Die Hotelière formte das elterliche Hotel zur größten Gruppe der Sächsischen Schweiz. Im Interview spricht sie über unternehmerischen Mut, neue Wege und persönlichen Einsatz.
Mit Mut, Weitblick und einem Gespür für Wandel hat Margaux Paulin Steiger das Hotel ihrer Eltern in nur zehn Jahren zu den Steiger Hotels, die größte Viersternehotelgruppe der Sächsischen Schweiz, entwickelt. Nachhaltigkeit, Wandel und soziales Engagement sind die Leitmotive der jungen Unternehmerin. Sie blickt stets beherzt nach vorn und scheut sich nicht, auch unkonventionelle Ideen umzusetzen.
Tophotel: Frau Steiger, bereits mit 23 Jahren sind Sie in den Familienbetrieb eingestiegen. Wie kam es zu einer solch frühen Entscheidung?
Margaux Steiger: Durch den elterlichen Hotelbetrieb war früh klar, dass ich mich irgendwann entscheiden muss, ob ich in die Hotellerie einsteige. Bereits als Kind hatte ich viel Freude an der Arbeit im Hotel. Meine Eltern haben mich viel machen und entscheiden lassen. Als sich dann mit 23 Jahren die Möglichkeit ergab, einen eigenen Betrieb zu kaufen, war eigentlich nur die Frage: Machen oder lassen – und ich entscheide mich dann meistens fürs Machen. Also habe ich mit dem Apparthotel Bad Schandau mit 23 Jahren mein erstes Hotel gekauft, vollfinanziert von der Volksbank Pirna.
Was hat Ihnen den Mut gegeben, so früh so viel Verantwortung zu übernehmen?
Mir war immer klar, dass ich Unternehmerin werden und mein eigener Chef sein will. Durch den elterlichen Betrieb wusste ich, wie die Hotellerie läuft und wie unsere Region funktioniert – und so habe ich mich dann einfach getraut. Ich habe das Risiko eingeschätzt und gedacht, okay, ich bin noch jung, ich habe also viel Zeit, alles abzuzahlen, es wird schon irgendwie gehen.
„Mich nervt die formelle Hotellerie. Deshalb machen wir vieles anders.“
Rund elf Jahre später führen Sie fünf Hotels, das sechste steht kurz vor der Eröffnung. Was war Ihre bisher mutigste Entscheidung?
Das war die große Betriebserweiterung im Jahr 2022. Da haben wir im Kurort Rathen gleich zwei Betriebe übernommen und uns auf einen Schlag um 100 Zimmer vergrößert. Der Zeitplan war eng: Für den Betriebsübergang hatten wir nur zwei Monate Vorbereitung und von Schlüsselübergabe bis Neueröffnung nur drei Tage. Hinzu kam der Beginn des Ukraine-Kriegs. Plötzlich war alles unsicher, die Energieversorgung fragil. In diesem Moment habe ich mein unternehmerisches Risiko am stärksten wahrgenommen.
Wie sind Sie mit der Unsicherheit umgegangen?
Ich habe mir hier in den vergangenen zehn Jahren ein Netzwerk aufgebaut, das ich kontaktieren kann, wenn ich mal mit etwas unsicher bin. Bedenken wurden geäußert, doch es hat mir auch niemand wirklich abgeraten. Natürlich ist immer auch eine Portion Glück dabei, doch ich hatte das Gefühl, die Entscheidung mit Maß und Mitte getroffen zu haben – und auch mit Vorsicht und Abwägen. Weiterer Rückenwind kam von meinem „Senior Team Steiger“. So nenne ich die rund zehn Kollegen, die seit meinem Einstieg mit 23 Jahren den Weg mit mir gehen. Mit ihnen an der Seite habe ich stets das Gefühl, dass wir alles auf die Reihe kriegen, was kommt.
Mut beweisen Sie auch beim Wording auf Ihren Hotelwebseiten, das erfrischend anders ist …
Mich nervt die traditionelle, formelle Hotellerie. Mit vielen Hotels, die ich in meinen ersten Berufsjahren kennengelernt habe, konnte ich mich nicht identifizieren und wollte es daher anders machen. Die Gäste, die bei uns übernachten, sollen sich so fühlen, als würden sie zu uns nach Hause kommen. Mir ist ein fröhliches Klima wichtig, in unserem Team duzen sich alle. Es gilt sich so zu positionieren, wie man wahrgenommen werden möchte.
Was macht Ihr so Team außergewöhnlich?
Unsere Job-Rotation ist ein Punkt. Wir sind zwar sechs Hotels, aber wir sind nur ein Team. Das heißt, dass manche Mitarbeiter in ihrer Schicht das Hotel wechseln. Zum Beispiel unterstützt ein Mitarbeiter etwa drei Stunden den Frühstücksservice in dem einen Betrieb und fährt anschließend für die restlichen Arbeitsstunden in den anderen, wo das Mittagsgeschäft stark ist. Im Schnitt liegen die Häuser 20 bis 30 Minuten auseinander. Wir haben einen großen Fuhrpark, sodass unsere Mitarbeiter einen Dienstwagen nutzen können. Oder sie können auch Kostenerstattung beantragen, wenn sie ihren eigenen Pkw nehmen. Durch dieses System kennen sich alle im Team – wir haben 80 Mitarbeiter – und es gibt entsprechendes Verständnis für die Herausforderungen in den jeweiligen Betrieben. Auch ist unsere Organisationsstruktur auf diese Rotation abgestimmt. So ist beispielsweise die Theke in jedem Haus genau gleich strukturiert.
Über Margaux Steiger
Margaux Paulin Steiger (33) leitet in zweiter Generation die Steiger Hotels, die heute größte Hotelgruppe in der Sächsischen Schweiz mit sechs Viersternehotels, rund 600 Betten und 80 Mitarbeitenden. Gemeinsam mit ihrem Mann, Küchenmeister André Steiger, übernahm sie 2014 den Hotelbetrieb ihrer Eltern und baute ihn kontinuierlich zur regionalen Hotelgruppe aus. Ihre Karriere begann Steiger mit der Ausbildung zur Assistentin für Hotelmanagement an der SRH Hotel Akademie Dresden, parallel studierte sie BWL/Hotelmanagement (B.A.) an der SRH Fernhochschule Riedlingen.
Es folgten ein Masterstudium in Corporate Governance sowie Stationen bei Kempinski, Maritim und im Dukes Hotel London. 2023 war Steiger Finalistin beim „Next Gen Hotelier des Jahres Award“, 2024 folgte die Auszeichnung als „Unternehmerin des Jahres“ im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sie ist als Mitglied im Tourismusbeirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz aktiv und Mutter eines neunjährigen Sohnes.
Woher kommt diese „andere“ Herangehensweise?
Durch meine Erziehung. In unserer Familie galt schon immer, mit wenig Mitteln das meiste zu erreichen. Außerdem ist mir wichtig ist, dass keine Abteilung auf eine andere herabschaut. Und nicht zuletzt der Fachkräftemangel, sprich: Manchmal gilt es aus der Not auch eine Tugend zu machen.
Wie gehen sie mit den aktuellen Krisen und Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Bürokratie, (geo-)politische Entwicklungen etc. um?
Ich glaube, das ist eine mentale Sache. Ich habe schon im ersten Semester meines Betriebswirtschaftsstudiums gelernt, dass sich eine Organisation in einem Umfeld befindet und dass sich dieses Umfeld und die Rahmenbedingungen verändern können. Und ich sehe es als meine Aufgabe als Unternehmerin, mich auf diese geänderten Rahmenbedingungen einzustellen und zu reagieren. Daher halte ich auch nichts von den ganzen rückwärtsgerichteten Diskussionen, die in meinen Augen lange die politische Debatte bestimmt haben. Wenn wir immer mehr Zeit damit verbringen, zu diskutieren, dass früher alles besser war, halte ich das für einen großen Fehler.
Gibt es ein persönliches Mantra, das Sie durch die Krisen trägst?
Eher ein Familienmantra: „Von nichts kommt nichts“. Das hat uns bislang durch alle Unwägbarkeiten getragen. Darüber hinaus hinterfrage ich stets, ob ich in der jeweiligen Situation mein Bestes gegeben habe. Und wenn ich in dem Moment alles gegeben habe, was ich hätte geben können, dann bin ich auch fein mit dem Ergebnis.
Ihre Hotels sind Leuchttürme im regionalen Tourismus. 2024 wurden Sie als Unternehmerin des Jahres im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ausgezeichnet. Was treibt Sie an?
Ich war als junges Mädchen immer fasziniert von Leuten, die viel bewegt haben. Hinzu kommt der Wunsch, etwas zu schaffen, was dann auch für die kommende Generation Bestand hat. Zusätzlich möchte ich einen gesellschaftlichen Beitrag in meiner Region leisten und als gutes Unternehmen wahrgenommen werden, das Arbeitsplätze sichert und einen Hafen für seine Mitarbeiter darstellt.
Spielt Ihr Unternehmen eine Rolle für das Selbstbewusstsein und die Zukunftsperspektive einer Region wie der Sächsischen Schweiz?
Das würde ich durchaus unterschreiben. Ich gehöre zu den wenigen aus meinem Jahrgang, die nach dem Abitur in der Sächsischen Schweiz geblieben sind. Deswegen ist es mir wichtig, einen regionalen Beitrag zu leisten. Ich möchte mit unserer Gruppe zeigen, dass die Hotellerie ein Arbeitgeber der Zukunft sein kann, in dem sich Mitarbeitende selbst verwirklichen und ihre Ziele umsetzen können.
„Ich wünsche mir, dass Unternehmertum hierzulande wieder positiver konnotiert wird.“
Sie investieren in einer Region, die touristisch reizvoll, wirtschaftlich aber oft herausfordernd ist. Was braucht es, um als Unternehmerin in Ostdeutschland mutig und zukunftsorientiert zu handeln?
Ich glaube an die Region, touristisch betrachtet ist sie einzigartig in Deutschland. Ich glaube auch an den Deutschlandtourismus und daran, dass wieder mehr Urlaub im eigenen Land gemacht wird. Und ich glaube natürlich auch an unser Produkt und unseren Businessplan. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, diese Beträge zu investieren, gemeinsam mit den finanzierenden Banken, die ebenfalls daran glauben. Ohne Anstrengung und kaufmännische Führung geht es dabei aber natürlich nicht.
Erleben Sie auch Widerstände – und wenn ja, wie gehen Sie damit um?
Ja, durchaus. Diese reichen von bürokratischen Hürden über Investitionshemmnisse, genehmigungstechnische Sachen, Nationalparkgrenzen, Brandschutz bis hin zu Mentalitätsgrenzen. Wenn man neue Wege geht, wird das nicht immer sofort begrüßt, sondern man erlebt auch mal Widerstand. Doch ich habe gelernt, Widerstand nicht als Bremse zu betrachten, sondern eher als Zeichen, dass sich etwas bewegt. Es gilt dann viel zuzuhören und viel zu erläutern, um die Leute mitzunehmen. Und es braucht Offenheit von beiden Seiten. Als 1991er-Jahrgang habe ich die Ost-West-Trennung in der Realität nicht erlebt. Ich bin in der Bundesrepublik Deutschland aufgewachsen und deswegen versuche ich, die Ost-West-Diskussion gar nicht so an mich ranzulassen, weil die in meiner Lebensrealität nie so präsent war.
Sie tragen Personalverantwortung für mehr als 80 Mitarbeitende. Wie schaffen Sie ein Arbeitsumfeld, das Sicherheit und Freude vermittelt?
Indem ich klar Leistung einfordere. Das klingt erstmal seltsam. Doch ich bin davon überzeugt, dass ein starkes Team oder ein stabiles Umfeld immer dort entsteht, wo die Menschen wissen, woran sie sind, wo sie merken, dass sie gesehen und gebraucht werden, damit das große Ganze funktioniert. In unserer Hotelgruppe sprechen wir offen über Erwartungen wie auch Belastungen. Ich kommuniziere transparent die Herausforderungen, vor denen wir stehen. Unsere Gemeinschaft funktioniert nur mit vollem Einsatz, das ist mein Credo. Wer bei uns arbeitet, der kann viel erwarten. Er muss aber auch bereit sein, seinen Teil beizutragen.
Sie investieren konsequent in Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Was war die mutigste Veränderung, die Sie angestoßen haben?
Von außen betrachtet sind das sicherlich mehrere Entscheidungen: Dass wir nicht mehr telefonisch erreichbar sind, auf die tägliche Zimmerreinigung verzichten und Service-Roboter einsetzen. Das alles hat Wellen geschlagen, wobei ich persönlich keinen dieser Schritte besonders mutig fand.
Was hat es mit der telefonischen Erreichbarkeit auf sich?
Wer bei uns anruft, hört nur die Ansage, dass er online bei uns buchen kann. Diesem Schritt ging eine genaue Analyse voraus. Mehr als ein Jahr lang haben wir jeden einzelnen Anruf protokolliert: Was wollte der Anrufer? Wie lange hat das Gespräch gedauert? Das Ergebnis: 85 Prozent forderten lediglich ein schriftliches Angebot an, fast niemand buchte sofort. Angesichts dessen haben wir uns gefragt, wie groß der Schmerz wäre, wenn wir auf die Anruf-Option verzichten. Das Ergebnis: Es gibt zwar Irritationen bei Gästen, doch auf das Buchungsverhalten wirkte sich der Schritt nicht aus.
Was sind Ihre drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem digitalen Wandel Ihrer Hotels?
Erstens: Kaufe keine fertige Branchenlösung, denn die Digitalisierung muss zum Betrieb passen. Zweitens: Denke vom Gast aus, Stichwort Usability. Drittens: Entscheide immer datenbasiert. Und nicht zuletzt gilt: ausprobieren! Wenn etwas nicht funktioniert, dann anpassen oder abschaffen.
Wie sieht für Sie das Hotel der Zukunft aus – und welche Rolle spielt dabei der Mensch?
Das Hotel der Zukunft ist eines, in dem man sich verantwortungsvoll gegenüber der Umwelt verhält und in dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Gastfreundschaft lebt von der persönlichen Interaktion, deshalb sollten die Mitarbeiter mehr Zeit haben, um mit den Gästen zu interagieren und weniger Verwaltungsprozesse abarbeiten. Das absolute No-go beim Check-in ist für mich, wenn der Rezeptionist kurz „Hallo“ sagt und dann erstmal zehn Minuten lang auf einen Bildschirm starrt, ohne mit mir zu sprechen. Das Hotel der Zukunft ist für mich ein nachhaltiges Hotel, in dem es keine einzeln abgepackten Kosmetikprodukte, keine Einweg-Slipper, keine tägliche Zimmerreinigung mehr gibt. Wenn ein Hotel beim Frühstücksbuffet abgepackte Butter anbietet, dann bin ich raus. Es gibt es für mich keinen Grund, das zu machen. Das ist verantwortungslos gegenüber der Gesamtsituation.
Die Steiger Hotels
- Steiger Hotel Sebnitzer Hof (eröffnet 1995)
- Steiger Apparthotel Bad Schandau (2014)
- Steiger Parkhotel Hohnstein (2018)
- Steiger Hotel Rathener Hof (2022)
- Steiger Hotel Zeitgeist Rathen (2023)
- Steiger Hotel Landidyll in Hinterhermsdorf (2025; vor Eröffnung)
Was erwarten Sie von der neuen Regierung?
Ich erwarte mir Zuversicht. Ich hoffe, dass unsere neue Bundesregierung Impulse setzt, um das Land nach vorne zu bringen und dass das Diskutieren über Ewiggestriges aufhört. Ich war gerade in Indien. Nach meinen Erfahrungen und Erlebnissen sehe ich beispielsweise ein Lieferketten-Gesetz zum Schutz von Umwelt, Menschen- und Kinderrechten entlang globaler Lieferketten in einem ganz anderen Licht… Darüber hinaus bin ich natürlich voller Freude, dass wir die sieben Prozent Mehrwertsteuer zurückbekommen.
Was sind aktuell die drei drängendsten Branchenthemen, bei denen Sie sich mehr Wandel wünschen?
Bürokratieentlastung, Arbeitszeitflexibilisierung und die einheitliche Besteuerung von Essen. Bei letzterem sind wir jetzt auf einem guten Weg. Außerdem bin ich überzeugt, dass wir mit einer flexibleren Wochenarbeitszeit den Wünschen und Lebensrealitäten unserer Mitarbeitenden noch besser gerecht werden könnten. Und in Sachen Bürokratieabbau wünsche ich mir zugleich eine vernünftige Behördendigitalisierung, die mich auch real digital Behördengänge erledigen lässt.
Was fordern Sie von der Politik, damit mutiges Unternehmertum leichter fällt?
Von der Politik hätte ich nichts zu fordern, aber ich wünsche mir, dass Unternehmertum hierzulande wieder positiver konnotiert wird. Mich ärgert vor allem die Diskussion, dass alle zu viel arbeiten. In den Medien ist ständig die Rede von der Viertagewoche. Da frage ich mich nur: Wie wenig können alle noch arbeiten? Insofern bin ich froh, dass es mit Tijen Onaran oder Céline Flores Willers wieder mehr Unternehmerinnen-Persönlichkeiten gibt, die in der Öffentlichkeit sagen: Wir machen viel, wir machen auch gern viel und wir haben ein schönes Leben. Ich wünsche mir, dass wir einfach mal unsere Erfolge feiern und diese Beispiele ein bisschen mehr nach vorne stellen.
Sie sprechen offen darüber, dass Frauen in der Wirtschaft oft doppelt so viel leisten müssen. Wie erleben Sie das in Ihrer Branche?
In der Tat erlebe ich, dass sich Frauen leider noch immer mehr beweisen müssen als Männer. Ich denke aber auch, dass Frauen zu Frauen freundlicher sein und sich gegenseitig mehr unterstützen müssten. Dazu wünsche ich uns Frauen, dass wir sagen können: Ja, ich habe es geschafft, weil ich eine Granate bin – anstatt unsere Erfolge klein zu reden. In der Hotellerie ist es glücklicherweise so, dass Frauen schon länger Führungspositionen bekleiden und stark präsent sind. In unserem Betrieb gibt es ein zu 99 Prozent weibliches Führungsteam und nur einen einzigen Mann in der Senior-Ebene.
Sie selbst sind Unternehmerin, Speakerin, Mutter – wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
Ich habe das große Glück, in einem Mehrgenerationenhaushalt zu leben. Mit familiärer Unterstützung ist der Spagat machbar. In herausfordernden Zeiten gilt: planen und einfach machen. Ich bin überzeugt, wenn man etwas mit Spaß macht und in seinen Rollen aufgeht, dann fällt es einem auch leichter, alles miteinander in Einklang zu bringen.
Warum ist Ihnen auch Ihr Engagement in verschiedenen Gremien des Tourismusbeirats des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) wichtig?
Weil ich glaube, dass der Mittelstand mehr gehört werden muss und eine lautere Stimme in der Politik braucht. Im Rahmen der 2023 gestarteten „Nationalen Plattform Zukunft des Tourismus“ arbeite ich im Expertengremium „Arbeitskräftesicherung und -gewinnung“ mit. Ich sehe meine Rolle in diesem Beirat als Stimme der Praxis, die eben auch mal sagt, wenn Dinge nicht gut laufen. Ich mache mich dafür stark, Bürokratie abzubauen und die vielen guten Förderprogramme so zu gestalten, dass sie tatsächlich bei den mittelständischen Betrieben ankommen.
Merken Sie schon Ergebnisse beziehungsweise fühlen Sie sich jetzt besser repräsentiert?
Während der Gremienarbeit habe ich gelernt, dass die Mühlen in der Politik wesentlich langsamer mahlen, als ich das als Unternehmerin gewöhnt bin. In meinem Betrieb sehe ich heute einen Missstand und morgen habe ich ihn beseitigt. Nichtsdestotrotz halte ich große Stücke auf die Referentinnen und Referenten des BMWK, die wirklich sehr engagiert arbeiten und immer wieder Pilotprojekte anschieben. Dennoch fände ich es wichtig, noch mehr Unternehmer und Mittelständler an den Tisch zu holen. Bei der Nationalen Plattform „Zukunft des Tourismus“ kann jeder mitmachen, nur ist das noch viel zu unbekannt. Hoteliers, die eine tolle Idee haben, haben hier die Möglichkeit mit Unterstützung eines Branchenverbands eine eigene Initiative einzureichen. Das ist eine großartige Sache, die breite Mitbestimmung ermöglicht.
Was sind Ihre nächsten Ziele?
Im Mai steht die Eröffnung unseres sechsten Betriebs an, dem Steiger Hotel Landidyll in Hinterhermsdorf. Mittelfristig ist es unser großes Ziel, unsere Hotels regenerativ zu betreiben und digital erlebbar zu machen. Wir nutzen bereits Solarstrom und betreiben Blockheizkraftwerke, wollen unser Hotelgruppe aber künftig komplett CO2-frei aufstellen.
Auf Ihrer Homepage wünschen Sie Ihren Gästen „Kuchen, Champagner und Fröhlichkeit im Herzen“. Was wünschen Sie für die Hotelbranche?
Den Mut, mit alten Mustern zu brechen und mehr Verantwortung für die Umwelt. Auch eine Überarbeitung der Sterne-Klassifizierung, die Überkommenes als relevant einstuft. Die Hotellerie kann einen großen Schritt nach vorne machen, wenn wir ihn zusammen gehen.
Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 5/2025 erschienen.
