Michael End»New York wäre das i-Tüfelchen«

25hours-Geschäftsführer Michael End ©Stephan Lemke

25hours-Geschäftsführer Michael End spricht im Top hotel-Exklusivinterview über die gemeinsamen Projekte mit Accorhotels, die Gratwanderung zwischen Development und Individualität, zwischen »Home Run« und Globalisierung – und über die große Bedeutung von Vertrauen bei einer weltweiten Expansionsstrategie.

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Top hotel: Herr End, Sie sind ja ein Mann der ersten Stunde bei 25hours, 2006 schon kurz nach der Gründung an Bord gekommen. Hätten Sie diesen Erfolg erwartet?
Michael End: Überhaupt nicht. Ich stand damals an einer Weggabelung. Nach meinem Stipendium für ein Hotelmanagementstudium am César Ritz College in der Schweiz wurde mir eine Position im Ritz Carlton Berlin angeboten. Also bin ich nach Berlin gefahren und habe mich dort vorgestellt. Aber irgendwie hat es nicht zu 100 Prozent ›Klick‹ gemacht bei mir. Aus meiner Ausbildungszeit im Grand Elysée in Hamburg kannte ich ja das 25hours Number One. Ein cooles, junges Unternehmen, ich hatte gehört, die machen viele Partys, das war irgendwie aufregend für die Hotellerie. Ich habe dann den Mitgründer Christoph Hoffmann angeschrieben und stand plötzlich vor der Entscheidung zwischen zwei Welten: hier die Luxushotellerie, da ein Start-up mit 49 Zimmern und einer outgesourcten Gastronomie. In meinem jugendlichen Elan habe ich mich dann für Letzteres entschieden.

Top hotel: Und damit die Weichen gestellt.
Michael End: Unterbewusst schon. Wir wussten überhaupt nicht, wohin die Reise geht. Heute weiß ich, dass es das Richtige für meine Karriere war. Und ich denke, für das Ritz Carlton war’s auch besser so.

Top hotel: Was, denken Sie, sind die Schlüsselfaktoren dieses grandiosen Erfolgs?
Michael End: Da wäre erstens das unkonventionelle Produkt, das wir immer wieder neu entwickeln. Das ist sicher der wichtigste Faktor für die Gäste, wenn sie sich zwischen irgendeinem Hotel und einem 25hours Hotel entscheiden. Wir stechen heraus. Allein schon durch die Tatsache, dass wir einerseits eine kleine Gruppe sind, aber andererseits das Produkt jedes Mal von Grund auf neu erfinden und relativ wenige Dinge von A nach B kopieren. Damit befriedigen wir auch eine gewisse Abenteuerlust der Gäste.

Top hotel: Und was noch?
Michael End: Das zweite ist natürlich, dass in den letzten Jahren die Gastronomie zu einem zentralen Bestandteil geworden ist. Dass wir Orte schaffen, die nicht nur schön aussehen, sondern wo wir auch eine lebendige Atmosphäre kreieren. Wo ich als Reisender reinkomme und sofort das Gefühl habe, hier sind auch ein paar Einheimische, hier kann ich mich unters Volk mischen, netzwerken, gutes Essen genießen, gute Getränke, gute Musik. Es riecht gut, es gibt frische Luft, schönes Licht – also wo ich weiß, ich verbringe eine erinnerungswürdige Zeit. Das ist ein ganz entscheidender Faktor. Und das alles funktioniert natürlich nur, weil wir Mitarbeiter haben, die das verstehen und den Gästen vermitteln können. Deswegen würde ich sagen: Produkt plus Mitarbeiter gleich Erlebnis ist die Formel, die uns erfolgreich gemacht hat.

Top hotel: Was sind Ihre persönlichen Highlights aus den vergangenen zwölf Jahren?
Michael End: Für mich ist eigentlich jedes Hotel, das neu dazu kommt, ein Aha-Erlebnis. Wir haben alle ein bis zwei Jahre ein neues Hotel, sind also sehr organisch gewachsen. Das ist dann immer ein bisschen wie das nächste Kind. Zu sehen, wie sich die Statik oder auch Kultur des Unternehmens mit jedem dieser Kinder ein Stück weit verändert.

Top hotel: Können Sie diese Entwicklung ein bisschen beschreiben?
Michael End: Ich fing im allerersten Betrieb an, dem Goldman 25hours in Frankfurt, heute 25hours The Goldmann, und kümmerte mich dort um alles, was zu tun war. Ein großer Meilenstein war mit Sicherheit 2010. Da haben wir beschlossen, ein Head Office zu gründen und die Firma zentraler zu strukturieren. Und diese Aufgabe ist damals mir zugewiesen worden. Ich bin sozusagen aus den Hoteloperations in die Strategie gewechselt und habe mich da hineinentwickelt. Wir haben die Reservierungen zentralisiert, das Revenue Management zentralisiert. Und dann den Verkauf. Nach und nach wuchs die Struktur, und es kam Abteilung um Abteilung hinzu.

Top hotel: Und 2016 dann Accorhotels.
Michael End: Der Einstieg von Accorhotels vor gut eineinhalb Jahren war definitiv der zweite große Meilenstein. Das wird die Dynamik noch einmal verändern, die mit der Eröffnung des 25hours Hotel Bikini Berlin begonnen hat. Damit haben wir 2014 plötzlich eine Aufmerksamkeit bekommen, eine Resonanz und auch ein Volumen, das uns vollkommen unbekannt war. Und das war auch das erste Mal, dass wir wirklich als Gastronomen wahrgenommen wurden. Das hat mit Sicherheit die Marke auf die internationale Landkarte gebracht. Ich denke, das war auch der emotionale Durchbruch für uns: zu merken, was wir alles bewerkstelligen können. Das war ein großer Hebel für uns.

Top hotel: Was kann Accor Ihnen geben, und umgekehrt, können Sie auch Accor etwas geben?
Michael End: Das hoffe ich doch sehr, dass wir uns gegenseitig befruchten. Und das passiert natürlich auch. Accor hilft uns zu wachsen. Das ist ein großer und wichtiger Punkt. Und Accor ist bei uns eingestiegen, weil wir etwas tun, das sie im Rahmen eines großen Konzerns selbst nicht hätten kreieren können. Das Ziel ist jetzt, das Ganze zu skalieren und aus 25hours Hotels ein globales Unternehmen und eine globale Marke zu machen. Wohlwissend, dass man uns dabei auch ein Stück weit in Ruhe lassen muss. Dass wir unsere Operations und unsere Markenführung so unabhängig wie möglich machen können, nach unseren Maßstäben, das ist jetzt die große Herausforderung.

Top hotel: Und, lässt man Ihnen diese Ruhe?
Michael End: Operativ sind wir weiterhin eigenständig. Wir versuchen natürlich die ersten Synergien aufzubauen, im Vertrieb, auch im Einkauf. Aber im Grunde ist weder ein Mitarbeiter von Accor in unsere Führungsmannschaft eingetreten, noch gibt es eine regelmäßige tagesaktuelle Interaktion im operativen Geschäft. Wir sprechen miteinander, vor allem in Bezug auf die gemeinsame Expansion. Wir haben in Dubai für das erste gemeinsame Projekt verantwortlich gezeichnet. Und sind jetzt gerade in Melbourne und Sao Paulo in Verhandlung und guter Dinge, dass zumindest eines von beiden klappt.

Wie Michael End die Konkurrenz zu anderen Accor-Marken sieht und wie die Expansionsstrategie von 25hours aussieht, lesen Sie im gesamten Interview in unserer aktuellen Top hotel-Ausgabe von September.

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