academy unterstütze dabei die individuellen Karrieren der Nachwuchskräfte unter dem Motto „A passion for you“. Wie in der gesamten Althoff-Unternehmenspolitik stehe auch hier die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Mitarbeiters im Fokus.

Mit einer hauseigenen Akademie werben auch die Leonardo Hotels Central Europe. Sie sind mit rund 250 Auszubildenden und Dualen Studenten ins neue Ausbildungsjahr gestartet.

>>Lesetipp: „Viele Nachwuchskräfte für Leonardo“

Mit Strategie rekrutieren

Trotz der optimistischen Zahlen ist es nach wie vor schwierig in der Hotellerie Nachwuchsfachkräfte zu finden und zu halten. Daher empfiehlt Employer-Branding-Expertin Astrid Nelke, Geschäftsführerin von Knowbodies – Gesellschaft für integrierte Kommunikation und Bildungsberatung, vor dem Recruiting eine genaue Analyse zu machen und sich dabei folgende Fragen zu stellen: Was betrifft uns? Was haben wir bis jetzt gemacht, um die Ausbildungssituation zu verbessern? Haben wir die vorhandenen Azubis ins Recruiting einbezogen? Wie ist die aktuelle Situation bei uns und wie in der Branche? Was können wir tun, damit sich die Ausbildungssituation verbessert?

Aus den Antworten auf diese Fragen ließe sich nachfolgend eine Recruiting-Strategie entwickeln, die die Zielgruppen, das Budget und die zu nutzenden Kommunikationsinstrumente beinhaltet, so Astrid Nelke. Anschließend folge die Umsetzung und später noch die Evaluation, um zu prüfen, ob der gesamte Prozess erfolgreich war. Darüber hinaus gäbe es zahlreiche Instrumente, die laut der Expertin in der Praxis gut wirken (siehe Box "10 Impulse").

10 Impulse für erfolgreiches Azubi-Recruiting

  • Bewerbungen ohne Anschreiben und Lebenslauf
  • Teams machen die Dienstpläne selbst, Überstunden werden aufgeschrieben und als frei gegeben
  • Übernahmegarantie nach der Ausbildung
  • Buddy-System mit Azubis aus höheren Lehrjahren
  • Fester Ansprechpartner als Betreuungsperson/Abteilungsleitung
  • Bei Problemen in der Berufsschule feste Angebote zu den entsprechenden Themen im Betrieb
  • Azubis übernehmen Social-Media-Kanäle nach festen Regeln und erhalten eine Extra-Belobigung im Zeugnis/in der internen Kommunikation
  • Kooperationen mit Gemeinschaftsschulen/Gymnasien/Fachschulen
  • Angebot von bezahlten Praktika
  • Azubis werben Azubis