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StartHotel+TechnikNaturhotel Pfösl: Betagtes Haus im neuen Kleid

Naturhotel Pfösl: Betagtes Haus im neuen Kleid

In der Kulisse der Südtiroler Dolomiten wurde das ungewöhnliche Gebäude-Ensemble des Hotels Pfösl nach der Sanierung zum Hingucker. Die individuelle Note entstand durch die neue Struktur der Fassade – aber auch durch die Integration bestehender Bauten.

Stück für Stück verwandelten zwei Schwestern das Hotel Pfösl im Südtiroler Deutschnhofen in einen Kraftort – umgeben von 35 Hektar Wiesen und Wäldern. Brigitte und Eva Zelger übernahmen das 1950 errichtete Stammhaus des Naturhotels vor 15 Jahren von ihren Eltern. Ende 2016 begannen sie dann mit den Vorarbeiten für eine umfassende und mittlerweile abgeschlossene Sanierung und Erweiterung.

Das bestehende Gebäude-Ensemble wurde optisch und energetisch zu einem Niedrigenergiehaus umgestaltet. Unter anderem wurde der Spa-Bereich modernisiert, den nun ein 25 Meter langer Sole Infinity Pool krönt. Ebenfalls neu sind drei ungewöhnliche Chalets am Waldrand – gebaut mit heimischen Hölzern. Als besonderen Blickfang erwartet Gäste außerdem die eindrucksvolle, schwarze Holzfassade, die dem Bestandsgebäude einen spannenden Ausdruck verleiht.

Sanierung im Bestand: behutsam und doch radikal

Die Planung zielte darauf ab, die Revitalisierung des Haupthauses behutsam und radikal zugleich zu gestalten. Behutsam durch das Herausarbeiten von einzelnen Elementen. Insbesondere das vor der Renovierung kaum wahrnehmbare Haupthaus sollte wieder stärker sichtbar werden. Radikal sollte die Planung in der Auflösung von störenden und überflüssigen Komponenten werden: Durch viele Umbauten im Laufe des Jahre war das Hotel in verschiedene Richtungen „gewachsen“. 1996 beispielsweise wurde das Ensemble mit einem Turm als Nottreppenhaus ergänzt.

Ziel des Umbaus und erklärte Aufgabe für die Architekten des Architekturbüros Bergmeisterwolf aus Brixen, die das Projekt im Rahmen eines Wettbewerbs gewonnen hatten, war, das Hotel nicht mehr so imposant erscheinen zu lassen und dementsprechend die Struktur des Stammhauses zu reduzieren und zu vereinfachen. Durch den Einsatz horizontaler Elemente erhielt das Gebäude am Ende eine harmonisierende und zugleich auffällige Optik.

In 88 Tagen zum Vorzeigehotel

Die Architekten Michaela Wolf und Gerd Bergmeister punkteten mit klaren, strukturierten und doch ungewöhnlichen Ideen zu Räumen, Materialien und Farben. Die dunkle Farbe der Fassade soll eine Hommage an das historische Eggental sein, denn: In früheren Zeiten wurde das Holz der Scheunen gebrannt und dadurch schwarz, ähnlich wie die Fassade des Hotels Pfösl heute.

Nach einer intensiven zweijährigen Planungsphase wurde mit einer Bauzeit von nur 88 Tagen ein kleiner Rekord erzielt. Nach den umfangreichen Umbauarbeiten und einem neu verbauten Volumen von 11.000 Kubikmetern umfasst das Hotel Pfösl jetzt insgeamt 24.000 Kubikmeter. Belohnt wurden die Gastgeber nach dieser intensiven Bauzeit mit einer völlig neuen Optik des Hauses.

Entstanden ist ein Rückzugsort mit heute 62 Zimmern und Suiten, die mit einer Größe zwischen 40 und 90 Quadratmetern weitläufig und großzügig sind. Aktuell besteht das Gebäude-Ensemble aus dem Bestandshotel, dem denkmalgeschützten Stadel und mehreren Neubauten, die sich wie selbstverständlich an die bestehende Bausubstanz anfügen. Innen wie Außen erhielt das Haupthaus mit den neuen Dimensionen eine unverwechselbare Optik.

Haupthaus kommt wieder zur Geltung

Die Planer erfüllten den Wunsch der Bauherrinnen, das Haupthaus als Ursprung stärker zur Geltung kommen zu lassen. Das gelang durch grundlegende Strukturveränderungen und nicht zuletzt durch die neue architektonische Form des Hauses. Das Hotel und das denkmalgeschützte Stallgebäude, das ebenfalls saniert wurde, bekamen durch die Neuausrichtung erst richtig Bezug zueinander. Die besonderen Vorzüge des Altbestands arbeiteten die Planer dabei sorgfältig heraus. Das Herzstück und die Grundlage für die Sanierung ist der alte, denkmalgeschützte Bauernstadel. Er steht als Spiegel für die neue Fassade dem Baubestand direkt gegenüber.

Von Anfang an ein Blickfang und außerdem beliebt bei den Gästen sind die drei neu gebauten Chalets am Waldesrand. Die kompakten Häuser aus dunklem Fichten- und Zirbenholz stehen auf Betonstützen, ordnen sich optisch in die Landschaftsstruktur ein, sind so fast nicht mehr sichtbar und versprechen viel Ruhe und Erholung für die Gäste.

Einfach und linear

Ergänzend zu den bevorzugten Hölzern Zirbe, Lärche und Fichte kamen Beton, Holz, Glas und Putze als Baumaterialien zum Einsatz. Durch die Kombintaion von Schwarz mit Zirbe und Filz erhielt das Haus auch im Innenraum einen optisch durchgängigen Look. Im Haupthaus sind der Eingangsbereich mit Rezeption, Hotelbar, Panoramarestaurant und die Kaminlounge in einfachen linearen, Strukturen arrangiert. Alle Zimmer im Haupthaus wurden neu mit Holzfußböden und Zirbenholz an den Wänden ausgestattet.

70 Kubikmeter Lärche für die Fassade

Ein besonderer Hingucker ist die dem Bestand vorgestellte Fassadenkonstruktion des Bestandsgebäudes in Brettschichtholz Lärche. Sie besteht gitterförmig aus verstärkenden schrägen Streben und horizontalen Riegeln im Brettschichtholz Lärche. Die eingesetzten Streben sind zum Teil durchlaufend, zum Teil unterbrochen. Die hori­zontalen Profile wurden auf der Höhe der Deckenebenen und Balkonhandläufe positioniert.

Realisiert wurde die Neugestaltung der Fassade von den Holzbauexperten des Unternehmens Ligno Alp, das sich auf die Ausführung anspruchsvoller Gebäude in Holzbauweise und Dach- und Fassadenkonstruktionen aus dem Naturmaterial spezialisiert hat. Die Fassadenkonstruktion bindet das Naturhotel neben dem Waldrand noch mehr in seine natürliche Umgebung aus heimischen Hölzern ein und verleiht dem gesamten Komplex eine besonders ungewöhnliche architektonische Form.

Das Unternehmen hat im Rahmen der Hotelerweiterung die Planung, den Abbund und die Montage der Fassadenkonstruktion und der vertikalen Fassadenschalung in gebürsteter Lärche realisiert. Insgeamt wurden 70 Kubikmeter Brettschichtholz Lärche und 2.700 Kilogramm Stahl, darunter Winkel, Stabdübel, Stützen, verbaut.

Millimetergenau dem Bestand angepasst

Die vielen Schritte bis zu den fertigen Bauteilen erfolgten direkt im Produktionswerk von Ligno Alp. Die vorgefertigten Holzbauteile ließen sich anschließend in wenigen Tagen auf der Baustelle montieren. Bei der Planung des Zuschnitts und des Zusammenbaus berücksichtigen die Experten die besonderen Eigenschaften des Baustoffs Holz. Bei den Fassadenaufbauten des Hotels Pfösl war es vor allem wichtig, auf die Dauerhaftigkeit der Bauteile zu achten, da sie den wechselnden Witterungsbedingungen ausgesetzt sind. Aus diesem Grund wurden an den Bauteilen verschiedene im Holzbau übliche Bearbeitungen wie Abgratungen, Freischnitte und Fräsungen vorgenommen. Damit wird ein schneller Abfluss von Niederschlagswasser garantiert und stehendem Wasser vorgebeugt.

Das Ergebnis der zahlreichen Erweiterungen im Hotel Pfösl und der unregelmäßige Grundriss stellten das Architekturbüro Bergmeisterwolf vor Herausforderungen. Damit die neue Fassade trotzdem millimetergenau dem Bestand angepasst werden konnte, organisierten die Architekten vorab eine digitale Bestandsaufnahme des Gebäudes und planten die vorgesetzte Holzfassade in 3D.

Zur Montage der Fassade war die Anbringung von Schutzgerüsten nicht möglich, deshalb wurde von den Balkonen des Altbestandes und von Hebebühnen aus gearbeitet. So konnten die Beteiligten trotz der Höhe sicher und zügig arbeiten. Das Verbinden der komplexen Fassadenelemente erfolgte aufgrund der Größe der Elemente direkt auf der Baustelle.

Fernwärmeleitung

Mit Blick auf die Energiewende stellte das Hotel Pfösl alle Gebäudetrakte nachhaltig auf. Die Energie zum Heizen der Gebäude sowie des Schwimmbades wird im Werk Deutschnofen mittels Hackgutheizung produziert und über eine verlegte Fernwärmeleitung in Form von Warmwasser zum Hotel geliefert. Hier wird die Energie mittels Übergabestation an die hauseigene Anlage im Hotel Pfösl übergeben. | Eva Mittner

 

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