Das im Baustil der klassischen Nord- und Ostseebäder errichtete Grand Spa Resort A-Rosa Sylt bezeichnet sich selbst als »Rückzugsort der Luxusklasse« und als »vollendetes Lifestyle-Domizil«. Ob die Zimmer, die Qualität der Küche, das 3500 Quadratmeter große Spa und der Service dieses Versprechen einlösen, überprüfte unser anonymer Hotel-Tester.
SO. 15/07, 20:31 Telefonische Reservierung
Bei der Reservierungshotline meldet sich nur der Empfang, der sich jedoch außerstande sieht, eine Reservierung vorzunehmen. Unter einer Hotline versteht man eigentlich ein besonders gute und direkte Verbindung, doch hier bleibt der heiße Draht kalt. Ich werde gebeten, am nächsten Tag noch einmal anzurufen – mancher Gast würde jetzt abspringen und sich eine andere Bleibe suchen. Das Reservierungsgespräch am nächsten Tag verläuft sehr freundlich und durchaus informativ, aber nicht unbedingt optimal. Denn der Mitarbeiter reagiert vor allem auf Nachfragen und wird selbst zu wenig initiativ. Im Idealfall hätte Herr T. gleich eine Reservierung im begehrten Zwei-Sterne-Restaurant des Hotels sowie eine zeitige Buchung einer Behandlung im gut besuchten Spa empfehlen müssen (dies erfolgt dann erst in der schriftlichen Bestätigung). Mir werden Zimmer zwischen 358 und 518 Euro inklusive Frühstück angeboten, was sich mit den Preisen auf der Hotelseite sowie anderen Buchungsportalen deckt. Ich hätte das Zimmer gern ohne Frühstück, was aber leider nicht möglich ist. Mir wird mitgeteilt, dass es sich um ein Nichtraucherhotel handle und überall Rauchverbot sei, aber eine Raucherlounge zur Verfügung stünde. Ein Shuttle zwischen Bahnhof und Hotel existiert nicht, man verweist auf die dort ausreichend wartenden Taxis. Der Mitarbeiter wiederholt alle relevanten Daten und bedankt sich für die Reservierung (ein wichtiges und gern vergessenes Detail). Die ausführliche schriftliche Bestätigung erhalte ich umgehend.
Wertung: noch gut
MO. 23/07, 16:40 Check-in
An der Schranke am Resort-Eingang erwartet mich ein »wachhabender« Mitarbeiter, begrüßt mich freundlich und fragt nach meinem Namen. Als er diesen auf der Gästeliste sieht, werde ich eingelassen. Dies dient nicht nur der Sicherheit, sondern auch der Information der Rezeption. Dadurch werde ich bereits vom Kofferträger freundlich begrüßt und mit Namen angesprochen, auch der Rezeptionist kann mich gleich persönlich ansprechen. Ich muss auf dem Anmeldezettel noch meine Adresse eintragen, obwohl diese ja vorliegt. Der Mitarbeiter informiert kurz über die wichtigsten Einrichtungen im Hotel, eine Zimmerbegleitung gehört offenbar nicht zum Procedere. Dafür steht bereits der Kofferträger mit dem Gepäck an der Tür – er fragt, ob er noch etwas tun könne und wünscht einen schönen Aufenthalt. Ob es eine gute Idee ist, gleich am Empfang ein Zwei-Klassen-System zu fahren, darf gefragt werden. Die Gäste der Suiten haben einen eigenen Counter, an dem ein Schild mit »Gastgeber« steht – als ob nicht alle Gastgeber wären. Dezenter und persönlicher wäre es, die Suitengäste in ihrer Suite einzuchecken.
Wertung: sehr gut
Zimmer 272
Das Zimmer entspricht einem gewissen Verständnis von modernem Landhausstil, was vor allem an dem sandfarbenen Interieur und der Holzoptik liegt. Der Gast wird jedenfalls mit heller Freundlichkeit empfangen, klaren Linien und Formen, die Ruhe ausstrahlen. Die Schlichtheit ist vielleicht als Understatement gedacht, doch hat sie auch etwas von der Sachlichkeit massenkompatibler Möbelkataloge. Der halbseitige Meerblick wird eingelöst und hält den Kopf beweglich.
Die Begrüßung könnte persönlicher ausfallen: Es liegt lediglich ein gedrucktes allgemeines Begrüßungskärtchen vor, das noch nicht einmal unterschrieben ist. Ein Obstkorb oder ähnliches gehört offenbar nicht zum Welcome. Eine Kaffeemaschine oder einen Heißwasserkocher gibt es nicht. Immerhin beleben Orchideen das Zimmer.
Ein sympathisches Detail sind die täglichen Gästeinformationen, bei denen man über Aktivitäten, Restaurants, Ausflüge oder das Wetter informiert wird. Dort erfährt man auch von einer lobenswerten Resortführung, die mit einem Drink in der Bar endet.
Das Zimmer wurde sehr gut gereinigt und gelüftet übergeben. Die großen bodentiefen Fenster lassen sich ganz öffnen und wurden mit ansehnlichen und sonnenschutztauglichen Jalousien versehen, die sich angenehm leicht bedienen lassen.
Das kommode und mit stabilen Matratzen ausgestattete Bett bietet sehr guten Schlafkomfort, ebenso die äußerst angenehme Bettwäsche und die Kopfkissen. Die wichtigsten Lichtquellen lassen sich vom Bett aus bedienen. Der Schreibtisch bietet ausreichend Platz, die Steckplätze befinden sich in Arbeitshöhe. Der bequeme Stuhl ist ergonomisch bestens angepasst. Der Papierkorb wirkt nicht besonders schön, doch man hat sich aus Sicherheitsgründen für einen schwer entflammbaren entschieden. Das Internet ist im ganzen Haus kostenlos. Die Verbindung funktioniert schnell und problemlos. Der Flachbildschirm ist von angenehmer Optik und verschandelt nicht, wie so oft, das Zimmer. TV-Programm und Kanalübersicht liegen bereit. Einen DVD-Player gibt es ebenfalls, Filme kann man gegen Pfand am Empfang ausleihen. Das Zimmer bietet sehr viel Ablagemöglichkeiten und Stauraum, sogar ein selten zu erlebender Schuhschrank ist vorhanden. Der Minisafe (mit Steckdose) wurde in angenehmer Höhe angebracht. Angenehm auch der Ganzkörperspiegel im Flur sowie die praktischen Haken dort. Die Minibar ist brav bestückt: Nur Bier, Cola, Orangen- und Apfelsaft, Eistee und Wasser sind vorhanden. Es werden keine Weine, Sekte und Champagner oder Spirituosen angeboten, offenbar verlässt man sich auf die drei Hausrestaurants und den Roomservice. Vor allem aber kühlt die Minibar nicht korrekt, das Bier schmeckt deshalb nur fad.
An ausreichend Lektüre wurde gedacht. Die Hoteldirectory bietet alle wichtigen Informationen, macht aber die Orientierung nicht immer leicht: Roomservice findet man nicht unter diesem Stichwort (auch nicht in der englischen Version), aber auch nicht unter Etagenservice oder In-Room-Dining, sondern unter »Kulinarik« auf Extraseiten weiter hinten. Frühstück wird gar nicht erst aufgeführt, auch nicht in Form eines Tür-Hängers.
Negativ: Fest installierte Kleiderbügel mit Ösen zum Einfädeln sind nervig und völlig unnötig. So etwas ist eines Luxushotels unwürdig. Ein Koffergestell existiert nicht. Die eingebaute Kofferablage im Schrank taugt nichts und eignet sich höchstens für Kleingepäck, der Gast wird gezwungen, seinen Koffer auf dem Bett aus- und einzupacken (was nicht selten Hotelbetten beschmutzt). Es ist nur ein Telefon am Schreibtisch vorhanden (wenn auch ein schnur- loses), aber keines am Bett. Das Telefon ist alles andere als hilfreich. Die wichtigsten Servicenummern sind dort nicht zu finden und müssen stets von einem Extrablatt abgelesen werden.
Wertung: gut
Bad
Obwohl das Bad sehr klein ist, hat man zwei Waschbecken untergebracht. Das Bad wurde im Grunde adrett gestaltet und verfügt auch über ausreichend Ablagemöglichkeiten und Stauraum, doch sind die beengten Platzverhältnisse störend.
Deshalb hat man auch gut daran getan, den großen Kosmetikspiegel hinter einem aufschiebbaren Spiegel zu verstecken, wo er nicht im Weg ist. Positiv: Die Fußbodenheizung kann auch bei warmen Außentemperaturen aktiviert werden, was wohltuend wirkt. Sie greift allerdings nicht flächendeckend und spart den WC-Bereich aus. Die Guest supplies sind von durchschnittlicher Qualität (Shampoo, Duschgel, Conditioner, Bodylotion), in einem Hotel, dessen Spa mehrfach ausgezeichnet wurde, erwartet man etwas mehr. Handtücher in verschiedenen Größen liegen bereit, wobei ein wirklich Großes fehlt. Nette Idee: Der Spiegel lässt sich verschieben und gibt den Blick ins Zimmer frei.
Negativ: Das WC ist eine winzige ungemütliche Zelle. Die Dusche muss erst lange inspiziert und ausprobiert werden, bevor man erkennt, welches die richtigen Hebel für die Kopfdusche von oben und die Handbrause sind. Außerdem fließt das Wasser nicht gut ab und strömt ins Badezimmer.
Es gibt 08/15-Badeschlappen, einen schweren, sehr großen und nicht gut geschnittenen Bademantel; die Schlaufen wurden nicht eingefädelt und fallen beim Öffnen des Bademantels herunter. Zudem fehlt am Bademantel die Aufhängschlaufe. Am rechten Wasserhahn ist der Senkhebel für den Abflussstopp abgebrochen (wird am nächs-ten Tag repariert). Der (im Prinzip sehr solide) Haartrockner ist in einer tief angelegten Schublade fest installiert und nötigt insbesondere größere Gäste zu tiefen Verbeugungen, da das Kabel nicht lang genug ausfällt. Wäre der Föhn nur mit einer Steckdose verbunden, könnte man ihn weiter oben platzieren, wo zwei Steckplätze vorhanden sind. Ein Telefon existiert nicht. Statt der kleinen Seife, die schnell unansehnlich wird, würde sich ein Seifenspender besser machen. Ich bin kein Freund von Waagen in Hotelbadezimmern, schon gar nicht in einem ausgewiesenen Gourmet-Hotel. Zudem sind sie auch hygienisch bedenklich, auch diese hier ist in keinem sehr guten Zustand. Positiv: Das Bad wurde tipptopp gereinigt übergeben.
Wertung: befriedigend
17:03 Wäscheservice
Ich übergebe eine stark verknitterte und eine kaum getragene Jacke zum raschen Aufbügeln. 46 Minuten später erhalte ich beide Kleidungsstücke gut bearbeitet wieder – es wird nur die aufwendig zu bügelnde Jacke berechnet (12 €), während die weniger strapazierte gratis bleibt. Das am nächsten Nachmittag übergebene Wäschehemd erhalte ich am Nachmittag des darauf-folgenden Tages sehr akkurat behandelt zurück (12,50 €).
Wertung: sehr gut
18:57 »Cucina della Mamma«
Der Name wirkt wie Etikettenschwindel, nichts präsentiert hier wirklich die Cucina Casalinga. Ich habe es an diesem Abend jedenfalls eher mit italienischem Fast Food zu tun. Dies ist nicht nur an der Serviergeschwindigkeit zu merken, sondern auch an der eilfertigen, groben und handwerklich unsauberen Art der Zubereitung. Das Essen wird keine zehn Minuten nach der Bestellung aufgetischt.
Die Orecchiette schwimmen in Öl, die groben Würfel Salsicciawurst sind von minderwertiger Qualität. Völlig mangelhaft fällt der angeblich »wilde Brokkoli« aus, von dem nur die unschönen faden Stängel in der Pasta-Terrine zu entdecken sind. Der versprochene Ziegenkäse ist nicht auszumachen, dafür aber reichlich Peperoni, der dem grundsätzlich blassen Gericht keinen wirklichen Pep, sondern nur plumpe Schärfe gibt. Für 15 Euro eine Dreistigkeit. Die Pizza mit drei verschiedenen Salamisorten fällt nicht einmal durchschnittlich aus. Die Salami gibt vor allem Fett ab, bringt aber keinen guten Geschmack ein. Der Teig ist nicht knusprig und vom Salamifett weich gemacht. Noch bevor die Weinkarte vorliegt, fragt der Kellner nach einem Aperitif. Viel anzubieten hat er nicht, weshalb ich einen Prosecco bestelle. Ich frage nach, um welchen Prosecco es sich genau handeln würde, worauf der Mitarbeiter leider nur »unsere Hausmarke« als Antwort übrig hat. Dies sagt gar nichts über die Qualität aus und ist nachlässig. Es wäre zudem unbedingt notwendig gewesen, darauf hinzuweisen, dass es sich bei diesem Prosecco um einen Frizzante und nicht um einen Spumante handelt, also um einen Perlwein und keinen Schaumwein. Darin liegt ein Preis- und Qualitätsunterschied – und fast immer ein Problem: Die meisten Gäste halten Frizzante für einen abgestandenen Schaumwein, weil er nur wenig Druck hat und kaum perlt. Bei dem A-Rosa-Prosecco handelt es sich auch noch um ein besonders schwächliches Produkt, dem gleich nach dem ersten Schluck die Luft wegbleibt und dann ziemlich still wird. Die Weinkarte bietet in der Mehrzahl schlichte Tropfen der unteren Mittelklasse, aber auch einige wenige anspruchsvolle Flaschen.
Eine Beratung findet nicht statt, die Kellner beschränken sich auf schnelles Servieren und meinen wohl, dass Tempo italienisches Temperament vorgaukeln könnte. Ihr rabenschwarzes Dress hat Mafiosi-Charakter, wirkt aber zu formell. Vor allem ist der Auftritt der durchweg männlichen Servicemitarbeiter (bis auf eine Ausnahme) nicht locker genug, fast niemand lächelt oder hat Zeit für ein persönliches Wort. Das Ambiente ist ansprechend, auch das Antipasti-Buffet (18 €) wurde attraktiv in Szene gesetzt.
Wertung: sehr mangelhaft
21:16 Lifestyle Bar
Die Bar könnte das Herzstück des Hotels sein, wirkt aber trotz schicker Ausstattung meist merkwürdig leblos. Irgendetwas scheint die Gäste vom Amüsement abzuhalten, jedenfalls trifft man sie meist schweigend oder flüsternd an. Der riesige Kamin hinter Glas und die lange Theke haben als effektvolle Eyecatcher Unterhaltungswert, doch will gerade eine Bar belebt sein. Der Service ist freundlich, könnte aber weit offensiver sein. Auf diese Weise wird aus einer Bar kein munteres Kommunikationszentrum. Aber auch sonst kommen die Angebote nicht über das Herkömmliche hinaus. Ich vermag auf der Barkarte keine eigenen animierenden Ideen oder Kreationen zu erkennen, die Spirituosen sind Standard.
Auch handwerklich überzeugt die junge Mitarbeiterin hinter der Bar nicht. Der »Planters Punch« gerät zu einem süßen Fruchtsaft, bei dem nicht ein Hauch von Rum zu spüren ist. Aus wenig guten Fertigprodukten wird der Modedrink »Hugo« zusammengeschüttet, der unangenehm chemisch schmeckt und nicht annähernd etwas mit dem Original zu tun hat. Nach diesen beiden Nieten verspüre ich keine Lust mehr auf weitere Drinks.
Wertung: mangelhaft
Nachrichtentransfer
Das Nachrichtenlicht am Telefon leuchtet, wenn man es über das entsprechende Logo aktivieren will, passiert jedoch nichts. Auf Nachfrage erfahre ich, dass der Gast dreimal die Sechs drücken muss, um die Nachricht abzurufen. Woher soll das ein Gast nur wissen? Der Rezeptionist meint, dies stünde in der Directory – wo ich diese Information aber nicht finde. Als ich unter 666 die Nachricht abrufe, kommt lediglich eine Ansage, die mitteilt, dass ich eine Nachricht erhalten hätte, was aber nicht zutrifft. Außerdem lässt sich das rot blinkende Licht nicht abstellen und stört in der Nacht. Mehr Verwirrung und Ärger in einem so kleinen technischen Segment ist kaum mehr möglich.
Wertung: ungenügend
Turndownservice
Ein zweiter Abendservice gehört nicht zum Standardrepertoire. Wer einen Abdeckservice wünscht, muss die Hausdame telefonisch verständigen, allerdings bis 17 Uhr. Nicht jeder liest jedoch die Hoteldirectory, wo dieser Service unter »Aufdeckservice« vermerkt ist. Am nächsten Abend wird indes plötzlich unaufgefordert ein Turndownservice vorgenommen, die verbrauchten Handtücher und Guest supplies werden ersetzt, auch an ein Betthupferl wird gedacht. Dies und andere Indizien wie erhöhte Aufmerksamkeit und Freundlichkeit sprechen dafür, dass der Hoteltester erkannt wurde.
Wertung: noch gut
DI. 24/07, 08:00 Weckruf
Der Weckruf kommt pünktlich mit Nennung der Uhrzeit. Der freundliche Mitarbeiter spricht mich persönlich mit Namen an, offeriert einen Reminder und wünscht noch einen schönen Tag. Der Wake-Up-Call am nächsten Morgen fällt noch ein wenig mehr nach Lehrbuch aus, der Mitarbeiter stellt sich persönlich vor, bietet ein Heißgetränk fürs Zimmer an und gibt eine kleine Wettervorhersage. Zudem hängt jetzt auch noch eine Zeitung an der Tür.
Wertung: gut
08:47 Frühstücksbuffet
Frühstück wird im asiatischen Restaurant »Spice« serviert, für Familien mit Kindern beim Italiener. Kinder können sehr lebhaft sein, was mit dem Ruhebedürfnis von anderen Gästen kollidiert, wobei gerade die Frühstückszeit am Morgen zu den besonders sensiblen Bereichen gehört. Beim Italiener geht es auch sehr lebhaft zu, während im Asialokal fast schon Sanatoriumsruhe herrscht. Im kinderfreundlichen Lokal gibt es zwar das gleiche Buffet, doch mehr auf kleine Gäste ausgerichtet, was sich in erster Linie in der leichteren Erreichbarkeit der Speisen ausdrückt (niedrigere Theken etc.).
Ich werde sehr freundlich begrüßt und zu einem freien Platz im Dünengarten geführt, wo man entspannt speisen kann. Zeitungen sind zu diesem Zeitpunkt keine mehr zu bekommen, wobei ich nur sehr wenige lesende Gäste bemerke. Das Buffet ist sehr appetitlich und raffiniert aufgebaut, alle Positionen sind beschriftet und bequem zu erreichen. An einer großen Kochstation kann man sich ohne Gedränge alle Eierspeisen frisch nach eigener Zusammenstellung zubereiten lassen, wobei die Rühreier mit Krebsschwänzen und Krabben tadellos ausfallen. Der Speck könnte weniger fettig und krosser sein, die Würstchen Nürnberger Art sowie die Frikadellchen wirken wie halbwegs durchschnittliche Convenience-Produkte und sind gerade einmal lauwarm. Der Linsensalat – im Grunde eine gute Idee – ist total unterwürzt. Da am Tisch weder Salz noch Pfeffer stehen, kommt es gelegen, dass die Laugenbrötchen extrem mit Salzkörnern übersät sind und damit ein kleines Salzfässchen ersetzen.
rundsätzlich ist die Brot- und Brötchenauswahl sehr gut. Der Käse kommt über passable Discounterware nicht hinaus, der Aufschnitt ist von durchschnittlicher Qualität. Positiv fallen zunächst die verschiedenen Sorten (Streich)wurst auf. Blutwurst und Leberwurst sind sehr gut, die Mettwurst nur ausreichend.
Auf einer Schiefertafel wird als »Aufschnitt des Tages« eine Pfeffersalami gepriesen, die dafür nur befriedigend ausfällt. Eine ausgezeichnete Idee ist das »Produkt des Tages«, bei dem an einem Tag Tomate und am anderen Pfefferminze eingesetzt wird, wobei ein Heftchen mit Produktinformationen dabeisteht. Am Pfefferminztag gibt es beispielsweise sehr gute hausgemachte Pfefferminz-Melonen-Marmelade und einen kalten Apfel-Minz-Tee.
Die Fischabteilung ist auf den ersten Blick zwar gut bestückt, könnte aber in der Qualität besser und typischer ausfallen. Forelle, geräucherten Lachs, Graved Lachs, Rollmops gibt es so auch in jedem Discounter. Frischer Räucherfisch, Aal oder Fischsalat würden das Buffet bereichern, fehlen aber. Manch eigene Idee, wie der hausgemachte Muffin, ist mehr gut gemeint als gut gemacht. Die Früchte- und Müsli-Abteilung zeigt sich üppig, vor allem die klein geschnittene Ananas und der Obstsalat überzeugen. Schön auch, dass es Feigen und anderes Trockenobst gibt. Süßgebäck wird ausreichend angeboten, darunter auch Waffeln und wechselnde Kuchen. Der Sandkuchen mit Vanillesoße aus der Packung ist Durchschnittsware. Das Sortiment Konfitüre/Marmelade/Honig (ein gutes Dutzend) präsentiert sich optisch und geschmacklich einwandfrei. Besondere Mühe gibt man sich mit den Getränken. Es sind verschiedene frisch gepresste Säfte zu haben, darunter ein sehr guter aus Äpfeln und Grapefruit. Zudem stehen dezent aromatisierte Wasser parat, wie man sie aus guten Spa-Abteilungen kennt (Tafelwasser mit Limette, Ingwer und Orange). Vorbildlich: In den Karaffen mit den frisch gepressten Obstsäften sind Rührsticks, zudem stehen sie auf Eis – sehr praktisch gelöst mit einer Halterung, in welche die Karaffen viel bequemer wieder zurückgestellt werden können, als wenn sie unmittelbar ins Eis gesetzt werden müssten. Der Prosecco steht im Sektkühler, daneben ist auch Wasser (still und sprudelnd) zu bekommen. Der bestellte Cappuccino wird akkurat zubereitet (Temperatur, braune Crema, Milchschaum) und schmeckt sehr gut.
Der weibliche Service tritt sehr freundlich auf, verhält sich beim Tellerabräumen aber etwas nachlässig. Der Tee wird leider schon ziehend im Kännchen serviert. Die Mitarbeiterin meint zwar, dass er erst 30 Sekunden ziehen würde, doch verschätzt man sich leicht bei den weiten Wegen zum Gast. Obwohl ich den Frischblatt-Teebeutel nach keinen weiteren 30 Sekunden herausnehme, schmeckt der Tee un- angenehm bitter. Der Wunsch nach einem neuen Grünen Tee wird leider zunächst falsch ausgeführt, denn ich erhalte einen laschen Kräutertee.
Für die optische Gestaltung hätte das Buffet die Wertung »ausgezeichnet« verdient, kommt aber bei der Qualität »nur« etwas schleppend auf »sehr gut«.
Wertung: »sehr gut«
Housekeeping
Die Abteilung leistet gute Arbeit. Das Zimmer inklusive Bett wird stets wieder gut hergerichtet, die Abfallbehälter geleert, verbrauchte Handtücher und Guest supplies ersetzt. Am ersten Tag wurden von drei Markierungen zwei übersehen, am nächsten keine einzige. Oft vergessen, hier aber nicht: Auch Notizblöckchen und Wäschesackformulare werden nachgeladen.
Wertung: sehr gut
Sicherheitsaspekte
Die Fluchtwege sind gut erkennbar (auch abends) und bei den Inspektionen auch nicht teilweise verbaut oder gar zugestellt. Das Housekeeping arbeitet nicht mit Gästelisten, aus denen Name und Zimmernummer hervorgehen könnte. Versuche an meine Zimmer- nummer zu gelangen, scheitern am Sicherheitsverständnis der Mitarbeiter.
Wertung: sehr gut
Flure, Aufzüge, Treppen
In diesen Bereichen, wie überhaupt im ganzen Hotel, wirkt alles sehr gepflegt. Zu keiner Zeit ist auch nur ein Krümel zu entdecken, auch kein Staub auf den zahlreich vorhandenen Bildern. Für einen Neubau von gewisser Größe sind die Aufzüge auffällig schmal.
Wertung: sehr gut
16:52 Roomservice I
Die Etagenkarte fällt sehr klein und standardisiert aus, es sind gerade einmal ein Dutzend Gerichte inklusive Süßspeisen zu haben. Bei drei Restaurants und einer Bar muss man sich auch in diesem Bereich vielleicht nicht überheben, ein wenig individueller und regionaler darf es aber auch im Kleinen schon sein. Die Bestellung wird von einem freundlichen Mitarbeiter entgegengenommen, der die angegebene Servierzeit von 20 bis 25 Minuten einhält und sich am Schluss für die Bestellung bedankt. Der Servierwagen ist hübsch eingedeckt und mit einer Orchidee dekoriert, das Clubsandwich kommt aus der Hotbox und ist noch angenehm warm. Der Mitarbeiter vergisst nicht den Abräumhinweis (ein entsprechendes Kärtchen ist nicht vorhanden) und wünscht noch einen schönen Abend. Clubsandwich und Pommes frites sind geschmacklich tadellos, doch ist das Sandwich mit zu großen Einzelbeilagen (Putenbrust, Tomate, Bacon, Salat, Avocadocreme) viel zu hoch getürmt und lässt sich auch mit Messer und Gabel nicht handlich und angenehm verzehren. Die Idee vom Clubsandwich war einmal, dass man es bequem aus der Hand essen kann. Der Etagenzuschlag beträgt fünf Euro.
Wertung: gut
Spa
Das Spa ist von stattlicher Größe, das beheizte und mit Meerwasser gefüllte Schwimmbecken hat nahezu olympische Ausmaße (Innen- und Außenpool). Von der mit Liegen und Betten ausgestatteten Empore hat man einen Blick über die Dünen. Auf die Gäste warten sechs verschiedene Themensaunen, arktische Kälteschauer aus dem Eisbrunnen, Thalasso-Therapie und vieles mehr. Im gesamten Spa mit seinen verwinkelten Ecken findet man (mit etwas Glück) nur einen einzigen Wasserspender, was für die Größe des gesamten Areals zu wenig ist. Ein Schwimmbad trocken zu halten, ist kaum möglich, doch geht es hier am Beckenrand dauerhaft sehr rutschig zu, was schnell zur Gefahr und einem Versicherungsfall werden kann. Gleiches gilt für die meist nassen Umkleidekabinen. Dort fehlt es an jeglichen Guest supplies, auch ein Hinweis, dass es solche auf Nachfrage gibt, findet sich nicht.
Dünengarten
Der Garten ist umgeben von Hügelland, das leider den Blick aufs Meer verstellt. An manchen Tagen ist der durchweg freundliche Service sehr aktiv, an anderen weit weniger im Einsatz. Nicht im Einsatz sein sollten Glasflaschen und Gläser, die sich in diesem Bereich aus Sicherheitsgründen nachteilig auswirken könnten. Es fehlt grundsätzlich an Handtüchern, die hier an einer Station zu haben sein sollten (und nicht nur an der weit entfernten Spa-Rezeption). Vom Service werden kalte Tücher gereicht, auf Wunsch mit Clarins-Duft. Auch Smoothies und Milchshakes machen zum Nulltarif die Runde und werden von den Gästen gern angenommen. Die Tuben mit Sonnencreme kommen dagegen weniger gut an, da offenbar jeder damit selbst ausgestattet ist. Am meisten würde der Service jedoch gebraucht, wenn es darum geht, die schwer aufzurichtenden Sonnenschirme in Stellung zu bringen. Viel zu oft müssen Frauen und ältere Gäste selbst Hand anlegen und mühen sich regelrecht ab. Gerade am Vormittag könnte der Service präsenter sein, aber auch sonst sollte immer jemand zur Stelle sein. Die Spa-Rezeption ist dagegen meist überbesetzt, nicht sind dort drei und mehr Mitarbeiter, die sich im Dünengarten weit nützlicher machen könnten.
Die Sonnenliegen stehen recht eng beieinander, mehr Platz konnte denen unter Naturschutz stehenden Dünen wohl nicht abgerungen werden. Die Sonnenliegen sind sehr schwer zu manövrieren. Der Garten wurde weitgehend mit Holzplanken ausgelegt, die optisch gut in die Landschaft passen, akustisch aber nerven. Auf diesen Planken geraten selbst die Schritte von leichtgewichtigen Models so monströs, dass sie zur Geräuschbelästigung werden. Der Ruhesuchende, Lesende oder in der Sonne Dösende wird permanent gestört. Wenn man beobachtet, wie oft sich die Gäste ständig aufs Neue nach der Sonne ausrichten und dabei einen ziemlich Lärm beim Herumrutschen machen, wird überdeutlich klar, dass leichtere und mit Rollen ausgestattete Liegen vorteilhafter wären.
Spa-Behandlung
Das Behandlungsangebot ist ausgesprochen vielseitig und anregend sowie gut in den Informationen beschrieben.
Ich habe eine Fußreflexzonenmassage gebucht (75 €, 50 Min.), die gleich mit einem Terminkärtchen auf dem Zimmer bestätigt wurde. Der Physiotherapeut ist pünktlich, begrüßt mich freundlich und bietet mir ein Getränk an. Auch sonst agiert Mitarbeiter J. vorbildlich. Er fragt, ob die Temperatur und die dezente Musik im Behandlungsraum so recht wären, später auch, ob sein Massagedruck angemessen ausfallen würde. Er informiert sehr genau über die Behandlung, doch hat Herr J. nicht nur theoretisch sehr gute Kenntnisse, er beherrscht sein Handwerk auch ausgezeichnet. Der Behandlungsraum ist keine umgebaute Besenkammer (wie selbst in Fünf-Sterne-Hotels immer noch zu erleben), sondern ein akkurat gepflegter und ansehnlich gestalteter Raum. Der Mitarbeiter bietet mir am Schluss noch einen frischen Tee an und geleitet mich in den Ruheraum.
Spa-Gesamtwertung: gut
Fitness
Das Gym wurde nicht in das Spa integriert, sondern befindet sich oberhalb des Kinderclubs. Der angenehm große Raum wurde mit neuesten Cardiogeräten ausgerüstet. Er ist optimal temperiert und wird von einem Mitarbeiter betreut. Der Wassercontainer ist nicht zu übersehen, es liegen ausreichend Handtücher parat. Die bodentiefen Fenster ermöglichen einen schönen Panoramablick auf Nordsee und Dünen. Dieser Blick ist zwar weitaus schöner, doch haben viele Geräte auch einen Monitor.
Wertung: sehr gut
17:06 Roomservice II
Der Etagenservice arbeitet während des Testbesuchs sehr freundlich und effizient. Die Servierzeiten werden eingehalten, der Trolley ist hübsch eingedeckt und mit einer Orchidee dekoriert, auch wenn nur eine Currywurst bestellt wurde. Diese schmeckt gut und wird mit einer hausgemachten, dunklen kräftigen Soße serviert.
Wertung: sehr gut
20:43 »Spice«
Das asiatische Restaurant bietet zwei Sitzungen an (18 und 20.30 Uhr), was grundsätzlich hinderlich wirkt und Gäste unnötig reglementiert. Offiziell wird dies mit den Familien und ihren Kindern erklärt, die gern früh speisen möchten. Das Lokal hat eine Sushi-Station mit Barplätzen, was vor allem für Singles sehr angenehm ist, die sich dort nicht so allein fühlen wie am Tisch und auch mit anderen Gästen leichter ins Gespräch kommen. Es ist kaum noch ein Platz zu finden, doch ziehe ich ohnehin die Terrasse vor, da die offene Küche intensive Gerüche verbreitet und eine unangenehme Stickigkeit herrscht. Das Lokal ist attraktiv gestaltet und verbreitet eine heitere lockere Atmosphäre. Der an diesem Abend ausschließlich weibliche Service tritt in jeder Hinsicht angenehm auf, doch gerade Restaurantleiterin F. fällt nicht allein durch ihre aparte Erscheinung, sondern auch durch Freundlichkeit und Sachkunde positiv auf. Die Speisekarte ist sehr anregend aus und stimmt neugierig.
Neben einigen Sushi- und Sashimi-Standards werden auch andere Varianten offeriert: flambierte Lachs-Roll, Tuna Teriyaki oder Crunchy Chicken. Die Karte orientiert sich allgemein am Asiatischen – Japan, Thailand, China, Korea. Die deutsch-japanische Küchenchefin gerät dabei aber nicht ins Beliebige, die Speisen erscheinen sehr überlegt ausgewählt. Aus dem Sortiment Ura Maki Rolle stammt Crunchy Chicken: gebackenes Huhn, Avocado, Paprika, Gurke und Teriyaki-Soße. Sehr harmonisch aufeinander abgestimmt, ein schöner Appetizer. Hinter »Pulpo rauchig« steckt gegrillter Tintenfisch mit Nashi-Birnen-Gelee, Algensalat, Nashi-Birnen-Püree und Räucherteefond. Eine hervorragende Kombination, wobei süßliche Nashi-Birne und Räucherteefond die Pointen setzen. Der sehr gute Langustino ist ebenfalls eine asiatische Allianz aus lauwarmem Langustino, Krustentierfond, Erbsen-Chilipüree, Zuckerschoten und Chilo-Mayo. Das kleine Zwischengericht wäre noch besser gewesen, wenn der überaus intensive Krustentierfond den sehr zarten Langustino nicht übermächtig dominiert hätte. Der »Lachs zart« zeigt die gleiche gute Produktqualität und eine kreative Gestaltung wie die anderen Gerichte. Der Lachs wird dabei als Tatar und pochiert serviert, dazu gibt es Avocadocreme, Couscous asiatisch gewürzt und Ponzu-Vinaigrette.
Wertung: sehr gut
Geräuschbelästigung
Bereits um 7 Uhr wird der Gärtner auf dem Dachgarten unmittelbar vor dem Fenster aktiv, was sich auch durch Arbeitsgeräusche mit der Handschaufel bemerkbar macht. Da die meisten Gäste bei diesem Wetter bei offenem Fenster schlafen, hört man die Arbeiten sehr deutlich und muss sie als störend empfinden. Wie ich zufällig miterlebe, beschwert sich auch ein Gast darüber. Dass der Gärtner seine Arbeit lieber zu einer Zeit verrichtet, zu der die Temperaturen noch mild sind, versteht man, doch die Bedürfnisse der Gäste haben Vorrang.
Location
Das Hotel liegt in List im nördlichen Teil der Insel mit Blick auf das Festland. Für Strandkörbe ist hier kein Platz, selbst ein Strandlauf bringt auf diesem auch noch mit Algen übersäten Terrain keine Freude. Dieses Defizit versucht man mit einem Dünengarten auszugleichen, dem aber wiederum der Meerblick fehlt.
An der Architektur des Flachbaus mit seinen Gitterbalkonen scheiden sich nach wie vor die Geister. Dem klobigen Gebäude fehlen Ästhetik, Charme und Charakter, vor allem erscheint es in dieser Umgebung mit den gemütlichen Reetdachhäusern wie ein Fremdkörper.
Bankett
Die Kontakte mit dieser Abteilung verlaufen freundlich und professionell. Anfragen werden zügig und gründlich bearbeitet. Bereits auf der Webseite des Hotels werden viele Informationen für Veranstaltungen aller Art geboten.
Wertung: sehr gut
Smokers Lounge
Die Lounge ist der einzige Ort, an dem geraucht werden kann, wobei mehr Zigaretten- als Zigarrenraucher anzutreffen sind. Der stets gut belüftete Raum ist ansprechend gestaltet, wird tipptopp in Schuss gehalten und auch vom Service keineswegs vernachlässigt.
Wertung: sehr gut
MI. 25/07, 19:08 »La Mer«
Die Erwartungshaltung ist enorm, das Restaurant wird mit zwei Sternen im »Michelin« und 17 Punkten im »Gault Millau« sehr hoch bewertet. Muss man deshalb jedoch ein Restaurant im Auftritt durch Design und Service so gestalten, dass man zwanghaft Seriosität vermitteln möchte und dabei Atmosphäre verloren geht? Das strenge Ambiente in Steingrau und Edelmetall-Look korrespondiert jedenfalls mit dem sehr formellen Service, welcher erst im Laufe des Abends allmählich auftaut und ein Lächeln auflegt. Vielleicht liegt das Verhalten aber auch an einer Serviceuniform, wie sie an Tristesse nur die Deutsche Bundesbahn zu bieten hat. Die Mitarbeiter tragen obendrein billige Namensschildchen, als würden sie auf einer Messe arbeiten. Die einzige weibliche Mitarbeiterin im Service wird auch noch genötigt, zu der blau-grauen Uniform eine Krawatte zu tragen. Es ist fast schon bewundernswert, dass sie dennoch besonders freundlich auftritt.
Auf der Karte stehen lediglich zwei Menüs (145 – 155 €), Einzelgerichte werden nicht angeboten. Diese doktrinäre Haltung könnte aufgelockert werden, indem man die Menüpositionen auch einzeln mit jeweiliger Preisangabe offeriert oder die Menüs von drei bis sechs Gängen staffelt und damit preislich angenehmere Varianten bereithält. Dies bemängelt auch der Gourmet-Guide »Gault Millau« und kritisiert außerdem, dass die Menüs zu selten wechseln würden. Auf meine Nachfrage kann ich statt fünf oder sechs Gängen aber auch nur vier bekommen. Die Menüs und ihre elf Gänge enthalten erstaunlicherweise nur einen einzigen Fischgang (sonst gibt es nur Schalen- und Krustentiere).
Der Reigen beginnt mit feinsinnigen Amuses Bouches, die bereits die Extraklasse der Küche spüren lassen. Es wird enormer Aufwand und Detailliebe betrieben. Hinzu kommt eine selten zu erlebende Butterauswahl von fünf verschiedenen Sorten, darunter solche mit Meeresalgen und Yuzu-Citrus. Dazu werden verschiedene Brote, Brötchen und Backwaren serviert. Fast schon zu viel des Guten: Wer sich nicht diszipliniert, ist jetzt schon satt und kann das eigentliche Menü weniger genießen. So einfach klingende und doch ausdrucksvoll entworfene Gerichte wie die Lachsforelle mit Joghurt und Granatapfel und die noch komplexeren gebratenen Jakobsmuscheln mit Chorizoschaum, Estragon-Eis und Limonenstampf belegen die Grundzüge der Küche: Erstklassige Produkte werden durch handwerklich Präzision zu Glanzstücken, die eine geschmack-sichere und höchst feinsinnige Kombination erfahren. Beim Lamm mit rotem Zwiebelpüree, Paprika-Crème-Brûlée, Ratatouille und Basilikumjus bekommt man beinahe das Gefühl, in einem anderen Lokal zu sein. Das Gericht ist keineswegs misslungen, es fehlt ihm aber die Finesse, die sonst die Küche auszeichnet. Das Lamm ist nicht optimal gegart, (die Lammzunge tadellos), die Paprika ist kaum mehr als eine vordergründige Beilage, das Zwiebelpüree fällt eher plump aus, dem Basilikumjus fehlt das Aroma. Der einzig etwas schwache Gang in einem sonst sehr guten bis großartigen Menü, das den Höhepunkt sogar mit dem Dessert setzt. Fenchel mit grünem Apfel, Limette und Sesam hört sich vielleicht harmlos an, ist aber so sublim und gleichzeitig expressiv, dass man ergreifend von einem Meisterwerk der Patisserie sprechen kann. Bei diesem, aber auch bei anderen ungemein aufwendigen Desserts von Patissier Christian Hümbs, kommen viele Komponenten, Festes und Flüssiges, Cremiges, Knuspriges und Eisiges zusammen, die aber nie überstrapaziert werden, vollendet harmonisch ineinander greifen und sich gegenseitig intensivieren. Auch die Pralinenauswahl ist einzigartig und wird in einem beleuchteten Kubus aufsehenerregend präsentiert. Am Ende des Abends macht Küchenchef Sebastian Zier die Runde, bescheiden und sympathisch.
Die Weinkarte ist sehr gut und zeigt vor allem bei Deutschland und Österreich Stärke und Entdeckerfreude. Die Weine werden vom Sommelier kompetent interpretiert, die Beratung ist dezent und nicht übereifrig. Der Service könnte insgesamt jedoch ein wenig mehr Nonchalance und offensiven Charme zeigen, tritt aber überaus korrekt und höflich auf.
Wertung: ausgezeichnet
DO. 26/07 Schuhputzservice
Man soll die Schuhe bis 23 Uhr auf dem dafür bereitliegenden Tablett vor die Tür stellen. Ich überziehe diese Vorgabe um eine halbe Stunde, wobei die Schuhe dennoch mitgenommen werden. Sie stehen am nächsten Morgen perfekt gewienert in einem schwarzen Säck-chen auf dem Tablett, mit einer Schleife und der Aufschrift »A-Rosa Schuhputzservice für Ihren perfekten Auftritt«.
Wertung: sehr gut
09:39 Etagenfrühstück
Eine Speisekarte oder ein Türhänger liegen nicht auf dem Zimmer aus. Ich bestelle Rührei mit Krabben, Brot/Brötchenauswahl, Aufschnitt, Obst sowie Grünen Tee. Der freundliche Mitarbeiter nennt eine Servierzeit von 20 bis 25 Minuten, bedankt sich für die Bestellung, wiederholt diese jedoch nicht. Sie wird innerhalb der genannten Zeit von einem höflichen Mitarbeiter serviert, der auch nicht den Abräumhinweis vergisst und noch einen schönen Tag wünscht. Ich erhalte ein »Best of« vom Frühstücksbuffet und noch ein wenig mehr. Beim Obst sind Mango und Himbeeren zu finden, die bislang noch nicht auf dem Buffet zu entdecken waren. Obst und Aufschnitt sind adrett auf einer Etagere, wobei das Obst geradezu kunstvoll dekoriert wurde. Die Brot/Brötchenauswahl ist sehr gut, frische und nicht abgepackte Butter wird ausreichend gebracht. Wurst und Käse sind so wie ich es vom Buffet kenne, also eher solider Durchschnitt. Das Rühr-ei mit Krabben wird unter der Cloche in der Hotbox gebracht und ist entsprechend gut warm. Marmelade und Honig werden hübsch auf einem Display angeordnet, mit drei verschiedenen Löffelchen. Der Orangensaft wurde schön aufgeschäumt und ist wirklich frisch gepresst (der am Buffet wirkt wie ein Direktsaft mit Alibi-Orangenfasern). Der Tee wird ganz korrekt neben dem Kännchen serviert.
Wertung: sehr gut
13:41 Check-out
Ich hatte am Vorabend um eine spätere Abreise gebeten (normal ist Check-out bereits um 11 Uhr), was mir großzügig gewährt wurde. Der Check-out wird sehr freundlich und doch zügig abgewickelt. Die natürlich lächelnde Mitarbeiterin fragt zunächst, wie mir der Aufenthalt gefallen habe, und dann erst nach dem aktuellen Stand des Minibarverbrauchs. Ich bekomme zunächst einen Infoausdruck der Rechnung 1.658,50 €), alles ist korrekt gebucht. Ich erhalte unaufgefordert die Einzelbelege zur Durchsicht, die abschließend gemeinsam mit der richtigen Rechnung in einem Umschlag überreicht werden. Frau F. wünscht noch eine schöne Heimreise und hofft, mich bald wieder als Gast begrüßen zu können. Vorbildlich.
Wertung: sehr gut
Lost & Found
Ich werde noch auf meiner Fahrt zum Bahnhof auf dem Handy angerufen und darüber informiert, dass man das von mir im Zimmer »vergessene« Utensil entdeckt habe und es mir zuschicken werde. Das Päckchen mit dem Fundstück wird von einem persönlichen und freundlichen Brief begleitet.
Wertung: sehr gut
Bilanz
Das A-Rosa Sylt ist ein schickes und für die Insel erstaunlich modernes Hotel mit teilweise herausragender Gastronomie und einem bemerkenswerten Spa. Das Manko der fehlenden Strandlage wird mit dem großen Meerwasser-Pool etwas aufgefangen.
Das Fünf-Sterne-Hotel ist sehr akkurat im Design, was mitunter eher sachlich als lebendig erscheint. Grundsätzlich könnte auf allen Ebenen mehr Herzlichkeit und Individualität zu spüren sein. Die Standard-zimmer und -bäder sind gemessen am Preis enttäuschend. Das Hotel könnte mehr Urlaubsgefühl verbreiten und wirkt auch durch den formellen Auftritt einiger Mitarbeiter zu sehr wie ein Stadthotel. Das A-Rosa Sylt hat genug Potenzial, um zu noch besseren Leistungen fähig zu sein.
Gesamteindruck: 67 %
Testurteil: gut
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!