Nach Umbenennung der "Zigeunersauce"Dehoga spricht sich für bedachte Wortwahl in der Gastro aus

Der Begriff "Zigeunersauce" ist nicht mehr zeitgemäß - da er negativ konnotiert sein kann. Deshalb hat die Firma Knorr nun ihr Produkt dieser Art umbenannt. Der Dehoga unterstützt diese Entscheidung. (Bild: Pixabay/Catkin)

Für eine bedachte Wortwahl in der Gastronomie haben sich die Verantwortlichen des Dehoga ausgesprochen. Hintergrund ist, dass die Firma Knorr angekündigt hatte, ihre „Zigeunersauce” aufgrund der Diskussionen um den Begriff umzubenennen.

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„Gute Gastfreundschaft ist geprägt durch eine respektvolle Beziehung zwischen Gastgeber und Gast. Dazu gehört natürlich auch die passende Wortwahl, die nicht verletzend und diskriminierend sein darf”, sagte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Entscheidung, ob und wann man eine Speisekarte “im Lichte gesellschaftlicher Debatten” anpasse, sei jedoch immer dem Unternehmen überlassen, so Ingrid Hartges weiter.

Am Sonntag war bekannt geworden, dass Knorr seine „Zigeunersauce” in „Paprikasauce Ungarischer Art” umbenennt. Der Begriff „Zigeunersauce” könne negativ interpretiert werden, so die Verantwortlichen.

Diskriminierende Verwendung des Begriffs “Zigeuner”

Der Begriff „Zigeuner” ist eine alte Sammelbezeichnung für verschiedene Volksgruppen. Der Zentralrat der in Deutschland vor allem lebenden Volksgruppen Sinti und Roma nennt den Begriff „eine von Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Angehörigen der Minderheit als diskriminierend abgelehnt wird”. Auch im öffentlichen Sprachgebrauch wird der Begriff so empfunden.

In der Küchentechnik wird der Begriff „Zigeunersauce” bereits seit mehr als 100 Jahren verwendet. Im Nachschlagebuch für die klassische Küche von Escoffier ist er schon 1903 zu finden. Er bezeichnet eine würzige, scharfe Sauce mit stückigen Einlagen und wird heute in der Regel aus Tomaten hergestellt, häufig mit Paprika, Zwiebeln, Essig und Gewürzen. Traditionell verbindet der Verbraucher die Sauce mit der Geschmacksrichtung ungarisch und scharf. Nach Angaben von Sinti und Roma entstammt die Sauce nicht ihrer Küche.

Langjährige Diskussion um Produktnamen

Der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma begrüßte die Entscheidung. „Es ist gut, dass Knorr hier auf die Beschwerden offenbar vieler Menschen reagiert”, sagte der Vorsitzende Romani Rose der Zeitung. Die Diskussion über den Produktnamen „Zigeunersauce” wird schon seit Jahren geführt. 2013 hatte Knorr eine Umbenennung noch abgelehnt. Auch der Zentralrat hatte damals vor einer dogmatischen Sprachregelung gewarnt und es abgelehnt, bei der Benennung der Sauce „Zigeuner” etwa durch „Sinti und Roma” zu ersetzen. Die generelle Debatte über diskriminierende Begriffe wird im Zuge der Rassismusdiskussion nach dem Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd in den vergangenen Monaten wieder heftiger geführt.

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