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StartCoronakriseNeun Hoteliers, neun Statements: Learnings aus der Krise

Neun Hoteliers, neun StatementsLearnings aus der Krise

Nach endlosen Monaten der Zwangspause dürfen Gastgeber endlich wieder Gastgeber sein. Viele Hotels und Restaurants haben bereits geöffnet. Doch welche Learnings sind aus der schweren Zeit geblieben? Branchenprofis teilen mit den Leserinnen und Lesern von Tophotel, was sie in der Krise gelernt haben und was sie inspiriert hat.

Karina-Anna Dörschel, Geschäftsführung Sonnenhotels:

„Unsere Auffassung, dass eine schnelle und ehrliche Kommunikation die Basis für Vertrauen und ein wertschätzendes Miteinander ist, hat sich in der Zeit der Coronakrise wieder bewährt.

Karina-Anna Dörschel, Geschäftsführung Sonnenhotels. (Bild: Sonnenhotels/Frank Bierstedt)

Für unsere Teams war es sicher spannend, angesichts des nicht stattfindenden Tagesgeschäfts zu gewissen Themen und Fragestellungen eine andere Brille aufsetzen zu können, also die ‚Helikopter-Perspektive‘ einzunehmen. Prozesse zu hinterfragen und Veränderungen herbeizuführen. So ist inmitten der Lockdowns zum Beispiel unsere eigene Schulungs- und Weiterbildungsplattform, die Sonnenakademie, entstanden. Natürlich muss es sich das Unternehmen leisten können. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese Möglichkeiten hatten. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass unsere Branche enger zusammenrückt, wir das Gehör erhalten, das wir verdienen, und auch endlich wieder als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden – wofür wir allerdings auch etwas tun müssen.“


 

Peter Niemann, Hoteldirektor Schlosshotel Hohenhaus:

„In diesem und im letzten Jahr konnten wir feststellen, dass das Schlosshotel Hohenhaus sehr krisenfest ist – sowohl die Mannschaft als auch das Unternehmen selbst. Aber auch für uns war die Coronapandemie eine unvorhersehbare Herausforderung. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass mehr meiner Kollegen den Mut haben, ihre Leistungen einzupreisen.

Peter Niemann, Hoteldirektor Schlosshotel Hohenhaus. (Bild: Markus Bassler)

Die Arbeit unserer Mitarbeiter ist viel wert, und das sollte sich auch in den Preisen widerspiegeln. Das fängt auch schon in der Kommunikation mit unseren Gästen an. Bei uns heißt es nicht ‚unser Büfett kostet Sie …‘, sondern ‚unser Büfett ist xy Euro wert‘. Ich bin davon überzeugt, dass die coronabedingten Veränderungen des Hotelmarktes der vergangenen Monate ein Umdenken in diese Richtung möglich machen. Ich wünsche allen meinen Kollegen einen guten Neustart!“


 

Marcus Bernhardt, CEO Deutsche Hospitality:

„Für mich hat sich in den vergangenen Monaten bestätigt, dass Vertrauen und Ambitionen Berge versetzen können. Ich habe die CEO-Position bei der Deutschen Hospitality im November 2020 in einer Zeit übernommen, die für die gesamte Branche eine außerordentliche Herausforderung war. Vorgefunden habe ich ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen und ein tolles Team, das täglich über sich hinauswächst.

Marcus Bernhardt, CEO Deutsche Hospitality. (Bild: Henning Ross Fotografie)

Ohne dieses Team, von den Kollegen an der Rezeption, im Housekeeping bis hin zu den Führungskräften, wären wir nicht durch die Krise gekommen. Wir haben die Krise genutzt, um die Deutsche Hospitality fit zu machen für das Wachstum, das wir uns gemeinsam mit unserem Shareholder Huazhu vorgenommen haben: bis 2025 zu den Top-Drei-Hotelgesellschaften in Europa aufzusteigen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir uns alle wieder persönlich begegnen und mit Freude reisen können.“


 

Birthe Domnick, Gastgeberin Hotel & Restaurant Ole Liese auf Gut Panker: 

Birthe Domnick, Gastgeberin Hotel & Restaurant Ole Liese auf Gut Panker. (Bild: Michael Holz)

„Das Hotel & Restaurant Ole Liese ist ein Teil der Unternehmensgruppe Prinz von Hessen, und gerade in den vergangenen Monaten haben wir davon profitiert, zu dieser kleinen und feinen Kollektion zu gehören. Für mich ist das Learning, dass es wichtig ist, für seinen Betrieb ein klares Profil zu haben und dieses immer weiter zu schärfen. Außerdem gilt es, die Nachhaltigkeit in allen Belangen zu leben – zum Gast hin, aber auch zum Mitarbeiter. Wir haben in ein Mitarbeiterhaus investiert, um die Attraktivität als Arbeitgeber in dieser ländlichen Region zu erhöhen. Innerhalb der Gruppe haben wir gemeinsam neue Angebote für die einzelnen Betriebe entwickelt. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Interesse am Deutschlandurlaub erhalten bleibt und die Neugier, auch hierzulande Neues zu entdecken.“


 

Marion Muller, Besitzerin Lifestylehotel Sand:

„Tatkraft statt Panik und Resignation zu zeigen hat uns durch die vergangenen Monate geholfen. Als selbstständige Unternehmer waren wir gemeinsam mit unserem Team Teil der Modellregion Innere Lübecker Bucht. Als wichtig und richtig hat sich dabei erwiesen, dass wir trotz fehlender Öffnungsperspektive präventiv eigenverantwortliche und vorausschauende Unternehmensprozesse entwickelt haben.

Marion Muller, Besitzerin Lifestylehotel Sand. (Bild: Lifestylehotel Sand)

Ebenfalls ausschlaggebend ist ein motivierendes Personalmanagement durch die Beteiligung der Mitarbeiter an der Umsetzung einer kontaktlosen Hospitality und die Umwandlung von Gesundheits- und Existenzängsten in positive Tatkraft durch Erkennen von Chancen in der Krise. Wir fühlen uns als mittelgroßes Hotel mit der CI unseres Hauses – ‚Sand Aspires Natural Design‘ – und dem Konzept des nachhaltigen Lifestyles sehr gut für die Zukunft aufgestellt. Dafür wünschen wir uns künftig auch ein Lernen der Gesellschaft aus der Coronakrise: Vom Massengenuss zum bewussten Genuss und eine damit verbundene Entschleunigung des Urlaubsverhaltens und des Alltags; sowie die Wertschätzung der Dienstleitung von Gastgebern und des persönlichen Kontaktes miteinander.“


 

Jan Bolland, Betreiber Hotel Papa Rhein: 

„Die schwerste Krise der Ferienhotellerie, die ich in meiner 20-jährigen Laufbahn erlebt habe, scheint langsam überwunden zu werden.

Jan Bolland, Betreiber Hotel Papa Rhein. (Bild: Papa Rhein/Dominik Ketz)

Auch wenn die Rahmenbedingungen nicht immer einfach waren, sind wir dankbar, dass unser Staat eine großartige Unterstützung geleistet hat, die es unserem Unternehmen und unseren Mitarbeitern ermöglicht hat, die besonders harten Monate zu überwintern. Wenn wir in das Ausland schauen, wird uns bewusst, dass all dies nicht selbstverständlich ist und uns sehr geholfen hat, jetzt wieder zügig durchstarten zu können. Ich hoffe nur, dass die finanziellen Auswirkungen der Krise zukünftige Generationen nicht zu sehr belasten werden. Schon deshalb muss unser aller Anstrengung sein, die Wirtschaft nun schnell wieder auf solide Beine zu stellen. Unserem Team bin ich dankbar dafür, dass sich bis Mitte Juni durch unser betriebliches Impfangebot bereits mehr als 50 Prozent aller Mitarbeiter impfen haben lassen und so die Gesundheit unserer Gäste und Kollegen geschützt wird.“


 

Marc Snijders, General Manager Hilton Frankfurt City Centre: 

Marc Snijders, General Manager Hilton Frankfurt City Centre. (Bild: Hilton)

„Die Coronakrise ist eine große Belastung für unsere Branche, und auch für mich persönlich die wohl schwerste und emotional belastendste Herausforderung meiner bisherigen Karriere. Wenn ich aber die letzten 15 Monate zurückblickend betrachte, überwiegt bei mir die große Bewunderung für mein Team im Hilton Frankfurt. Das Miteinander und Füreinander hat eine noch tiefere Bedeutung bekommen. Trotz der eigenen Sorgen, Ängste und Rückschläge kamen sie mit Positivität, Verbindlichkeit und Überzeugung ins Hotel. Immer mit dem Ziel, diese Zeit gemeinsam zu meistern und unseren Gästen, wie viele oder wenige es auch waren, mit dem Hilton Spirit und ‚light & warmth of hospitality‘ zu begegnen. Auch wenn ich schon immer dieser Überzeugung war, so hat diese Krise umso mehr gezeigt: Was unsere Branche ausmacht, sind die Menschen.“


 

Dirk Iserlohe, Aufsichtsratsvorsitzender Dorint Hotelgruppe:

Dirk Iserlohe, Aufsichtsratsvorsitzender Dorint Hotelgruppe. (Bild: Dorint Hotelgruppe/soenne.com)

„Unsere gesamte Branche ist wohl weltweit am meisten betroffen vom notwendigen ‚Social Distancing‘. Daher mussten wir lernen, dass Reisen in Zukunft anders geht. Das haben uns der zum Erliegen gekommene Flugverkehr und die leeren Hotels gezeigt. Es ist an der Zeit, das Reiseverhalten zu überdenken und nachhaltigere Konzepte für Tourismus und Hotellerie zu entwickeln, Profile zu schärfen und durch höhere Qualität mehr Kundenbindung zu schaffen.“


 

Oliver Winter, Gründer und CEO der A&O Hostels:

Tophotel: Herr Winter, was war Ihr Credo während der vergangenen Monate, in welchen A&O sehr aktiv war? 

Oliver Winter gründete A&O vor 21 Jahren. (Bild: A&O)

Oliver Winter: Machen, machen, machen! Um jeden Preis in Bewegung bleiben! Trotz aller einengenden Umstände sind Freiräume existenziell, um solche Krisen zu überstehen. Und die muss man sich selbst schaffen. Das heißt nicht, dass es keine Sorgen und Ängste mehr gibt. Aber es muss auch Platz geben für Aktion und Aktivität.

Wie haben Sie und Ihr Team dieses Credo umgesetzt?

Präsent sein, miteinander reden; vor allem auch kontrovers. Es gilt, mutig zu sein, unkonventionelle Maßnahmen und Ideen zuzulassen und auch bereit zu sein, Fehler zu machen und daraus zu lernen. So sehr uns diese Krise auch gebremst hat, sie hat uns nicht stillgelegt, wir haben sie akzeptieren und überstehen können, weil wir gleichzeitig Brücken gebaut, Umwege gesucht und Auswege gefunden haben.

Welche Errungenschaften gingen konkret aus den vergangenen Monaten hervor? 

Kollegen haben neue Stärken an sich entdeckt, wir haben neue Jobprofile ins Leben gerufen; neue Partner gefunden, Netzwerke ausgebaut, trotz allem aber Ruhe und Weitblick bewahrt. Bestehendes haben wir infrage gestellt oder weiterentwickelt. Wir haben die Zeit bestmöglich genutzt und Angebote und Services mit und für die Zukunft entwickelt. Das alles ist Teamarbeit. Das schaffen nur Menschen, die zu 100 Prozent zusammen und hinter dem stehen, was sie tun. Und das ist auch eine Erfahrung, die in dieser Intensität neu für mich ist.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

Dass unsere Branche diese Krise mit Optimismus und Entschlossenheit zu Handlung und Veränderung hinter sich lässt – denn die nächsten großen Herausforderungen sind längst da: der Klimawandel und das Thema Nachhaltigkeit.


Gespräche: Verena Usleber, Mareike Rosenberger-Knewitz

 

 

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