Öschberghof „Wir wollten das perfekte Produkt erschaffen“

Daniel Burkhard koordinierte als Projektleiter den Umbau des Öschberghofs in Donaueschingen. (Bild: Öschberghof)

Vom Aldi-Konzern kommend, koordinierte Daniel Burkhard als Projektleiter den Umbau des Öschberghofs in Donaueschingen. Der Badener brachte alle Voraussetzungen für die Mammutaufgabe mit: Sachlichkeit und Weitsicht, kaufmännisches Verständnis sowie die Gabe, in Stresssituationen einen kühlen Kopf zu bewahren. 100 Tage nach der Wiedereröffnung blickt er auf eine Zeit zurück, die er nicht missen möchte.

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Tophotel: Herr Burkhard, rund 100 Tage sind seit dem Grand Opening des Öschberghofs vergangen. Läuft das Hotel jetzt – dreieinhalb Jahre nach dem Start der Renovierung – wieder unter Volllast?

Daniel Burkhard: Wir haben die Sommermonate gut gemeistert. Der Golfplatz sorgte für hohe Nachfrage, jetzt gilt es den neuen Spa-Bereich in den Vordergrund zu stellen. Generell sind unsere 126 Zimmer natürlich eine andere Hausnummer als die 73 Einheiten zuvor. Die Resonanz der Gäste ist sehr gut. Unser Konzept geht auf.

Gilt dies auch für den neuen Bereich Fine-Dining?

Auch das ‚Ösch Noir‘ ist sehr gut angelaufen. Wir haben nach wie vor das Ziel, mit Manuel Ulrich vielleicht schon in diesem Jahr einen Michelin-Stern zu erhalten.

Ein Blick zurück: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie ab 2015 sowohl als Leiter Filialentwicklung bei Aldi Süd als auch als Projektleiter auf dem zum Konzern gehörenden Öschberghof fungierten?

Ich habe vor 2015 bei Aldi den regionalen Einkauf von Gemüse, Brot und Kuchen koordiniert. Mein damaliger Chef hat mir dann vorgeschlagen, in der Firma noch einmal etwas komplett anderes zu machen, in die Bauabteilung zu wechseln und künftig neben dem Bau von Filialen das Projekt Öschberghof zu begleiten. Auch deshalb, weil ich aus Donaueschingen stamme und die Region gut kenne.

Wussten Sie damals, was auf Sie zukommt?

Ganz ehrlich: nein. Ich konnte es nur erahnen. Aber zurückblickend war es eine wunderbare Erfahrung. Ich bin sehr froh, dass ich es gemacht habe.

“Durch Aldi habe ich verinnerlicht, einfach und strukturiert zu arbeiten. Das hat mir in vielen Situationen geholfen, beispielsweise wenn die Architekten und Planer stundenlang und zum Teil sehr emotional diskutiert haben.”
Daniel Burkhard

Was waren Ihre vorrangigen Aufgaben? Und blieb neben dem Projekt Öschberghof noch Zeit für die Filialentwicklung?

Meine eigentliche Tätigkeit, der Bau von Aldi-Filialen, war eher zweitrangig. Priorität hatte die Aufgabe als Projektleiter des Öschberghofs. Zusammen mit Alexander Aisenbrey und einem Architekten haben wir das Projektteam gebildet. Mein Job war es, den kaufmännischen Part hauptamtlich zu betreuen und gleichzeitig die Gesamtprojektverantwortung innezuhaben. Zunächst galt es für mich als ‚Greenhorn‘ aber, überhaupt die Hotellerie zu verstehen. Alexander Aisenbrey und ich haben uns deshalb in der ersten Zeit verschiedene Hotels – national wie international – angesehen, um positive Einflüsse herauszuarbeiten. Gleichzeitig hat mir Alexander erklärt, wie die Logistik zu funktionieren hat oder welche Voraussetzungen für das Housekeeping relevant sind. Auf diese Weise habe ich nach und nach die Zügel in die Hand genommen und konnte als Hauptansprechpartner für Firmen wie für Architekten auftreten.

Gibt es Parallelen zum Einzelhandel, die Sie einbringen konnten?

Durch Aldi habe ich verinnerlicht, einfach und strukturiert zu arbeiten. Das hat mir in vielen Situationen geholfen, beispielsweise wenn die Architekten und Planer stundenlang und zum Teil sehr emotional diskutiert haben. Ganz wichtig ist es dann, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. In puncto Filialentwicklung gibt es hingegen keine Parallelen. Viele Standorte werden einfach ähnlich oder komplett gleich gebaut. Da gibt es ein Handbuch und daran kann man sich halten. Beim Öschberghof gab es kein Handbuch …

… dafür eine Menge Leidenschaft für das Projekt.

Auf jeden Fall. Die Leidenschaft hat sich mit der Zeit entwickelt. Weil man sich mit jeder kleinsten Ecke auseinandergesetzt hat, mit jedem Gang, mit jedem Fenster. Wir wollten das perfekte Produkt erschaffen. Deshalb haben wir Hoteltouren gemacht, alles aufgeschrieben, alles fotografiert, um es dann zu 150 Prozent so umzusetzen. Damit Gäste wie Mitarbeiter ein optimales Produkt vorfinden.

“Es ist besser, am Anfang etwas Geld in die Hand zu nehmen, um eine Bestandsuntersuchung durchzuführen.”
Daniel Burkhard

In der Nachbetrachtung: Wo hätte man beim Bau des neuen Öschberghofs noch optimieren können?

Wir haben alles einzeln vergeben und dadurch sehr viele Planer gehabt – bis hin zum Licht- und Akustikplaner. Schwierigkeit war hier die Koordination dieser ganzen Gewerke beziehungsweise der Planer. Viele dieser Schnittstellen haben zu Problemen geführt, vor allem mit Blick auf die Verantwortlichkeiten. Dieses Szenario würde ich künftig überdenken. Und schließlich: Bauen im Bestand. Man weiß schlichtweg nicht, was herauskommt, wenn ich diese oder jene Wand aufmache. Es ist besser, am Anfang etwas Geld in die Hand zu nehmen, um eine Bestandsuntersuchung durchzuführen.

Welche Tipps können Sie Hoteliers, die vor der Renovierung stehen, noch geben?

Ganz wichtig: Die frühzeitige Kontaktaufnahme mit den örtlichen Firmen. Wir haben mit den Unternehmen rund ein Jahr vor der Baumaßnahme gesprochen, sodass sich diese den eigentlichen Arbeitszeitraum blocken konnten. Ebenso frühzeitig haben wir die Gewerke verhandelt – ansonsten wäre das Projekt viel teurer geworden. Die Baukosten sind ja in den vergangenen drei Jahren in der Baubranche nochmals deutlich gestiegen. Zudem lohnt es sich, intensiv an einem Musterzimmer zu arbeiten und die Abteilungsleiter bei der Planung ‚ihrer‘ Bereiche miteinzubeziehen.

Mit Blick auf den Filialbau bei Aldi: Sind Mixed-Use-Konzepte unter Einbeziehung von Hotels ein Thema? In Berlin ist ja unlängst ein Niu Hotel auf einem Shoppingcenter entstanden, und in Wien wird ein Accor-Haus in einem City-Ikea verwirklicht.

Wir beschäftigen uns grundsätzlich mit allen möglichen Konzepten. Der Klassiker in der Stadt ist meist eine Filiale, die mit darüberliegenden Wohnungen realisiert wird. Aber es gibt auch hier andere Konzepte, beispielsweise mit einem Hotel in den Obergeschossen. Dies bietet sich deshalb an, da die Parkplätze außerhalb der Öffnungszeiten gut genutzt werden können. Wir sind zwar immer noch Einzelhändler, doch wenn wir künftig vermehrt als Investor auftreten würden, ist eine optimale Nutzung des Grundstücks zwingend erforderlich.

Mit Ihrer gewonnenen Erfahrung könnten Sie jetzt in der Hotellerie weiter aktiv sein. Ist das Feuer für die gastliche Branche entfacht?

Sicherlich habe ich mir durch das Öschberghof-Projekt enorm viel Wissen angeeignet. Doch ganz ehrlich: Ich bin da, wo ich jetzt bin, sehr glücklich. Es macht mir Spaß, jetzt wieder Filialen zu bauen. Aber für die Zukunft schließe ich nichts vollkommen aus.

Interview: Mathias Hansen

Video-Tipp: Öschberghof-Chef Alexander Aisenbrey im Interview

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