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StartHotel+TechnikDesign+InteriorMonastero Arx Vivendi: Zelebration in Zurückhaltung

Monastero Arx VivendiZelebration in Zurückhaltung

Wer die Ruhe und Abgeschiedenheit hinter Klostermauern sucht, dabei aber nicht auf Annehmlichkeiten verzichten möchte, ist in diesem Refugium gut aufgehoben. Öffentliche Bereiche und Zimmer befinden sich in den restaurierten Räumlichkeiten eines ehemaligen Frauenklosters, während der neu errichtete Wellnessbereich den Klostergarten auf neue Weise erlebbar macht.

Der Lago di Garda ist nicht nur der größte See Italiens, er zählt auch zu den liebsten Sehnsuchtsorten der Deutschen, mit seinem tiefblauen Wasser, den malerischen Uferstraßen und vielen Restaurants an den kleinen alten Häfen. Doch es gibt auch gute Gründe, nicht immer direkt an den häufig überfüllten See zu fahren.

Einen dieser Gründe liefert das neue Monastero Arx Vivendi in Arco, nur gut fünf Kilometer nördlich von Riva del Garda. Das Hotel befindet sich unweit der Altstadt und des mächtigen Burgfelsens. Auf diesem thronen die Reste jener mittelalterlichen Burg, die Albrecht Dürer im Jahr 1495 in Aquarellen dokumentiert hat.

Nicht nur das Umfeld, auch das Haus, in dem das Hotel mit seinen 40 Zimmern und Suiten untergebracht ist, ist voller Geschichte(n): Es handelt sich um den südlichen Teil eines im 17. Jahrhundert errichteten Klosters der Dienerinnen Marias. Diese bewohnen noch immer den nördlichen Teil des L-förmigen Gebäudekomplexes.

Alt und neu als unzertrennliche Einheit

Manche Gäste, die das Hotel erreichen, fragen sich, ob sie sich vielleicht in der Zieladresse geirrt haben. Denn zunächst deutet an der Via Mantova 13 kaum etwas auf ein Hotel hin: Es gibt keinen überdachten Eingang, keine Vorfahrt, keine Parkplätze und auch keine großen Lettern mit dem Hotelnamen. Was die Gäste stattdessen sehen, ist vor allem eine sieben Meter hohe Klostermauer. Das von zwei Koniferen flankierte Portal, über dem ein großes Relief eines Habsburger Adlers prangt, fällt erst auf den zweiten Blick auf.

Diese Eingangssituation ist keineswegs eine Unzulänglichkeit des vom Büro Noa Network of Architecture geplanten Hotelkonzepts, sondern den Auflagen des Denkmalschutzes geschuldet, der nirgendwo umfangreichere Interventionen in der alten Bausubstanz zuließ. Der unprätentiöse Zugang lässt aber auch erahnen, dass es beim Monastero Arx Vivendi weniger um oberflächliche Effekthascherei als vielmehr um gelebte Authentizität geht.

Dass es den jungen Gastgebern Stephanie Happacher und Manuel Mutschlechner mit dieser Idee ernst ist, wird schnell klar, wenn man sich ins Gebäudeinnere begibt. Kaum ist das Portal in der Klostermauer durchschritten, gelangen die Gäste in einen langen Korridor, an dessen Ende sich wie eine Fata Morgana der üppig grüne Klostergarten abzeichnet.

Die Aura des alten Klosters blieb dank der sensiblen Planung des Büros Noa Network of Architecture überall im Haus erhalten. (Bild: Alex Filz)

Während es draußen heiß und hell ist, erscheint der tonnengewölbte Gang angenehm kühl und in gedämpftem Licht. Zu sehen sind akribisch restaurierte Terrakotta-Bodenfliesen und Türrahmen sowie helle Kalkputzwände, die auf bemerkenswert selbstverständliche Weise mit den wenigen neuen Ausstattungselementen harmonieren – insbesondere feingliedrige schwarze Stahlrohrmöbel und -lampen.

An der Tagesbar können sich die Gäste mit Cocktails versorgen. Am morgen kann hier auch gefrühstückt werden. (Bild: Alex Filz)

Nach wenigen Metern gelangt man linker Hand zur Rezeption. Während dort die Details zur Zimmerreservierung geklärt werden, bietet sich die Gelegenheit, einen ersten Eindruck von dem in seiner Grundriss-Struktur augenscheinlich unveränderten historischen Erdgeschoss zu gewinnen.

Im Wesentlichen besteht der parallel um rund 15 Meter von der Klostermauer zurückversetzte Klosteraltbau aus zwei lichtdurchfluteten kreuzgewölbten Korridoren, die mehrere mittige Säle umschließen. Letztere beherbergen heute die öffentlichen Bereiche: die Rezeption, eine Lobby, den Frühstücksraum sowie eine Bar – allesamt ausgestattet mit hellem Terrazzoboden, natürlichen Kalkputzwänden und filigranen schwarzen Möbeln.

Von der Klosterzelle zum Hotelzimmer

Wer die Erkundungstour über eine der vier an den Korridorenden ins erste Obergeschoss führenden Treppen fortsetzt, findet sich in einem riesigen fensterlosen Flurbereich wieder, der eine im Vergleich zum Erdgeschoss komplett gegensätzliche Atmosphäre bietet. Der mit Terrakotta-Bodenfliesen versehene Raum, dessen Breite exakt jener der öffentlichen Bereiche entspricht, diente den Nonnen einst für morgendliche Rundgänge mit Gebeten. Die zu beiden Flurseiten dicht nebeneinander liegenden Holz-Türflügel führten einst direkt in die Klosterzellen der Nonnen.

Der heutige Erschließungsflur für die Zimmer im ersten Obergeschoss diente den Nonnen einst für morgendliche Rundgänge im Gebet. (Bild: Alex Filz)

Dass diese Vorstellung für die Gäste zum Greifen nahe ist, liegt – wie schon im Erdgeschoss – an der konsequent umgesetzten Idee, die Innenräume so sensibel zu restaurieren, dass überall noch der Originalzustand spürbar bleibt. Neu hinzugekommen sind in diesem Flurbereich lediglich eine Grundbeleuchtung mit zwischen den Holzbalken der Decke angebrachten LED-Leuchten sowie einige elegante, eigens entwickelte schwarze Stahlrohrlampen zwischen den Türöffnungen. Die originalen Holz-Türflügel sind nur dort geöffnet, wo sich die neuen Zugänge zu den heute insgesamt zwölf Zimmern befinden.

Zwei Zellen bilden einen Raum

Die 26 bis 35 Quadratmeter großen und rund fünf Meter hohen Hotelzimmer bestehen aus je zwei Zellen, wobei sich stets in einer Zelle der Schlafraum und in der anderen das Bad befindet. Nur wenige Materialien und Farben bestimmen das Bild: Im Wesentlichen sind dies Holzböden, Holzbalkendecken und Holz-Fensterläden, einfache schwarze Möbel sowie graue Boden- und Wandfliesenbeläge in Natursteinoptik in den Bädern. Die Nassbereiche in den Bädern sind als Raum im Raum konzipiert und lassen so die Raumhöhe voll zur Geltung kommen.

Nur wenige zurückhaltende Materialien und Farben bestimmen die Ausstattung: hier die Zimmer im neu ausgebauten Dachgeschoss. (Bild: Alex Filz)

Im ursprünglich nicht ausgebauten Dachgeschoss schufen die Architekten 26 weitere, zwischen 24 und 29 Quadratmeter große Zimmer, deren Ausstattung den Zimmern des ersten Obergeschosses entspricht. Dass sie dennoch völlig anders wirken, liegt insbesondere an der Dachschräge und ihrem Belichtungskonzept. Den Großteil des Tageslichts erhalten sie nicht über die kleinen Fenster in der Außenfassade, sondern direkt von einem großflächigen Dachoberlicht, das auch den schmalen Mittelflur belichtet. So entstehen Räume, die fast den ganzen Tag über direktes Sonnenlicht erhalten.

Die Loggia Suite im ersten Ober­geschoss war früher der Oberin vorbehalten. Heute dienen die Räume als großzügiges Refugium für zwei Personen. (Bild: Alex Filz)

Noch lichtdurchfluteter ist allein die 36 Quadratmeter große Loggia Suite in einem nach Osten, Süden und Westen orientierten Anbau im ersten Obergeschoss. Was früher das Zimmer der Oberin war, präsentiert sich heute als großzügiges Refugium für zwei Personen, die nicht nur über ein großzügiges Bad mit freistehender Badewanne verfügen, sondern auch über den einzigen privaten Freisitz des Hotels. Von hier aus eröffnet sich ein fantastischer Blick auf die umliegende Bergwelt und auf den Wellnessbereich im ehemaligen Klostergarten.

Nicht zuletzt weil dessen Unterbringung im Altbau aus Denkmalschutzgründen nicht infrage kam, präsentiert sich der Wellnessbereich heute als eigenständiger Neubau an der südlichen Klostermauer. Dieser besteht aus sieben eingeschossigen Baukörpern, die sich wie Gartenpavillons schachbrettartig entlang einer Mittelachse aneinanderreihen. Mit schwarzen Fassadenprofilen und raumhohen Glasfassaden, hinter denen sich unter anderem Ruhe- und Anwendungsbereiche, Saunas und ein Hammam befinden, erscheint der Wellnessbereich als klarer moderner Gegenpol zum historischen Gemäuer.

Verbindungsgang zwischen Alt und Neu

Zugleich tritt er durch seine architektonische Einfachheit und Maßstäblichkeit aber auch klar in den Hintergrund. Wesentlich in diesem Zusammenhang war die Entscheidung, den Wellnessbereich und den Klosteraltbau als eigenständige, visuell nicht miteinander verbundene Gebäude zu betrachten. Im Untergeschoss des Neubaus, in dem sich auch die neue Tiefgarage befindet, stellt ein unterirdischer Gang eine geschützte Verbindung zwischen beiden Gebäuden her.

Dank der allgegenwärtig unaufgeregt-ruhigen Gestaltung und des respektvollen Zusammenspiels zwischen Alt und Neu entsteht ein einzigartiges Ensemble, das den Gästen in jeder Hinsicht jene kontemplative Ruhe bietet, die sie hinter diesen Klostermauern erwarten. Die sieben Meter hohe historische Mauer wirkt dabei kein bisschen einengend, sondern viel eher als befreiende Abschirmung von der quirligen Außenwelt.

Wem das Monastero Arx Vivendi in Arco noch nicht abgeschieden genug ist, oder wer zwischen November und April vor verschlossenen Türen steht (in dieser Zeit herrscht überall am Gardasee Ruhe), dem steht es frei, sich direkt im Kloster der Dienerinnen Marias einzuquartieren. Die Nonnen bieten gegen freiwillige Spenden einige Einzelzimmer und sogar die Teilnahme an der Klostergemeinschaft an.

Roland Pawlitschko

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