Anzeige
Anzeige
Anzeige
Start Management Marktzahlen für 2020: Hotelinvestments brechen um fast 60 Prozent ein

Marktzahlen für 2020Hotelinvestments brechen um fast 60 Prozent ein

Die Unternehmen Colliers International sowie Cushman & Wakefield haben die Entwicklung des Hotelinvestmentmarktes 2020 analysiert und kommen auf ähnliche Ergebnisse: Das Transaktionsvolumen liegt demnach fast 60 Prozent unter dem Vorjahr. Die Analysten wagen zudem einen Ausblick auf 2021.

Nach Angaben von Colliers International wurden im Jahr 2020 Hotelimmobilien im Wert von knapp über zwei Milliarden Euro gehandelt. Cushman & Wakefield geben den Wert etwas genauer mit 2,1 Milliarden an. 2019 lag das Ergebnis laut den Analysten bei 4,8 Milliarden Euro, Investitionen in Hotelimmobilien in Deutschland sanken im Jahr 2020 somit um 57 Prozent.

Die Hälfte der Transaktionen von einer Milliarde Euro fand dabei im ersten Quartal statt, so die beiden Unternehmen. Danach ist der Hoteltransaktionsmarkt aufgrund der Covid-19-Pandemie nahezu zum Erliegen gekommen, erklären die Analysten von Colliers International. Die zaghafte Erholung im dritten Quartal habe sich nicht verstetigt.

Angespannte Lage bei Betreibern

„Die finanzielle Lage bei Hotelbetreibern ist sehr angespannt, und man ist auf finanzielle Hilfen angewiesen, welche jedoch nur zögerlich ankommen. Dennoch gibt es weiterhin gute Nachfrage für Core-Objekte, welche langfristige Investitionssicherheit bieten, und das Preisniveau ist hier relativ stabil“, sagt René Schappner, Head of Hotel bei Colliers International.

„Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende Januar hat bisher eine größere Insolvenzwelle verhindert, dennoch erwarten wir in 2021 vermehrt Geschäftsaufgaben, vor allem in der Privathotellerie“, erläutert Schappner weiter. Insbesondere im aktuellen Marktumfeld seien Umnutzungen wieder auf der Tagesordnung. „Vor allem beobachten wir Umnutzungen von Hotelobjekten in Büroflächen und Wohnen, aber auch Healthcare und Mixed-Use sind möglich.“

Mehrheitliches Volumen von deutschen Investoren verkauft

Gemessen am Transaktionsvolumen zeigten sich internationale Investoren 2020 mit nur knapp 18 Prozent sehr verhalten auf Verkäuferseite, so die Analysten von Colliers International. 82 Prozent des gehandelten Volumens wurde hingegen von deutschen Investoren veräußert. Das ist ein Anstieg um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Größere Aktivität von Entwicklern auf der Käuferseite

Mit einem Anteil von etwas über 23 Prozent waren Immobilien AGs laut den Beratern die aktivste Käufergruppe. Verglichen mit dem Stand zum Vorquartal ist das ein moderater Rückgang um fünf Prozent. Im Vorjahresvergleich ist es  eine Steigerung um acht Prozentpunkte.

Bemerkenswert sei die größere Aktivität von Entwicklern, so die Berater. Kauften diese im vorletzten Jahr nur für knapp ein Prozent des gesamten Transaktionsvolumens, waren es 2020 über zehn Prozent. Ein Grund dafür sei, dass Projektentwickler Objekte mit dem Ziel einer Umnutzung ankaufen und diese realisieren.

Projektentwickler sehr präsent auf Verkäuferseite

Im letzten Jahr verkauften Projektentwickler für über 1,6 Milliarden Euro Produkte, damit klettert ihr Anteil auf fast 36 Prozent und liegt leicht über dem Vorjahreswert. Private Investoren beziehungsweise Family Offices verkauften im abgelaufenen Jahr die zweitmeisten Objekte. Aufgrund niedriger Volumina kommen sie damit auf einen Marktanteil in Höhe von 14 Prozent.

Boarding Houses gewinnen Marktanteile

Boarding Houses konnten im Vergleich zum Vorjahr nicht nur ihren Anteil am gesamten Hoteltransaktionsvolumen um über fünf Prozent auf mehr als acht Prozent steigern, sondern auch in absoluten Zahlen auf 166 Millionen Euro zulegen. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung um 28 Prozent. „Boarding Houses sind mit 50 bis 60 Prozent Auslastung bisher gut durch die Krise gekommen. Aufgrund der relativen Krisenresistenz steigt die Beliebtheit dieser Hotelkategorie bei Investoren an“, so Schappner.

Aktivste Anleger bei den institutionellen Investoren

Das Gros der Investoren waren auf dem deutschen Hotelinvestmentmarkt 2020 deutsche Anleger mit einem Anteil von rund 75 Prozent des Transaktionsvolumens, erklärt Cushman & Wakefield. Französische waren mit 14 und Investoren aus der Schweiz mit sieben Prozent beteiligt. Der Rest entfiel auf Investoren aus den USA und Israel.

Die aktivste Anlegerklasse waren institutionelle Investoren, die für knapp die Hälfte des Transaktionsvolumen verantwortlich waren, gefolgt von Immobiliengesellschaften mit einem Markanteil von 27 Prozent. Weitere Anleger, die in Hotels investieren, waren vermögende Privatinvestoren oder Family Offices mit zwölf, Entwickler mit neun und Hotelbetreiber vier Prozent.

Welche Gründe für den Einbruch gibt es?

Einer der Hauptgründe für den starken Einbruch des Transaktionsvolumens sehen die Analysten von Cushman & Wakefield in einer generellen Zurückhaltung der Anleger, insbesondere der dominierenden institutionellen Investoren, die entweder ihre Investitionsaktivität vorerst auf Eis gelegt hatten oder sich sehr selektiv auf Core-Standorte und -Objekte konzentrierten. Eine zusätzliche Hürde habe die Finanzierung betroffen.

Keine Welle von Notverkäufen erwartet

Eine große Welle von Notverkäufen konnten wir im vergangen Jahr nicht erkennen, was insbesondere auf die zahlreichen Hilfsprogramme und die oft finanzstarken Eigentümer zurückzuführen war. Eine solche Welle erwarten wir auch nicht in 2021, da die Finanzierer wenig Interesse daran haben, am Ende die Immobilien bei sich auf die Bilanz zu nehmen und so um Kompromisse bemüht sind“, so Stefan Giesemann, Head of Hospitality Germany & Austria bei Cushman & Wakefield.

Das erste Quartal werde richtungsweisend dafür sein, wie sich der Markt entwickle und inwieweit es zu weiteren Übernahmen oder Verkäufen im Betreiberbereich kommt. Es gebe weiterhin genügend Kapital sowohl bei sehr opportunistischen Investoren auf der Suche nach Schnäppchen als auch bei „Ultra Core“ und institutionellen Investoren mit Fokus auf Top-Betreiber in 1A-Lagen. „Jedoch mangelt es an Produkt und Liquidität im Finanzierungsmarkt. Der Ausblick der Investoren ist weiterhin vorsichtig optimistisch, da Deutschland generell sehr gut für eine schnelle Erholung positioniert ist.“

Erneut schwieriges Jahr für die Hotellerie zu erwarten

Die Immobilienberater von Colliers International sehen das etwas anders. „Im Angesicht der anhaltenden Pandemie und den in Kraft bleibenden Infektionsschutzmaßnahmen zeichnet sich schon jetzt ein schwieriges Jahr 2021 für die Hotellerie ab“ teilt das Unternehmen mit. Besonders Konferenzhotels würden leiden, während Urlaubshotels außerhalb der Ballungszentren auf ein solides Geschäft im Sommer hoffen können.

„Auf Betreiberseite erwarten wir eine anhaltende Marktbereinigung. Dabei beobachten wir, dass Hotelketten, besonders im Budgetbereich, besser durch die Krise kommen. Betreiber von Hotels im unteren Preissegment halten an ihren Expansionsstrategien fest. Core-Objekte in guten Lagen bleiben ein attraktives Investment, gleiches gilt für Objekte mit Umnutzungspotenzial, auch hier bieten sich Chancen“, führt Schappner aus. „Eine Rückkehr des Marktes zum Vorkrisenniveau erwarten wir frühestens 2023.“

Newsletter-Registrierung

Topaktuell auf den Punkt gebracht!
Werktäglich berichtet der kostenlose Tophotel-Newsletter über aktuelle Ereignisse in der nationalen und internationalen Hotelwelt. Profitieren Sie von journalistisch hochwertiger Information und Inspiration für das tägliche Business.
ANMELDEN
Sie interessieren sich für Produktnews und technische Innovationen in der Hotellerie? Testen Sie auch unseren kostenfreien HOTEL+TECHNIK-Newsletter​
close-link