Direkte Standlage Hoteltest Neptun Warnemünde

Neptun Warnemünde © Neptun Warnemünde

1971 eröffnete das Hotel Neptun Warnemünde und verfügte damals bereits über eine Kurmittelabteilung mit Meerwasseranschluss. Tophotel hat das Haus in einem anonymen Hoteltest geprüft.

Hoteltest Neptun Warnemünde: Reservierung

"Zu Qualitäts- und Servicezwecken wird dieser Anruf aufgenommen", erklärt mir eine sonore männliche Computerstimme, bevor ich mit Frau W. verbunden werde. Sollte das Gespräch wirklich überprüft werden, wird man mit der Reservierungsmitarbeiterin wohl zufrieden sein. Sie könnte Frau Mustermann heißen, so standardisiert führt sie mich durch die Reservierung, ist höflich, spricht mich mit Namen an, stellt mir verschiedene Optionen vor und erkundigt sich zum Schluss, ob ich noch Fragen zur Buchung habe. Perfekt. Zu perfekt? Ich als Gast würde mir mehr Herzlichkeit als Höflichkeit, mehr Begeisterung als reine Informationsübermittlung wünschen.

So könnte mir Frau W. auch Vorfreude auf den Besuch vermitteln, schließlich habe ich gerade ein Thalasso-Vital-Wochenende in einem Fünfsterne-Wellnesshotel gebucht – zum vorab bezahlten Vorteilspreis von 376 Euro für zwei Nächte, Halbpension und ein dreiteiliges Thalasso-Behandlungsprogramm. In der Reservierungsbestätigung hört sich das alles jedoch gleich viel netter an: "Wir haben ein Zimmer mit Balkon und Meerblick für Sie reserviert!" steht fett im Betreff. Fast überlese ich den letzten Satz, in dem darauf hingewiesen wird, dass während meines Aufenthaltes zwei Etagen umgestaltet werden, wofür man um Verständnis bittet.

Hoteltest: sehr gut

Website

Bereits das erste großformatige Foto auf der Website des Hotels macht Laune und Lust auf Meer. Tatsächlich sind Fotos, Slogans und Texte gut gewählt und aussagekräftig. Alle Themen sind aktuell und bis ins Detail aufbereitet. Wer Zeit zum Schmökern hat, kann sich über einen "Zeitstrahl" in die Vergangenheit des Hotels zurückbeamen und dessen Entwicklung anhand der Ereignisse und der jeweiligen Promigäste verfolgen: von Fidel Castro zu DDR-Zeiten bis hin zu Rammstein in der jüngeren Vergangenheit. Neben einem Blog und einem Live-Chat werden 45 Ansprechpartner der einzelnen Abteilungen mit Bild, Durchwahl und E-Mail vorgestellt – das schafft Nähe und persönlichen Bezug. Bei der Durchwahl von GM Guido Zöllick handelt es sich allerdings um die seiner Vorzimmerdame und auch der E-Mail-Button öffnet eine Mail an ebendiese.

Hoteltest: sehr gut

Vorab-Information

Wenige Tage vor Anreise erhalte ich eine nett formulierte und vom GM gezeichnete Mail mit Links zu Ausflügen, dem Spa-Behandlungsmenü und anderen zubuchbaren Leistungen. Klar: So lässt sich vorab zusätzlicher Umsatz generieren. Die gelisteten Informationen zu Veranstaltungen während meines Aufenthalts sind jedoch nicht nützlich, denn diese starten erst mit dem Abend meines Abreisetages.

Hoteltest: befriedigend

Lage/Anreise

Wenn Lage, Lage, Lage die drei wichtigsten Kriterien für den Wert einer Immobilie sind, kommen beim Hotel noch Blick, Blick, Blick hinzu. Einen 65 Meter hohen Hotelturm direkt an den platten Warnemünder Strand zu bauen, wäre heute undenkbar. Allerdings steht das Hotel Neptun dort nun einmal seit 44 Jahren. Zum Glück seiner Gäste, denn auch wenn die 1970er-Jahre-Hochhausarchitektur wenig Charme versprüht, ist der Blick aus allen Zimmern, aus Restaurants und Spa einfach sagenhaft.

"Kommense rein, dann könnense rausgucken", lautet die Devise. Im Inneren des Hotelgebäudes vergisst man die Skepsis, die einen beim ersten Anblick befiel, komplett. Wer anreist, kann zumindest im Sommer nach Rostock fliegen, wer mit dem Zug fährt, wird kostenlos vom Bahnhof Warnemünde-Werft abgeholt. Dänen und Schweden können auch die Fähre nutzen. Autofahrer bekommen für 16 Euro pro Nacht einen Parkplatz direkt am Hotel. Zwar begibt sich Warnemünde im Oktober in den Winterschlaf und erwacht erst kurz vor Ostern wieder zum Leben, doch das Hotel Neptun trotzt dem durchgehend mit seinem Spa-Programm.

Hoteltest: sehr gut

Tag1/Check-in

Mein Arrangement zum Vorteilspreis ist laut Reservierungsbestätigung nicht umzubuchen. Zieht das Hotel diese Policy durch oder reagiert es im Zweifelsfall zugunsten des Gastes? Aus dem Online-Buchungssystem weiß ich, dass das Hotel nicht voll belegt ist und reise auf gut Glück zwei Tage vorher an. Von unterwegs telefoniere ich mit der Empfangsleiterin und erkundige mich nach der Möglichkeit eines früheren Check-ins. Ich gebe mich überrascht, als Frau T. meine Anreise erst für zwei Tage später bestätigt. Doch die Dame erwähnt mit keinem Wort den bewussten Passus aus der Reservierungsbestätigung.

Stattdessen versichert sie mir, dass das alles kein Problem sei und sagt freundlich: "Jetzt kommen Sie erst einmal in aller Ruhe an. Bis dahin habe ich hier alles in die Wege geleitet." Als ich zwei Stunden später vor der Hotelrezeption stehe, ist mein Arrangement umgebucht, der Termin für die Spa-Behandlung ebenso, und mein Zimmer ist sogar bereits bezugsfertig. Frau T. hält lächelnd den Daumen hoch, ihre Mitarbeiterin checkt mich ein. Ein Herr im Anzug begleitet mich nett plaudernd zum Wagen, den ich vor dem Eingang stehen gelassen habe. Er lädt mein Gepäck aus und zeigt mir den Weg zu den Parkdecks. Als ich in meinem Zimmer eintreffe, ist das Gepäck schon da.

Hoteltest: sehr gut

Hoteltest Neptun Warnemünde: Zimmer

Auf den ersten Blick erschrecke ich ein bisschen vor dem schmalen Einzelzimmer im 14. Stock. Doch der zweite Blick vom schräg angesetzten Balkon weit über Warnemünde und die Ostsee ist grandios. Und beim dritten, vierten und fünften Blick offenbart sich mein unlängst renoviertes 21-Quadratmeter-Domizil als durchdachtes, hübsch gestyltes und durchaus komfortables Kämmerlein. Zum Komfort tragen vor allem das 140 Zentimeter breite, in der Ecke platzierte Bett und der bequeme Sessel bei, zu dem sich der Schreibtischhocker als Fußstütze heranziehen lässt. Die hellen Holzmöbel wirken mit ihren weißen Fronten und den nach außen gespreizten, hohen Beinen ein bisschen Retro.

Das Multifunktionsmöbel neben dem Schreibtisch beherbergt die gut bestückte Minibar und einen Zimmersafe, außerdem mehrere Schubladen für Wäsche und ein beleuchtetes Fach. Darauf steht der Flatscreen, der sich zum Bett und zum Sessel ausrichten lässt. In einer grauen Filzmappe stecken Fernbedienung und Programmübersicht. Das Telefon auf dem Schreibtisch ist etwas unhandlich, aber gut beschriftet. Ein Prospektständer bündelt platzsparend Gäste-A-Z, Room Service Directory und Broschüren; Briefpapier findet sich in einer ledernen Mappe. Den Beistelltisch zum Sessel, auf dem eine kostenlose Flasche Mineralwasser steht, schmückt eine Vase mit einer weißen Rose. Einen Obstteller hätte ich mir für zehn Euro selbst bestellen müssen.

Das Bett ist gut gepolstert und mit zwei großen und zwei kleineren Kissen ausgestattet. Ein Kissenmenü liegt zusätzlich aus. Im schmalen Schränkchen im Flur findet sich gerade einmal Platz für die Kleidung meines Zwei-Tage-Trips. Für einen Urlauber wird es definitiv knapp, zumal die offenen Fächer mit Bademantel, Zusatzdecke und sonstigen Utensilien belegt sind. Neben dem das Bett umlaufenden, hinterleuchteten Fries mit Dünengrasmotiv, der sanftes Licht spendet, ist das Zimmer mit einer Stehleuchte neben dem Sessel, einer Lampe am Schreibtisch und einer am Bett, samt integriertem Punktstrahler zum Lesen ausgestattet.

Die Farben von Dünen und Meer finden sich in den Dekostoffen wieder und schaffen Wohlfühlatmosphäre. Bis auf ein paar kleinere Flecken auf dem Teppichboden ist das Zimmer sauber. Also alles gut? Fast alles. Von oben hämmert und bohrt es in unregelmäßigen Abständen. »"Das hatten wir Ihnen aber in der Bestätigung geschrieben", sagt die Empfangsdame, die ich anrufe, etwas oberlehrerhaft. Sie belehrt mich zudem, ein Zimmerwechsel sei sinnlos, da sich das Geräusch "aufgrund unserer Statik" auch in die anderen Stockwerke fortpflanze. Ich glaube ihr zwar nicht, bleibe jedoch. Die Lärmbelästigung bleibt auch, aber erträglich.

Hoteltest: gut

Bad

Ein neckisches, kleines Bullauge zum Zimmer lässt etwas Tageslicht ins Bad. Dieses ist zwar nicht groß, der Platz wurde jedoch optimal für eine bodentiefe, großzügige Duschkabine mit Wand- und Deckenbrause, einen Waschtisch mit zusätzlichem Platz auf der Abmauerung unter dem Spiegel und die Toilette genutzt. Für Komfort sorgen außerdem eine ausziehbare Wäscheleine, eine Waage, vier Haken, ein Hocker, ein beleuchteter Rasierspiegel und ein Handtuchwärmer. Die dünnen Handtücher, die er wärmen könnte, sind allerdings eines Fünf-Sterne-Hotels nicht würdig – das Duschtuch zieren sogar zwei Löcher. Die Beleuchtung von oben ist so lala. Hochwertig hingegen sind Duschgel und Body Lotion von Thalgo, ein Seifenspender ist in den Waschtisch eingelassen. Bis auf ein bisschen Staub auf den Verstrebungen des Handtuchwärmers und – so kurz nach der Renovierung dürfte das eigentlich nicht sein – deutliche Kalkspuren auf der Duscharmatur und der Regenbrause fördert die Überprüfung des Bades keine Reinigungsdefizite zu Tage. Bei der Benutzung der Dusche stellt sich allerdings heraus, dass der Umsteller schwergängig ist und es aus der Deckenbrause nur schwach braust.

Hoteltest: gut

Housekeeping / Wäscheservice

Nur eine Minute nach meinem Anruf bei der Hausdame klopft es an der Zimmertür. Die Mitarbeiterin ist hilfsbereit und nimmt drei Kleidungsstücke mit: ein Hemd zum Waschen und Bügeln sowie eine Hose und eine Strickjacke – jeweils nur zum Bügeln. Zwar habe ich den missverständlichen Wäschezettel sehr unmissverständlich ausgefüllt, doch erhalte ich alle drei Teile, auch diejenigen, die nur gebügelt wurden, erst am nächsten Tag gegen Mittag zurück – ordentlich bearbeitet in der Folie einer externen Wäscherei zum Gesamtpreis von 17 Euro. Wenigstens das Aufbügeln von Gästewäsche sollte im Hotel und innerhalb kurzer Zeit erfolgen.

Hoteltest: befriedigend

"Neptun’s M."

Was ist das hier – ein Eiscafé? Ein Bistro? Eine Weinbar? Eine Kantine? Weder der seltsame Einrichtungsmix des "Neptun’s M." im Erdgeschoss des Hotels zur Strandpromenade hin gibt eindeutig Aufschluss noch der Tresen zur offenen Küche und die Eisvitrine. Wie die Speisekarte offenbart, steht "M." für "Market" – also alles bunt gemischt. Das passt. Das Eis sei berühmt, vor allem das salzige Karamelleis, hilft mir der herzliche Kellner weiter. Ich probiere lieber Walnuss- und Joghurteis, das leider schneller schmilzt, als ich es essen kann. Die kleine Kugel salziges Karamelleis, die mir der nette Herr H. dazugegeben hat, berechnet er nicht.

Hoteltest: gut

Sport: Nordic-Walking-Kurs

Bewegung und Entspannung haben einen hohen Stellenwert im Hotel Neptun – als sinnvolle Ergänzung für die Thalassokuren, aber auch als attraktives Angebot für den urlaubenden Individualgast. Ein ganzes Team aus Sportlehrern, Physiotherapeuten und Personal Trainern kümmert sich im Fitnessstudio, in Einzeltrainings und mit einem sensationellen Kursangebot um das physische Wohl der Gäste. Von Aqua Mix bis Zumba, vom Brandungswandern bis zur Progressiven Muskelentspannung – aus fast 60 Kursen pro Woche kann der Gast sich "sein" Programm zusammenstellen. Ich walke Nordic mit Florian, und da ich der Einzige bin, der sich angemeldet hat, werde ich dabei "persönlich trainiert«, was klasse ist, da der junge Mann die Strecke in Intervalle gliedert, mich vorher balancieren und nachher dehnen lässt und nach der Hälfte der Strecke ein paar Kräftigungsübungen einschiebt. Dass er mich dabei automatisch duzt, ist irritierend, aber akzeptabel.

Hoteltest: sehr gut

Hoteltest Neptun Warnemünde: Spa

Im dritten Stock des Hotels dreht sich auf 2.400 Quadratmetern alles um die Themen Entspannung, Schönheit, Gesundheit und Fitness. Wer aus dem Aufzug steigt, steht direkt vor der Spa-Rezeption, an die auch ein kleines Bistro angegliedert ist. Hier gibt es kostenloses Wasser, diverse kostenpflichtige Getränke und Snacks sowie Handtücher und Hilfestellung, um sich zurechtzufinden. Separate Eingänge führen in die Beautyfarm und das Thalasso-Zentrum, eine kartenschlossgesicherte Schranke zu Schwimmbad, Saunabereich, Kursraum und Fitnessstudio. Hier kann man auch als Tages- oder Clubgast sporteln und wellnessen. Offensichtlich noch älteren Datums ist das 10 x 15 Meter große Meerwasserschwimmbecken, was sich an dem erhöhten Rand des Beckens anstelle einer Überlaufrinne und an den fliegenden Reihern an der Wand erkennen lässt. Die zahlreichen Liegen wirken etwas abgenutzt, jedoch ist das Becken in gutem Zustand, das Wasser sauber ebenso wie die große Fensterfront.

Nebenan liegt das Fitnessstudio, welches mit seiner großen Anzahl an hochwertigen Cardio- und Muskeltrainingsgeräte nahezu professionell anmutet. Während der Öffnungszeiten ist immer mindestens ein Trainer anwesend oder an der Spa-Rezeption erreichbar. Der Fitnessraum ist abgetreppt angelegt, sodass von allen Geräten ein Blick nach draußen möglich ist. Dem Raum vorgelagert befindet sich eine Terrasse mit Strandkörben und ein Meerwasserkneippbecken, die beide ein Lifting vertragen könnten: Erstere hinsichtlich ihres Bodens aus Waschbetonplatten und letzteres aufgrund seiner rostigen Wasserauslaufdüsen. Gut ausgestattet und gepflegt ist dagegen der Kursraum mit seitlichem Meerblick. Nagelneu und sehr stimmig präsentieren sich Umkleide- und Saunabereich.

Ein Highlight ist die große Finnische Sauna mit Panorama-Strand- und Meerblick, von der aus man Zugang auf die umlaufende Veranda hat. Ansprechend designt und im Prinzip klug konzipiert sind die beiden nebeneinander liegenden Ruheräume – auch sie mit Strand- und Meerblick. "Im Prinzip" deshalb, weil gleich nebenan der Kursraum liegt und bei offenen Fenstern Musik und Kommandos von dort hörbar sind. Was im Saunabereich fehlt, sind Handtuchhaken in der Nähe der Erlebnisduschen. Und bei der Damensauna fragt man sich, ob es denn keine bessere Alternative gab, als sie im Damenumkleidebereich gegenüber den offen einsehbaren Duschen einzubauen. Das dürfte weder den duschenden noch den saunierenden Damen angenehm sein. Die Tatsache, dass ich während meines Aufenthaltes nie einen Gast in dieser Sauna sehe, bestätigt dies.

Hoteltest: sehr gut

Saunaaufguss

Fünfmal täglich wird in der Finnischen Sauna aufgegossen. Bei "Durchatmen mit Saunagold" bin ich dabei und erfreue mich aus rein ästhetischen Motiven am ansehnlichen Oberkörper von M. Leider stellt sich der Personal Trainer seinem Publikum nicht vor und verzichtet auch auf die üblichen Hinweise für das Verhalten im Falle von Unwohlsein. Aber aufgießen kann er, ganz ohne Zweifel.

Hoteltest: befriedigend

"Restaurant Dünenfein"/HP

Das Abendessen: ein Trauerspiel. Die Bühne: der hell erleuchtete Speisesaal des "Restaurant Dünenfein". Die Akteure: Frau R., eine junge, liebenswürdige und sehr bemühte Servicemitarbeiterin, die an ihrem dritten Arbeitstag – verständlicherweise – noch unsicher ist. Ich, der Gast, der das eine oder andere höflich reklamiert, erbittet oder hinterfragt. Und schließlich Herr H., Frau R.’s erfahrener Kollege, der seine Aufgabe darin sehen könnte, Frau R. im Auge zu behalten und ihr zur Seite zu stehen – das Gästeaufkommen an diesem Abend ist überschaubar und ließe das auf jeden Fall zu. Stattdessen aber hält sich Herr H. im Hintergrund, lässt Frau R. alleine werkeln und betritt erst bei den Reklamationen die Bühne – und schmettert diese ab.

Warum mir nicht angeboten wurde, vom Buffet zu speisen? "Das Buffet gibt es von 18 Uhr bis 20:30 Uhr. Sie sind erst um 19:30 Uhr gekommen, das ist zu spät." Die Suppe kann nicht kalt sein, obwohl sie eingesetzt wurde, während ich mein "Pensionskärtchen", das mir das Anrecht auf die Halbpension bescheinigt, vom Zimmer geholt habe. Der Löffel war schmutzig? Kein Kommentar. Ich verzichte zu erwähnen, dass die Baguettescheiben nicht frisch sind und die – nachträglich servierte – Lachscreme bräunlich und angetrocknet ist. Ich nehme auch Frau R.’s Weinempfehlung (»Ich empfehle immer den Weißburgunder, der ist gut!«) kommentarlos hin. Der Fairness halber soll jedoch erwähnt werden, dass das Amuse Gueule, eine Gänseleberpraline mit Proseccoschaum und Granatapfelperlen, sowie die im zweiten Anlauf heiße Möhren-Ingwer-Suppe gut schmeckten.

Beim Hauptgang spitzt sich die Lage jedoch zu. Frau R. hatte mir eingangs nicht nur die Wahl zwischen dem dreigängigen Tagesmenü und dem Wellness- & Thalassomenü gelassen, sondern mir zudem die A-la-carte-Karte überreicht und gesagt, ich könne gerne auch einzelne Gänge austauschen. Um das auszuprobieren, bestellte ich bei ihr das Wellness- & Thalassomenü, aber anstelle des gebratenen Zanderfilets mit Tomaten, Fenchel und Kartoffeln den Heilbutt von der regulären Speisekarte, mit Aromen gegrillt, einer Riesengarnele, Rahmwirsing und Kräuterkartoffeln. Was ich schließlich auf dem Teller habe, ist ein gebratenes Heilbuttfilet mit Dörrtomaten und Zwiebelgemüse. Es schmeckt mir nicht und irritiert mich. Herrn H. irritiert meine diesbezügliche Frage. Da hätte ich etwas falsch verstanden, man könne nur die Gänge der beiden HP-Menüs untereinander austauschen. Stattdessen könne man à la carte speisen, dann würden 17 Euro für die HP angerechnet. Man könne jedoch nicht den Gang eines Menüs mit einem Gericht der A-la-carte-Karte austauschen.

Und was ist das dann auf meinem Teller? Da habe Frau R. wohl der Küche Bescheid gegeben, ich wolle Heilbutt statt Zander essen, also die Fischsorten austauschen. Aber wie erklärt das die Beilagen, die weder zum HP-Hauptgang noch zum gewünschten Fisch passen? Ich erhalte keine Antwort. Und auch keine Entschuldigung von Herrn H., jedoch von Frau R., der das Ganze sichtlich peinlich ist und die die permanente Rechtfertigung durch Herrn H. gar nicht nötig hat. Sie sagt, dass ihr das ganze Kuddelmuddel sehr leid tue und lässt den Espresso, den ich nach dem passablen Dessert bestelle, aufs Haus gehen.

Hoteltest: mangelhaft

Lobby-Bar I

Mit dem Gefühl, einen doppelten Schnaps zu benötigen, begebe ich mich an die Bar, wo die Gäste über einen Bildschirm verfolgen, wie Dortmund sich aus der Champions League verabschiedet. Der offene Barbereich, der nahezu eine ganze Seite der Lobby einnimmt, verfügt über einen großen, U-förmigen Tresen und eine Lounge, deren bordeaux- und türkisfarbene Sofas und Sessel mit ihren geschwungenen Holzlehnen ähnlich der Möblierung in den Zimmern einen gemütlichen Retroschick ausstrahlen. Was der Beamer da Psychedelisches an die Projektionsfläche wirft, erinnert ebenfalls an die 1960er-Jahre, allerdings eher an einen LSD-Trip. Ich nehme am Tresen Platz und studiere die Barkarte, die unter anderem etliche Eigenkreationen der Barkeeper listet.

Ich disponiere um und bitte Herrn G. um einen frischen, herben Cocktail. Der junge Barmann nickt und macht sich ans Werk, ohne mich jedoch darüber zu informieren, was er zu kredenzen gedenkt. Schließlich erhalte ich einen "Caribbean Maracuja" mit Maracuja Likör, Grand Marnier, Grapefruitsaft und Grenadine, hübsch dekoriert mit Sternfrucht, Physalis und Cocktailkirsche – ganz nach meinen Vorgaben. Während ich mich an dem Drink und gemischtem Salzgebäck erfreue, beginnt ein Musikus mit Gitarre Beatles-Songs zu intonieren. Das Feedback von Seiten des nicht mehr ganz jungen Publikums wird größer, als er auf die Rolling Stones umsteigt. Die Stimmung ist gut, und ich überlege, ob ich mir noch einen zweiter Drink bestellen soll. Doch die beiden Barkeeper, zuständig auch für die entfernteren Loungebereiche und das Raucherzimmer, sind für eine Weile nicht da. Schließlich zahle ich doch lieber – zivile 9,50 Euro – und werde freundlich verabschiedet.

Hoteltest: gut

Weckruf

Das Telefon klingelt pünktlich. Als ich mich mit Namen melde, höre ich ein unsicheres Lachen und dann eine junge männliche Stimme: »Ja, ähm, guten Morgen, hier ist die Rezeption. Sie wollten geweckt werden. Einen schönen Tag noch.«

Hoteltest: befriedigend

Tag 2/Frühstück

Am Morgen wirkt das Ambiente des "Restaurant Dünenfein" mit seinen großen Fensterfronten viel angenehmer als abends. Der große Raum wirkt jetzt licht und hell, wobei ihm das sehr grüne, künstliche Dünengras, mit dem die Raumteiler bestückt sind, zusammen mit den gelben Freesien auf den Tischen eine geradezu österliche Anmutung verleihen. Fast erwartet man bunte Eier im grünen Gras versteckt. Ein freundlicher Service und ein wirklich gut bestücktes Frühstücksbuffet lassen die Erinnerung an den verunglückten Vorabend verblassen und mich die Morgenmahlzeit genießen. Allerdings muss ich fünf Euro für den frisch gepressten Orangensaft berappen und mich mit der Ostseezeitung zufriedengeben.

Das Frühstücksbuffet bietet neben einem sehr guten Grundsortiment eine überdurchschnittlich große Auswahl an süßen Teilchen, Törtchen und Kuchen, Fisch in den verschiedensten Varianten, Milch in allen Variationen und Fettstufen sowie ein vielfältiges Käse- und Wurst-/Schinkensortiment. Bei Letzterem lerne ich den Ausdruck »Kraftfleisch« kennen, der für Corned Beef verwendet wird. Zudem gibt es Roastbeef und eine Sanddornleberwurst. Die Früchte des für die Küstenregion typischen Sanddornstrauchs finden sich auch in den Marmeladen und Säften wieder. Wer morgens gern schon ein Gläschen pichelt, kann zwischen Rotkäppchen-Sekt und der Hausmarke aus Affaltrach wählen. Es gibt einen leckeren Fleischsalat und drei grüne Salate mit zwei Dressings, zweierlei frisch angemachte Müslis und eine große Brotauswahl, die jedoch nur rudimentär beschriftet ist.

Beim Stückobst weist ein Schild darauf hin, dass dieses nicht zum Mitnehmen gedacht ist – drei Euro kostet ein kleines Obstsortiment für die Mitnahme zum Strand. Nichts Überraschendes findet sich an der Warmhaltestation: Frikadellen, Speck, Kartoffelpuffer, überbackene Tomaten und dreierlei Eierspeisen. Ein Koch bereitet zu den Stoßzeiten Eierspeisen auch auf Wunsch zu. Dass Heringssalat und "Strömlinge" bei den Müslis und den Milchprodukten stehen, lässt auf Enge in den Kühlelementen schließen. Die aus Schweden stammenden Strömlinge sind eigentlich für ihren intensiv fauligen Geruch bekannt. Der Strömling im Neptun ist jedoch so mild und wohlduftend angemacht, dass ich einen jungen Restaurantfachmann darauf anspreche. Er kann mir die Zutaten der Marinade nennen – Kompliment! Kompliment auch an den stellvertretenden Direktor, der im Frühstücksraum seine Runde macht und dabei jede Menge Charme versprüht.

Hoteltest: gut

Housekeeping - Remake

Das Bett wurde ordentlich gemacht, ein Schokolädchen aufs Kissen gelegt, das benutzte Glas gespült und eine neue Flasche kostenloses Wasser neben die fast geleerte alte gestellt. Mein Kleingeld auf dem Nachttisch ist unberührt geblieben. Das waren die guten Nachrichten. Unberührt blieben nämlich auch die über den Sessel geworfene Hose, der durcheinander gebrachte Schreibtisch und der Sand auf dem Teppichboden, der aus meinen Nordic Walking Schuhen stammt. Im Bad fällt das Ergebnis noch schlechter aus: Zwar ist das Waschbecken sauber, das Zahnputzglas gespült und die Flakons mit Body Lotion und Duschgel sind erneuert, doch der Boden wurde nur oberflächlich um die Waage herum gewischt, hinter der noch ein benutztes Wattestäbchen liegt. Weder der Spiegel noch der Kosmetikspiegel, weder die Dusche noch die Duschtrennwand wurden geputzt. Gleiches gilt für die Toilette. Ad absurdum geführt wird die Bitte um umweltschonenden Umgang mit den Handtüchern, wenn das unbenutzte, nur etwas unordentlich über die Handtuchreling geworfene Duschtuch dennoch ausgetauscht wird.

Hoteltest: mangelhaft

Hoteltest Neptun Warnemünde: Öffentliche Bereiche

Offenbar muss man sich im Hotel gegen unbefugte Toilettenbenutzer von außerhalb wehren – die öffentlichen Toiletten bei den Restaurants sind entweder kartenschlossgesichert und mit der Zimmerkarte zu öffnen oder, im Erdgeschoss, zusätzlich mit einem Münzautomaten ausgestattet. Ihre Innengestaltung ist eher zweckmäßig denn luxuriös, eine Checkliste dokumentiert regelmäßige Reinigung. Aufzüge, Flure und sonstige öffentlichen Bereiche geben keinen Anlass zur Beanstandung.

Hoteltest: gut

Spa-Treatment I – Thalasso

1996 als erstes Original-Thalasso-Zentrum Deutschlands zertifiziert, gilt das Hotel Neptun als Vorreiter in Sachen Meerwasser-, Seeluft- & Algen-Therapie. Meerwasser gibt es hier nicht nur vor der Haustür, sondern wird auch über eine direkte Leitung ins Schwimmbad und in die Behandlungsräume gepumpt. Ein kompetentes Team kümmert sich um die Umsetzung der Thalasso-Philosophie: Wirklich jeder, den ich diesbezüglich anspreche, kennt sich damit aus. Und die Küche bietet täglich ein Thalasso-Vital-Menü auf Basis von frischem Fisch und Algen an. Mich beeindruckt der sehr ansprechend gestaltete Thalassobereich, der mit gelacktem, hellem Parkett und Naturtönen das Thema unterstreicht und sehr viel Wohlfühlatmosphäre ausstrahlt. Alles wirkt sehr gepflegt.

Die Rezeptionistin am Eingang begrüßt mich nicht nur überaus freundlich, sondern kann auch gut beraten. Freundlich und kompetent ist auch Frau R., die meine Thalasso-Vital-Kombinationsbehandlung durchführt. Doch ist ihr Platz normalerweise in der Kosmetik, weshalb sie sich mit den Gerätschaften im Thalassobereich nicht 100-prozentig auskennt. Das gibt sie selbst unumwunden zu. Und so verlaufen die händisch ausgeführten Behandlungsteile wie Ganzkörper-Peeling und Algenpackung prima, während sich das dazwischen geschaltete Meerwasserbad in der Hydromassagewanne als tückisch erweist. Vielmehr die Wanne.

Erst ist das bereits eingelaufene und sich eigentlich automatisch temperierende Meerwasser zu kalt, sodass R. warmes Wasser zulaufen lassen muss. Dann gießt sie den frisch angerührten Algenbrei zu, stellt den Whirlmodus an und verlässt den Raum, nicht ohne mir ordnungsgemäß anzukündigen, nach der Hälfte der knappen halben Stunde nach mir zu sehen. Darauf hoffe ich schon baldigst, denn während ich in der braunen Brühe dümpele, die mich optisch wie olfaktorisch an ein abgestandenes Hafenbecken in Marseille erinnert, umsprudeln die Unterwasserdüsen nach einem vorgegebenen System fröhlich meinen Körper.

Als das System aber bei Kopf und Schultern angelangt, legt das bewegte Wasser die Düsen frei, sodass der Sprudel oberhalb der Wasserfläche sprudelt und wild in alle Richtungen spritzt – in meine Augen, in meine Haare, über den Wannenrand … Als R. nach mir sieht, sind Wanne, Boden und ich braun besprenkelt und es sieht aus wie nach einer Schlammschlacht. Die nette Kosmetikerin entschuldigt sich tausendfach und kümmert sich um Schadensbegrenzung. Wirklich schlimm war es ja nicht, eher lustig. Bei der Algenpackung kann ich dennoch wunderbar entspannen. Den abschließenden Wahl-Tee (»Beruhigung? Verdauung? Schlankheit?«) nehme ich im Ruhebereich – natürlich mit Seeblick – zu mir und lasse die insgesamt überzeugende Behandlung ausklingen.

Hoteltest: gut

"Grillstube Broiler"

Ich mache einen Abstecher in die Retro-Grillstube im original 1970er-Jahre Stil, die, wie mir Guest Relation Managerin Frau K. während eines kleinen Plauschs erzählt, das erfolgreichste Outlet der Neptun Gastronomie ist. Dort lasse ich mich vom sehr speziellen Flair der Eiche-rustikal-Nischen mit ihren kunstledernen Sitzbänken, den schweren Tischen und schmiedeeisernen Lampen darüber einnehmen. Mein Broilerwirt, Herr S., ist fröhlich und nett, lässt aber trotzdem das benutzte Glas meines Vorgängers und die beiden leeren Teller auf dem Tisch stehen, als er meine Bestellung aufnimmt. Von dem Viertelbroiler (7,50 Euro), den ich zu Testzwecken verspeise, hätte ich mir eine knusprigere Haut erwartet. Aber der Kohlsalat und vor allem die Pommes sind wirklich lecker. Das bestellte Essen ist ratzfatz am Tisch und genauso schnell bin ich nach dem Bezahlen wieder weg. Das benutzte Glas vom Vorgänger steht immer noch da.

Hoteltest: befriedigend

Lobby-Bar II: Cocktail-Kurs

Zum Gästeprogramm gehört an diesem Tag "Cocktailmixen an der Lobby-Bar" für 15 Euro Teilnahmegebühr. Ich bin dabei. Als Einzige. Egal: Barfrau S. stattet mich mit einer Schürze aus, nimmt mich mit hinter die Bar und erklärt mir gut gelaunt deren Systematik. Dann darf ich mir aus der Cocktailkarte zwei Drinks aussuchen und unter ihrer Anleitung mixen. Das macht richtig Spaß. Die Margarita und der Mojito gelingen passabel. Ein gutes Stündchen plaudern Frau S. und ich über Cocktails, Bars und Gäste und verstehen uns prächtig.

Hoteltest: sehr gut

Spa-Treatment II – Massage

Bis auf die Tatsache, dass Frau F. ein bisschen wortkarg ist, habe ich an ihrem Kombi-Treatment aus Rücken- und Fußreflexzonenmassage nichts auszusetzen. Die Masseurin versteht ihr Handwerk. Auch der kleine Massageraum ist ansprechend gestaltet und sauber. Das Anbieten einer kurzen Nachruhezeit und eines Getränks hätten das Treatment noch abgerundet.

Hoteltest: sehr gut

Hoteltest Neptun Warnemünde: Message Transfer

Wird ein aufs Zimmer geleiteter Anruf nicht angenommen, schaltet sich eine Voicemail ein. Meine Anruferin am Mittag will jedoch sichergehen, dass ich ihre Nachricht schnellstmöglich erhalte und ruft deshalb noch einmal an der Rezeption an. Ein junger Mann notiert die Nachricht und versichert der Anruferin, sie mir unverzüglich weiterzuleiten. Das geschieht jedoch nur per Message-System auf dem TV-Bildschirm, das sich keineswegs automatsch einschaltet, als ich das Zimmer wieder betrete. Folglich erhalte ich die Nachricht erst am Abend, als ich den Fernseher anschalte, um die Nachrichten zu schauen.

Hoteltest: mangelhaft

Front Office/Concierge

Neben der durchgehend besetzten Rezeption stehen für den Gast zu bestimmten Zeiten auch zwei Concierges/Guest Relation Manager und eine Golf-Koordinatorin bereit. Bei meinen persönlichen Anliegen und Nachfragen werde ich ohne Ausnahme sehr zuvorkommend und kompetent behandelt.

Hoteltest: sehr gut

Turndown Service

"Wir servieren Ihnen ein Betthupferl und richten Ihnen Ihr Bett zur Nacht" steht auf dem Türhänger, mit dem dieser Abgend-Service bis 17:00 Uhr angemeldet werden kann. Mehr wird tatsächlich nicht gemacht. Einen Turndown Service kann man das nicht nennen.

Hoteltest: mangelhaft

Room Service

Das im Room Service von 11 Uhr bis 23 Uhr erhältliche Speisenangebot ist weder sehr umfangreich, noch strotzt es vor Originalität. Chefsalat, Clubsandwich, Rinderkraftbrühe, Käseplatte, zweimal Fisch, zweimal Fleisch, einmal Geflügel, einmal Gemüse und zum Dessert eine Obstvariation mit Vanilleeis. Das für die Fünf-Sterne-Klassifizierung obligatorische 24-Stunden-Angebot wird zwischen 23:00 Uhr und 6:30 Uhr mit Rinderkraftbrühe und Clubsandwich gerade so erfüllt. Ich ordere das Rinderfilet und bitte darum, es nur mit einem großen Salat zu servieren. Außerdem bestelle ich die Obstvariation mit Vanilleeis und einen Spätburgunder Weißherbst. Der Herr am Telefon denkt mit und erkundigt sich, ob alles zugleich aufs Zimmer gebracht werden dürfe. Ich sage ja, verzichte aber auf das Vanilleeis.

Eine Servierzeit wird nicht angegeben und auch nicht nach dem gewünschten Gargrad des Filets gefragt. Nach 32 Minuten klopft es. Eine junge Frau schiebt einen an beiden Seiten eingeklappten Servierwagen herein. Sie erklärt mir den Rechnungsbeleg, bevor sie ihn sich von mir unterschreiben lässt, nimmt die Cloche ab, wünscht guten Appetit und verlässt das Zimmer. Weder hat sie die Seiten des Servierwagens hochgeklappt noch mir einen Stuhl zurechtgerückt, Wein eingeschenkt, mir einen Abräumhinweis gegeben. Auf dem Wagen fehlt eine diesbezügliche Information ebenso wie eine Blume.

Zum dunklen Körnerbaguette gibt es eine Oliventapenade und eine nicht identifizierbar aromatisierte Butter. Das Salatdressing wird – eine gute Idee – in einem Extraschälchen gereicht, der Weißherbst in einer Glaskaraffe. Sehr appetitlich lacht mich das Rinderfilet auf dem gut sortierten grünen Salat an, und auch die Obstvariation wurde adrett angerichtet. Zwar schmeckt der Salat samt Dressing gut, jedoch ist das schöne, dicke Filet so gut wie durchgebraten. Der Weißherbst ist nicht ausreichend gekühlt und die Obstvariation ungenießbar, da die Wassermelone keinerlei Aroma hat, die Honigmelone mit einem nach Fisch riechenden Messer geschnitten wurde und Ananas sowie Sternfrucht gänzlich unreif und sauer sind. Was für eine enttäuschende Mahlzeit, deren Kosten sich trotz Anrechnung des Halbpensionspreises auf 32,60 Euro belaufen. Den Wagen schiebe ich vor die Tür; am frühen Morgen ist er verschwunden.

Hoteltest: mangelhaft

Schuhputzservice

Obwohl bei fünf Sternen vorgeschrieben, gibt es im Hotel Neptun keinerlei Hinweis auf einen Schuhputzservice. Auf der Etage finde ich einen Schuhputzautomaten.

Hoteltest: ungenügend

Tag 3/Frühstück

Für einen Aufpreis von zehn Euro pro Person kann der Gast ein "himmlisches Frühstück" einnehmen. Warum dieses so heißt und ob es seinen Namen verdient, möchte ich am Morgen meiner Abreise herausfinden. Himmlisch könnte das Frühstück allein deshalb heißen, weil man es in der luftigen Höhe des 19. Stocks im "Café Panorama" einnimmt, wo man dem Himmel ein ganzes Stück näher ist als sonst irgendwo im Haus. Himmlisch ist außerdem der Blick aus den großen Panoramafenstern, und auch die nahezu durchgängig weiße Einrichtung.

Eine himmlische Abwechslung ist es, bei diesem Frühstück weitgehend bedient zu werden, auch wenn ein Buffet Zusatzofferten wie Müslis, gefüllte Eier, Erdbeerkuchen und in Schokolade getauchte Früchte bereithält. An den Tisch werden ein frischer Brotkorb und eine Etagere mit Räucherlachs, Schinken und einer kleinen Käseauswahl gebracht. Butter und Marmeladen sind eingedeckt, warme Speisen und Getränke lassen sich aus einer Karte wählen. Wer will, kann sich hier bereits am Morgen ein Rumpsteak auf Toast einverleiben. Frischgepresster Orangen- oder Grapefruitsaft sind im Preis enthalten. Obwohl nicht auf der Karte, bekomme ich meinen geliebten Eierkuchen formvollendet mit Puderzucker und Apfelmus serviert. Sich bei diesem Blick und in dieser friedlichen Atmosphäre so nett bedienen zu lassen, hat schon etwas Himmlisches und ist die zehn Euro Aufpreis mehr als wert.

Hoteltest: sehr gut

Sicherheit

Viele externe Gäste nutzen die Aufzüge, um die Gastronomie im obersten Stock zu erreichen. Da der Aufzug nicht über Sicherheitstechnik verfügt, können diese Gäste auch jederzeit in einer der Zimmer-Etagen aussteigen. Das erscheint bedenklich. Während ich in den F&B-Outlets stets nach meinem Namen gefragt werde, wenn ich etwas aufs Zimmer buche, händigt mir die Rezeptionistin am Abreisemorgen ohne jede Nachfrage eine Informationsrechnung aus, und das, obwohl sie mich nicht kennt. Ihr junger Kollege hingegen hat einer Anruferin meine Zimmernummer nicht preisgegeben, sich also korrekt verhalten. Definitiv nicht in Ordnung ist das Verhalten einer Zimmerfrau, die mir mein Zimmer aufschließt. Sie fragt zwar zuvor nach meinem Namen und versichert sich anhand ihrer Liste, dass dieser Name zum genannten Zimmer passt. Ich hätte Namen und Zimmernummer aber auch beispielsweise an der Bar aufschnappen können. Hier muss es ganz klar die Anweisung geben, dass das Housekeeping-Personal keine Zimmer aufschließen darf.

Hoteltest: mangelhaft

Check-out

Meine Rechnung fällt insofern zu meinen Gunsten aus, als das himmlische Frühstück seinen Weg nicht mehr darauf gefunden hat und auch der Cocktailkurs nicht berechnet wurde. Alles andere stimmt und beläuft sich in Summe auf 631,45 Euro. Den Arrangement-Preis in Höhe von 376 Euro musste ich bereits bei Buchung per Kreditkarte bezahlen, sodass die Extras mit 255,45 Euro zu Buche schlagen. Die freundliche Rezeptionistin verzichtet zwar dar-auf, sich zu erkundigen, wie mir der Aufenthalt gefallen hat, aber sie fragt nach, ob man mir das Auto vorfahren solle. Ich verneine dankend. Noch eine Spur herzlicher fällt die Verabschiedung durch den Herrn im Anzug aus, der mir schon bei der Anreise mit dem Gepäck half und der mir auch jetzt wieder beim Einladen behilflich ist. Er plaudert noch einen Moment mit mir, fragt, ob ich den Aufenthalt genossen habe, und wünscht mir eine gute Heimreise.

Hoteltest: gut

Lost & Found

Das Schmuckstück, das ich im Zimmersafe liegen gelassen habe, wurde erst zwei Tage nach meiner Abreise gefunden, aber mir kostenfrei zugeschickt.

Hoteltest: ausgezeichnet

Hoteltest Neptun Warnemünde: Gesamteindruck

Aus dem ehemaligen Renommierobjekt des SED-Regimes ist ein Fünf-Sterne-Wellnesshotel geworden, mit dem sich nach umfassenden Modernisierungsarbeiten wieder gut »Staat machen« lässt. Zwar versprüht die weiß getünchte Betonkastenarchitektur keinen umwerfenden Charme, doch sie ermöglicht den wirklich schönen Blick aufs Meer aus nahezu allen Fenstern. Trotz der Größe des 336-Zimmer-Hotels wird im Neptun das Wellness-Thema sehr gut umgesetzt, spezifisch und professionell im therapeutischen Bereich, umfassend und kompetent bei den Bewegungs- und Entspannungsofferten. Die neue Saunalandschaft und die umgestalteten Zimmer passen mit ihrem Wohlfühlflair prima dazu. Schwächen zeigten sich während des Tests im Housekeeping und bei der Nachrichtenübermittlung. Das gastronomische Angebot empfand ich in Gänze nicht als fünfsternemäßig. Von der Servicequalität ganz zu schweigen. Doch besuchen auch viele externe Gäste die Restaurants, und der Köder muss bekanntlich dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Oder dem Tester.

Testurteil: gut

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!