Seit 1992 fühlt Tophotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche auf den Zahn. Bis Anfang vergangenen Jahres standen dabei ausschließlich Hotels der Luxuskategorie im Fokus der Tester. Nun hat Tophotel seine Mystery Checks auf das Business- bzw. Wellness-Segment ausgedehnt. Dieses Mal im Test: das Roomers in Frankfurt
Internetauftritt/Onlinebuchung
Dass man beim Frankfurter Roomers versucht ist, von einer »Location« statt von einem Hotel zu sprechen, ist sicher im Sinne der Eigentümer. Ein Hotel, das »cool« ist, muss ja auch nicht unbedingt »kühl« sein. Also bleibt man auf der Internetseite gleich bei der Sprache aller Trends, dem Englischen. Vergebens irre ich durch das World Wide Web auf der Suche nach einer deutschen Version der Roomers-Homepage. Der Online-Auftritt unter www.roomers.eu ist vorwiegend in englischer Sprache gehalten. Das mag zwar dem »Style« des Hauses entsprechen, entbehrt jedoch nicht einer gewissen Arroganz und macht dem User, der sich schnell informieren will, wenig Freude, selbst wenn er gut und flüssig Englisch spricht. Außerdem ist die Startseite genauso dunkel wie später das Roomers selbst und dadurch unübersichtlich sowie teilweise schlecht lesbar. Man spürt: Es geht deutlich mehr um Schein als um Sein, mehr um Wirkung als um Information. Zimmerpreise erfährt der potenzielle Gast beispielsweise erst, wenn er online bucht; für Tagungsgäste gibt es nur ein mageres PDF zum Herunterladen. Und dass von einem externen Dienstleister Kosmetik- und Massageanwendungen angeboten werden, ist auf der Homepage überhaupt nicht vermerkt. Immerhin: Die Speise- und Weinkarten sind sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch einsehbar.
Die Onlinebuchung läuft über die Reservierungszentrale der Design Hotels und muss in jedem Fall per Kreditkarte garantiert werden. Eine Reservierungsbestätigung wird unmittelbar angezeigt und erfolgt zusätzlich noch einmal per E-Mail.
Wertung: befriedigend
DO. 02/06, 12:55
Telefonische Reservierung
Auch als »Location« bleibt das Roomers ein Hotel, für das gewisse Standards gelten müssen, beginnend beim Reservierungsgespräch. Dass sich die Reservierungsmitarbeiterin am Telefon fröhlich-unkonventionell mit »Das Roomers – S... – Hallo!« meldet, ist ja noch sympathisch; nicht aber, dass sie während des Reservierungsgesprächs viele Grundregeln außer Acht lässt. So bietet mir die junge Dame beispielsweise zum gewünschten Zeitpunkt lediglich ein Superior-Zimmer für 220 Euro ohne Frühstück an – ohne Alternative. Amüsanterweise fügt sie hinzu: »Die Superior-Zimmer sind unsere Standardzimmer.« Dem Verantwortlichen, der beim Benennen der Kategorien Ausdrücke wie »Standard« zu vermeiden suchte, müssen da doch die Haare zu Berge stehen. Erst auf meine Nachfrage bestätigt S., dass durchaus noch teurere Zimmer zur Verfügung stünden, die zudem ruhiger liegen. Ebenfalls nachfragen muss ich, was die sonstigen Offerten des Hotels angeht – obwohl ich mich gleich zu Beginn als interessierter »Erstlingsgast« geoutet hatte. Nur so erfahre ich, dass es ein Restaurant, eine Bar sowie einen Fitness- und Wellnessbereich gibt und Treatments auf dem Zimmer angeboten werden. Die Vorabbuchung einer Zusatzleistung (Massage, Tischreservierung) bietet mir S. jedoch nicht an. Für die Zimmerreservierung reicht ihr mein Name und eine Handynummer; eine E-Mail-Bestätigung muss ich erbitten. Sie erfolgt noch am selben Tag und ist sehr informativ.
Wertung: befriedigend
Lage / Anfahrt / Parken
Vom Frankfurter Gutleutviertel aus, in dem sich das Roomers befindet, ist es nur einen Katzensprung zur Innenstadt, zum Bankenzentrum, zur Messe und zum Bahnhof. Zum Flughafen braucht man eine Viertelstunde. Wer mit dem eigenen Auto anreist und zu den Glücklichen gehört, die vom Parkservice des Roomers wissen, gibt seinen Wagen vor dem Eingang ab und zahlt für das Abstellen in der hoteleigenen Tiefgarage 19 Euro pro Nacht. Vor Ort kenntlich gemacht oder angepriesen wird dieses Angebot nicht; Gleiches gilt für die Bestätigung bei der Onlinebuchung. Wer allerdings ob dieser Unkenntnis am Hotel vorbeifährt und irrtümlich im benachbarten Parkhaus parkt, hat dadurch keinen wirklichen Schaden: Die Parkgebühren sind hier in etwa gleich. Kostenlose Stellplätze gibt es ebenso wenig wie einen kostenlosen Shuttle von und zum Bahnhof oder Flughafen.
Wertung: gut
MO. 06/06; Anreise
Ganz bewusst spielt das Roomers mit seinem Image. Das zeigt sich schon beim Namen, der sich aus den englischen Wörtern »Room« (Zimmer) und »Rumours« (Gerüchte) zusammensetzt. Dunkel, geheimnisvoll, ein bisschen verrucht – so präsentiert man sich gern und in vielerlei Hinsicht. Auch, was den Eingang des Hotels angeht: Weder Fahnen noch Leuchtreklame oder klassisch gestalteter Hoteleingang weisen daraufhin, dass sich hinter der edel-modernen Fassade ein Hotel verbirgt. Stattdessen: ein schlicht gepflasterter, kleiner Vorplatz, auf dem immer mindestens eine Luxuslimousine steht, die im Zweifelsfall einem der Eigentümer gehört; und ein mächtig hohes, dunkles Portal, das eher abweisend als einladend wirkt und ein geheimnisvoll anmutendes, wie ein Amulett gestaltetes Logo trägt. Darüber prangt – reduziert und in dezenten, hinterleuchteten Lettern – das Wort »Roomers«. Dass Passanten hinter diesem Portal einen exklusiven Club vermuten oder sogar »Schlimmeres«, ist durchaus beabsichtigt. »Spread the Roomers« ist nur ein Slogan des Hauses, der genauso mit »Mach das Hotel bekannt« übersetzt werden kann wie mit »Streue die Gerüchte«.
Alles sieht tipptopp aus, als ich anreise. Allerdings steht kein Doorman bereit und es gibt – wie schon gesagt – keinen Hinweis auf den Parkservice, sodass ich zu denen gehöre, die im benachbarten Parkhaus parken. Da der Doorman auch dann noch nicht zurück ist, als ich mit meinem Gepäck zum Eingang komme, muss ich selbst mühsam die Tür öffnen – eine Automatiktür wäre natürlich »less stylish« – und meinen Koffer zur Rezeption tragen.
Wertung: gut
12:40; Check-in
Die Lobby des Roomers durchquert man nicht, man durchschreitet sie. Fotos dieses mystisch dunklen Entrees, der sich darin aufplus-ternden, silbrig-samtigen Sessel in Schwanenform, des aluminiumspiegelnden Tresens und der extravaganten Beleuchtungskörper waren nach der Eröffnung 2009 in allen einschlägigen Architektur-, Design- und Hotelfachzeitschriften zu sehen. Solch nobles Ambiente flößt Ehrfurcht ein – und am besten auch Demut, wie ich wenig später am Rezeptionstresen feststellen muss. Ich kann nämlich nicht einfach so einchecken. Da ich als Begleitperson anreise und mein Partner noch nicht eingecheckt hat, verlangt man von mir, dass ich eine Kreditkarte vorlege oder mich zumindest ausweise. Beides lehne ich ab, woraufhin die gestrenge, sehr kühl ( und nicht cool) wirkende Rezeptionistin I. kurz und bündig erklärt: Dann könne ich eben nicht einchecken. Der Hinweis, dass mein/e Partner/in doch eine Kreditkartennummer hinterlassen habe und bei Anreise die Formalitäten erledigen könne, fruchtet nicht – I. bleibt hart.
So weit, so gut, Sicherheit ist wichtig. Ich rufe deshalb meine/n Partner/in an und reiche das Telefon an I. weiter, damit diese aus berufenem Munde vernimmt, dass ich im Doppelzimmer mitgebucht bin und dieses beziehen darf. Auch die Kreditkartennummer wird noch einmal durchgegeben und von I. bestätigt. Dann allerdings schießt die Dame über jegliches Ziel hinaus und den Vogel ab, fordert sie meine/n Partner/in doch auf, mich, also die Begleitung, zu beschreiben. Bei aller Liebe: Ein solches Verhalten ist für den Gast entwürdigend und nicht zu rechtfertigen. Diesen Fauxpas macht auch das Glas Sekt zur Begrüßung nicht wett, das mir Praktikantin G. reicht. Der hübschen Deutsch-Italienerin scheint das alles sehr unangenehm. Zu Recht. Das restliche Check-in-Prozedere verläuft fehlerfrei, sodass aus dem »indiskutabel« noch ein »befriedigend« wird.
Wertung: befriedigend
Zimmer 207
Zimmer 207 ist ein zur Rückseite des Hotels gelegenes Zimmer der Kategorie »Select«, das ohne Frühstück 250 Euro kostet – unabhängig von der Anzahl seiner Bewohner. Das Frühstück schlägt noch einmal mit 29 Euro pro Person zu Buche. In dem 32 Quadratmeter großen Raum selbst trennt eine frei stehende, schwarz umrahmte und dunkel verspiegelte Wand Waschtisch und Dusche vom Schlafbereich. Überhaupt bestimmt Schwarz das gesamte Interior Design – vom schwarzen Parkett im Zimmer und dem schwarzen Schieferboden im Bad über den schwarz lackierten Schreibtisch bis hin zu den schwarzen Nachttischen und dem schwarzen Bettüberwurf aus Kunstfell. Es kommen zwar noch andere Farben zum Einsatz – etwa Aubergine an den Wänden oder Grau und Braun bei den Vorhängen – doch sind diese aufgrund der schummrigen Beleuchtung kaum auseinanderzuhalten. »Farbkleckse« bilden allein die weiße Bettwäsche und das Bettoberhaupt, dessen abgesteppte Satinquader silbrig schimmern. Die Lichtschalter, besser gesagt »Panels«, an der Tür und den Nachttischen ermöglichen mehrere Beleuchtungsszenarien, die jeweils noch gedimmt werden können. Wie, muss ich allerdings allein herausfinden, da mich niemand aufs Zimmer begleitet und mir derart knifflige Details erklärt hat. Selbst wenn man den höchsten Grad der Erleuchtung erreicht hat, ist man noch immer versucht zu fragen: »Und wo geht nun das Licht an?« Was leicht dazu führen kann, dass man selbst an einem hellen Frühsommertag im schwarzen Roomers-Zimmer den Blues bekommt.
Im Ernst: Für depressive Gemüter sind die Zimmer des Roomers nichts; Nachteulen und Liebhaber extravaganten Designs werden sich dafür umso wohler fühlen, scheint die Einrichtung doch unter dem Motto »Stylish, stylish, stylish« zu stehen. Das gilt für den in die Spiegelwand eingebauten, zur Wanne hin drehbaren Flatscreen ebenso wie für die vielen Designernamen, die auf allen möglichen Accessoires prangen, und das WC in der separaten Toilette, das wie eine Kreuzung aus Ei und Ufo anmutet.
Ein solches Zimmer muss der Albtraum eines jeden Zimmermädchens sein, denke ich, als nach kurzer Benutzung die Glasplatte des Schreibtischs mit Fingerabdrücken übersät ist. Außerdem ziehen die schwarz polierten Flächen immer Staub an. Doch bleiben wir fair: Man kann hier arbeiten und es ist genug Platz, wenn man »Playboy«, »GQ« und andere einschlägige Magazine zur Seite räumt. Das Licht reicht ebenfalls aus und es gibt zwei Steckdosen sowie kostenloses WLAN. Für Musik aus dem iPod steht eine schicke – pardon: stylishe – Dockingstation bereit. Und wenn man alle schweren Vorhänge und dunklen Stores zur Seite zieht, hat man sogar Tageslicht.
Das »Gäste A-Z« – in Englisch – fällt allerdings sehr dürftig aus und enthält beispielsweise zum Internetzugang gar keine Informationen. Dafür wird darauf hingewiesen, dass es an der Rezeption Kondome zu kaufen gibt. Der Infokanal verbreitet nur schöne Bilder und dazu englische Zweideutigkeiten wie »Dark enough to cover whatever is going to happen during the night«. Rumours eben. Ein TV-Programm liegt nicht aus, ich kann mir aber, wenn auch etwas mühsam, über den Fernseher direkt Informationen zum Programm einholen. Die Karte des Etagenservices listet neben Austern, Hummersalat und einem »Wagyu Kobe Beef Burger« für 29 Euro auch einen »Croque Monsieur« zu zehn Euro. Als wenig komfortabel erweist sich der ein Meter schmale Kleiderschrank, in dem auch noch die Minibar und ein Safe in Laptopgröße untergebracht sind. Fünf Kleiderbügel dürften zudem weder dem Businessgast noch dem hippen Partygänger reichen. Positiv hingegen ist die massive Kleiderstange über der Kofferbank zum Aufhängen von Kleidersäcken und Mänteln. Garderobenbügel gibt es keine.
Die Minibar ist ansprechend bestückt, laut Liste fehlt allerdings ein »bi-Lolly«, was auch immer das sein mag. Ein Bier ist vor zwei Monaten abgelaufen, 0,5 Liter Wasser sind kostenlos. Was definitiv fehlt beim Standard des Hauses und den gehobenen Zimmerpreisen, ist eine kompakte, kleine Kaffeemaschine.
Die Lautstärke der Klimaanlage ist umgekehrt proportional hoch zu deren Leistung. Dabei kann ich noch nicht einmal die gewünschte Temperatur einstellen, sondern muss den Regler soweit herunter drehen wie möglich, also etwa auf zehn Grad, damit die Anlage kühlt. So jedenfalls die Instruktion einer Hausdame.
Insgesamt präsentiert sich das Zimmer 207 bei meiner Anreise recht sorgfältig gereinigt: Nur auf dem Parkettboden liegen einige Krümel und die Stores haben Flecken sowie ein Loch. Schwerer wiegt allerdings, dass der Check des Bettes einen stark verfleckten Matratzenschoner zum Vorschein bringt, auf dem sich einige dunkle Haare kringeln.
Wertung: gut
Badezimmer
Grundsätzlich bietet das Bad hohen Komfort und ist gut aufgeteilt: ein großzügiger Waschtisch und eine ebenfalls großzügige, begehbare Dusche hinter dem Raumteiler, das WC separat in einer kleinen Kabine mit Schiebetür. Der erste Blick auf das extravagante Design, die dunklen Farben und die ausgefallenen Details müssen auch kritischen Gästen zunächst Bewunderung abringen. Noch mehr als im Zimmer fällt im Bad allerdings auf, dass ein wichtiger Leitsatz anspruchsvoller Designkultur hier kaum zum Tragen kommt: Form follows function. Im Einzelnen stellt sich das so dar: Der dunkle Spiegel sieht zwar edel aus, ist aber zum Rasieren oder Schminken gänzlich ungeeignet, zumal es Licht nur von oben gibt. Das runde, schwarze Waschbecken und die Glasplatte des Waschtischs sind bereits nach einmaliger Benutzung komplett unansehnlich. Der Kosmetikspiegel kostet 150 Euro, wie mir eine handgeschriebene Info mitteilt. Sie soll mich wohl davon abhalten, den Spiegel mit nach Hause zu nehmen. Denn ebendieser ist ein loses Handmodell und daher schnell eingesteckt. Die Sockelleisten am Boden rechts und links der Dusche sind unschön aufgequollen, weil die Designer-Duschtür nicht richtig schließt. Außerdem hält der Umstellhahn der Dusche nicht richtig, weshalb ich von der Designerbrause an der Decke durchnässt werde – ob ich will oder nicht. Zudem: Auch ein Designerduschkopf verkalkt, wenn er nicht regelmäßig mit entsprechenden Mitteln behandelt wird.
Schön sind die großzügige Ablagefläche auf dem Waschtisch und die hübsche Sitzbank vor der Trennwand. Die hochwertigen Guest Supplies stammen von L’Occitane. Die Bademäntel zeichnen sich ebenfalls durch ordentliche Qualität aus; dazu gibt es hübsche, schwarze Badeschlappen in Flip-Flop-Form, wenngleich auch nur in Männergröße. An den superdünnen Handtüchern hingegen hat man gespart und in der separaten Toilette trügt einmal mehr der schöne Schein schicken Designs: Handtuch-, Toilettenpapier- und Ersatzrollenhalter hängen samt und sonders lose und wackelig an der Wand.
Wertung: gut
Housekeeping
Die freundliche und adrett gekleidete Mitarbeiterin des Housekeepings, die mir eine Zahnbürste bringt, bedauert: Als Alternative zu den weichen Standardkopfkissen gibt es nur Allergikerkopfkissen; ein härteres Nackenkissen kann sie mir nicht anbieten. Bezüglich eines Bügelservices, so steht es auf der knapp gehaltenen »Laundry List«, möge ich mich »an die Guest Relation« wenden. Die Rezeption schickt mir daraufhin ein junges Mädchen in sportlicher Kleidung, das meine zu bügelnde Hose abholt. Bereits eine Stunde später bei unserer Rückkehr ins Zimmer hängt die Anzugshose auf einem Drahtbügel an der Kleiderstange. Sie ist allerdings miserabel »zerbügelt«, noch zerknitterter als vorher und weist an einem Bein eine zweite Bügelfalte auf. Wenigstens wurde dieser »Service« nicht berechnet. Wertung: mangelhaft Sicherheit Den gängigen Sicherheitsvorschriften wird im Roomers, soweit das während meines Besuches überprüfbar war, Genüge getan. Außer dem Notfallplan im Zimmer, der guten Fluchtwegebeleuchtung und freier Fluchtwege heißt das beispielsweise: Erst nachdem ich telefonisch mein Okay gegeben habe, wird einer Besucherin meine Zimmernummer genannt und sie zu mir geschickt.
Nicht prüfen konnte ich, wie es sich mit dem Sicherheitsverständnis des Housekeeping-Personals verhält, da bis zu meiner Abreise um elf Uhr kein Reinigungspersonal auf den Fluren anzutreffen war.
Wertung: sehr gut
Frontoffice
Bis auf das gänzlich überzogene Verhalten der Empfangsdame I. beim Check-in zeichnen sich die Frontoffice-Mitarbeiter durch eine sehr natürliche, lockere Freundlichkeit aus. Das fiel mir schon bei vorab geführten Telefonaten auf, in denen ich das eine oder andere wissen wollte, eine Massage buchte und einen Tisch reservierte. Auch der Weckruf durch Praktikantin G. ist perfekt: Mit einem deutlich hörbaren Lächeln in der Stimme begrüßt sie mich mit Namen, nennt die Uhrzeit und wünscht mir einen schönen Tag. Ihre Übermittlung einer Nachricht ist allerdings insofern nicht exakt, als sie die Bitte des Anrufers, ich möge dringend zurückrufen, dahingehend umformuliert, dass ich, wenn ich wolle, gern zurückrufen könne. Als befremdlich, wenn nicht gar ein bisschen affig empfinde ich, dass sich die Rezeptionisten auf Englisch melden, wenn ich vom Zimmer aus anrufe.
Einen kostenlos nutzbaren Internetzugang gibt es gegenüber der Rezeption. Wer allerdings etwas ausdrucken möchte, muss sich an das Frontoffice wenden.
Wertung: gut
Öffentliche Bereiche
Die öffentlichen Bereiche des Hotels geben praktisch keinen Anlass zur Beanstandung: Ein Hoch auf das Reinigungspersonal, das ob der zum Teil mehr als schummrigen Beleuchtung unter ebenso erschwerten Bedingungen arbeiten muss wie ich als Tester. Ins Auge fällt, dass es im Hotel praktisch keine Wegweiser gibt – weder der Weg zum Spa wird einem gewiesen noch der zu den Konferenzräumen, ins Restaurant oder zur Bar. Gut, Letztere sind im Erdgeschoss leicht zu finden, aber auch die Knöpfe der Aufzüge sind nicht beschriftet.
Wertung: sehr gut
19:40; Restaurant
Nicht nur meine telefonische Tischreservierung nahm man charmant und locker entgegen; vor Ort werden meine Begleitung und ich ebenso zuvorkommend begrüßt und anschließend an einen Tisch geführt, der in einem zeltartigen Vorbau des Restaurants steht. Dieser fungiert offen als eine Art Terrasse – auf der Roomers-Homepage ausnahmsweise italienisch »al fresco« genannt, kann aber auch komplett geschlossen werden. Obwohl es draußen frisch ist, sitzt man hier geschützt. Im Restaurant selbst – dunkel, edel, stylish, was sonst – ist es dank Klimaanlage deutlich kühler. Unseren Service übernimmt an diesem Abend A., ein junger Restaurantfachmann, der uns mit gleichbleibend strahlendem Lächeln fröhlich-kommunikativ durch den Abend geleitet. Das macht er auch fachlich gut: empfiehlt Aperitif und Wein, bringt umgehend Wasser, schenkt immer wieder nach und weiß auch die meisten der Fachbegriffe zu erklären, mit denen die Karte gespickt ist. Nur bei Panko, dem japanischen Paniermehl, das bei einem Gericht der Tagesempfehlung verwendet wird, muss A. in der Küche nachfragen. Apropos Tagesempfehlung: Diese hat eine deutlich längere Halbwertzeit als 24 Stunden; noch eine Woche nach unserem Besuch sind die unter dieser Überschrift geführten Gerichte im Internet gelistet.
Frisch eingekauft waren offenbar der Hummer, die Jakobsmuscheln, die Meeresfrüchte, die Pfifferlinge und der gute deutsche Stangenspargel. Die reguläre Küche wiederum holt sich ihre Inspirationen weltweit, verwendet dabei hervorragendes Fleisch bester Herkunft und liegt auf hohem Niveau – kulinarisch und preislich. Vorab wird zweierlei Brot serviert, das noch warm und duftend an den Tisch kommt und hervorragend mundet. Dazu gibt es bestes Olivenöl. Meine Tomatenvariation aus »Kalter Essenz, Panko-Pistazienspieß und Mini-Caprese« zu 19 Euro überzeugt mich nicht wirklich, dafür umso mehr die Tagesempfehlung »Steinbuttfilet & Hummer mit Trüffelrisotto, Eigelb und Blattspinat« zu 45 Euro. Meine Begleitung erfreut sich an klassischem »Boeuf Stroganoff« für 28 Euro. Zum Abschluss nehme ich »Rhabarberkompott mit Champagnermousse und Erdbeersorbet« – ein Dessert, das fein komponiert Süße und Säure verbindet, dessen Hauptkomponente – das Rhabarberkompott – aber in viel zu kleiner Menge den Teller benetzt.
Auf der Weinkarte stehen auf den ersten Seiten sage und schreibe 32 exklusive Champagnerofferten, gefolgt von einer Auswahl elf offener Weine, darunter vier deutsche Kreszenzen. Auch hier sind die Preise happig: Sie liegen zwischen 6 und 9,50 Euro, pro 0,1 Liter wohlgemerkt. A. empfiehlt uns einen Sauvignon Blanc aus dem Bordeaux, bei dem schon der Probeschluck köstlich schmeckt. Die 0,2 Liter werden von ihm dann freihändig und großzügig ins Glas geschenkt und kosten 14 Euro.
Etwas karg fällt die Tischdekoration aus: Besteck und Servietten liegen auf der blanken Tischplatte, es gibt keine Blumen, nur ein schlichtes Teelichtchen müht sich um Atmosphäre. Tische und Stühle sind kubisch gestaltet und schick anzuschauen, allerdings nur schwer zu bewegen.
Wertung: sehr gut
21:30 ; »Roomers Bar«
Schon um 21:30 Uhr ist die Bar des Roomers gut besucht; eine Mischung aus Schickimickis, jungem Szenevolk, betuchteren Normalos und Hotelgästen aller Art verteilt sich locker um den großen, ovalen Tresen und über die schummrigen Nischen. Noch legt der DJ Musik auf, zu der man sich gepflegt unterhalten kann, später, als die Bar richtig voll ist, versteht man kaum noch sein eigenes Wort. Keine Frage: Die »Roomers Bar« hat eine gute Atmosphäre – eine Bar darf und muss ja schließlich dunkel sein – und genau die richtige Größe. In Frankfurt gilt sie mittlerweile als Hotspot und soll auch sogenanntes »einschlägiges« Publikum anziehen. Wir sind offensichtlich zu früh dran, um das beurteilen zu können. Die beiden jungen Mitarbeiter hinter der Bar haben es jedenfalls drauf: Sie sehen nicht nur sehr gut aus, sondern machen auch ihren Job lässig, routiniert und mit genau der richtigen Menge an Showeffekt.
Es macht Spaß, Barchef Y. zuzuschauen, wie er das Mojitoglas in einer angestrahlten Eiswanne anfrieren lässt und dann mit einer Eismanschette serviert. Auch der Gag, die Margerita mit einem schwarzen Salzrand zu kredenzen, kommt gut.
Die umfangreiche Barkarte listet neben Raritäten auch etliche fantasievolle Eigenkreationen der Barkeeper und scheint keine Wünsche offen zu lassen. Trotzdem muss der Barchef bei meinem Wunsch nach einem schlichten Ramazzotti passen. Nüsschen gibt es in Aluminium-
dosen mit Schraubverschluss: Sie haben einen merkwürdigen Eigengeschmack und werden zu unregelmäßig überprüft bzw. aufgefüllt.
Obwohl gut zu tun ist, findet der Barmann Zeit, ein paar Worte mit uns zu wechseln, und auch den Pegelstand unserer Gläser hat er im Blick. Dem allein reisenden Businessgast garantiert ein Platz am Tresen eine unterhaltsame Zeit: Etwas zu sehen gibt es hier immer und die Drinks sind einfach klasse.
Wertung: sehr gut
DI. 07/06, 7:45 Frühstücksbuffet
Das Frühstücksbuffet im Roomers ist sehr gut sortiert, Speisen und Getränke werden optisch ansprechend präsentiert. Eine Reihe hoher Tische – abends mit Barhockern zum Essen genutzt – dient am Morgen, mit flachen Kühlwannen bestückt, als Hauptbuffet; weitere Speisen und Getränke stehen auf zwei Seitenbuffets. Birchermüsli und Quarkspeisen werden portioniert in kleinen Gläsern angeboten; an Getränken gibt es hochwertige Direktsäfte, Kombucha, zweierlei Mineralwasser und – Reminis- zenz an eine besonders betuchte Klientel oder Gag? – eisgekühlten Wodka. Dieser ist aber auch die einzige Ausnahme in Sachen Originalität: Für 29 Euro dürfte das Buffet ruhig ein bisschen ausgefallener daherkommen. Die Auswahl an Wurst, Schinken, Käse und Fisch ist allerdings exzellent und angemachte Salate werden ebenso offeriert wie saisonales Frischobst – entweder mundfertig wie verschiedene Beeren und die geschnittene Ananas oder als ganze Frucht.
Es gibt den Klassiker Tomate mit Mozzarella, Cocktailtomaten ohne Mozzarella, Miniradieschen, Gurken und Paprika. Die Brot- und Brötchenauswahl ist von durchschnittlicher Sortierung und Qualität – hier hätte ich nach dem Brot vom Vorabend mehr erwartet. Die kleinen Plunder- und Kuchenteilchen schmecken hingegen köstlich. Eine große Auswahl hochwertiger Markenkonfitüre ergänzt das süße Segment. Als regelrecht dürftig erweist sich der Inhalt des Chafing Dishes, der aus Würstchen, Würstchen und nochmals Würstchen besteht. Ich kann zwar Eierspeisen beim Service bestellen, finde aber keine Frühstückskarte, aus der ich wählen könnte. Für den Tee gibt es ebenfalls keine Karte, ebenso wenig eine entsprechende Station mit Samowar. Bestellen muss ich diesen wie den Kaffee beim Service. Was dem Buffet gänzlich fehlt, ist eine aussagekräftige Beschriftung der Speisen: Die dafür verwendeten Porzellanschildchen kommen nur sporadisch zum Einsatz und sind dazu noch schmuddelig beschrieben.
Vom Service werden wir nach Erhalt der Heißgetränke nicht mehr behelligt – er kommt weder zum Abräumen des schmutzigen Geschirrs noch, um uns ein zweites Getränk anzubieten. Dafür werden wir gleich dreimal nach unserer Zimmernummer gefragt, das allerdings immer sehr freundlich. Tageszeitungen, auch internationale, liegen am Restauranteingang.
Wertung: sehr gut
Sauna / Fitness
»By the way, what’s on the 6th floor?«, heißt es dazu im Hausprospekt – wer den unbeschrifteten Fahrstuhlknopf drückt, kommt sozusagen in den Himmel des Roomers. Untergebracht sind hier neben den Konferenzräumen und der Skylounge auch der Fitnessraum und das »3Deluxe Biorhythm Spa« – beide wie gewohnt dunkel gestaltet, aber aufgrund riesiger Glasfronten transparent und lichtdurchflutet. Wer in dem nicht großen, aber sehr gut ausgestatteten, tipptopp gepflegten Fitnessraum trainiert, kann der arbeitenden Bevölkerung im Bürogebäude gegenüber auf die Schreibtische schauen – und vice versa. Kleine Handtücher und Saunatücher, Desinfektionsmittel zum Reinigen der Geräte und eine Auswahl aktueller Zeitschriften liegen bzw. stehen in einer schicken Trennwand aus hölzernen Querlamellen bereit. Außerdem gibt es auf einer ebenfalls integrierten Anrichte eine wohlgefüllte Obstschale und Wasser – einmal im Spender und einmal in der Karaffe, angereichert mit frischen Minzeblättern.
Das Spa wiederum ist wie ein gläserner Kubus mit hölzernen Querlamellen, der wie auf das Dach gesetzt wirkt und in sich in hölzerne Kuben gegliedert ist. Vor Blicken von draußen schützen satinierte Motive auf den Scheiben, bei denen es sich – kaum zu glauben – um Gummibaumblätter handelt. Selbst der wellnesserfahrene Gast staunt, was er hier unter dem Begriff des »Biorhythm Spa« geboten bekommt: ledergepolsterte kubische Nischen zum Ruhen; kubische Nischen mit Massagebetten zum Entspannen. Eine Augenweide sind zudem, obwohl Sarkophagen nicht unähnlich, die mit warmen Glassteinchen gefüllten Holzwannen, in denen man sich fühlt wie in einer Erwachsenen-Version des Ikea-Bälleparadieses. Die gesamte Einrichtung ist auf jeden Fall sehr gepflegt und in Schuss sowie sehr edel und schick – ob wirklich nützlich, sei dahingestellt. Lediglich in der wellenförmig geformten Sauna ist das Farblicht an der Decke defekt – es blinkt dauernd grün. Blaulicht wäre schlimmer. Nicht im Spa finden – wie eingangs erwähnt – die Kosmetikanwendungen und Massagen statt. Stattdessen gibt es den In-Room-Spa-Service eines externen Dienstleisters, der das dafür nötige Equipment mit ins Haus bringt. Meine 60-minütige Massage für 90 Euro wird daher auf einer mobilen Massageliege, jedoch sehr professionell durchgeführt.
Auf die Frage, ob manche Kunden in solch privater Atmosphäre nicht ein »Happy Ending« wünschen, antwortet die ebenso hübsche wie schlagfertige Masseurin S. »Das kommt schon vor. Aber ich sage dann immer: ›Oh Sir, this is not allowed in Germany. This is prostitution. And you will be sent to prison for a long time.‹ Das hilft sofort und gibt ein gutes Trinkgeld.«
Wertung: sehr gut
10:30 ; Persönliche Bankettanfrage
Schon bei meiner Anreise hatte ich angekündigt, mir am nächsten Morgen die Tagungsräume anschauen zu wollen – und vorgegeben, ausgefallene Räume für ungefähr zehn ebenso ausgefallene Veranstaltungen zu suchen. Man könnte also bei mir »ein richtig gutes Geschäft wittern«. Als ich deswegen am nächsten Tag am Empfang vorspreche, wird jedoch keine der beiden Eventkoordinatorinnen angerufen, die das Roomers beschäftigt und die beide im Haus sind. Stattdessen zeigt mir Praktikantin G. die Räume: nett und bemüht wie stets, aber mit meinen Detailfragen verständlicherweise überfordert. Leider kommt sie auch nicht auf die Idee, sich während der Führung oder danach Notizen zu machen um diese zur Weiterbearbeitung an die Veranstaltungsabteilung weiterzuleiten.
Erst als ich zurück am Empfang um Unterlagen bitte (die erst ausgedruckt werden müssen), wird die Veranstaltungsabteilung angerufen. Und tatsächlich kommt kurz eine der beiden Damen zur Rezeption: allerdings nur, um mir die Hand zu schütteln, mir eine Visitenkarte zu überreichen, und mir zu sagen, ich könne mich jederzeit ver- trauensvoll an sie wenden. Vielen Dank!
Wertung: mangelhaft
Check-out
Etwas schleppend und wenig charmant verläuft der Check-out: Wir wollen noch vor dem Frühstück bezahlen und dazu muss dieses erst vom Restaurant aufgebucht werden – an der Rezeption geht das anscheinend nicht. Auf die Idee, sich während der Wartezeit zu erkundigen, wie uns der Aufenthalt gefallen habe, kommt I. nicht. Sie lächelt nur professionell kühl wie stets und listet kurz die einzelnen Positionen der Rechnung, die sich ingesamt auf 633,50 Euro beläuft. Nicht erfragt wird von I. der Minibarverzehr und auch, als wir drei Stunden später definitiv auschecken, ist ihr das noch nicht aufgefallen. Bedankt hat sich die Rezeptionistin nicht für unseren Besuch; dafür wünscht sie uns immerhin noch einen schönen Tag.
Wertung: befriedigend
Bilanz
»Hauptsache anders« könnte das Motto der Verantwortlichen geheißen haben, als sie das Roomers konzipierten. Für ihre ausgefallenen gas-tronomischen Projekte sind die Eigentümer schließlich bekannt. Und so ist das Roomers ein Hotel, das polarisiert. Es ist ganz sicher kein typisches Business-, dafür durch und durch ein Designhotel. Und Design ist nun einmal Geschmackssache. Der eine Gast bekommt in einem schwarzen Zimmer Depressionen, der andere fällt in Verzückung. Ultramoderne Technik in ultramodernem Styling ist die eine Seite. Wenn sie allerdings nur bedingt funktioniert oder man dafür eine Bedienungsanleitung braucht, die andere. Das Gesamtkonzept des Roomers ist schlüssig und zieht sich konsequent durch alle Abteilungen des Hotels. Und es richtet sich an eine klar definierte, lifestyle-orientierte Zielgruppe, die ausgefallene »Locations« sucht und bereit ist, dort viel Geld zu lassen. Max Mustermann wird sich im Roomers kaum wohlfühlen – aber auch der Rapper XY ist ja irgendwo ein Businessgast.
Ergebnis: 69%
Testurteil: gut
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.
Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!