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StartBusiness & ManagementMonotalkDominic Müller im #Monotalk::Über das Thema Liebhaberei

Dominic Müller im #MonotalkÜber das Thema Liebhaberei

Dominic Müller hat seine größte Leidenschaft mit seinem Beruf verwoben: Den Hotelier packte schon im zarten Alter von sechs Jahren die Faszination für alte Autos. Mit dem Kauf des Ritter Durbach an der Badischen Weinstraße erfüllte er sich zusammen mit seiner Frau einen Traum und verwandelte das geschichtsträchtige Haus in ein Hotel für Auto-Enthusiasten und Freunde historischer Fahrzeuge und Classic Cars. Im Tophotel-Gespräch zum Thema Liebhaberei dreht sich alles um Entschleunigung, eine passionierte Klientel und einen auf den ersten Blick unerwarteten Aspekt: die Nachhaltigkeit.

Tophotel: Herr Müller, Der Ritter Durbach ist ein oldtimergerechtes Hotel, wie dürfen wir uns das vorstellen?

Dominic Müller: Nicht nur so, dass wir Oldtimer-Gäste willkommen heißen, das tun viele. Wir haben eine komplette mobile Hebebühne. Wir haben eine Werkstatt hier im Hotel, Werkstätten, mit denen wir kooperieren, die für uns auch mal sonntags aufmachen. Wir arbeiten Roadbooks aus. Wir organisieren Rallyes. Wenn es sich um Club-Ausfahrten handelt, machen wir das ganze Branding, bedrucken T-Shirts oder Jacken, fertigen Rallye-Plaketten und so weiter. Wenn man mit dem Auto auf der Route liegen bleibt, können wir mit dem eigenen geschlossenen Kfz-Anhänger einen Oldtimer hinbringen. Der Gast kann weiterfahren. Und nicht zu vergessen das Herzblut des Eigentümers, dass man da ins Benzingespräch eintauchen kann.

Wie sind Sie zum Oldtimer-Liebhaber geworden?

Ich habe schon als Sechsjähriger Oldtimermodelle gesammelt. Mein erstes eigenes Auto war selbstverständlich ein Oldtimer, ein VW-Käfer. Es gibt ja den Spruch: Wer sein Hobby zum Beruf macht, der braucht sein Leben lang nicht mehr zu arbeiten. Es ist natürlich überzogen, unsere Arbeit als Hobby zu bezeichnen, aber ein bisschen ist es so. Was man gern macht, da ist man auch gut drin.

Sie fahren selbst Oldtimer, darunter Porsche, Citroen und Moto-Guzzi-Zweiräder. Gibt es ein Lieblingsmodell?

Ich sage mal spaßeshalber der Porsche 911 von 1972, das bin so ein bisschen ich, vom Charakter her. Von außen eher schlicht, kein Spoiler, keine Verbreiterung. Gar nichts. Man sieht ihm nicht unbedingt seine Fähigkeiten und Kraft an.

Wie haben Sie ihn gefunden, diesen Porsche?

Man ist in der Szene sehr verflochten. Irgendwann hört man, in Karlsruhe steht einer bei einem sehr kleinen Händler, der sich auf diese Modelle spezialisiert hat. Den Porsche habe ich jetzt seit sechs Jahren. Ich denke nicht, dass ich den nochmal verkaufe. Aber es gibt durchaus auch Autos, die man hat, und dann merkt man, die fährt man gar nicht so viel. Ich bin kein Sammler. Ich fahre diese Autos. Das ist mir ganz wichtig. Ich gehe auch mit den Oldies auf die Rennstrecke. Dafür sind sie gebaut worden. Mit der ‚Göttin‘, der Citroen DS, sind wir bis zum Atlantik gefahren, mit der ganzen Familie in den Sommerurlaub.

Überall ist von der neuen Lust am Oldtimer die Rede.

Es ist die Faszination der Zeitreise. In der Diskussion um die Nachhaltigkeit finde ich einen Aspekt das Wichtigste: Die Elektromobilität ist für mich die größte Mogelpackung, die es gibt. Für die Batterie eines Teslas müssen Sie 17 Tonnen CO2 ausstoßen, bevor das Auto den ersten Kilometer gefahren ist. Über den Müll zur Herstellung und woher die notwendigen Rohstoffe gekommen sind, reden wir gar nicht. Über die Entsorgung auch nicht. Ein Oldtimer, mein Porsche 356 von 1956, da ist alles auf dem Betriebsgelände von Porsche hergestellt worden, nicht irgendwo in China. Der hat seitdem so gut wie keinen Müll produziert und fährt mit acht Litern auf 100 Kilometer. Ich kann mit dem im freien Verkehr mitfahren. Insofern ist für mich das Nachhaltigste, einen Oldtimer zu fahren. Die Laufleistung ist natürlich viel geringer. Ich fahre vielleicht pro Auto drei- bis fünftausend Kilometer im Jahr. Das heißt, der CO2-Ausstoß, den das Auto produziert, ist extrem gering. Und es produziert keinen Müll, keine Plastikstoßstangen oder sonst irgendetwas. Und es ist alles hier am Standort Deutschland produziert worden.

Nochmal zurück zur neuen Lust am alten Auto.

Dazu trägt sicher bei, dass Oldtimer jetzt ein Investitionsobjekt sind. Das Geld auf dem Sparkonto ist nichts mehr wert. Ich kann in Betongold investieren, ich kann in Oldtimer investieren. Das hat die Preise in die Höhe getrieben. Ich sehe das durchaus kritisch. Der Boom hat dazu geführt, dass viele Enthusiasten sich ihr eigenes Hobby nicht mehr leisten können. Viele Menschen, die an ihren Klassikern selbst schrauben, die das Thema als Kulturgut wirklich leben, die können sich plötzlich die Einspritzpumpe ihres Autos nicht mehr kaufen. Das ist ein Spekulationsobjekt geworden, zudem mit einem hohen Freizeitwert. Es ist Lifestyle, einem bestimmten Image entsprechend. Wenn ich einen Lamborghini, neuestes Modell, durch die Innenstadt von München fahre, heißt es: Was ist das für ein Proll. Wenn ich aber mit dem Oldtimer fahre, ist der Neidfaktor wesentlich geringer.

Ist für Sie das Sammeln eine Investition oder doch eher ein teures Hobby?

Es ist ja nichts Verwerfliches, wenn man das Auto teurer verkauft als man es einkauft. Für mich persönlich ist das nicht der Ansatz. Das Auto muss mich emotional ansprechen. Wenn es dann als Nebeneffekt eine Wertsteigerung hat, ist es perfekt. Das ist also nicht ein teures Hobby, sondern ich kann noch etwas refinanzieren. Für einen Unternehmer ist es ohnehin extrem interessant. Aufgrund der Ein-Prozent-Versteuerung auf den Neupreis bei der privaten Nutzung von Firmenwagen. Wenn ich ein Auto kaufe von 1956, dann können Sie überlegen, wo damals der Neuwagenpreis war in D-Mark. Dann zahle ich darauf gerne ein Prozent und habe einen perfekten Werbeträger, den ich steuerlich geltend machen kann.

Passt der Oldtimer in ein Slow-Life-Konzept, zur Entschleunigung, die ja gerade angesagt ist?

Da gebe ich Ihnen absolut recht. Was mache ich heute, wenn ich mit einem modernen Auto durch die Gegend fahre? Ich gebe ein Ziel ins Navi ein und es ist die dynamische und schnellste Route eingegeben. Beim Oldtimer ist das ganz anders. Da fahre ich abseits der Autobahnen, kurve auf wunderschönen Strecken, steuere Gasthäuser an, genieße das Leben. Wenn ich ein Cabrio habe, mache ich das Dach auf, vielleicht fahre ich in den Alpen schöne Pässe. Das ist die Rückbesinnung auf das Reisen. Das Reisen wie früher, vielleicht auch Kindheitserinnerung.

Was verbindet Oldtimer-Liebhaber? Was zeichnet sie als Gäste aus?

Das ist eine sehr schöne Frage. Menschen, die Oldtimer fahren, sind meist sehr sympathisch. Das sind genau die, die schöne Unterkünfte suchen, die auch relativ kaufkräftig sind. Sie sind Genießer, sie wollen etwas Schönes essen, guten Wein, schöne Routen. Wir waren damals Pioniere, als wir uns bewusst gesagt haben, auf dieses Publikum konzentrieren wir uns.

Pioniere bei was?

Mit unserem Marketing, uns auf die Oldtimer-Liebhaber auszurichten und auch professionell Miet-Oldtimer anzubieten. Das spielt keiner wie wir. Es gibt Mitbewerber, die es versucht haben, aber das merkt der Oldtimer-Fahrer sofort, ob das eine Herzensangelegenheit ist oder nur eine Businessidee.

Weckt das auch Interesse bei Leuten, die keinen Oldtimer besitzen?

Auf die zielen wir ab. Menschen, die selbst Oldtimer haben, würden bei uns keinen mieten. Es sei denn, ich habe ein Modell im Angebot, für das sich jemand besonders interessiert. Unsere Autos sind nicht beschriftet, nicht gebrandet. Der Gast soll das Gefühl haben, es ist meins.

Welche Soft Skills braucht ein Oldtimer-Liebhaber?

Ruhe, Gelassenheit, Suche nach Genuss. Wir nennen das Oldtimer-Wandern. Leute am Straßenrand winken. Die Daumen gehen hoch. Dieses Gefühl genießen die in vollen Zügen. Wenn ich abends durchs Restaurant laufe, gibt es immer drei Typen. Der erste ist der ganz normale Hotelgast, der zweite glänzt ein bisschen, hat eine Aura der Entspannung. Dann weiß ich, der war im Wellnessbereich. Und der dritte, der kriegt die Mundwinkel von den Ohrläppchen nicht runter und wartet darauf, dass ich endlich an den Tisch komme, damit er erzählen kann, was er erlebt hat, voller Enthusiasmus. Es gibt viele tollere Hotels als unseres. Wir wollten aber mehr bieten als Zimmer und Frühstück. Wir wollten Erlebnisse bieten, die hängen bleiben, die man seinen Freunden erzählt.

Womit kann man einen Oldtimer-Liebhaber richtig ärgern?

Ich ärgere mich, wenn mir jemand an den Kopf wirft, dass diese Autos die Umwelt verpesten. Auf diese Diskussion reagiere ich relativ allergisch. Das ist wahrscheinlich derjenige, der sich alle drei Jahre ein neues Auto kauft, enormen Müll und CO2-Ausstoß produziert und überhaupt keine Ahnung hat. Häufig spielt auch ein bisschen Neid mit und dann sagt man, das verpestet die Umwelt. Damit kann man mich verärgern. Aber: Oldtimer-Fahrer sind angenehme, sympathische Menschen, sie sind sehr, sehr schwer zu verärgern.

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