Der dunkelblaue Blazer an der Rezeption, die schwarze Weste im Service – die Zeiten der Einheitskleidung für Hotelbeschäftigte sind vielerorts vorbei. Immer häufiger hält Corporate-Design Einzug in die Garderobe. Die aktuellen Outfits sind modischer als je zuvor. Das Credo: lässig, aber niemals nachlässig.
Für das Gesamterscheinungsbild eines Betriebs spielt die Kleidung des Teams eine tragende Rolle – im absoluten Wortsinn. "Die Kunst bei zeitgemäßer Berufskleidung ist, Mitarbeitende als solche erkennbar zu machen, ohne sie uniformiert wirken zu lassen", bringt Dr. Stefan Rennicke, Mitgründer und CEO des Berufsbekleidungs-Spezialisten Kaya & Kato, die Aufgabe der Teamkleidung und den Paradigmenwechsel auf den Punkt: "Mitarbeitende schätzen Looks, die sie ebenso privat tragen würden. Der Wohlfühlfaktor gewinnt auch bei der Arbeit an Bedeutung."
Eine Entwicklung, die Ines Korkowski, diplomierte Designerin und Geschäftsführerin von Kraftstoff Fashion aus Birkenau, nur bestätigen kann: "Schlagworte wie 'New Work' und 'New Flexibility' betreffen auch die Hotellerie. Wie in der Businesswelt insgesamt, ist alles nicht mehr so formell wie in früheren Jahren." Die Kleidung werde legerer und "casualiger". Chinos, Stehkragenhem - den, Strickartikel, Jerseyblazer – das seien die Looks, die heute vorrangig nachgefragt werden. Für Urlaubshotels dürfe es noch sportiver sein. "Poloshirts in verschiedenen Farben können hier zum Beispiel kenntlich machen, ob es sich um ein Teammitglied der Rezeption, der Gastronomie oder des Kidsclubs handelt", erläutert die Fachfrau.
Alle hier erwähnten Unternehmen betonen den Aspekt der Nachhaltigkeit. Kraftstoff Fashion arbeitet mit Herstellern zusammen, die überwiegend in Europa produzieren. Kaya & Kato gibt an, ein klimaneutrales Unternehmen mit klimaneutralen Produkten zu sein. Im Rahmen ihres Projekts "Textile Trust" wurde die gesamte Lieferkette via Blockchain-Technologie transparent ge - macht. "Unsere Mitarbeitenden schätzen Stil sowie Funktionalität und sind vom Konzept dahinter begeistert", betont Jörg Thomas Böckeler, Managing Director & CEO der Dorint Hotels & Resorts.
Die Atlantic Hotels Gruppe bekräftigt den gestiegenen Stellenwert des Aspekts Nachhaltigkeit ebenfalls: "Nahezu alle Outfits für unseren Neuzugang Atlantic Hotel Münster werden aus nachhaltiger Baumwolle gefertigt und könnten wegweisend für die gesamte Marke werden" prognostiziert Marc Rohe, stellvertretender Geschäftsführer sowie Leiter Projekte und Entwicklung. Die Mitarbeitenden haben aktiv an der Auswahl mitgewirkt, für den Geschäftsführer ein wichtiger Teil im Prozess.
Regelmäßiges Reinigen und Bügeln der Outfits werden ihnen seitens ihres Arbeitgebers abgenommen, mit Ausnahme der Hemden und Blusen. Diese pflegen die Team-Mitglieder selbst. Damit sie dies nicht täglich tun müssen, werden sie jeweils mit acht Exemplaren bestückt. Ausstattungs- und Pflegepartner ist das Unternehmen Frischtex aus Dortmund, das Kollektionen von diversen Labels führt. Bei den Schuhen setzt die Hotelgruppe auf die maßgefertigten, 3D-gedruckten "Cubix"-Einlagen des Münsteraner Unternehmens Go-Tec. "Diese sorgen für mehr Gemütlichkeit im Schuh, wachere Füße und eine bessere Haltung. Das Feedback aus dem Team ist so positiv, dass wir hier sogar über einen Roll-out innerhalb der gesamten Gruppe nachdenken", sagt Marc Rohe und ergänzt: "In unserer Branche geht es darum, Gäste glücklich zu machen. Und das können nur Mitarbeitende, die sich wohl in ihrer Kleidung fühlen."
Differenzierung je nach Marke
Mit Severin’s und Unique by Atlantic Hotels führt die Atlantic Hotels Gruppe zwei weitere Marken, die auf unterschiedliche Reiseanlässe und Zielgruppen ausgerichtet sind. Aus Rohes Sicht hat das selbstverständlich Einfluss auf die Kleidung der jeweiligen Teams. In den beiden Unique by Atlantic Hotels in Bremen und Kiel tragen die Mitarbeitenden analog zum Hotelkonzept lässige Looks aus Sneakern, T-Shirts und Hoodies. In den luxuriösen Severin’s Häusern werden unter anderem zeitlose weiße Button-down-Hemden getragen. "Schließlich transportiert Arbeitskleidung in den Hotels auch ein gewisses Image. In einem hochwertigen Hotelrestaurant sollten Mitarbeitende seriöser gekleidet sein als in einer entspannten Strandbar. Das Gleiche gilt für die Rezeption eines Fünfsternehauses", unterstreicht der stellvertretende Geschäftsführer der Atlantic Hotels Gruppe.
Von Stefanie Hütz