Nostalgie meets Nachhaltigkeit, Vergangenheit trifft Zukunft: Das neue Vier-Sterne-Plus-Hotel am Flughafen der Hansestadt vereint die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ des Fliegens mit dem Innovationswillen visionärer Planer. - von Isabell Schreml
Ein großes ellipsenförmiges Auge, um das sich eine kleine Braue schmiegt: Die Planer des Nordport Plaza Hotels wollten nichts Geringeres als ein neues Wahrzeichen im Norden von Hamburg schaffen. Rund 45 Millionen ließen sie es sich kosten. Die Gäste blicken von den beiden Gebäuden aus direkt auf die Start- und Landebahn des Flughafens Fuhlsbüttel. Mit einem klassischen Flughafenhotel hat das im April 2018 eröffnete Nordport Plaza in Norderstedt jedoch wenig gemeinsam. Das Vier-Sterne-Plus-Hotel ist das erste Haus der Marke Tribute Portfolio in Deutschland, ein junger Ableger der Marriott-Gruppe. Architektonisch und konzeptionell passt es in keine Schublade.
Pan-Am-Style trifft Nachhaltigkeit
„Das Nordport Plaza ist das Ergebnis vieler einzelner kreativer Ideen und eine Hommage an vergangene Zeiten, als das Fliegen noch etwas Besonderes war“, sagt Thorsten Schütte, Geschäftsführer des Projektentwicklers Premero Immobilien. Zusammen mit seiner Partnerin Melanie Morgenthaler hat er das Konzept des Hauses entwickelt und als Bauherr fungiert. „In Sachen Energieversorgung und Nachhaltigkeit sind wir unserer Zeit aber weit voraus.“ Beide haben viel Herzblut in das Projekt gesteckt, ihre jahrelange Erfahrung als Projektentwickler und ihre Leidenschaft fürs Reisen kamen ihnen dabei zugute.
Reisen und Fliegen, die Themen sind allgegenwärtig im Nordport Plaza. Im Foyer lächeln überlebensgroße Bilder von Flugbegleitern im legendären Pan-Am-Style der Sixties von den Wänden. Sechs Businesslounges, die mit Raumteilern voneinander abgetrennt sind, bieten einen ruhigen Rahmen für kleinere Arbeits-Meetings. Holz und Leder sorgen für Wohnzimmer-Feeling, jede Lounge hat ihren eigenen Kamin. Landkarten und Globen erinnern auch dort an die große weite Welt, die nur ein paar Flugstunden entfernt liegt. Der Café „Moin!“ bietet Snacks und Getränke für einen Zwischenstopp.
Die beiden Gebäude, verbunden durch eine Glasbrücke, erhielten passend zur Location die Namen „Terminal 1“ und „Terminal 2“. Die Fassade ist komplett aus Glas und bietet größtmöglichen Schallschutz. Sie entstand in Elementbauweise, die fertig – ohne Gerüst – eingesetzt wird. Um die Baukosten zusätzlich zu senken, kamen weitestgehend Betonfertigteile zum Einsatz, was die Bauzeit auf der Baustelle verkürzte. Während beispielsweise die obersten Stockwerke noch betoniert wurden, wuchs unten bereits die Fassade am Baukörper empor.
Im „Terminal 1“ und „Auge“ – dem zehnstöckigen, 35 Meter hohen Hauptgebäude – befinden sich die meisten der insgesamt 188 Zimmer und Suiten. Sie sind klassisch elegeant gestylt und auf die Bedürfnisse von Vielreisenden ausgerichtet. Ein Detail: Eine Koffernische mit einem hoch angebrachten Haken zum Aufhängen des Kleidersacks und der Abendgarderobe. Airport-Feeling ist auch in den Zimmern spürbar: Raumhohe Bilder zeigen Flugzeuge beim Starten und Landen. Für individuelle Akzente sorgt eine Lichtleiste oberhalb des Bettes, die via Steuerung die Raumdecke dezent in verschiedenste Farbtöne taucht.
Auch der Weg durch die Flure thematisiert die Airport-Nähe: Die Kernwand aus Ortbeton wurde beschichtet und optisch mit Fahrbahnmarkierungen und Gummiabrieb versehen wie bei einer Landebahn, die vertikal aufsteigt. Beim Verlassen des Fahrstuhls im zehnten Stockwerk tut sich dem Betrachter ein weiter Blick über den Flughafen bis nach Hamburg auf: In der luxuriösen „Senator-Lounge“ können sich Geschäftsleute in eine ruhige Ecke zurückziehen, abends wird sie zur stylischen Sky-Bar. Ebenfalls im zehnten Stock befindet sich der Wellness-Bereich mit Fitnessraum, Einzelräumen für Anwendungen und zwei Saunen.
Im Nebengebäude und „Terminal 2“ – der „Augenbraue“ – finden Gäste das Restaurant „Blue“ sowie ein Tagungszentrum für bis zu 300 Personen. „Hamburg boomt, aber es gibt viel zu wenig Tagungsfläche inklusive entsprechender Unterkünfte“, sagt André Nadler, stellvertretender Hoteldirektor. Wegen der hohen Nachfrage gebe es bereits Pläne, den Kongressbereich zu erweitern. Zielgruppe sind in erster Linie Geschäftsreisende. Aber auch Erholung suchende Städtereisende hat Nadler im Visier.
Marylin Monroe als „Selfie“-Spot
Im Restaurant „Blue“ kommen wieder nostalgische Gefühle auf. Die Wände zieren Schwarz-Weiß-Fotografien von Leinwandikonen der 1950er- und 1960er-Jahre: James Dean, Audrey Hepburn, Romy Schneider und viele mehr. Den prominentesten Platz aber bekam Marylin Monroe. Planer Melanie Morgenthaler und Thorsten Schütte haben seit jeher eine Schwäche für sie. Dass ihr Porträt ein beliebter „Selfie“-Spot ist und so die sozialen Medien erobert, ist für sie ein willkommener Nebeneffekt.
Das Frühstück spiegelt das Konzept des Hauses: Es gibt kein herkömmliches Buffet. Der Gast wählt zwischen drei Frühstückstypen, die via Servierwagen aufgetischt werden. Die Anordnung auf dem Tablett erinnert an eine Mahlzeit im Flugzeug, Nachbestellungen sind jederzeit möglich. Was lediglich ein originelles Detail zu sein scheint, zahlt ein auf das nachhaltige, ressourceneffiziente Konzept des Hotels: Lebensmittel sollen nicht verschwendet, sondern bewusst gewählt und gewertschätzt werden.
Ressourcenschonung auch beim Thema Energie. Dieses wird im Nordport Plaza ganz großgeschrieben. Das Interieur des Hotels spielt mit dem Stil vergangener Zeiten, doch die Energieversorgung des Hauses ist hochmodern und zukunftsorientiert. Vom Beginn der Planungen an standen Effizienz und Nachhaltigkeit ganz oben auf der Prioritätenliste der Bauherren. Schütte und sein Team setzten auf neueste Gebäudetechnik – der Umwelt zuliebe, aber auch, um langfristig Kosten zu sparen. Premero kooperierte dafür mit Daikin, dem Spezialisten für Wärmepumpen, Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen.
Energieversorgung via Geothermie
Im Zuge seines Förderprogramms war Daikin auf der Suche nach Hotels, die noch in der Planungsphase sind und in Sachen regenerative Energien eine Leuchtturmfunktion haben sollen. Zusammen wurde ein entsprechendes Konzept entwickelt: Der gesamte Wärme- und Kältebedarf wird über Geothermie abgedeckt. Rund 50 Sonden fördern dafür Grundwasser aus 130 Meter Tiefe an die Oberfläche. So wird eine Wärmequellen-Leistung von 261 Kilowatt erreicht.
Der Strombedarf des gesamten Hotels wird über zwei eigene Blockheizkraftwerke abgedeckt, per Sondergenehmigung darf das Hotel den selbst erzeugten Strom auch gleich nutzen.
Für Thorsten Schütte ist das Nutzen regenerativer Energien keine Modeerscheinung, sondern wirtschaftlich notwendig und eine Frage der Zukunftsfähigkeit. Hotels sind für ihn „lebende Gebäude, die sich mit unserer Hilfe weiterentwickeln können und müssen“. |






