Vom Jahrhundert-Hochwasser an der Ostsee am vergangenen Wochenende war das Hotel Hafen Flensburg besonders betroffen. Geschäftsführerin Kirsten Herrmann geht von einem Millionenschaden aus und hofft auf Landeshilfe.
Vor der Wand liegen die Holztrümmer des Fußbodens. Das 4-Sterne-Hotel Hafen Flensburg hat unter dem Jahrhundert-Hochwasser in der Fördestadt in der Nacht zum Samstag besonders gelitten – trotz Spundwänden. „Wir sind manchmal den Tränen nahe und manchmal denken wir: Scheiß drauf“, sagte Geschäftsführerin Kirsten Herrmann am Dienstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie gebe aber nicht auf. „Hilft ja nix.“
Das 69-Zimmer-Hotel, ein Ensemble aus acht verschiedenen Häusern, ist derzeit vorübergehend geschlossen. Drinnen steht ein Trocknungsgerät. Wegen der Lage direkt am Wasser habe sie keine Versicherung, die im Fall der Sturmflut greife, so Herrmann. Die Arbeiten in dem Betrieb laufen auf Hochtouren, die Geschäftsführerin berichtete von großer Solidarität. „Wir hoffen, dieses Jahr noch zu öffnen.“ Bis dahin wünscht sie sich rasch Kurzarbeitergeld für die rund 60 Mitarbeitenden.
Kirsten Herrmann, Geschäftsführerin Hotel Hafen Flensburg:
"Was wir nicht wussten ist, dass das Wasser 30 Stunden stehen wird."
„Das ist bereits das dritte Hochwasser, das wir seit 2016 erlebt haben“, sagt Herrmann. Ihr Team sei darauf vorbereitet gewesen, die Spundwände seien 1,40 Meter hoch. „Was wir nicht wussten ist, dass das Wasser 30 Stunden stehen wird.“
Politik sichert finanzielle Unterstützung zu
Die Stadt hatte in der Nacht zum Samstag ein Jahrhundert-Hochwasser erlebt. Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie erreichte der Pegel einen Höchststand von 2,27 Meter über dem Normalwert. Teile des Hafengebiets waren überflutet. Ein ähnlich hoher Wert war in Flensburg zuletzt 1904 mit 2,23 Meter gemessen worden.
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther und Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack, beide CDU, haben sich vor Ort über die Schäden informiert. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Fabian Geyer sprachen sie mit Verantwortlichen und Betroffenen wie Hotelchefin Kirsten Herrmann.
Günther sicherte dem Hotel Unterstützung zu: „Das hier ist zum Beispiel ein Härtefall.“ Wenn es darum ginge, akuten Hochwasserschutz sicherzustellen, könnten Betroffene schnell Aufträge vergeben. „Das ist sozusagen die Maßgabe.“ Die finanziellen Fragen würden im zweiten Schritt geklärt.
Die Landesregierung hat sich am Montag auf finanzielle Hilfen für Betroffene verständigt. Sie will denjenigen mit Darlehen helfen, die bis zur Auszahlung von Versicherungen eine Überbrückungshilfe brauchen. Eine Härtefallregelung soll für Menschen greifen, denen ein Versicherungsschutz aufgrund einer hochwassergefährdeten Gebäudelage verwehrt wurde.
„Es gibt in bestimmten Hochwasser gefährdeten Bereichen die Problematik, dass es gar keine Versicherung gibt“, sagte Günther. „Hier werden wir eigene Zuschüsse entwickeln, die Menschen nicht alleine zu lassen. Auch das werden wir so schnell wie möglich auf den Weg bringen.“
Gasthausbrauerei am Hafen auch betroffen
Ebenfalls am Flensburger Hafen liegt die Hansen Brauerei. „Im ganzen Betrieb stand das Wasser 30 Zentimeter hoch“, sagte Besitzer Franz-Dieter Weiß. Der Betrieb geht aber weiter. Weiß hofft, bereits in der kommenden Woche auch wieder selbst brauen zu können. „Wir wollen ja nicht gerne fremdes Bier dazu kaufen.“ Er hat die Brauerei 1989 gegründet. Zur Schadenshöhe könne er noch keine Angaben machen.
Land plant besseren Schutz der Ostseeküste
Schleswig-Holstein will den Küstenschutz im Osten des Landes nun generell verbessern. „Die vergangenen Tage haben uns die Verwundbarkeit der Ostseeküste durch die Klimakrise schonungslos vor Augen geführt“, sagte Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) der dpa. „Wir werden beim Küstenschutz unseren Fokus stärker auf den Osten des Landes richten müssen – ohne dabei an der Nordsee auch nur ein Jota weniger zu machen.“ Diese Anstrengungen würden Land und Gesellschaft etwas kosten. „Das sollte es uns wert sein, denn es geht um nichts weniger als die Sicherheit der Menschen in unserem Land.“ Am 1. November will das Land mit den Kommunen zudem über den geplanten Wiederaufbaufonds beraten. dpa/André Klohn; red/brg