Hoteltest A-Rosa SyltMit Luft nach oben

´ (Bild: Shutterstock)

Das im Baustil der klassischen Nord- und Ostseebäder errichtete Grand Spa Resort A-Rosa Sylt bezeichnet sich selbst als »Rückzugsort der Luxusklasse« und als »vollendetes Lifestyle-Domizil«. Ob die Zimmer, die Qualität der Küche, das 3500 Quadratmeter große Spa und der Service dieses Versprechen einlösen, überprüfte unser anonymer Hotel-Tester.

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SO. 15/07, 20:31 Telefonische Reservierung

Bei der Reservierungshotline meldet sich nur der Empfang, der sich jedoch außerstande sieht, eine Reservierung vorzunehmen. Unter einer Hotline versteht man eigentlich ein besonders gute und direkte Verbindung, doch hier bleibt der heiße Draht kalt. Ich werde gebeten, am nächsten Tag noch einmal anzurufen – mancher Gast würde jetzt abspringen und sich eine andere Bleibe suchen. Das Reservierungsgespräch am nächsten Tag verläuft sehr freundlich und durchaus informativ, aber nicht unbedingt optimal. Denn der Mitarbeiter reagiert vor allem auf Nachfragen und wird selbst zu wenig initiativ. Im Idealfall hätte Herr T. gleich eine Reservierung im begehrten Zwei-Sterne-Restaurant des Hotels sowie eine zeitige Buchung einer Behandlung im gut besuchten Spa empfehlen müssen (dies erfolgt dann erst in der schriftlichen Bestätigung). Mir werden Zimmer zwischen 358 und 518 Euro inklusive Frühstück angeboten, was sich mit den Preisen auf der Hotelseite sowie anderen Buchungsportalen deckt. Ich hätte das Zimmer gern ohne Frühstück, was aber leider nicht möglich ist. Mir wird mitgeteilt, dass es sich um ein Nichtraucherhotel handle und überall Rauchverbot sei, aber eine Raucherlounge zur Verfügung stünde. Ein Shuttle zwischen Bahnhof und Hotel existiert nicht, man verweist auf die dort ausreichend wartenden Taxis. Der Mitarbeiter wiederholt alle relevanten Daten und bedankt sich für die Reservierung (ein wichtiges und gern vergessenes Detail). Die ausführliche schriftliche Bestätigung erhalte ich umgehend.
Wertung: noch gut

MO. 23/07, 16:40 Check-in

An der Schranke am Resort-Eingang erwartet mich ein »wachhabender« Mitarbeiter, begrüßt mich freundlich und fragt nach meinem Namen. Als er diesen auf der Gästeliste sieht, werde ich eingelassen. Dies dient nicht nur der Sicherheit, sondern auch der Information der Rezeption. Dadurch werde ich bereits vom Kofferträger freundlich begrüßt und mit Namen angesprochen, auch der Rezeptionist kann mich gleich persönlich ansprechen. Ich muss auf dem Anmeldezettel noch meine Adresse eintragen, obwohl diese ja vorliegt. Der Mitarbeiter informiert kurz über die wichtigsten Einrichtungen im Hotel, eine Zimmerbegleitung gehört offenbar nicht zum Procedere. Dafür steht bereits der Kofferträger mit dem Gepäck an der Tür – er fragt, ob er noch etwas tun könne und wünscht einen schönen Aufenthalt. Ob es eine gute Idee ist, gleich am Empfang ein Zwei-Klassen-System zu fahren, darf gefragt werden. Die Gäste der Suiten haben einen eigenen Counter, an dem ein Schild mit »Gastgeber« steht – als ob nicht alle Gastgeber wären. Dezenter und persönlicher wäre es, die Suitengäste in ihrer Suite einzuchecken.
Wertung: sehr gut

Zimmer 272

Das Zimmer entspricht einem gewissen Verständnis von modernem Landhausstil, was vor allem an dem sandfarbenen Interieur und der Holzoptik liegt. Der Gast wird jedenfalls mit heller Freundlichkeit empfangen, klaren Linien und Formen, die Ruhe ausstrahlen. Die Schlichtheit ist vielleicht als Understatement gedacht, doch hat sie auch etwas von der Sachlichkeit massenkompatibler Möbelkataloge. Der halbseitige Meerblick wird eingelöst und hält den Kopf beweglich.

Die Begrüßung könnte persönlicher ausfallen: Es liegt lediglich ein gedrucktes allgemeines Begrüßungskärtchen vor, das noch nicht einmal unterschrieben ist. Ein Obstkorb oder ähnliches gehört offenbar nicht zum Welcome. Eine Kaffeemaschine oder einen Heißwasserkocher gibt es nicht. Immerhin beleben Orchideen das Zimmer.

Ein sympathisches Detail sind die täglichen Gästeinformationen, bei denen man über Aktivitäten, Restaurants, Ausflüge oder das Wetter informiert wird. Dort erfährt man auch von einer lobenswerten Resortführung, die mit einem Drink in der Bar endet.

Das Zimmer wurde sehr gut gereinigt und gelüftet übergeben. Die großen bodentiefen Fenster lassen sich ganz öffnen und wurden mit ansehnlichen und sonnenschutztauglichen Jalousien versehen, die sich angenehm leicht bedienen lassen.

Das kommode und mit stabilen Matratzen ausgestattete Bett bietet sehr guten Schlafkomfort, ebenso die äußerst angenehme Bettwäsche und die Kopfkissen. Die wichtigsten Lichtquellen lassen sich vom Bett aus bedienen. Der Schreibtisch bietet ausreichend Platz, die Steckplätze befinden sich in Arbeitshöhe. Der bequeme Stuhl ist ergonomisch bestens angepasst. Der Papierkorb wirkt nicht besonders schön, doch man hat sich aus Sicherheitsgründen für einen schwer entflammbaren entschieden. Das Internet ist im ganzen Haus kos­tenlos. Die Verbindung funktioniert schnell und problemlos. Der Flachbildschirm ist von angenehmer Optik und verschandelt nicht, wie so oft, das Zimmer. TV-Programm und Kanalübersicht liegen bereit. Einen DVD-Player gibt es ebenfalls, Filme kann man gegen Pfand am Empfang ausleihen. Das Zimmer bietet sehr viel Ablagemöglichkeiten und Stauraum, sogar ein selten zu erlebender Schuhschrank ist vorhanden. Der Minisafe (mit Steckdose) wurde in angenehmer Höhe angebracht. Angenehm auch der Ganzkörperspiegel im Flur sowie die praktischen Haken dort. Die Minibar ist brav bestückt: Nur Bier, Cola, Orangen- und Apfelsaft, Eistee und Wasser sind vorhanden. Es werden keine Weine, Sekte und Champagner oder Spirituosen angeboten, offenbar verlässt man sich auf die drei Hausrestaurants und den Roomservice. Vor allem aber kühlt die Minibar nicht korrekt, das Bier schmeckt deshalb nur fad.

An ausreichend Lektüre wurde gedacht. Die Hoteldirectory bietet alle wichtigen Informationen, macht aber die Orientierung nicht immer leicht: Roomservice findet man nicht unter diesem Stichwort (auch nicht in der englischen Version), aber auch nicht unter Etagenservice oder In-Room-Dining, sondern unter »Kulinarik« auf Extraseiten weiter hinten. Frühstück wird gar nicht erst aufgeführt, auch nicht in Form eines Tür-Hängers.

Negativ: Fest installierte Kleiderbügel mit Ösen zum Einfädeln sind nervig und völlig unnötig. So etwas ist eines Luxushotels unwürdig. Ein Koffergestell existiert nicht. Die eingebaute Kofferablage im Schrank taugt nichts und eignet sich höchstens für Kleingepäck, der Gast wird gezwungen, seinen Koffer auf dem Bett aus- und einzupacken (was nicht selten Hotelbetten beschmutzt). Es ist nur ein Telefon am Schreibtisch vorhanden (wenn auch ein schnur- loses), aber keines am Bett. Das Telefon ist alles andere als hilfreich. Die wichtigsten Servicenummern sind dort nicht zu finden und müssen stets von einem Extrablatt abgelesen werden.
Wertung: gut

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