Seit 1992 fühlt Tophotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche auf den Zahn. Standen bislang ausschließlich Hotels der Luxuskategorie im Fokus der Tester, hat Tophotel nun seine Mystery Checks auf das Business- bzw. Wellness-Segment ausgedehnt. Dieses Mal im Test: das NH Dresden Altmarkt.
FR. 04/05, 20:45 Telefonische Reservierung
Es ist Freitagabend. Die Reservierungsabteilung des Hotels, so es denn eine vor Ort gibt, ist nicht mehr besetzt. Dass ich nach viereinhalb Minuten in der Warteschleife (!) mit der NH-Reservierungszentrale verbunden bin, bestätigt mir mein telefonisches Gegenüber auf Nachfrage. Ich hätte es aber auch so gemerkt, da Frau M. Nachfragen zum Hotel nicht sofort beantworten kann, sondern stets anmerkt, erst einmal nachschauen zu müssen. Sie bietet mir ein Standardeinzelzimmer mit Frühstück zum Preis von 208 Euro an – ohne Alternative. Als ich Genaueres zum Zimmer wissen will, wirkt die Reservierungsmitarbeiterin ratlos. Ich konkretisiere: Wie groß? »17-24 Quadratmeter.« Wie ausgestattet? »Na ja, da ist ein Bett drin und ein Stuhl und ein Schreibtisch. Und ein Fernseher.« So könnte man auch eine Gefängniszelle beschreiben. Bietet das Hotel noch andere Kategorien an? Jetzt wird Frau M. wach und spult mir Wahlmöglichkeiten bis hin zur Suite herunter. Restaurant? Zögern. »Ja, mit internationaler Küche.« Öffnungszeiten? »Kann ich gerade nicht finden.« Wellness? »Moment … Ja, Sauna und Dampfbad.« Und so geht das weiter. Kein Mensch kann erwarten, dass ein Mitarbeiter einer Reservierungszentrale alle Hotels persönlich kennt, aber der Zugriff auf die Hotelinformationen sollte so gestaltet sein, dass die markantesten Dinge auf einen Blick abrufbar sind und einem Anrufer ansprechend weitergegeben werden können. Das klappt in diesem Fall gar nicht. Den eigentlichen Buchungsvorgang wickelt Frau M. indes korrekt und höflich ab. Sie erfragt Raucher- oder Nichtraucherpräferenz, Anreisezeit sowie Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Sie gibt mir eine Buchungsnummer und informiert mich, dass ich das Zimmer bis 18 Uhr am Anreisetag kostenlos stornieren kann. Dann wiederholt sie alle Vereinbarungen, bedankt sich für meine Buchung und wünscht mir noch einen schönen Abend. Die E-Mail-Reservierungsbestätigung folgt prompt, ist tabellarisch-zweckmäßig und vollgepfropft mit Geschäftsbedingungen. Zum Hotel selbst erfährt man auch hier praktisch nichts.
Wertung: befriedigend
Internet-Auftritt / Online-Buchung
Als Unterseite der NH-Mutter-Homepage ist der Internet-Auftritt des NH Dresden Altmarkt anspruchslos und langweilig. Neben ein paar Bildern (darunter die Bar in drei verschiedenen Farbvarianten) gibt es nüchterne Scroll-Listen zu Angebot, Ausstattung und Zimmerkategorien sowie kurze, alt-backene Texte. Vieles klingt, als sei es vom Englischen per Sprachcomputer ins Deutsche übertragen worden. So gehören zur Zimmerausstattung unter anderem »Schreibtisch mit Lampe, Stromspannung, Kleiderschrank im Zimmer, Telefonate zwischen den Bundesstaaten«. Wer unter dem Stichwort Extra-Service »kostenloses Polieren der Schuhe« liest und sich auf einen Schuhputzservice freut, hat Pech. Was damit wirklich gemeint ist, findet der User – skurril! – unter der Überschrift Freizeit: »Schuhputzmaschine«. Seltsam auch die Auflistung unter dem Stichwort Fitness & Wellness: »Bereitschaftsarzt, Sauna, Dampfbad«. Der gut ausgestattete Fitnessraum und das durchaus attraktive Massage- und Kosmetikangebot hingegen finden keine Erwähnung. Die Informationen zu Restaurant und Veranstaltungsmöglichkeiten sind dürftig, ein E-Mail-Anfrageformular zur Veranstaltungsplanung ist zwar vorhanden, geht aber an nicht ans Hotel, sondern an die zentrale Veranstaltungsplanung von NH.
Bei der Online-Buchung wird der niedrigste Preis garantiert und nur für eine garantierte Buchung eine Kreditkartennummer verlangt. Eine Bestätigung lässt sich sofort ausdrucken, wird aber auch noch einmal automatisch per E-Mail geschickt.
Wertung: mangelhaft
Lage / Anfahrt
Lage, Lage, Lage. Letztlich wohl deshalb kann sich das NH Dresden Altmarkt solche erstaunlich hohen Zimmerraten erlauben. Am Alten Markt, mitten in Dresdens historischem Zentrum gelegen und fußläufig nur wenige Minuten von Frauenkirche, Semper-Oper und Zwinger entfernt, darf sich das 2010 eröffnete Haus der spanischen Hotelgruppe NH Hoteles hier eines Topstandortes rühmen, der noch dazu mit allen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist. Zehn Minuten zur Autobahn und zum Flughafen, zehn Minuten mit der Straßenbahn vom Bahnhof aus. Wer von dort zu Fuß geht, braucht im Prinzip auch nicht länger, läuft jedoch durch die Prager Straße, was je nach Shopping-Anfälligkeit den Weg zeitlich ausdehnen kann. Trotz der kurzen Strecken – oder vielleicht auch gerade deshalb – bietet das Hotel keinen Shuttle-Service an. Pkw können in der hauseigenen Tiefgarage abgestellt werden (75 Plätze, darunter zwölf Frauen- und zwei Elektroparkplätze) oder, wenn diese voll ist, nebenan in der Tiefgarage Altmarkt (400 Plätze). Beide kosten 16 Euro pro Nacht.
Wertung: sehr gut
DI. 08/05 Anreise
Ich fahre mit der Straßenbahn vom Bahnhof zum Pirnaischen Platz. Warum auf der Website diese Haltestelle als Ausstieg angegeben ist und nicht die deutlich näher zum Hotel liegende Haltestelle Alter Markt, erschließt sich mir nicht. Auf dem freien Platz des Alten Marktes sind etliche Buden aufgebaut, es herrscht fröhliches Treiben. Die helle Sandsteinfassade des mehrstöckigen Hotelgebäudes leuchtet schon von Weitem. Sie wirkt sachlich-kühl und gepflegt; der große Schriftzug lässt keine Zweifel offen, dass man hier richtig ist. Den Hoteleingang muss man dennoch suchen, denn er liegt um die Ecke, gegenüber der mächtigen Kreuzkirche, und ist eher unauffällig. Keine Fahnen, keine gekennzeichnete Vorfahrt, keine imposanten Pflanzkübel – nur ein Vordach, ein etwas schmuddeliger roter Teppich und zwei vertrocknete Buchsbaumkugeln markieren den Eingang. Man kann den Gast auch schöner empfangen. Der moderne Standascher ist so konzipiert, dass keine Kippen sichtbar sind. Eine angenehme Erfindung.
Wertung: gut
14:25 Check-in
Die Lobby ist sehr breit, aber nicht sehr tief, was irgendwie unproportioniert wirkt. Was ihre Gestaltung angeht, so ist dieser mit dem schönen Attribut »zeitgemäß« Genüge getan. Ein schlichter, dunkelgrauer Fliesenboden, zwei bequeme Sitzgruppen, ein bisschen Bambus hier, ein großer Flachbildschirm da – alles nett anzuschauen, aber wirklicher Pfiff fehlt. Positiv: Durch Pflanzkübel optisch abgetrennt gibt es an einer Seite der Halle eine Art Business-Nische mit bequemen Chefsesseln vor Tischen in Schreibtischhöhe. Hier lässt es sich gut arbeiten oder Besprechungen abhalten. Und hier gibt es kostenlose Zeitungen. Die Arbeitsplätze mit PCs und Drucker würden hier thematisch gut hinpassen, befinden sich aber eine Etage höher zwischen Bar und Restaurant.
Am Empfangstresen erwartet mich lächelnd Frau W. und checkt mich nach allen Regeln der Kunst ein. Ein freundlicher Willkommensgruß, das Erkundigen danach, wie die Anreise verlief, die kurze Rückbestätigung von Aufenthaltsdauer, Zimmertyp und Raucherpräferenz – alles bestens. Auf einem formschönen Tablett wird mir ein kleines Glas kalter Früchtetee gereicht, zusammen mit einem gerollten, kühlen Frotteetuch und zwei NH-Bonbons. Eine hübsche Idee. Die adrett gekleidete Frau W. gibt mir einige Informationen zu Frühstück und Wellnessbereich und überreicht mir einen Umschlag, in dem sich das bereits für mich eingetroffene Fax befindet. Nachdem sie mir den Weg zum Zimmer erklärt hat, verabschiedet sich die aufmerksame Mitarbeiterin mit den Wünschen für einen schönen Aufenthalt. Als besonders angenehm empfinde ich die Tatsache, dass mir ein Zimmer im siebten Stock zugeteilt wurde, der Etage, auf der sich auch Massageraum und Wellnessbereich befinden. Ich hatte vorab telefonisch mein Interesse am Saunabereich bekundet und eine Massage gebucht. So habe ich einen komfortabel kurzen Weg dorthin.
Wertung: sehr gut
Zimmer 710
Zimmer 710 ist ein Doppelzimmer der Supe-rior-Kategorie. Es kostet mich bei Einzelnutzung 233 Euro inklusive Frühstück – das ist für Dresden unter der Woche happig. Dabei ist das Superiorzimmer nur 25 Euro teurer als das günstigste Standardzimmer (208 €), das zum wenig attraktiven Innenhof liegt, und 15 Euro teurer als das lagemäßig dem Superiorzimmer vergleichbare »Standardzimmer mit Aussicht«. Für diese 15 Euro erhalte ich wesentlich mehr Platz als im Standardzimmer (ca. 45 qm statt 17-24 qm) und es gibt ein VIP-Treatment, bestehend aus einer Flasche Wasser, einer Schale mit Petit Fours, handgeschöpfter Schokolade und Physalis sowie einem attraktiven Set an Kosmetikartikeln. Eine Vase mit einer hübschen Blume und ein Willkommenskärtchen mit meinem Namen ergänzen das ansprechende Begrüßungsarrangement auf dem Couchtisch.
Im siebten Stock zur Vorderseite liegt das Zimmer nahezu auf Augenhöhe mit dem Glockenturm der Kreuzkirche, was mir beim Nachmittagsläuten – das Fenster steht offen – nahezu einen Herzinfarkt beschert. Glück-licherweise ertönen die viertelstündlichen Schläge der Kirchturmuhr wesentlich gedämpfter. Das Zimmer »umrundet« wie ein umgedrehtes C das Bad und verfügt so über einen Schrank- / Garderobenbereich im Flur, an den sich der Schreibtisch anschließt, einen kleinen Sitzbereich im Durchgang zum Schlafraum und dann diesen selbst, ausgestattet mit großem Doppelbett und weiterem Schrankstauraum. Selbiger ist mit zehn geräumigen, hohen Fächern geradezu riesig, wohingegen das Hängeabteil des Schrankes im Flur eher schmal wirkt. Es dient gleichzeitig als Garderobe, beherbergt den Kofferbock und hat keine Türen. Die Gedankengänge der Innenarchitekten kann ich nicht nachvollziehen, und auch nicht ihr Farbkonzept. Denn der Raum ist zwar großzügig bemessen, doch nicht gerade das, was man lichtdurchflutet nennt. Und dann: dunkelbrauner Laminatfußboden, dunkelbraune Wandtäfelung, dunkelbraune Schränke und dunkelbrauner Schreibtisch. Ledersessel, Couchtisch, Beistelltisch – alles dunkelbraun. Da ist man für den Farbtupfer in Form eines giftgrünen Halbsessels im Schlafbereich geradezu dankbar. Zumal die retro-gestylten Lampen mit ihren gefältelten Kunststoffschirmen und der Energiesparlampenbestückung nur eben so zur Beleuchtung ausreichen – was am Schreibtisch und am Bett wirklich zu beanstanden ist. Und warum gönne ich dem Gast nicht ein formschönes, komfortables Zweiersofa, wenn der Platz es hergibt, statt ihn in einen unbequemen, kleinen Ledersessel zu zwängen? Hotel-Innenarchitekten sollten einmal selbst auf solchen Sitzmöbeln einen Fernsehabend verbringen. Und zuvor eine Weile auf einem Schreibtischstuhl sitzend arbeiten, der keine Lehne hat. Auch das ist hier der Fall.
Der Flatscreen des einen Fernsehers – ein zweiter ist in die Wand zum Schlafbereich eingebaut – ist über dem Schreibtisch an der Wand angebracht, sodass auf dem Schreibtisch selbst genügend Arbeitsfläche zur Verfügung steht. Von den vier Steckdosen über und unter der Schreibfläche sind jedoch drei bereits belegt mit Lampe, TV und Wasserkocher. Letzterer gehört zu einer kostenlosen Kaffee- und Teebar, einer sehr sinnvollen Annehmlichkeit. Ein Gäste A-Z ist ebenso vorhanden wie Notizblock plus Stift, eine Übersicht über die TV-Kanäle und ein Fernsehprogramm. Sky-TV wird kostenlos angeboten. Der Highspeed-Internetzugang per Kabel oder WLAN funktioniert leicht und schnell, kostet allerdings für eine Stunde 5,95 Euro oder 10,70 Euro für 24 Stunden. Die Unterlagen zum Hotel sind gut in Schuss, und auch an der vom Inhalt her unspektakulären Minibar gibt es in puncto Sauberkeit, Preise und Haltbarkeitsdaten nichts auszusetzen. Der elektronische Safe im Kleiderschrank hat Laptopgröße. Zwei Bademäntel und Badeschlappen wurden auf dem zwei Meter breiten, komfortablen Doppelbett platziert, das mit einer durchgehenden, hochwertigen Matratze, zwei verschieden großen, nicht zu weichen Kopfkissen und ordentlicher Bettwäsche ausgestattet ist. Die Kontrolle der Bettwaren ergibt keinerlei Beanstandungen.
Bei Betreten des Zimmers nahm meine Nase eine etwas muffige Note auf. Vielleicht war das Zimmer ja längere Zeit nicht bewohnt. Dafür spräche auch, dass sich auf dem Fußboden einige erstaunlich große Staubflocken finden. Die dunkelbraunen Möbeloberflächen zieren an mehreren Stellen deutliche Fingerabdrücke und auf dem Nachttisch sind Glasränder zu sehen. Auf den oberen Kanten der Schranktüren im Schlafbereich liegt eine dicke Staubschicht.
Wertung: noch gut
Bad
Das in Beige- und Brauntönen gehaltene Bad ist ein gutes Beispiel dafür, wie man auf kompaktem Raum viel Komfort bieten kann. Auf dem hölzernen Waschtisch sitzt ein formschönes Waschbecken, darunter dient eine flache Bank als Ablage für Handtücher, kann jedoch auch – von Kindern oder kleineren Menschen – als Tritt benutzt werden. Die Toilette verschwindet in einer Nische hinter der Eingangstür. Obwohl die Beleuchtung keine seitlichen Elemente beinhaltet, ist sie erstaunlich effektiv. Als ungewöhnlich umfangreich offenbart sich die Bestückung mit Guest Supplies. Zur Grundausstattung – Shampoo, Duschgel, Body Lotion, Seife und Kamm – kommen beim Superiorzimmer als Extras noch Tissues, eine Zahnbürste, eine Duschhaube, ein Luffa-Schwamm und eine Haarbürste sowie Nähzeug, ein Rasierset und ein Schuhputzschwamm hinzu. Schade nur, dass man sich bei so viel Großzügigkeit nicht für einen Kosmetikspiegel in beleuchteter Version entschieden hat. Außerdem wäre es schön, etwas mehr Druck auf die Brause geben zu können, aber es gibt keine Verstellmöglichkeit. Ein Haltegriff in der Badewanne fehlt. Doch ansonsten: wirklich ein funktionales Bad. Und auch sehr sauber – bis auf ein paar Stäubchen auf dem Handtuchheizkörper.
Wertung: sehr gut
Housekeeping
Das aufzubügelnde Hemd wird erst nach 23 Minuten abgeholt, dafür schon zehn Minuten später wieder retourniert. Die betreffende Dame trägt weder Uniform noch Namensschild und ist verhalten freundlich. Ein Wäschereizettel wird mir nicht überreicht, woraus ich voreilig schließe, man habe mir diesen kleinen Service kostenfrei erwiesen. Auf der Hotelrechnung taucht die Bügelleistung jedoch mit akzeptablen drei Euro auf. Weder am Nachmittag des Anreisetages noch am nächsten Vormittag bis elf Uhr treffe ich auf meiner Etage auf Housekeepingwagen und / oder Reinigungspersonal. Auch meine Suche auf zwei weiteren Etagen bleibt erfolglos. Ob hier die Heinzelmännchen saubermachen?
Wertung: befriedigend
Sicherheit
Der Fluchtwegeplan im Zimmer ist verständlich und übersichtlich, die Fluchtwege präsentieren sich gut ausgeschildert, beleuchtet und frei zugänglich. Die Housekeeping Offices auf den Etagen sind mit Kartenschlössern gesichert und können so zu keiner Zeit von Unbefugten betreten werden. Als ich am Empfang um eine Inforechnung bitte, werde ich nicht nach meinem Namen gefragt, aber das ist in Ordnung, weil mich die betreffende Mitarbeiterin schon namentlich kennt.
Wertung: sehr gut
Front Office
Großes Kompliment – die Damen und Herren am Empfang, allen voran Frau W., sind überaus dienstleistungsorientiert, natürlich freundlich bis ausgesprochen herzlich, und sie denken mit. Schon bei diversen telefonischen Nachfragen vorab überzeugt Frau W.: Beispielsweise dadurch, dass sie nicht eher ruht, bis sie meinen Wunsch nach Buchung einer spätnachmittäglichen Rückenmassage erfüllen kann. Hierfür sind mehrere Hin-und-her-Telefonate zwischen ihr, dem externen Dienstleister und mir nötig, aber schließlich klappt alles. Als ich vor Ort dann diese Massage in Anspruch nehme, wird die dringende Nachricht eines Anrufers korrekt notiert und mir in einem verschlossenen Umschlag auf den Schreibtisch gelegt, sodass ich sie ohne Zeitverzögerung nach der Rückkehr auf meinem Zimmer vorfinde. Und ein junger Empfangsmitarbeiter bringt mir den Code für den Internetzugang gar persönlich nach oben, »da es bei den komplizierten Buchstaben- und Zahlenfolgen immer so viele Missverständnisse gibt.« Der Weckruf am nächsten Morgen wird nicht nur pünktlich und persönlich ausgeführt, sondern auch perfekt formuliert. Zwischen Bar und Restaurant im ersten Stock finden sich mehrere PC-Arbeitsplätze, wo der Gast mit dem eigenen Laptop oder einem installierten Internetterminal kostenlos online gehen kann. Hier ist auch ein Drucker verfügbar.
Wertung: ausgezeichnet
Öffentliche Bereiche
Aus was auch immer die dunkle »Holz«-Oberfläche von Möbeln und Türen besteht – sie ist extrem anfällig für Fingerabdrücke. Erstaunlich, dass das offensichtlich niemandem auffällt. So finden sich im Konferenzbereich entsprechend »befingerte« Wandflächen, und die Tür des Massageraumes fällt, wenn man aus dem gegenüberliegenden Aufzug tritt, unmittelbar und unübersehbar unschön ins Auge. Die Teppiche unter den beiden Sitzgruppen in der Lobby wirken von den Straßenschuhen der Gäste schon ein bisschen angeschmuddelt, wie auch der rote Teppich im Türbereich. Und in der schicken Raucherlounge im hinteren Teil der Bar finden sich am Vormittag nicht weggeräumte Kaffeetassen, benutzte Aschenbecher und – Fingerabdrücke. Aber ansonsten sind die öffentlichen Bereiche samt Toiletten bestens gepflegt. Wenngleich in letzteren die Kontrollen nicht, wie auf der aushängenden Liste vorgegeben, stündlich durchgeführt werden.
Wertung: noch gut
Sauna / Fitness
Die einen werden es edel finden, die anderen eher ein bisschen trist: Das Farbkonzept Beige-Braun mit vereinzelten Farbtupfern hier und da zieht sich konsequent auch durch den Saunabereich. Adrett und durchaus ansprechend präsentieren sich Umkleiden, ein Fitnessraum mit fünf Herz-Kreislauf-Trainern, Biosauna und Dampfbad, ein großzügiger Duschbereich und ein Ruheraum mit bequemen Liegen. Vor Fitnessraum und Ruheraum gibt es sogar jeweils eine kleine Terrasse – in diesem Hotel die einzige Möglichkeit, sich im Freien aufzuhalten. Ein Wasserspender sorgt für den Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes, in einer Schale liegen Äpfel und Bonbons bereit. Ansonsten ist dieser Bereich nicht gastronomisch betreut. Von 17 bis 23 Uhr sollten die Saunen eingeschaltet sein – um 17:15 Uhr ist dies jedoch noch nicht der Fall. Ein Anruf an der Rezeption schafft umgehend Abhilfe (dafür dampft es um 23:20 Uhr immer noch ordentlich in den Kabinen und der Bereich ist auch noch nicht abgeschlossen – mit den Ein- und Ausschaltzeiten scheint man es nicht so genau zu nehmen).
Im Massageraum werde ich von zwei Damen in Weiß begrüßt, die verdächtig nach Kosmetikerin aussehen. Tatsächlich: Ich werde zur Pediküre erwartet. Zwar reagiert die verantwortliche Dame schnell und gastfreundlich auf das Missverständnis – sie schickt ihre Kollegin nach Hause, baut die Liege um und massiert meinen Rücken – doch ist diese »Wohlfühlmassage« nicht zu vergleichen mit einer professionellen, physiotherapeutischen Rückenbehandlung, wie ich sie gebucht hatte. Mit 29 Euro für 30 Minuten bleibt sie wenigstens finanziell im Rahmen.
Wertung: gut
19:15 Restaurant »firstfloor«
Zu groß, zu dunkel, zu leer, zu kühl notiere ich gedanklich, als ich am Abend am Eingang des 170 Plätze umfassenden Restaurants stehe. »Die Dachfenster schaffen ein einladendes und freundliches Ambiente« steht auf der Homepage des Hotels zu lesen. Das mag beim Frühstück zutreffen, für das dieser Raum ebenfalls genutzt wird, aber am Abend bringt die Lichtkuppel dem innen liegenden Raum wenig. »Das Restaurant … eröffnet seinen Gästen einen herrlichen Blick auf die Kreuzkirche.« Wie bitte? Diese Aussicht kann man erst genießen, wenn man das Restaurant verlässt und die davor liegende verglaste Empore der Lobby besagten Blick freigibt. Die braun-beige Einrichtung des Restaurants mit Tischen in Reih und Glied ist genauso originell wie der Name »firstfloor«; die Farbtupfer hier bestehen aus zwei Reihen mit roten Stühlen. In einer abgetrennten Nische des Raumes mit abendlich eingedeckten Tischen (»Das ist unser À-la-carte-Bereich«, erklärt mir Restaurantfachmann K., als er mich begrüßt) feiern an einer Tafel ein Dutzend Pensionäre ihr Klassentreffen – ansonsten ist das Restaurant gähnend leer. Zwar nehme ich hier Platz, doch fühle ich mich dabei genauso unbehaglich wie die Pensionäre, die beim Austausch ihrer Erinnerungen kein Interesse an einem Zuhörer haben und sofort die Stimmen senken. Infolgedessen ergreife ich gerne den vom aufmerksamen Herrn K. angebotenen Strohhalm, mein Abendessen doch lieber in der Bar einzunehmen.
Diese liegt nun wirklich licht und schön und an zwei Seiten voll verglast am Ende der Empore des ersten Stocks und bietet nicht nur einen unterhaltsamen Blick nach draußen, sondern mit ihren Bistrotischen und Sitznischen auch eine attraktive Alternative zum düsteren Restaurant. Zumal mir nicht nur die verkleinerte Barauswahl an Speisen angeboten wird, sondern ich von der normalen Restaurantkarte wählen darf. Während mein Tisch vom freundlichen jungen Barmann Herrn Q. abendessenstechnisch eingedeckt wird, werfe ich einen Blick in bewusste Karte – und bin ernüchtert. »Unsere große Auswahl an internationalen Gerichten mit köstlicher deutscher und spanischer Note verwandelt Ihr Abendessen zu einem einzigartigen Abend in der Stadt. Bestellen Sie, was Sie möchten – von einer leichten Vorspeise und Tapas bis zu einer reichhaltigen Mahlzeit mit Dessert.« So versucht man auf der Homepage Interesse am Hotelrestaurant zu wecken. Wer ist nur für solche Texte verantwortlich? Einmal davon abgesehen, dass sowieso jeder Gast bestellt, was er möchte, klingt »eine reichhaltige Mahlzeit mit Dessert« nicht gerade verlockend. Tapas in einem Hotel spanischer Provenienz – ja, das passt natürlich. Aber man sucht sie vergebens auf der Speisekarte dieses Dresdener NH Hotels. Stattdessen gibt es saisonale Spargelgerichte, Burger, sogenannte »Klassiker« (Wiener Schnitzel, Entenbrust, Kabeljau, zwei Pizzen), Pasta (vier Sorten Nudeln mit vier verschiedenen Saucen) und Fleisch (Ribeye Steaks, Filetsteaks, Lammkarree). Mit »internationaler Küche« ist dieses bunte Dresdener Allerlei erschreckend treffsicher beschrieben. Ich bestelle ein Rinderfilet mit Gemüse, dazu einen Salat, und lasse mir von Herrn Q. einen Rotwein empfehlen. Ein Amuse Gueule gibt es zwar nicht, aber zwei Scheibchen leckeres Roggenbaguette zum Salat, der leider anstelle des Gemüses statt zusätzlich serviert wird. Doch das schlichte Gericht schmeckt wunderbar – eine üppige Portion perfekt und – wie bestellt – englisch gebratenen Filets, schön angerichtet, gut gewürzt, und dazu einen ansprechend komponierten Salat mit fein-säuerlich-fruchtigem Dressing. Manchmal braucht es gar nicht mehr. Auch der Rioja ist passend gewählt und mundet vorzüglich. Mein Fazit: Bei Herrn Q. fühle ich mich kulinarisch gut aufgehoben.
Wertung: noch gut
23:05 Bar »Seven«
Am späten Abend kehre ich in die Bar zurück, deren hinterleuchteter Tresen in regelmäßigen Abständen die Farbe wechselt. Schade, dass es hier insgesamt ein bisschen zu hell ist. Und auf einem großen Flat-screen stumm geschaltetes n-tv läuft. Denn ansonsten ist diese Bar ein Schmuckstück. Üppiges Blumendekor auf dem Tresen, die richtige Mischung zwischen modernem Schick und Behaglichkeit, ein Blickfang von außen und ein schöner Blick vice versa. Hier mag es übrigens jemand ordentlich – alles steht in Reih und Glied, wie mit dem Lineal abgemessen: Barhocker, Barkarten, die kleinen Lampen auf dem Tresen. Die Barkarte enthält verhältnismäßig wenige Cocktails und keine großen Überraschungen. Die Tagesempfehlung – ein Gin Tonic Special mit Gin, Limettensaft, Holunderblütensirup und Rosmarin zu schmalen fünf Euro – offenbart allerdings Potenzial. Sie ist eine Eigenkreation des Herrn Q. und ein erfrischender Sommerdrink. Zu den weniger originellen Erdnüsschen gibt es zwar eine Serviette, aber keinen Löffel. Obwohl wenig los ist und der Barmann noch bis zwei Uhr ausharren muss, hat er offenbar kein großes Kommunikationsbedürfnis. Aber er antwortet artig auf meine Fragen und offeriert mir einen zweiten Drink.
Wertung: gut
MI. 09/05, 08:45 Frühstück
Es sind ja doch Gäste da! Das Restaurant ist gut besucht und hat bei Tag eine wesentlich angenehmere Atmosphäre als am Abend. Allerdings ist der Lautstärkepegel so hoch, dass ich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob Hintergrundmusik eingespielt wird oder nicht. Am Eingang werde ich sehr freundlich von einem jungen Mann begrüßt, der sich die Zeit nimmt, kurz mit mir zu plaudern. Als ich auf seine Frage, wie ich geschlafen habe, wahrheitsgemäß antworte – ein paar Trunkenbolde haben nicht nur die nächtliche Stille, sondern auch meinen Schlaf empfindlich gestört – zeigt sich der junge Mann bestürzt und verspricht, einmal nachzuhören, »was da los war«. Eine lobenswerte Reaktion, denn so fühle ich mich als Gast ernst genommen. Und vielleicht schreitet ja der Nachtportier beim nächsten ähnlichen Vorfall ein, um die Ruhestörung abzukürzen.
Die Tische sind sauber eingedeckt, es gibt ein frisches Blümchen und Aufsteller mit gut gemeinten Tipps zum Glücklichwerden. Ich folge dem meinigen und schenke dem Tisch-Nachbarn ein Lächeln, was dieser mit irritiertem Blick quittiert. Nun ja. Der Fußboden zeigt schon etliche Krümel, was aber bei fortgeschrittenem Frühstücksstadium nicht ausbleibt. Eine Auswahl Zeitungen liegt am Eingang bereit. Das Frühstücksbuffet ist guter Durchschnitt. Positiv fallen die hausgemachten Obsttarteletts auf, ebenso dass es Geflügelwurst und guten Schinken gibt, laktose- und fettarmen Käse und den Hinweis auf glutenfreie Backwaren. Das frisch zubereitete Birchermüsli schmeckt exzellent. Verbessern ließe sich noch die Optik von Wurst- und Käseplatten, sie sind nicht ausgarniert und besonders der Zustand der Weichkäseplatte lässt zu fortgeschrittener Frühstückszeit zu wünschen übrig. Joghurt und Birchermüsli stehen weit entfernt von den Zerealien, Körnern, Saaten und Frischobst. Auch gibt es auf dem Buffet noch erstaunlich viele Abpackungen, beispielsweise bei Butter, Frischkäse, Joghurt und Marmelade. Das Teebuffet offeriert eine gute Auswahl in Teecaddies, außerdem drei lose Sorten, dazu zweierlei Kandis am Holzstäbchen und frische Zitrone. In den Chafing Dishes finden sich außer den üblichen Verdächtigen – Rührei, Speck, Würstchen und Hackfleischbällchen – auch frisch gebackene Waffeln, zu denen rote Grütze gereicht wird.
Sehr gut gefällt mir, dass die überaus freundliche Dame vom Frühstücksservice mir den gewünschten Milchkaffee bringt, und zwar heiß, schäumend und in der großen, bauchigen Tasse – viel besser als das, was der Kaffeeautomat am Buffet zustande bringt. Meine Bitte um einen frisch gepressten Orangensaft, gerne auch gegen Aufpreis, wird mit einem Lächeln und dem Satz »gerne auch ohne Aufpreis« (wörtlich!) erfüllt. Überhaupt agieren alle Mitarbeiter umsichtig und professionell, fragen freundlich nach Getränkewünschen, räumen verlassene Tische ab und decken sie flott neu ein. Selbst beim »Zwischendurch-schmutziges-Geschirr-Abräumen« wird nett gefragt, ob das so recht ist.
Wertung: gut
08:10 Persönliche Bankettanfrage
Der elektronische Konferenzraumwegweiser ist komplett bestückt. Ich frage deshalb schon vor dem Frühstück an der Rezeption nach einer Besichtigungsmög- lichkeit. Frau W. telefoniert und kaum zwei Minuten später steht Frau A. vor mir und erkundigt sich zuvorkommend danach, was sie für mich tun könne. Ihre Visitenkarte weist die junge Frau als CCO Agent aus – wohl dem, der sich im entsprechenden, anglophil-fachspezifischen Vokabular auskennt. Da nur noch ein Tagungsraum frei und somit zu besichtigen ist, gerät die Tour recht kurz. Frau A. versichert mir jedoch, dass auch alle anderen acht Räume über die gleiche, klassisch-dezente (und braun-beige!) Inneneinrichtung und Ausstattung verfügen. Sie zeigt mir noch einen Boardroom und weist auf die variable Nutzung des Restaurants hin. Meine eingestreuten Andeutungen bezüglich mehrerer zu planender Veranstaltungen greift die junge Frau geschickt auf und hakt mit Fragen nach. Kompliment, das passiert selten. Beim Check-out erwartet mich eine übersichtliche Bankettmappe, in der auch die Fazilitäten des zweiten Dresdener NH Hotels beschrieben sind.
Wertung: sehr gut
Check-out
Ich küre Frau W. zu meiner Lieblingsrezeptionistin, denn sie ist es, die mich nicht nur eingecheckt hat, sondern auch wieder auscheckt. Und zwar erneut perfekt – im Ablauf wie in der persönlichen Ansprache. Ich verlasse das Hotel beschwingt und mit dem schönen Gefühl, als Gast hier hohe Wertschätzung erfahren zu haben.
Wertung: vorbildlich
Bilanz
Von der Architektur, der Ausstattung und dem Angebot her hat das NH Dresden Altmarkt alles zu bieten, was ein modernes Vier-Sterne-Hotel dieser Größe bieten sollte. Es unterscheidet sich darin allerdings nicht großartig von seinen Mitbewerbern. Gerade in einer Stadt wie Dresden, wo die Konkurrenz groß ist, muss man ein bisschen mehr in die Waagschale zu legen haben. Das ist zum einen die superbe Lage, die auch noch den Vorteil hat, mit dem vielseitigen Angebot der umliegenden (auch Outdoor-)Gastronomie die eigene, etwas dürftige Restaurantofferte zu kompensieren. Und das ist zum anderen ein sorgfältig ausgesuchtes und wohltrainiertes Mitarbeiter-Team, das offenbar verinnerlicht hat, was das A und O eines Hotels ist, nämlich Dienstleistungsqualität und natürliche Freundlichkeit. Diese Mitarbeiter tragen ganz erheblich dazu bei, dass man das NH Dresden Altmarkt guten Gewissens als Businesshotel empfehlen kann.
Ergebnis: 74%
Testurteil: gut
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.
Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!