Anzeige
Anzeige
Anzeige
StartBusiness & ManagementNachhaltigkeitszertifizierung::Pro: "Wertvolle Unterstützung"

NachhaltigkeitszertifizierungPro: "Wertvolle Unterstützung"

Als Suzann Heinemann, Gründerin der Greenline Hotels, vor acht Jahren nach einem Nachhaltigkeitslabel für die Kooperation suchte und kein passendes fand, entwickelte sie in Zusammenarbeit mit einer Hochschule die Nachhaltigkeitszertifizierung Greensign. Ihre Argumente pro Zertifizierung teilt sie im Gespräch mit Tophotel.

Tophotel: Frau Heinemann, für wie wichtig erachten Sie Nachhaltigkeitssiegel für die Hotellerie?

Suzann Heinemann: Grundsätzlich ist es aus meiner Sicht unverzichtbar geworden, ökologisches und soziales Engagement in der langfristigen Unternehmensführung zu verankern – verbunden mit einer wirtschaftlichen Erfolgssicherung. Ob in der Hotellerie oder in der Gesellschaft allgemein: Abseits der momentanen Krisen sind der Schutz der Umwelt, des Klimas und die Schonung der Ressourcen die zentralen Themen. Das Thema Mensch kommt insbesondere in der Hospitality noch hinzu, denn auch der Fachkräftemangel ist eine große Herausforderung der heutigen Zeit.


Über Suzann Heinemann

Die Unternehmensberaterin und Geschäftsführerin von Hotel Consulting Green Solutions startete 2001 mit sieben Hotels die Hotelkooperation Greenline Hotels, die heute als Plattform für nachhaltiges Reisen fungiert und nachhaltig zertifizierte Hotels in ganz Europa bündelt. 2015 gründete Suzann Heinemann zudem das Infracert Institut, welches das Greensign-Nachhaltigkeitszertifikat verleiht. Darüber hinaus ist sie Inhaberin des nachhaltig geführten Viersterne-Schlosshotels Blankenburg im Harz.


 

>> Nachhaltigkeitssiegel: Welche Zertifizierungen sind sinnvoll?

All dies bedingt dringend eine Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit in jedem Hotelbetrieb. Irgendwann müssen wir alle klimaneutral sein, und wer jetzt damit anfängt, profitiert von einem bedeutenden Vorsprung. Zudem haben die Erwartungen von Gästen und Mitarbeitenden im vergangenen Jahrzehnt einen wahrhaftigen Wandel durchlebt – das nachhaltige Engagement eines Hotels wird mittlerweile nahezu vorausgesetzt.

Eine Nachhaltigkeitszertifizierung kann wertvolle Unterstützung bieten. Zum einen, indem sie quasi als Leitfaden bei der Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie hilft, zum anderen, indem sie für den Gast und alle anderen Stakeholder die Nachhaltigkeitsleistungen eines Hotels transparent darstellt. Im Idealfall führt dies zu Imageverbesserung, Qualitätssteigerung und der Erschließung neuer Gästegruppen.

Mittlerweile schenken auch diverse Buchungsportale, Suchmaschinen und Hotelführer der Nachhaltigkeit Beachtung, was die Wichtigkeit von Zertifikaten noch verstärkt, da nichtzertifizierte Hotels künftig in der Wahrnehmung abrutschen beziehungsweise kaum mehr Beachtung erhalten werden.

Wie finden Hoteliers im Dschungel der Label das zu ihnen passende Zertifikat?

Tatsächlich kann sich die Suche im Labeldschungel schwierig gestalten. Genauso ging es uns auch vor acht Jahren, als wir nach einer praxisnahen und glaubwür­digen Zertifizierung für unsere Greenline-Hotelkooperation suchten. Für uns war das Thema so wichtig, dass wir kurzerhand – aber mit großem Anspruch und Aufwand – in Zusammenarbeit mit einer Hochschule unsere eigene Zertifizierung entwickelten, weil es damals kein Produkt gab, das uns ausreichend zufriedenstellte.

Generell sollten Hoteliers bei der Auswahl eines Zertifizierungs-Systems darauf achten, dass es alle drei Säulen der Nachhaltigkeit beinhaltet, also Ökonomie, Ökologie und soziales Engagement. Es reicht heute nicht nur die Erstellung eines CO²-Fußabdrucks. Auch die Transparenz sollte betrachtet werden, also, wie eine Zertifizierung die Nachhaltigkeit eines Hotels für alle Stakeholder darstellt, damit niemals Greenwashing unterstellt werden kann.

Zudem sollte die Sichtbarkeit des Hotels, die durch eine Zertifizierung erreicht wird, verglichen werden. Jeder, der sich nachhaltig engagiert, möchte dies auch zeigen, und dabei sollte eine zertifizierende Organisation nachhaltig unterstützen. Schließlich lautet das Credo nicht umsonst: „Tue Gutes und rede darüber.“ Zertifizierungen helfen dabei genauso wie das Storytelling auf der eigenen Webseite, in den Social-Media-Kanälen und vor Ort selbst.

Es sollte zudem Support bei der Weiterentwicklung der Nachhaltigkeit geben. Wenn dann auch noch ein „grünes Netzwerk“ als weiterer Pluspunkt hinzukommt, ist an alles gedacht. Wir bei Greensign geben in regelmäßigen Abständen Webinare, einmal im Jahr gibt es ein „Green Tourism Camp“, und ganz neu haben wir die „Future Hospitality Days“ ins Leben gerufen. Bei allen Veranstaltungen stehen der Wissenstransfer, das Networking und der Austausch im Vordergrund.

Bevor sich ein Hotelier mit der Zertifizierung beschäftigt: Welche Hausaufgaben sollte er gemacht haben?

Wir sagen immer: einfach anfangen! Idealerweise begleitet ja ein Zertifizierungs-Prozess bei der Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie und bietet Unterstützung im weiteren Prozess. Zu den ersten Schritten auf dem Weg zu einer nachhaltigen Hotelführung gehören die Erstellung eines Leitbilds, die Ernennung eines CSR-Beauftragten, die Beobachtung klimarelevanter Verbräuche, die Implementierung von Energieeffizienz- und Wasserreduktionsmaßnahmen, die Abfallreduktion, die Umstellung auf regionale Lieferanten und nachhaltigen Einkauf sowie die Schulung des Personals. Es ist ratsam, das gesamte Team immer miteinzubeziehen und zu sensibilisieren. Oft ist es überraschend, welche neuen Impulse und kreativen Ideen dabei entstehen.

Hoteliers, das bemerke ich immer wieder, schrecken häufig vor dem befürchteten Aufwand zurück. Dabei unterschätzen viele, dass sie in zahlreichen Bereichen bereits nachhaltig agieren. Zudem muss ein Hotelier mit dem Prozess nicht allein dastehen. Mit einem engagierten Team und den richtigen Partnern an der Seite lässt sich vieles zügig bewerkstelligen.

Stefanie Hütz


Dieser Beitrag könnte Sie auch interessieren:

Kerstin Brenner: „Hoteliers sollten sich immer die Frage stellen, wer von einer Zertifizierung profitiert, und sich genau über den tatsächlichen Mehrwert informieren.“ (Bild: Ecomood)

Nachhaltigkeitszertifizierung: Contra: „Häufig fehlt die Transparenz“
Kerstin Brenner, Inhaberin der Münchner Nachhaltigkeitsberatung Ecomood, begleitet Hoteliers auf ihrem Weg zu ganzheitlichen Strategien. Nachhaltigkeitslabels steht sie dabei zwiespältig gegenüber. Ihre Argumente contra Zertifizierung nennt sie hier.

Newsletter-Registrierung

Topaktuell auf den Punkt gebracht!
Werktäglich berichtet der kostenlose Tophotel-Newsletter über aktuelle Ereignisse in der nationalen und internationalen Hotelwelt. Profitieren Sie von journalistisch hochwertiger Information und Inspiration für das tägliche Business.
ANMELDEN
Sie interessieren sich für Produktnews und technische Innovationen in der Hotellerie? Testen Sie auch unseren kostenfreien HOTEL+TECHNIK-Newsletter​
close-link