Hoteltest Adlon Kempinski BerlinNicht voll auf Kurs

Bad

Das Bad ist adrett im Stil des Zimmers eingerichtet, doch erstaunlich klein, eigentlich schon winzig – als Bewegungsspielraum bleiben 90 Zentimeter in der Breite und 210 Zentimeter in der Länge. Das WC ist zwar separiert, präsentiert sich aber eher als Zelle und ist nichts für klaustrophobische Menschen. Außerdem existiert keine Lüftung. Die Grundausstattung aus Badewanne, Duschkabine und Waschbecken ist gut, es fehlt jedoch an Ablagemöglichkeiten. Da das Licht etwas diffus ist, kann das Bad nicht optimal ausgeleuchtet werden. Der beleuchtbare Kosmetikspiegel wurde relativ hoch angebracht, lässt sich nicht in der Höhe verstellen, aber schwenken. Der Haartrockner ist kein Hightech-Gerät, doch leicht an Gewicht und einfach in der Handhabung. Bademantel und -schlappen in bequemer Ausstattung stehen ebenso bereit wie ausreichend Handtücher in unterschiedlichen Größen und von guter Machart. Nur von durchschnittlicher Qualität sind Shampoo, Conditioner, Showergel und Bodylotion, letztere ist extrem dünnflüssig. Wattepads und Q-Tips werden bereitgestellt, doch ist es eher ärgerlich, wenn Gäste eine Papiertaschentuch-Box vorfinden, die nur noch mit wenigen Blatt Papier gefüllt ist – wobei der Abendservice diese auch nicht ersetzt. Das Bad wurde in einem sehr guten Reinigungszustand übergeben.
Wertung: noch befriedigend

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17:46 – Roomservice

Die Karte fällt weniger durch originelle Angebote als durch fantasievolle Preise auf. Das vom Produkteinsatz her niedrig einzustufende Kräuterrisotto mit Parmesan und karamellisiertem Ziegenkäse schlägt mit stolzen 21 Euro zu Buche und gehört damit zu den preiswertesten Gerichten. Außerdem bestelle ich eine »Adlon Currywurst« vom Havelländer Apfelschwein mit Pommes Frites – mit 17 Euro sicher die teuerste Currywurst der Hauptstadt. Die Weine kosten glasweise zwischen 15 und 18 Euro, eine Flasche Wasser kommt auf zwölf Euro. Eine freundliche Mitarbeiterin notiert die Wünsche, wiederholt die Bestellung und gibt eine Servierzeit von bis zu 30 Minuten an, die um acht Minuten unterschritten wird. Die Mitarbeiterin arbeitet flink und freundlich, der Abräumhinweis wird in schriftlicher und mündlicher Form gegeben.
Die Präsentation der Speisen auf dem Servierwagen könnte schöner sein, zudem ist das Essen aus der Hotbox nur noch lauwarm. Das sehr bissfeste Risotto schmeckt fad und wurde offenbar nicht in einer würzigen Brühe zubereitet, auch der Parmesan brachte keinen Geschmack hinein. Selbst die versprochenen Kräuter bleiben erstaunlich aromenfrei – das Risotto ist einfach nur extrem grün. Die hochpreisige Currywurst wird zwar aus spürbar gutem Fleisch hergestellt, bleibt aber geschmacklich im Gesamtbild hinter einer guten Currywurst vom Imbiss zurück. Die Sauce mutet wie eine Mischung aus Ketchup und Apfelmus an, wobei die typische Currywürze vollends fehlt. Die dazugehörigen Pommes Frites sind von durchschnittlicher Machart.
Wertung: noch befriedigend

Turndownservice

Um 21:08 Uhr kommt ein Mitarbeiter aufs Zimmer, der wie Rotkäppchen lediglich mit einem Körbchen ausgerüstet ist. Darin ist nicht viel Platz, weshalb auch nicht viel geschieht. Denn mehr als das Bett abdecken gehört offenbar nicht zu seinen Pflichten. Benutzte Handtücher bleiben ungewechselt, Abfallbehälter werden nicht geleert. Erst auf Nachfrage erhalte ich eine Flasche Wasser, die ja eigentlich allabendlich am Bett stehen soll. Immerhin fragt der sehr freundliche Mitarbeiter am Schluss, ob er noch etwas tun kann. Insgesamt jedoch ein etwas merkwürdiger Auftritt.
Wertung: mangelhaft

21:54 – Lobby Bar und »Shochu Bar«

In der Lobby sitzen sehr verstreut Paare und betrachten vor allem ihre Umgebung. Im Barbereich selbst sind nur wenige Gäste, die dafür umso mehr auffallen – einige durch sehr lässige Kleidung, eine Schweizer Familie durch sehr laute und herumtollende Kinder. Ich möchte hier nicht länger als auf ein Bier bleiben, weil die Atmosphäre keinen Anlass dazu gibt. Das Berliner Kindl wird gut gezapft und perfekt temperiert von einer freundlichen Bedienung serviert und kostet sieben Euro. Die Karte bietet bekannten Standard, individuelle Ideen und eigene Kreationen sind nicht zu erkennen. Ich frage nach der asiatischen »Shochu Bar«, die mit japanisch inspirierten Cocktails auf sich aufmerksam macht. Ein Mitarbeiter erklärt mir den Weg, wobei hier unbedingt ein Escort-Service notwendig wäre, weil der Weg nicht beschildert ist und auch durch Beschreibungen wenig plausibel wird. Die Bar ist Teil des »Uma-Restaurants«, was ebenfalls nicht kommuniziert wird. Ich muss als Hotelgast obendrein das Hotel verlassen, um in die Bar zu gelangen. Die Bar ist aufgrund ihrer lauten Musik und des eher saloppen Tons, der dort herrscht, im Grunde nicht mit dem Adlon kompatibel, gehört aber zur Adlon Holding. Die Musik ist so heftig, dass sich sogar ein junger Gast über die dumpfen Bässe beschwert. Die Drinks hingegen sind kreativ und werden auch sehr gut gemixt. 200 Cocktails – wie geworben wird – sind zwar nicht gelistet, doch auch so ist die Auswahl mehr als ausreichend. Die auf Shochu und Sake basierenden Cocktails kosten im Schnitt zwölf Euro. Der »Shochu Mule« aus Shochu-Schnaps, Zitronensaft, Läuterzucker, Melisse, Gurke, Ingwer und Soda wird sehr balanciert zubereitet. Der »Nanbu Bijin Ume Rosé«, ein Sake mit japanischer Pflaume, ist im Grunde schon solo etwas Besonderes. In dieser Bar wird er mit bittersüßem Antica Formula und Mandarinenlikör harmonisch und aussagekräftig zusammengeführt. Warum er sich (Ume Rosé) »Negroni« nennt, ist nicht nachvollziehbar, denn dieser italienische Klassiker besteht ja aus Wermut, Gin und Campari und hat lediglich den etwas bitteren Ton gemeinsam. Die »Shochu Bar« ist auch sonst mit Spirituosen gut sortiert, wobei die Sake am interessantesten sind. Hotelgäste können aufs Zimmer unterschreiben.
Wertung: gut

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