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StartAufmacherNachhaltigkeit::Safety versus Sustainability

NachhaltigkeitSafety versus Sustainability

In Sachen Nachhaltigkeit scheinen viele Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung exakt das Gegenteil zu bewirken. War es gestern beispielsweise noch ein zentrales Anliegen, Verpackungen auszumustern, sind sie nun wieder unverzichtbarer Baustein im Rahmen der Sicherheitskonzepte. Vier Hoteliers berichten, wie sie dennoch bei ihren Bemühungen bleiben.

Michel Schutzbach. (Bild: Scandic Hotels) (Bild: Scandic Hotels)

Nachhaltigkeit gehört bei der Scandic ­Hotels Group bereits seit 1993 zur Strategie. Das Unternehmen betreibt 280 Hotels in sechs Ländern. Drei davon befinden sich in Deutschland, zwei weitere sind im Bau. Seit dem 15. Juni 2020 sind die Hotels hierzulande nach dem ­Lockdown wieder geöffnet. Voraussetzung dafür war ein umfangreiches Konzept an Sicherheitsmaßnahmen. Diese umfassen bargeldfreie Zonen oder auch eine limitierte Anzahl an Gästen pro Etage.

„Wir bleiben unserer Nachhaltigkeitsstrategie auch in Corona-Zeiten treu.“
Michel Schutzbach

Die Maßnahmen betreffen jedoch auch ­Bereiche, die eigentlich Schwerpunkte des nachhaltigen Markenprofils sind, wie das gastronomische Angebot. Wurde bisher das Frühstück als Büfett angeboten, mit weitgehendem Verzicht auf Verpackungen und 30 Prozent Bioanteil, hat sich das nun geändert. Stattdessen gab es unter anderem Frühstücks-to-go-Boxen, die serviert wurden. Diese bedeuten natürlich auch mehr Müll.

Michel Schutzbach, Head of Europe Scandic Hotels, bedauert dies sehr: „Wir hätten vor Corona nie gedacht, dass wir in die Situation kommen, dass wir vorübergehend den Verpackungsanteil einmal erhöhen müssen. Aber die Sicherheit unserer Gäste geht vor. Wir verstehen die Wiedereröffnung als Auftrag, alles zu tun, um das Pandemie-Geschehen einzudämmen, das heißt auch, ­Hotellerie neu zu denken. Mittlerweile können wir unser beliebtes Scandic-Frühstück wieder à-la-carte anbieten.“

Nachhaltigkeit trotz Corona

Das Unternehmen bleibt dabei seiner Nachhaltigkeits-Strategie treu. Man habe sich für Verpackungslösungen entschieden, die klima- und umweltneutrale Anforderungen erfüllen: Die Frühstücksboxen sind biologisch abbaubar, CO2-reduziert hergestellt, erdöl- und plastikfrei. Eine Herausforderung bei der Auswahl sei es allerdings gewesen, ein Angebot zu einem akzeptablen Preis zu ­finden, bemerkt Michel Schutzbach. Scandic Hotels müsse – wie die ganze Branche – aufgrund der geringeren Auslastung kostensparend agieren.

Doch es gebe nicht nur Rückschritte, sondern auch positive nachhaltige Effekte, sagt Michel Schutzbach – vor allem im Bereich Arbeitsprozesse. Die Pandemie habe die Zeit gegeben, anders und moderner zu arbeiten. „Wir haben nun wirklich alle gelernt, dass man sich bei Meetings nicht jedes Mal in die Augen schauen und an einem Tisch sitzen muss.“ Online-Meetings seien eine Selbstverständlichkeit geworden, die Digitalisierung der Arbeitswelt die neue Normalität.

Dass die Pandemie generell ein Katalysator für Zukunftstrends wie Nachhaltigkeit, ­Digitalisierung und Regionalität ist, bestätigt die Studie des Institute of Brand Logic, die im April durchgeführt wurde, und zwar mit Blick auf den Tourismus. Dazu wurden Experten aus den DACH-Regionen befragt, welche Themen in der Krise an Bedeutung gewonnen haben. Der Gründer und CEO des Instituts, Markus Webhofer, folgert aus dem Ergebnis neben der Beschleunigung auch Krisen-Resilienz: „Um auf derartige Krisen in Zukunft bestmöglich vorbereitet zu sein, führt an der Integration der Zukunftstrends in die jeweilige Destinationsstrategie kein Weg vorbei.“

Dank Passivhaus kaum ­Energieverbrauch

Jürnjakob Reisigl und Katja Leveringhaus. (Bild: Explorer Hotels) (Bild: Explorer Hotels)

Das haben auch Katja Leveringhaus und Jürnjakob Reisigl erlebt. Sie sind Gründer und Geschäftsführer der Explorer Hotels mit neun Design-Budgethotels in Wander- und Skiregionen in Österreich und Deutschland. Diese sollen den Gästen als Basislager für nachhaltige Natur­erlebnisse dienen. Von Anfang an gehört Nachhaltigkeit zur ­Marke der ­Explorer ­Hotels. Das Resümee der Gründer nach dem ­Covid-19-Lockdown: „Das Profil der Nachhaltigkeit hilft uns enorm bei der Bewältigung der Krise, weil unser schlankes Natur-Tourismus-Konzept aktuell ganz besonders das Bedürfnis der Gäste trifft, aber auch kostenmäßig durch das nachhaltige Gebäudekonzept“, erklärt Leveringhaus. Alle Hotels wurden als Passivhaus-Hotels erbaut. Sie verbrauchen kaum Energie, die nicht genutzt wird.

„Unser nachhaltiges Gebäudekonzept hilft uns auch in der Krise.“
Jürnjakob Reisigl und
Katja Leveringhaus

„Als wir den Hotelbetrieb runterfahren mussten, hatten wir bei geschlossenem Hotel relativ wenig ­Bereitstellungskosten im Vergleich zum Beispiel zu Hotels mit großem Wellnessbereich“, erläutert Jürnjakob Reisigl und stellt fest: „Das nachhaltige Gebäudekonzept hilft uns jetzt durch seine Flexibilität, aber auch, weil es wenig ­Kosten verursacht, wenn das Gebäude nicht genutzt wird.“ Leveringhaus und Reisigl haben ebenfalls die pandemiebedingten Sicherheitsmaßnahmen nachhaltig ausgerichtet, aber sie haben sich auch die Frage gestellt, wie sie in Zukunft nützlich sein könnten, wenn die Pandemie vorbei ist.

Ein Ergebnis der Überlegung steht nun in allen Hotel­lobbys: ein Brunnentrog, der als Hygiene-Bar den Gästen bei Betreten der Lobby ermöglicht, sich zunächst die ­Hände zu waschen. Er hat aber auch einen gewollten Nebeneffekt: Die Gäste können dort ihre Trinkflaschen mit Leitungswasser auffüllen, statt Wasserflaschen an der Bar zu kaufen. Das kommt besonders bei den sportlichen Kunden an, die Hauptzielgruppe sind. ­Katja Leveringhaus: „Die Gäste finden unsere neue Hygiene-Bar genial, weil sie ­ihnen ­einen Nutzen über den ­Corona-Aspekt ­hinaus ­bietet. Sie ist für uns daher in doppelter Hinsicht sinnvoll – für die Sicherheit, aber auch als nachhaltiger Service. Sie unterstreicht das Profil unser Marke optimal.“

Michael Stober. (Bild: Peter Stumpf) (Bild: Peter Stumpf)

Auch Michael Stober, Eigentümer des biozertifizierten Tagungshotels Landgut Stober in Brandenburg, ist es wichtig, dass für die Gäste die Kontinuität der nachhaltigen Strategie sichtbar wird: „Wir möchten bei jeder coronabedingten Maßnahme vermitteln, dass wir weiterhin nachhaltig, klimapositiv und gemeinwohlorientiert arbeiten.“ Das Berlin-nahe Hotel mit über 300 Zimmern und 30 ­Tagungsräumen ist von den Stornierungen besonders betroffen. Ein großer Teil konnte durch flexible Umbuchungen aufgefangen werden, aber auch die transparente Kommunikation der sozialen Verantwortung half sehr. Das Landgut ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region mit 60 Voll- und Teilzeitstellen und 250 freien ­Mitarbeitern.

„Wir arbeiten weiter klimapositiv und gemeinwohlorientiert.“
Michael Stober

Soziale Verantwortung auch in Krisenzeiten leben

Aber nicht nur in der Außenkommunikation, sondern auch intern nimmt Michael Stober seine soziale Verantwortung ernst: Da das Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent Existenzsorgen und -nöte auslöst, zahlt das Unternehmen weitere 20 Prozent auf den Nettolohn, sodass die ­Mitarbeiter in dieser besonderen Phase 80 Prozent des regulären Gehalts beziehen. Auch soll es keine personellen Veränderungen geben: „Uns war gleich klar, dass wir niemanden ent­lassen werden, weil wir dieses Team über Jahre geformt haben und so eingespielt sind, dass jeder auch an den anderen denkt.“ Das soll so bleiben.

Die Sicherheitsvorkehrungen des Landguts Stober wurden für die Wiedereröffnung so konzipiert, dass Gäste und Mitarbeiter sich auf dem Landgut sorgenfrei bewegen können. Dabei helfen auch die ­omnipräsenten Glasspender mit Desinfektionsmittel – natürlich aus eigener nachhaltiger Herstellung.

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