Nachgefragt bei der Next Generation"Jetzt haben wir die Chance zu zeigen, was wir können"

Viktor Stoyanov (21) vertritt die Wünsche und Erwartungen seiner Generation. Junge Menschen brauchen in seinen Augen eine Zukunftsperspektive, damit sie ihre Ziele motiviert und gewissenhaft anstreben können. (Bild: Privat)

Während des Corona-Lockdowns wurde der Betrieb vieler Hotels in Deutschland durch ihre Auszubildenden aufrecht erhalten. Viktor Stoyanov (21), dualer Student an der IUBH, schildert im Gespräch mit Tophotel, wieso Nachwuchskräften auch im betrieblichen Regelbetrieb mehr zugetraut werden sollte und was sich die nachrückende Generation von ihren Arbeitgebern wünscht.

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Viktor Stoyanov (21) ist dualer Student an der IUBH Internationale Hochschule im Fachbereich Management, Tourismus und Reisedienste. In seinem Praxisbetrieb Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg wurde er früh zum Bankett Supervisor befördert. Während des Shutdowns bildete er sich an der IST-Hochschule für Management in den Bereichen F&B und Front Office Management weiter. (Bild: Privat)

Tophotel: Herr Stoyanov, viele Nachwuchskräfte haben im Zuge der Corona-Krise die Chance bekommen, in ihren Ausbildungsbetrieben mehr Verantwortung als im Regelbetrieb zu übernehmen. Auch bei Ihnen war eine Krise der Auslöser für mehr Verantwortung. Welche war das und was war Ihr größtes Learning?

Viktor Stoyanov: Ich persönlich übernahm schon ein Jahr vor der Corona-Krise mehr Verantwortung als es für einen jungen Menschen, der sich noch in Ausbildung befindet, vielleicht üblich ist. Der Grund war damals eine Personalkrise, im Zuge derer ich die Chance bekam, vom dualen Studenten in die Rolle des Abteilungsleiters des Kongresszentrums im Van der Valk Hotel Berlin Brandenburg zu wechseln. Plötzlich war ich verantwortlich für die Mitarbeiterführung und den reibungslosen Ablauf von Veranstaltungen von bis zu 2.000 Personen. Vor allem die Erfahrung mit dem Umgang einer Krisensituation und den damit einhergehenden Problemen hat mich auf später folgende Herausforderungen und Ausnahmesituationen vorbereitet.

Wenig später folgte die Corona-Pandemie. Neben Ihrem dualen Studium bei Van der Valk sind Sie auch in den elterlichen Restaurantbetrieben tätig. Machten Sie sich Sorgen um Ihre Zukunft in der Hospitality Industrie? 

Der anfangs herrschende Personalmangel im Hotel verwandelte sich im Zuge der Corona-Pandemie zwar schlagartig in einen Personalüberfluss. Bedingt durch den temporären Verzicht auf Fremdfirmen und den Abteilungswechsel der eigenen Mitarbeiter sahen wir uns allerdings glücklicherweise nicht dazu gezwungen, den Hotelbetrieb zu schließen. Da auch die Berliner Restaurants meiner Eltern ein sehr gutes Take-away-Geschäft verzeichneten, kamen in mir keine Sorgen oder Ängste bezüglich meiner Zukunft in der Branche auf.

Sie entschieden sich nicht für die klassische Ausbildung. Was gefällt Ihnen besonders gut an Ihrem dualen Studium?

Der Wechsel zwischen den Theorie- und Praxiswochen ist eine wunderbare Möglichkeit, Gelerntes direkt im Unternehmen anzuwenden. Außerdem finde ich die Anwendung von Studienprojekten im eigenen Praxisunternehmen sehr spannend.

Was war aus Ihrer Sicht für die Nachwuchskräfte der Branche die größte Chance der Corona-Krise?

Man muss sich mal vorstellen, dass der Großteil der Hotelbetriebe in Deutschland fast ausschließlich von dualen Studenten und Azubis am Laufen gehalten wurde und teilweise auch immer noch wird. Das ist eine unglaubliche Chance für junge Nachwuchskräfte zu zeigen, zu was sie in der Lage sind. Ich denke und hoffe auch, dass viele Hotelbetriebe das Potenzial der Nachwuchskräfte für mehr Verantwortung nun erkennen und daraus resultierend künftig auch mehr Entwicklungschancen bieten.

Werden die Fähigkeiten von Berufseinsteigern in der Hotellerie Ihrer Meinung nach unterschätzt? 

Oft werden Berufseinsteigern leider nur begrenzte Kompetenzbereiche zugetraut, was vermutlich viele unentdeckte Talente unterdrückt. Vor allem in der Ausbildungsphase ist es enorm wichtig, dass Nachwuchskräfte die eigenen Stärken und Schwächen erkennen, um somit Entscheidungen für ihre Zukunft treffen zu können. Ich denke Mut ist das, was einigen Unternehmen fehlt. Mut für Neues, Mut zum Ungewöhnlichen und Mut, auch einmal die Grundregeln der Hierarchie zu brechen.

Was ist jungen Menschen in Bezug auf ihren Berufsweg wichtig und was erwarten sie in diesem Zusammenhang von ihren Arbeitgebern? 

Ich denke, junge Menschen wollen schon früh wissen, wo ihre Reise hingeht. Sie brauchen eine Zukunftsperspektive, damit sie ihre Ziele motiviert und gewissenhaft anstreben können. Da können Arbeitgeber eine entscheidende Rolle spielen, indem sie Karriereschritte in Aussicht stellen und auf die jeweilige Person zugeschnittene Anregungen geben. Das erfordert natürlich, dass sich jeder Betrieb intensiv mit den hinter seinen Mitarbeiter steckenden Persönlichkeiten auseinandersetzt.

Wie kann die Hospitality Industrie wieder mehr junge Menschen für sich gewinnen?

Wir sind Dienstleister und Macher. Wir lieben es, für unsere Gäste unvergessliche Momente zu kreieren und dafür tun wir alles. Immer wenn uns dies gelingt, wird dieser Moment auch für uns unvergesslich. Dabei sehe ich die freundschaftliche Bindung zu den Gästen als Grundstein für exzellenten Service. Ich denke, wenn es der Branche im Ganzen gelingt, dies zu transportieren, wird die Hospitality Industrie wieder interessant für viele junge Menschen.

Interview: Laura Schmidt


+++Kevin Köhler (27), Bachelorstudent Fachbereich Tourismus Management +++

Kevin Köhler steht kurz vor seinem Studienabschluss im Fachbereich Tourismus Management, welchen er in München absolviert. Im Video berichtet der gelernte Hotelfachmann, von welchen Studieninhalten er in der aktuellen Situation besonders profitiert und wie er seinem Berufseinstieg entgegenblickt.

 

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