Mi Chalet in SüdtirolKleinod für zwei

Das 130 Quadratmeter große Haus ist geprägt von natürlichen, regionaltypischen Materialien, wie Dolomitgestein, Lärchen- und Fichtenholz. (Bild: Dolomit Homes & Hotel)

Karl Heinz Castlunger ist als Hotelier zugleich Architekt, Bauherr und Verfechter des sanften Tourismus. Mi Chalet ist sein neuestes Werk – ein Kleinod für zwei Personen, das sich diskret in die Landschaft einfügt.

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Begonnen hat alles mit einer Tischlerei und einer kleiner Pension mit fünf Gästezimmern in La Villa. Hier wuchs Karl Heinz Castlunger im Haus seiner Eltern auf. Dabei begegnete er nicht nur den vielen Reisenden, die die unter UNESCO-Welterbeschutz stehenden Dolomiten besuchten, sondern beschäftigte sich insbesondere intensiv mit dem Material Holz. Der natürliche Baustoff und die Verbundenheit zur Natur begannen sein Leben endgültig einzunehmen, als er nach dem Architekturstudium und seiner Doktorarbeit über die regionaltypische ladinische Architektur wieder nach La Villa zurückkam, um als Architekt und Hotelier tätig zu werden.

Sein erstes realisiertes Gebäude war 1997 das Apartmenthaus La Sajun mit insgesamt sieben Wohnungen. Danach folgten neben seinem Architekturbüro L’Atelier schließlich ein weiteres Apartmenthaus, ein Restaurant, der Umbau des Elternhauses zum Dolomit Boutique Hotel sowie das Chalet Mi Amur. Alle Objekte befinden sich in einem kleinen Umkreis und werden heute von Karl Heinz Castlunger und seiner Schwester unter dem Namen Dolomit Homes & Hotel – Creating Memories betrieben.

Sorgsam ins Umfeld integriert

Außer ihrem Standort haben die Häuser eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind im Vergleich zu vielen anderen Hotels und Apartmenthäusern der Gegend bewusst als kleinmaßstäbliche Gebäude angelegt, die so strukturiert sind, dass sie bei Bedarf jederzeit in normale Wohnhäuser umgewandelt werden könnten. Dank ihrer vergleichsweise kleinen Baukörper fügen sie sich gut in die dörfliche Struktur von La Villa ein. „Wir wollen uns in die Umwelt integrieren und sie nicht ersetzen“, sagt Karl Heinz Castlunger. Und das bezieht sich sowohl auf die Führung der Häuser durch die fest im Ort verankerte Familie als auch auf deren Größe, Architektur und Innenraumgestaltung.

Die Interiors plant in der Regel Castlungers Frau Antjesusann, die vor allem auf natürliche, regionaltypische Materialien setzt. Hinzu kommt das Ziel, die Häuser möglichst nachhaltig zu betreiben und deren negative Umweltauswirkungen durch effizient und maßvoll genutzte Materialien, Energieressourcen und Grundstücksflächen zu minimieren. Sonnenkollektoren und eine eigene Holzschnitzelheizanlage sind daher ebenso selbstverständlich wie umweltverträgliche Reinigungsmittel oder ein Elektroauto, mit dem sich die Mitarbeiter leicht zwischen den Häusern hin und her bewegen können.

Mi Chalet – ein Haus als Dach

Mit dem Mi Chalet vergrößerte sich das Angebot der Familie im letzten Jahr um eine weitere Dependance. Das zweigeschossige Haus für zwei Personen befindet sich genau zwischen dem Dolomit Boutique Hotel und dem Apartmenthaus La Sajun auf einer stark nach Südwesten abfallenden Wiese. Besonders hervorstechend ist dabei zunächst die Gebäudehülle. Im Wesentlichen besteht sie aus einem tonnenförmig bis zum Boden reichenden Dach aus Lärchenholzschindeln, dessen Stirnseiten mit Kupferblech bekleidet sind. Außenwände im herkömmlichen Sinn sind nicht zu sehen, wenn man den Weg zum Haus hinaufschreitet, dafür aber große Glasflächen, die Einblicke in den großen, rund vier Meter hohen Wohnraum und den darunterliegenden Schlafraum erlauben. Der Hauseingang befindet sich seitlich unter dem mit schwarzen Holzfaserplatten bekleideten Erker des Essplatzes, der wie eine vor der Witterung schützende Schublade aus dem oberen Teil des Baukörpers herausgezogen scheint.

Luxus für zwei Personen

Vom Eingangsflur im Erdgeschoss geht es auf der einen Seite direkt ins 25 Quadratmeter große Schlafzimmer mit begehbarem Kleiderschrank sowie in ein großzügiges Bad mit Badewanne, Dusche und Infrarotkabine. Auf der anderen Seite führt eine sanft geschwungene Treppe hoch in den 56 Quadratmeter großen Wohnraum mit Küche, besagtem Essplatz und offenem Kamin. Dort angekommen, fällt der Blick der Gäste als Erstes unwillkürlich auf das großartige Panorama – das rund einen Hektar große Gartengrundstück liegt ihnen ebenso zu Füßen wie die imposante Bergwelt der Südtiroler Dolomiten. Spätestens an diesem Punkt wird unmissverständlich klar, dass das 130 Quadratmeter große, halb in den Hang eingegrabene Mi Chalet keine gewöhnliche Ferienwohnung ist, sondern eine Luxus-Herberge, in der zwei Gäste für 600 Euro pro Nacht ihren Traumurlaub in den Bergen verbringen können.

Zu diesem Luxus gehört unter anderem die Möglichkeit, gegen Aufpreis für den gesamten Aufenthalt einen privaten Koch, einen Fahrer oder einen Masseur zu buchen. Darüber hinaus kann das Frühstück zu jeder Tageszeit an einen frei wählbaren Ort bestellt werden – beispielsweise zum freistehenden Holz-Glas-Pavillon im Garten oder an den gemeinsam mit dem Apartmenthaus La Sajun genutzten Pool.

Natürliche Materialien

Der Wohnraum wird geprägt von viel Holz, ruhigen Farben und der schlichten Eleganz der Möbel und auch vom tonnenförmigen Dach. Diese Form vermittelt Geborgenheit und Wärme, weil Boden- und Wandbelag aus Fichtenholz fließend ineinander übergehen. Für ein angenehmes Gefühl sorgt zudem die Tatsache, dass bei diesem Haus auch fast alle anderen Oberflächen aus natürlichen Materialien bestehen: Kupfer für die seitliche Dachbekleidung, Blei für die sehr schlanken Fensterrahmen, Dolomitgestein für die Stützmauer und die Gebäuderückwand sowie ein Gemisch aus Kohle, schwarzer Farbe, Lehm und Stroh für die Außenwand des Essplatzes und die Fensterlaibung zur Terrasse. Dieses Gemisch reguliert auf natürliche Weise die Luftfeuchtigkeit des Raums und optimiert dadurch das Raumklima.

Klimahaus – energieeffizient bauen

Zu den Zielen von Karl Heinz Castlunger zählte von Anfang an die Zertifizierung von Mi Chalet als Klimahaus – ein Bewertungssystem der Autonomen Provinz Bozen für energieeffizientes Bauen. Mit dem erreichten Klimahaus-Standard A verfügt das Gebäude über einen berechneten Heiz­energiebedarf von weniger als 30 kWh/(m²a) sowie über niedrige CO2-Emissionen. Hierfür konzipierte der Architekt ein Gebäude in Holzbauweise, bei dem nur die heimischen Holzarten Lärche und Fichte verwendet wurden. Hinzu kommt eine kompakte Gebäudehülle mit einer 22 Zentimeter starken Wärmedämmung aus Holzfasern.

Die Fassade öffnet sich hauptsächlich nach Südwesten, was dank der dreifach verglasten Fenster erhebliche winterliche Wärmegewinne ermöglicht, während das nach Süden überstehende Dach im Sommer vor Überhitzung schützt. Beheizt wird das Haus hauptsächlich mithilfe einer Fußbodenheizung, die von der familieneigenen Holzschnitzelheizanlage mit Energie versorgt wird. Dieses System aktiviert die Gebäudemassen durch niedrige Heiztemperaturen und erzeugt dadurch deutlich geringere Wärmeverluste als herkömmliche Heizkörper.

Sanfter Tourismus

Von Frühjahr bis Herbst bevölkern frei laufende Alpakas den Garten rund um das Mi Chalet – den schneereichen Winter müssen sie im Stall verbringen. Die zutraulichen Tiere sorgen für einen Schuss Exotik und geben einmal im Jahr Wolle. Zugleich dienen sie als eine Art ökologischer Rasenmäher für das ohnehin nur schwer zugängliche Hanggrundstück. Dieses kleine Detail steht wie viele andere versinnbildlichend für einen sanften Tourismus, der auf Qualität statt auf Masse setzt und bei dem der persönliche Kontakt zwischen Hotelier und Gästen ebenso gepflegt wird wie die Landschaft. „Unser größter Traum ist es, eine Architektur zu schaffen, die sich so in der Landschaft einfügt, als sei sie schon immer da gewesen“, sagt Castlunger, der in einem seiner Häuser gleichsam mitten unter den Gästen lebt und arbeitet. Mit dem perfekt in den Hang und das Dorfbild eingebetteten Mi Chalet scheint dies gelungen. Roland Pawlitschko

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