Immer mehr Menschen erwarten von Hotelbetrieben deutliche Zeichen für umweltverträgliches Handeln. Doch nicht nur für die Gäste, auch aus eigenem Interesse sollten Hoteliers eine sanfte Reinigung und nachhaltige Produkte, zum Beispiel bei den Guest Supplies, bevorzugen.
Hotels haben einen enormen Verbrauch an Wasser, Strom und Chemikalien – das betrifft nicht nur die Gästezimmer, sondern vor allem auch die öffentlichen Bereiche, Wirtschaftsräume und gegebenenfalls die eigene Wäscherei. Gerade das Housekeeping biete zahlreiche Möglichkeiten, ökologische Ansprüche und Kostenersparnis miteinander zu verbinden, so Sylvia Lehmann, Inhaberin der Firma Lehmann Hotelkompetenz in Nürnberg. Deshalb gibt die 47-Jährige zunächst einmal ganz pragmatische Empfehlungen – beispielsweise, die Beleuchtung in Flur und Backoffices während der Zeiten, in denen diese Bereiche schwach frequentiert werden, zu reduzieren oder Bewegungsmelder anzubringen. Heizung und Klimaanlage in ungenutzten Zimmern können heruntergefahren werden. Um es auch dem Gast so einfach wie möglich zu machen, sich ökologisch zu verhalten, ist es sinnvoll, Doppelschalter im Badezimmer für die se- parate Schaltung von Licht und Lüftung anzubringen. Die Nachlaufzeit der Lüftung kann zudem meist manuell eingestellt werden. Eine Abfalltrennung auf dem Zimmer in Papier und Restmüll ist sinnvoll – und sollte vom Housekeeping-Team auch beim Beseitigen des Mülls beachtet werden.
Um solche Vorgaben einzuhalten, ist es wichtig, das Personal mit ins Boot zu holen. Sylvia Lehmann: »Die Mitarbeiter gestalten die Praxis – das gilt für die Reinigung aller Bereiche ebenso wie für die Umsetzung von Sparmaßnahmen. Sie bestimmen den Erfolg jeder Aktion und sind somit das wichtigste Glied in der Kette.« Sie sollten regelmäßig motiviert, geschult und zum Mitdenken animiert werden, denn dadurch ließen sich zum Beispiel (Bio-)Putzmittel effizienter einsetzen. Auch ein Zimmermädchenwagen, der mit zwei Müllsäcken und einem Korb für Flaschen ausgestattet wird, stößt mit dem richtigen Hintergrund-wissen auf mehr Verständnis.
Bei den Reinigungsmitteln gilt: Erst den genauen Bedarf inklusive Budgetierung ermitteln, dann beim Einkauf auf Dosierung und Umweltverträglichkeit achten. Das Scandic Hamburg Emporio beispielsweise setzt auf Reinigungsprodukte, die zertifiziert und biologisch abbaubar sind. »Alle Produkte werden automatisch über eine Dosierstation mit umweltfreundlicher Beuteltechnologie dosiert – diese garantiert immer die richtige Menge und somit sind auch der Verbrauch und die Kosten besser vorhersehbar«, erklärt die HSK-Managerin des Hauses, Elena Fiebig.
Ein guter Tipp von Sylvia Lehmann erspart den weitgehenden Einsatz von »chemischen Keulen«: Jeden Morgen kann zur Routine-Zimmerreinigung eine »Heute-Ganz-Besonders«-Aufgabe festgelegt werden, bei der an einem Tag alle Duschköpfe, an einem anderen alle Lampenschirme im Mittelpunkt stehen. Dies verhindere auf lange Sicht aufwendige Extrareinigungen, die nötig werden, wenn Kalk und Co. sich schon zu sehr festgesetzt haben. Ein weiteres Plus: Wenn Lichtquellen regelmäßig gereinigt werden, verbrauchen sie nach Angaben der Housekeeping-Expertin weniger Strom und geben mehr Licht.
Durch den Einsatz von Mikrofasertüchern kann man zudem die Anzahl der nötigen Putzmittel stark reduzieren; dann ist kein Glasreiniger mehr nötig und auch der Einsatz eines Allzweckreinigers kann auf wenige Bereiche reduziert werden. Beim Reinigen selber reiche es vollkommen, lauwarmes Wasser zu benutzen, erklärt Sylvia Lehmann: »Das Housekeeping-Team muss nicht mit heißem Wasser arbeiten, damit diese Mittel ihre volle Wirkung entfalten.« So ließe sich einfach Energie sparen.
Fokus Guest Supplies: Nachhaltigkeit sichtbar machen
Täglich in Berührung kommt das Housekeeping auch mit Guest Supplies, die für den Gast schon zur Standardausstattung eines Hotels gehören und gern in Anspruch genommen werden. Das bleibt allerdings nicht ohne Folgen: Geschätzt wird, dass die Hotelbranche weltweit mehr als elf Millionen Plastikflaschen pro Jahr in Umlauf bringt. »Hoteliers müssen das Thema Nachhaltigkeit für ihre Gäste erlebbar machen«, erklärt Andreas Dümmig, Geschäftsführer der PURO Hotelkosmetik in Baden-Baden, in diesem Kontext. Doch wie gehen die Hersteller mit diesem Thema um?
Auch für die Zulieferer werde Nachhaltigkeit immer wichtiger, erklärt Sylvia Jensch, Marketingdirektorin bei ADA Cosmetics. Denn immer mehr Hotels werben mit diesem Faktor – und auch die Gäste fordern verantwortungsvolles Handeln im Hotel. Sie ist sich sicher: »Weniger wird mehr bei den Guest Supplies – auf Silikone, künstliche Farbstoffe, Mineralöle etc. wird zusehends verzichtet.« Seit 2005 hat ADA unter dem Namen »Green Collection« ökologische, zertifizierte Hotelkosmetikserien eingeführt; 2012 kam die Serie »Fair Trade« mit Inhaltsstoffen aus fairem Handel hinzu. Damit einher geht die ökologische Ausrichtung der Verpackungen. Zwar bedeute dies ein Plus an Kosten. Doch, so die Meinung von Sylvia Jensch: »Bio ist zwar teurer, aber nicht zwingend teuer – insbe- sondere, wenn man die Wertigkeit der Produkte bedenkt.«
Auch bei Aficom sind ökologische Aspekte von wachsender Bedeutung: Schon seit Längerem hat das Unternehmen eine Bio-Hotelkosmetiklinie auf dem Markt; doch auch bei den nicht zertifizierten Serien verzichtet Aficom auf Inhaltsstoffe wie Parabene, Silikone oder Rohstoffe tierischen Ursprungs. »Wir präferieren die Herstellung in Europa, um unter anderem weniger Umweltbelastungen durch Transport zu verursachen«, so General Manager Gaetan de Montalivet. Aktuell wird an Rezepturen gearbeitet, die weniger Energie während der Produktion verbrauchen.
Auf nachhaltige Inhaltsstoffe setzt auch die dänische Firma Scandinavian Amenities. Consultant Martin Pfülb erläutert: »Waren bisher eine gefällige Optik und ein niedriger Preis Entscheidungskriterien, bestehen mittlerweile klare Anforderungen, was die Inhaltsstoffe – nicht umweltbelastend bzw. zertifiziert – sowie die Verpackungen anbelangt; Letztere sollten nach- haltigen Ursprungs und auf ein Minimum reduziert sein.« Das Unternehmen arbeitet mit Recycling-Papier, Soja-Tinte und organischen Zusatzstoffen wie beispielsweise abbaubares, plastikähnliches Material (PSM-Maisstärke und ECM-Biofilm). Zu-dem wird an der Verpackung bestmöglich gespart, um Müll zu vermeiden. Ein Beispiel sei der Seifenspender »Illi Two«: Der Inhalt von 525 Millilitern benötige weniger Lagerkapazität, habe einen niedrigeren Prozessaufwand, weniger Entsorgungsmaterial und beinhalte weniger Seifenreste, so Pfülb.
Andreas Dümmig von PURO stimmt diesem Prozedere zu: »Der Trend Nachhaltigkeit ist ungebrochen, quer durch alle Kategorien, ob in der Privat- oder Kettenhotellerie.« Als Beispiel dient die in Deutschland entwickelte und produzierte Serie »Stop the water while using me«. »Diese Serie funktioniert in allen Hotelkategorien, weil sie neben der Produktqualität eben noch mehr mitbringt – eine Message, die jedem Gast gut steht: ›gehe sorgsam mit unseren Ressourcen um‹. Nicht der erhobene Zeigefinger, nicht der Spiegelaufkleber oder Pappaufsteller, sondern ein geschmackvolles Designstück signalisiert dem Gast, dass sein Gastgeber über den Tellerrand blickt und es ernst meint mit seinen Bemühungen, etwas Gutes für unsere Umwelt zu tun.«
Grüne Luxusprodukte?
Und wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Ökologie und Luxus-Guest-Supplies aus? »Nach unserer Erfahrung steht entweder der Luxus- und Performance-Gedanke im Vordergrund – oder eben der Wunsch nach einer grünen Kosmetik«, betont die Marketingdirektorin von ADA Cosmetics. Die anderen hingegen sehen eine Annäherung der Luxus- und der Öko-Produkte. So denkt Gaetan de Montalivet von Aficom, dass sich Nachhaltigkeit und Luxus nicht ausschließen – dass aber beispielsweise ökologische Rezepturen nicht so stabil seien und deshalb einen hohen Überwachungsaufwand verursachen. Martin Pfülb von Scandinavian Amenities sieht die Schwachstellen eher bei der Verpackung: »Die Luxushotellerie muss noch erkennen, dass der Einsatz einer ökologischen und nachhaltigen, für die Luxushotellerie geeigneten Kosmetikserie nicht automatisch mit einer ›Öko-Optik‹ verbunden ist.« Die Serie »Greenland« verbindet Nachhaltigkeit mit Luxusanspruch und einem edlen Design.
»Öko rechnet sich!«
Auch für Andreas Dümmig definiert sich Luxus zunehmend über ethische, soziale und ökologische Faktoren. Die Erfahrung zeigt: Kunden, die viel Geld ausgeben, wollen neben dem Produkt auch das Gefühl kaufen, etwas Gutes getan zu haben. Top-Brands wie »April Aromatics« aus Berlin stellen sich darauf ein. »Meine Empfehlung an jeden Hotelier lautet, sich nicht nur von Öko-Labeln leiten zu lassen: Zeigen Sie den Mut und den Willen, auch im Kleinen etwas zum Positiven zu verändern und unnötige Umweltbelastungen zu vermeiden. Öko rechnet sich.«