Anzeige
Anzeige
Anzeige
Start People & Brands Brands Managing Director Yoram Biton im Interview: "Stillstand ist bei den Leonardo Hotels...

Managing Director Yoram Biton im Interview"Stillstand ist bei den Leonardo Hotels keine Option"

Trotz Krise investieren die zur israelischen Fattal Hotel Group gehörenden Leonardo Hotels auch in Europa weiter. Wie und warum, erklärt Yoram Biton, Managing Director der Leonardo Hotels Central Europe, im exklusiven Tophotel-Interview.

Tophotel: Herr Biton, wie ist die aktuelle Stimmung bei den Leonardo Hotels?

Yoram Biton: Die Corona-Pandemie stellt die Hotellerie vor völlig neue Herausforderungen. Nie zuvor dagewesene Entscheidungen müssen auf Grundlagen getroffen werden, die sich aktuell täglich überschlagen. Jetzt kommt noch der Lockdown light dazu, welcher das Gastgewerbe komplett aus der Bahn wirft. Der Beschluss ist unverhältnismäßig und setzt uns immer weiter unter Druck. Der aktuelle Situationsbericht des RKI verdeutlicht, dass es keine nachweisliche Infektionsgefahr in den Hotels gibt, dank unserer umfassenden Maßnahmen und Einhaltung der Regularien für Sicherheit und Hygiene, in die wir hohe Summen investiert haben, die wir aktuell gar nicht wirklich aufbringen können. Wir halten diese strikt ein – für das Wohl unserer Gäste und Mitarbeiter.

In einer jügst veröffentlichten Mitteilung aus Ihrem Haus heißt es, Stillstand sei bei den Leonardo Hotels keine Option. Was genau ist damit gemeint?

Obwohl die Nachfrage und Neubuchungen in allen Segmenten komplett stagnieren, ist Stillstand keine Option für uns. Unser Handeln richten wir nach vorn. Unsere Hotels bleiben geöffnet. Wir setzen neue Unternehmensstrategien und Konzepte auf, um optimal nach der Krise aufgestellt zu sein – auch wenn es viel Krafteinsatz bedeutet. Ein wichtiges Ziel ist für uns ebenso, den Teamzusammenhalt zu bewahren – unsere Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut – auch in einer Krise. Wir sind aktuell ohnehin gefordert, unsere Prozesse immer wieder neu auf den Prüfstand zu stellen, Arbeits- und Entscheidungsprozesse neu auszurichten sowie natürlich auch die vielen aktuellen Regularien einzuhalten, die sich gefühlt tagtäglich ändern. Wir sind sehr froh, dass wir durch unser erfolgreiches Krisenmanagement und den Einsatz jeglicher Instrumente – und dazu gehört leider auch die Kurzarbeit sowie die Unterstützung unserer Partner – unsere Liquidität bisher sichern konnten. Unser Ziel ist weiterhin, keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen zu müssen – dafür kämpfen wir.

Wir arbeiten sehr hart und beständig an der Gestaltung unserer Zukunft – für unsere Mitarbeiter, Hotelgäste und Partner. So planen wir im neuen Jahr allein fünf neue Hotels, darunter in Warschau und Barcelona sowie Eschborn, Nürnberg und Augsburg – und halten auch an den Eröffnungen fest.

Welche Parameter braucht es für eine erfolgreiche Expansionsstrategie?

Expansion braucht klare Wachstumsstrategien. Wir haben im Unternehmen eine klare Aufgabenverteilung, damit das operative Geschäft trotz Corona-Herausforderungen neben den Expansionsplänen weiterlaufen kann. Wichtiger denn je ist die Sicherstellung der Liquidität. Wir verfolgen eine Expansionsstrategie, die breit angelegt ist und auf einen guten Mix von eigenen und gemanagten Häusern beruht.

Was bedeutet dies in Bezug auf Kauf- beziehungsweise Pachtmodelle?

Jede Krise bietet auch wieder neue Möglichkeiten und neue Strategien beziehungsweise Herangehensweisen. Wir sehen, dass alte Strukturen in der Vertragsgestaltung durchbrochen werden. Vor der Pandemie gab es überwiegend die ‘Kauf-‘ oder ‘feste Pacht-‘Option in Deutschland. Jetzt erfahren wir, dass die Investoren und Vermieter sich für variable und hybride Pachtverträge öffnen, ein gängiges und erfolgreiches Modell auf dem skandinavischen Markt. Eine sehr gute Option für eine weitere Entwicklung auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Diese führen wir dann als Hotels einer unserer vier Marken Leonardo Hotels, Leonardo Royal Hotels, Leonardo Boutique Hotels und NYX Hotels by Leonardo Hotels, die verschiedene Zielgruppen ansprechen (sh. unten, Anm. d. Red.).

Leonardo verfügt aber auch über viele der besonders krisengebeutelten Stadthotels. Wie gestaltet sich die Auslastung in diesen Häusern?

Wie die gesamte Branche haben auch wir mit niedrigen Auslastungszahlen in Kombination mit sehr geringen Raten zu kämpfen, die durch die Coronakrise beziehungsweise durch die täglich wirren Entscheidungen der Politik extrem beeinflusst werden. Natürlich schmerzt besonders hier die Absage jeglicher Messen und Events sowie der völlige Einbruch des Geschäftsreisebereichs und internationalen Tourismus – hierzu gibt es keinerlei Alternativen oder Ersatzgeschäft. Ein leerstehendes Hotelzimmer oder ein leerer Meetingraum ist nicht einfach entgangener Umsatz und kann nicht ‘nachgeholt’ werden.

Wie schaffen Sie es trotzdem, Umsatz zu generieren?

Von Umsatzgenerierung können wir in heutigen Zeiten leider nur träumen. Für uns ist jetzt das A und O, unsere Liquidität zu sichern, um zukunftsfähig zu bleiben.

Wie gestalten sich die Zahlen der Leonardo Hotels generell?

Wie in der gesamten Branche konnten wir im Juli bis September einen leichten Aufwärtstrend in der Belegung erkennen, die aber ab Oktober wieder abgeflaut und nun komplett zum Erliegen gekommen ist. Der Start des Beherbergungsverbots hat diesen Prozess noch beschleunigt. Unsere Ergebnisse basieren auf dem Ping-Pong der Politik mit ihren Entscheidungen. Daher fordern wir eine langfristig angelegte Strategie seitens der Regierung – wie ist der Plan nach den ganzen Lockdowns? Folgen weitere? Auch die Diskussion um die Übernachtungen zu Weihnachten für Privatreisende ist nicht nachvollziehbar und schürt noch mehr Unklarheit und Verwirrung.  Besonders fragen wir uns – was folgt nach den ganzen Pausen und der hoffentlich reduzierten Infektionszahlen? Wie sieht der Plan der Regierung für das 1. Quartal 2021 aus? Wir können aktuell nur reagieren und nicht planen. Dies liegt so gar nicht in unserem Unternehmens-Charakter. Wir wünschen uns, dass die Bedeutung der Branche, die so viele Arbeitsplätze bietet und sichert, gesehen wird und damit auch die Notwendigkeit für Planungssicherheit – vor allem für unsere Mitarbeiter.

Wird Leonardo die Ausrichtung wegen der Krise auf ländlichere Gebiete ausdehnen oder anderweitig anpassen?

Wir haben bereits jetzt, neben unseren zahlreichen A-Standorten, auch kleine Destinationen in unserem Portfolio. Ein umfangreiches, dynamisches Angebot – getragen durch unsere Mehrmarken-Strategie, auch an einem einzelnen Standort – hat sich erfolgreich etabliert – dies ist weiterhin unsere Strategie. Wir sind offen für alles – Geschäft findet nicht nur an A-Standorten und im Business-Bereich statt. Das Reiseverhalten hat sich in den vergangenen Monaten sehr verändert und so können wir uns ebenso vorstellen, neue Segmente mit neuen Konzepten für uns zu entwickeln und zu gewinnen, wie auch in die Resort- und Ferienhotellerie einzusteigen. In Israel sind wir in diesem Bereich bereits Marktführer.

Ist die Tatsache, dass Leonardo zur Fattal Hotel Group gehört, in der Krise ein Vorteil?

Die Fattal Hotel Group ist unser Mutterkonzern, der in Israel ihre Zentrale hat. Auch hier hat die Coronakrise das gesellschaftliche und geschäftliche Leben lahmgelegt, was sich natürlich auf alle Marken und Standorte ausgewirkt hat. Als europaweit agierende Hotelgruppe stehen wir vor sehr großen Herausforderungen, auch durch die unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Ländern. Unsere Business Units in Benelux und UK sowie Irland sind extrem hart getroffen und die weiteren Länder, für die wir in unserer Business Unit verantwortlich sind, wie Spanien, Italien, Ungarn, Polen, lassen uns ahnen, was auf uns, auch in Deutschland, zukommen könnte – wenn wir die Situation nicht besser in den Griff bekommen. Natürlich agieren alle Business Units als eine Einheit und wir unterstützen und stärken uns. Interview: Verena Usleber


Über die Leonardo Hotels

Leonardo Hotels Central Europe mit Hauptsitz in Berlin ist verantwortlich für das Hotelportfolio in den Märkten Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen, Tschechische Republik, Ungarn, Spanien sowie Italien. Die Markenfamilie besteht aus: Leonardo Hotels, Leonardo Royal Hotels, Leonardo Boutique Hotels und NYX Hotels by Leonardo Hotels. In zentralen Destinationen gelegen, stehen sie für hohe Qualitäts- und Servicestandards sowie stilvolles Interiordesign mit regionalem Flair.

Leonardo Hotels Central Europe ist Teil der Fattal Hotel Group, die 1998 von David Fattal gegründet wurde. Geprägt durch dynamisches Wachstum werden in Europa und Israel 222 Hotels mit 43.000 Zimmern in 106 Destinationen und 19 Ländern betrieben.


 

Newsletter-Registrierung

Topaktuell auf den Punkt gebracht!
Werktäglich berichtet der kostenlose Tophotel-Newsletter über aktuelle Ereignisse in der nationalen und internationalen Hotelwelt. Profitieren Sie von journalistisch hochwertiger Information und Inspiration für das tägliche Business.
ANMELDEN
Sie interessieren sich für Produktnews und technische Innovationen in der Hotellerie? Testen Sie auch unseren kostenfreien HOTEL+TECHNIK-Newsletter​
close-link