Neues Zuhause auf Zeit in Neukölln Aeronaut startet mit baulichen Hygienemaßnahmen

Ein Blick über Neukölln und die Hauptstadt erwartet die Gäste des neu eröffneten Serviced-Apartment-Hotels Aeronaut in den oberen Geschossen. Im gesamten Haus wurden bereits zu Anfang der Krise bauliche Corona-­Maßnahmen umgesetzt. (Bild: André Kowalski, Pearl 1 living and yachting hospitality GmbH)

Die Pandemie trifft die Berliner Hospitality-Branche ganz besonders. Umso ­beeindruckender ist die jüngste Neueröffnung in der Hauptstadt: Das Serviced-Apartment-Hotel Aeronaut in Neukölln punktet mit baulichen Corona-­Maßnahmen, die noch während des Lockdowns eingeplant wurden, sowie einem modernen Konzept.

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Claudia Sünder freut sich, wenn der ­Aeronaut endlich seinen Betrieb aufnimmt und die ersten Gäste empfängt. Die Geschäftsführerin der BOB Planung und Management Gesellschaft hat einige herausfordernde Monate hinter sich. Denn der Neubau mit einem Invest von 24 Millionen Euro war vom Lockdown unmittelbar betroffen. Zwar lief während dieser Zeit die Baustelle weiter, aber Handwerker und Bauarbeiter aus dem Ausland konnten zunächst teilweise nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Auch Liefertermine verzögerten sich. Zwischendrin habe sie sich schon gefragt, ob sie jemals Gäste haben würde. „Letztlich hat Corona aber auch bewirkt, dass wir uns noch mal mit dem Konzept auseinandergesetzt haben: Wie wird sich Reisen entwickeln, und wie werden sich Bedürfnisse verändern?“

“Es gehört sicherlich eine gute Portion Berliner Chuzpe dazu, in Berlin-Neukölln ein gehobenes Projekt wie den Aeronaut zu realisieren”, sagt Till-Oliver Kalähne von der Planungs- und Betreibergesellschaft Pearl 1 (Foto: André Kowalski, Pearl 1 living and yachting hospitality GmbH)

Dabei gilt das Konzept von Serviced Apartments schon per se als progressiv auf dem hiesigen Hospitality-Markt. Till-Oliver Kalähne, Geschäftsführer der Planungs- und Betreibergesellschaft Pearl 1, brachte die Idee von seinen USA-Reisen mit. Dort positioniert sich das Format erfolgreich zwischen Hotelzimmer und Ferienwohnung. Kalähne begeisterte, dass Serviced Apartments das Bedürfnis nach Privatheit, Individualität und Autonomie vereinen und das Gefühl vermitteln, Teil einer Stadt zu sein.

Mitten in den Kiez gebaut

Aus dieser Idee ist der Aeronaut als erstes von insgesamt fünf in Entwicklung oder in Bau befindlichen Projekten entstanden. Das nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) errichtete Gebäude umfasst acht Stockwerke, eine Parkgarage und einen Whirlpool auf dem Dach. Es verfügt über 62 Apartments für ein bis sechs Personen. Sie sind für den Short Stay ausgerichtet, das heißt für einen Aufenthalt bis zu drei Monaten. Es gibt drei Preiskategorien, von 125 bis 175 Euro pro Nacht. Zielgruppe sind in erster Linie Geschäftsreisende. Der Name des Hauses − frei übersetzt „Luftfahrer“ − ist übrigens dem Ort geschuldet: Der moderne Bau mit der großflächigen Glasfassade liegt in der Herrmannstraße, Ecke Flughafenstraße, in unmittelbarer Nähe zum historischen Flughafen Berlin-Tempelhof.

Im lebendigen Stadtteil Neukölln treffen Gegensätze aufeinander: einerseits ein authentisches Berliner Milieu, das das ursprüngliche Profil des Bezirks pflegt, andererseits eine große Einwanderer-Community, die das Straßenbild prägt. Tatsächlich ist der Kiez mittlerweile einer der internationalsten und kreativsten Orte der Metropole, mit Zugereisten aus aller Welt. „Es gehört sicherlich eine gute Portion Berliner Chuzpe dazu, hier ein gehobenes Projekt wie den Aeronaut zu realisieren“, erklärt Kalähne, auf die Kontraste angesprochen.

„Tourismusexperten sehen in Neukölln Potenzial für Gäste, denen Mitte zu schick ist, die vielmehr mittendrin sein wollen.“ Ihm ist aber auch wichtig, dass der Aeronaut Teil der Nachbarschaft wird. Ein Anknüpfungspunkt dafür soll das gastronomische Angebot sein.

Die Rezeption des Aeronaut in Berlin mutet stilvoll und elegant an. (Foto: Carlo Berlin Architektur und Interior Design)

Angebote werden auf persön­lichen Bedarf abgestimmt

Der Aeronaut bietet zwar Serviced-Apartment-typisch keinen Frühstücksraum, keine Restauration oder Bar an. Dafür gibt es eine großzügige Lobby, und fast jede Wohneinheit verfügt über eine eigene Küchenzeile. Anreisende Gäste können nicht nur den Service buchen, dass der Kühlschrank bereits aufgefüllt wird, sie können sich auch Speisen liefern lassen. Hierfür werden gastronomische Kooperationen mit Restaurants und Start-ups im Kiez angestrebt. Eine steht bereits fest, und zwar mit dem nur wenige Minuten entfernt liegenden Restaurant „Tisk“, das für moderne Berliner Küche steht und von dem Berliner Partner-Netzwerk als „Berliner Meisterköche“ ausgezeichnet wurde.

Für Claudia Sünder ist dieser Service ein Beispiel, wie der Aeronaut für jeden Gast − am Zweck seines Aufenthalts orientiert − das richtige Angebot machen kann. Dazu zählt auch das Homeoffice-Paket, mit dem das Serviced Apartment durch wenige Handgriffe zum Büro umgestaltet werden kann.

„Safer-than-Home“-Konzept und Hygiene-Luftschleuse

Mithilfe des Aeronaut will die Betreibergesellschaft ­Pearl 1 auch lernen, wie sich das Angebot Serviced Apartment am Markt entwickelt. Das umfasst auch das neue „Safer-than-Home“-Konzept, das noch während des Lockdowns ersonnen wurde – mit der Folge, dass die Planungen überarbeitet wurden. Sie hätten schnell nachdenken und handeln müssen, erklärt Claudia Sünder das Ergebnis. Geholfen hätten dabei auch klinische Experten aus dem Charité-Umfeld.

Ziel der Maßnahmen sei es, insbesondere die mikrobielle Situation zu verbessern. Das beginnt mit dem Eintritt in das Gebäude: Der Gast kann hier eine eigens konzipierte Hygiene-Luftschleuse im Eingangsbereich nutzen. Der modern und funktional wirkende Glasquader von ­circa 1,5 Quadratmetern Fläche verfügt über an der Decke und an den Seiten platzierte Düsen, die vier Sekunden feinste desinfizierende Aerosole abgeben. Aber auch die Wohnbereiche wurden dahingehend optimiert: In den Apartments verbessern fest verbaute ionisierende Luftreiniger die Atemluft. Die Zimmerreinigung kann mit einer speziellen UV-Technik erfolgen. Das Personal trägt hierfür Schutzkleidung. Für den Gast sind all diese Maßnahmen ein Angebot. Sie sind so dezent gestaltet, dass die Wohnqualität davon unberührt bleibt.

Das „Safer-than-Home“-Konzept durchläuft nun den Prozess des Deutschen Hygienezertifikats. Ziel ist es, dass es auch bei den weiteren Apartment-Projekten angewendet werden kann. Überhaupt das Thema ­Hygiene: Anstoßen möchte die BOB-Gruppe die Diskussion, ob Maßnahmen wie diese nicht auch den Nachhaltigkeits-Kriterien-Katalog der DGNB ergänzen könnten.

„Wir glauben, dass sich das Reisen verändert, die Menschen werden mehr auf Hygiene-Maßnahmen achten. Es wird nach Corona präsent bleiben, dass wir gesundheitlich sensibel sind. Vielleicht wird auf die Unbeschwertheit auch eine Nachdenklichkeit folgen. Das Thema wird uns nicht mehr verlassen“, so Claudia Sünder.

Katharina Höhnk


Das Areonaut in Fakten und Zahlen:

  • Planungsgesellschaft:  BOB Planung und Management GmbH
  • Betreiber: Pearl 1 Living and Yachting Hospitality GmbH
  • Lage: Berlin-Neukölln
  • Bauzeit: circa zwei Jahre
  • Bauvolumen: 24 Millionen Euro
  • Gebäude: acht Geschosse, Tiefgarage
  • Appartementanzahl: 62
  • Preiskategorien: 125 bis 175 Euro
  • Größe: 21 bis 74 qm
  • Personenanzahl: Eine bis sechs Personen

 

 

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