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Start Technik & Betrieb Design & Inspiration Matteo-Thun-Bettenhaus in den Waldkliniken Eisenberg: Genesen wie im Sternehotel

Matteo-Thun-Bettenhaus in den Waldkliniken EisenbergGenesen wie im Sternehotel

Die Waldkliniken Eisenberg sind ein kommunales Krankenhaus im Thüringer Wald, das mit seiner hohen Aufenthaltsqualität neue Maßstäbe setzt. Zimmer mit Wintergarten aus der Feder von Stararchitekt Matteo Thun und einen Concierge gibt es dort ebenso wie eine Lobby mit Kaffeebar und ein gepflegtes Restaurant, in dem auch externe Gäste willkommen sind.

Eisenberg ist eine kleine Stadt zwischen Jena und Leipzig, die neben einer ruhigen Altstadt und einer sehenswerten barocken Schlosskirche nur wenig Außergewöhnliches bietet. Doch das wird sich ändern, sobald die Waldkliniken Eisenberg Ende Oktober 2020 ihr neues Bettenhaus eröffnet haben. Die Waldkliniken liegen am südlichen Ortsrand und wurden unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs in einfachen Holzbaracken als „Staatliches Waldkrankenhaus für Orthopädie“ gegründet – mit dem Ziel, hier in ruhiger Umgebung Kriegsversehrte zu behandeln. Im Lauf der Jahre entwickelte sich daraus ein kommunales Krankenhaus und das Deutsche Zentrum für Orthopädie, das zugleich als akademisches Lehrkrankenhaus der Friedrich-Schiller-Universität Jena dient.

Hohe Qualitätsstandards bescheren den Waldkliniken seit einiger Zeit immer wieder Auszeichnungen und Preise, beispielsweise wurden sie vom F.A.Z.-Institut in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge zum besten Krankenhaus Deutschlands in der Kategorie zwischen 150 und 300 Betten gewählt. Vor einigen Jahren beschloss die Klinik den Bau eines neuen Bettenhauses und beauftragte nach einem Architektenwettbewerb den italienischen Architekten Matteo Thun und das auf Gesundheits- und Forschungsbauten spezialisierte Architekturbüro HDR mit der Planung.

Am natursteinbekleideten Tresen der Rezeption werden die Patienten wie Hotelgäste empfangen. (Bild: HG Esch)

Hospitality im Krankenhaus

Gemeinsames Ziel aller Beteiligten war nichts Geringeres als ein völlig neues Krankenhauskonzept, bei dem Hospitality eine Schlüsselrolle einnimmt. Hinter diesem Begriff für Gastfreundschaft „verbirgt sich nicht nur das griechische Wort ‚Hospis‘ für Gast, sondern auch das Wort ‚Hospital‘ – also Krankenhaus“, heißt es in der Internetpräsenz der Waldkliniken. Kern­idee für den Neubau war es, ein Krankenhaus zu bauen, in dem die Bedürfnisse der Patienten, die hier auch Gäste heißen, nicht nur auf dem Papier im Mittelpunkt stehen. Mit öffentlichen (Förder-)Mitteln entstand schließlich ein für Patienten aller Kassen offenes „Patientenhotel“, das eine erstklassige medizinische Versorgung und zugleich die Aufenthaltsqualität eines Sternehotels bietet – nur 13 der insgesamt 246 Betten sind dabei Privatpatienten vorbehalten. In gewisser Weise treten die Waldkliniken mit diesem Konzept die Flucht nach vorn an, um sich auf dem Markt behaupten und die Standortnachteile einer strukturschwachen Region kompensieren zu können. Nicht zuletzt soll es damit auch gelingen, sowohl für die Patienten als auch für das Fach- und Pflegepersonal attraktiv zu bleiben.

Lounge statt Plattenbau

Anstatt wie zuvor in einem unansehnlichen alten Plattenbau am anderen Ende des Campus befindet sich der Haupteingang der Waldkliniken nun im neuen Bettenhaus, das auf den ersten Blick überhaupt nicht an ein Krankenhaus erinnert. Prägend für den runden Neubau mit 67 Metern Durchmesser sind vor allem die Holzfassade mit großflächiger Verglasung sowie die Gliederung in drei übereinanderliegende Streifen: Im Erdgeschoss befinden sich – erkennbar auch an der Außenbestuhlung zum Vorplatz – die öffentlichen Bereiche, während die vier Obergeschosse die Patientenzimmer beherbergen. Noch im Windfang, bevor sie den Empfang erreichen, wird den Patienten und Besuchern klar, was es mit der Hospitality-Idee auf sich hat. Durch eine riesige Glasscheibe ist eine Lobby mit Kaffeebar zu sehen, deren Eichenparkettboden, Holz-Einbaumöbel, Polstersessel, gediegene Farben und offener Kamin eher Assozia­tionen an ein Luxushotel als an ein Krankenhaus wecken.

Die großen Wintergärten der Patientenzimmer erinnern eher an ein Wohnhaus als an ein Krankenhaus. (Bild: HG Esch)

Genuss als Teil des Therapieplans

Im Empfangsbereich sorgen helle Bodenfliesen, sandfarbene Wände, eine Sitznische und ein Holztresen mit großflächiger Natursteinbekleidung für eine angenehme Atmosphäre. Gäste, die etwas zu früh angereist sind, werden unwillkürlich noch vor dem Gang zur zentralen medizinischen Aufnahme erst einmal in die Lobby gehen; oder zum benachbarten Bistro, in dem sie gemeinsam mit den Mitarbeitern warme Speisen essen können, die in einer offenen Showküche zubereitet werden. Von hier aus zu sehen, jedoch ausschließlich Patienten vorbehalten ist das Patientenrestaurant „Piazza“ in einem Pavillon im begrünten Innenhof. Gestalterisch prägend sind dort vor allem die Holzfußböden, -möbel und -fenster sowie eine Lärchenholz-Dachkonstruktion, die für angenehme Raumakustik sorgt.

Das Restaurant steht nicht nur den Patienten und Angehörigen des Wahlleistungsbereichs, sondern auch externen Gästen offen. (Bild: HG Esch)

Wie das Bistro bietet auch das Restaurant Speisen aus regionalen Zutaten, deren Rezepte in Zusammenarbeit mit der Köchin Sarah Wiener entstanden sind. Gleichzeitig ist es Teil des Therapieplans, insbesondere für Patienten der orthopädischen Abteilung. Statt im Zimmer zu essen, sollen sie durch den Weg dorthin zu mehr Bewegung animiert werden.
Alle neuen Patienten begeben sich nach ihrer Aufnahme und bis zur geplanten Operation am darauffolgenden Tag in den Boarding-Bereich im Erdgeschoss. Dort bleiben die Neuankömmlinge in entspannter Ruhe unter sich, statt sich sofort den Geschichten und Besuchern der bereits Operierten auszusetzen. Nach erfolgtem Eingriff werden sie in ihr Zimmer im Obergeschoss gebracht – ein kleiner Rollwagen und ein Wäschesack, der sich als Ganzes im Kleiderschrank aufhängen lässt, sorgen dafür, dass die persönlichen Gegenstände problemlos mitumziehen.

Eigene Raumzonen für Patienten

Jeweils zwei im Grundriss Z-förmige Zweibettzimmer gruppieren sich in gespiegelter Form um einen zum Zimmer größtenteils und zum Außenraum komplett raumhoch verglasten Wintergarten. Anstelle der konventionellen Parallelaufstellung sind die beiden Betten innerhalb der einzelnen Zimmer schräg gegenüber angeordnet. Diese Konfiguration entsteht durch die versetzte Anordnung der beiden Bäder und des Wintergartens und lässt für die Patienten jeweils eigene Raumzonen entstehen, die bei Bedarf mit einem Vorhang abgetrennt werden können. Aus diesem Grundriss ergeben sich Spielräume, die bislang kaum ein Krankenhaus vorweisen kann: Alle vier Patienten einer Einheit können direkt ins Freie blicken und genießen Privatsphäre. Sie können auch den gemeinsamen Wintergarten zum Kartenspielen, Kaffeetrinken oder Sonnenbaden nutzen. Die beiden mittigen, um 180 Grad öffenbaren Fensterflügel sowie die Fenster und die Rahmenkonstruktion aus Fichtenholz lassen sie dabei immer wieder vergessen, dass sie sich in einem Krankenhaus befinden.

Testlauf im Modellversuch

Wesentlich für die Raumatmosphäre in den Patientenzimmern sind nicht zuletzt die angenehm zurückhaltenden Farben. Eine Besonderheit bilden dabei die Wände. Sie wurden mit Vinyltapeten versehen, die dank ihres textilen Erscheinungsbildes sehr wertig wirken und dennoch gleichzeitig sehr belastbar und leicht zu reinigen sind. Diese Tapeten wurden im Rahmen eines langwierigen Bemusterungsprozesses ausgewählt, der in einem eigens auf dem Campus gebauten 1:1-Modellbereich stattfand. Dort wurden nicht nur Materialien, sondern zusammen mit dem Krankenhauspersonal auch Abläufe getestet. Insofern war der Modellbereich weit mehr als nur ein Testraum, er diente vielmehr dazu, die in den Waldkliniken arbeitenden Menschen abzuholen und zum integralen Teil des neuen Krankenhauskonzepts zu machen.

Im Wahlleistungsbereich sind die im Grundriss Z-förmigen Zweibettzimmer – wie hier zu sehen – auch als Einzelzimmer verfügbar. (Bild: HG Esch)

Teil dieses Konzepts ist die „Unit-Struktur“, bei der sich die Pflegefachkräfte um jeweils acht bis zehn Patienten kümmern. Abgeschlossene Dienstzimmer für das Pflegepersonal gibt es auf den Stationen zwar nicht, dafür aber offene Stützpunkte, die mit ihren großen Monitoren und den gepolsterten (und elektrisch ergonomisch einstellbaren) Sitzmöbeln an eine Gaming-Ecke in einer hippen Jugendherberge erinnern. Hier sind die Pflegefachkräfte jederzeit sichtbar und ansprechbar für die Anliegen von Patienten und Besuchern.

Nachhaltige Zukunftssicherung

Insgesamt zehn Z-förmige Patientenzimmer (sieben Einzelzimmer und drei Doppelzimmer) befinden sich im sogenannten Wahlleistungsbereich im vierten Obergeschoss, der sowohl Kassen- als auch Privatpatienten und Selbstzahlern offensteht. Die Zimmer unterscheiden sich nicht grundsätzlich von den anderen, sind aber an einem leicht veränderten Farb- und Materialkonzept zu erkennen – manche sind mit bequemen Loungemöbeln ausgestattet, um einzeln belegt werden zu können. Die bei Bedarf koppelbaren Zimmer sollen die Waldkliniken Eisenberg auch für internationale Gäste attraktiv machen. Im Fokus des Interesses stehen insbesondere jüdische Gäste, die dem guten Ruf des Deutschen Zentrums für Orthopädie folgen und denen auf diesem Fachgebiet auch international nur wenige geeignete Krankenhäuser zur Verfügung stehen. Und so wurde im Haus nicht nur ein jüdischer Gebetsraum eingerichtet, sondern auch eine koschere Küche, deren Gerichte im eleganten Restaurant „Matteo“ im vierten Obergeschoss serviert werden. Das Angebot richtet sich explizit auch an externe Gäste, die hier nach Voranmeldung mit Blick auf den Thüringer Wald speisen können.

Die Idee, die Gäste ins Zentrum aller Planungen zu stellen, beschert den Patienten ein besonderes Krankenhauserlebnis und trägt dazu bei, die Zukunftsfähigkeit der Waldkliniken Eisenberg zu sichern. Ganz im Sinne dieser nachhaltigen Denkweise wurde auch die Haustechnik geplant: mit einer hybriden Stahlbeton-Holzkonstruktion, mit LED-Leuchten, einem hohen Anteil an klimaneutralem Holz als Material für Fenster, Türen und Böden sowie einem Eisspeicher, der die emissionsfreie Heizung und Kühlung der Betondecken ermöglicht. Doch damit nicht genug: Demnächst beginnen die Bauarbeiten für den zweiten Erweiterungsbau aus der Feder des gleichen Architektenteams. Entstehen soll eine Rehaklinik, die sich als mäandrierendes Gebäude klar vom runden Bettenbau abheben wird.

Roland Pawlitschko

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